Die besten Wide Receiver im NFL Draft

Der NFL Combine liegt hinter den Draft Prospects. Abgesehen von den Pro Days können sie nicht mehr allzuviel an ihrer Bewertung ändern. Ich habe auf jeden Fall ein fast komplettes Bild von den Talenten erhalten und werdes in den nächsten Wochen die besten Spieler aller Positionsgruppen für Dich durchgehen.

Sucht dein Team im kommenden Draft einen oder gleich mehrere Receiver, darfst Du dich freuen. Die Klasse hat nicht nur verdammt gute Spieler in der Spitze, sondern enthält ein Potential in der Tiefe, dass mir in den letzten fünf Jahren nicht untergekommen ist. Es gibt große Red Zone Ziele, agile Route Runner, vertikale Speedster und Yards after Catch-Monster. Alles was die Fan-Seele begehrt.

Manche Top Prospects habe ich im Laufe der College Saison schon näher beleuchtet. Du findest hier die Profile zu CeeDee Lamb und Jerry Jeudy und kannst den Links zu Laviska Shenault und Tee Higgins folgen. Dazu gehe ich jetzt konkret auf drei weitere Wide Receiver ein und erkläre, weshalb ich manchen Spieler höher oder tiefer als andere Experten ranke.

Henry Ruggs III, Alabama

Der Junior spielte alle drei Jahre weitestgehend als Starter auf der Receiver Position. Mit gerade einmal 21 Jahren zählt Henry Ruggs III zu den heißesten Kandidaten im nächsten Draft. Er ist 1,80 Meter groß und 85 Kilogramm schwer. Außergewöhnliche Resultate beim Combine erzielte er im 40 Yard Dash (4,27 Sekunden) und im Hochsprung (42 Inches). Doch schon im Tape wurde seine hohe Spielgeschwindigkeit und Athletik sichtbar. Neben seinen durchschnittlichen 17,5 Yards pro Catch ist Ruggs ein Ass in Special Teams und kann als Kickoff Returner aufgestellt werden.

Stärken

Henry Ruggs gehört nach dem Draft zu den schnellsten Receivern in der NFL. Ähnlich wie Tyreek Hill wird er seinem Team eine gehörige Portion Explosivität stiften. Nicht nur auf vertikalen Routen ist der hohe Top Speed von Vorteil. Der natürliche Receiver besitzt dazu sichere Fanghände.

Man möchte meinen, dass Ruggs lediglich über linearen Speed verfügt. Dabei ist seine Geschwindigkeitsaufnahme, nachdem er seine Route gebrochen hat, nur schwer zu verteidigen. Ebenso tanzt er konstant gegnerische Press Cornerbacks an der Line of Scrimmage aus.

Henry Ruggs III’s college football highlights | Alabama WR | 2020 NFL Draft

In kritischen Situationen ist Ruggs ein wahres Ass. Er hat eine hohe Sprungkraft und kann Pässe vom Körper weg fangen, damit Verteidiger sie nicht erreichen. Man sah das am College nur viel zu selten, weil er sich meistens weit genug vom Gegenspieler gelöst hatte.

Im Gegensatz zu kleineren Receivern kann Ruggs auch mal ein Tackle brechen um für Yards nach dem Catch zu sorgen. Sein Speed und seine Beschleunigung bleiben aber die besten Trümpfe, wenn es darum geht für explosive Big Plays zu sorgen. Und die wird er bringen.

Schwächen

Ruggs ist die Art Receiver, die mit einem starken Antritt und hoher Geschwindigkeit gewinnt. Sein Route Running ist weniger ausgearbeitet als bei anderen auf seiner Position. Er löst sich eher mit schierer Athletik von seinen Gegenspielern. Aufgrund physischer Limitierungen wird er, trotz seiner Bereitwilligkeit, nie ein sicherer Blocker. 

Bewertung

Henry Ruggs kann das Spiel seiner Offense von Grund auf umkrempeln. Er wird weniger Pässe zugespielt bekommen als andere, kann aber das Feld in die Länge ziehen, Räume schaffen und selbst für explosive Plays sorgen. Offensive Coordinator können mit dem NFL Starter kreativ werden. 

Brandon Aiyuk, Arizona State

Der Senior wechselte 2018 vom Sierra Community College an die Arizona State. Zum Draft-Termin wird Brandon Aiyuk 22 Jahre alt sein. Er ist 1,83 Meter groß und wiegt 93 Kilogramm. Den großen Durchbruch schaffte er erst in der abgelaufenen Saison. Da erzielte er als Receiver und Punt Returner neun Touchdowns und fing Pässe für 1.192 Yards. Der First Team All-Pac-12 machte im Durchschnitt 18,3 Yards pro Catch.

Stärken

Aiyuk ist wahnsinnig explosiv und beschleunigt stark nach seinen Route Breaks. Konstant findet er einen Weg sich vom Gegenspieler zu lösen. Cornerbacks verlieren dabei häufig den Kontakt zu ihm, wenn er die Richtung wechselt. Spritzige Bewegungen und ordentliche Kraft im Oberkörper helfen Aiyuk auch im Blocking. Seine Fähigkeiten sind dort ausgereift und er stellt sich bereitwillig in den Dienst seiner Mannschaft. Runningbacks können bei Ausbrüchen von seiner Arbeit profitieren.

Mehr Geschwindigkeit kann man von einem Receiver seiner Statur nicht verlangen. Auf vertikalen Routen läuft er sich allein damit frei. Dazu kommt im Route Running seine bereits erwähnte Beschleunigung. Er wird gegnerische Defenses zwingen, viel Zonenverteidigung gegen ihn zu spielen.

In vollem Lauf kann Aiyuk auf einem Bierdeckel abstoppen und explosiv in die andere Richtung weiterlaufen. Dank dieser Fähigkeit wird er zeitig gedraftet und in der NFL für Furore sorgen. Einfach beeindruckend was er präsentiert. Im Gegensatz zu anderen Receivern kann er schnell und spritzig sein. Sein Potenzial ist dank seiner Wendigkeit kaum zu bemessen.

Er vergrößert mit herausragendem Timing am Catch Point seinen Radius und fängt Bälle, die für andere Receiver unerreichbar sind. Dabei ist er gar nicht so groß. Seine Sprungkraft jedoch ist außergewöhnlich. Selten sieht man einen durchschnittlich gewachsenen Passempfänger mit dieser besonderen Fähigkeit für Contested Catches.

Sein Hintergrund als ehemaliger Runningback ist deutlich zu erkennen. Aiyuk fängt den Ball in vollem Lauf und schaltet sofort in den Modus “Runner”. Übersichtlich und mit beeindruckender Körperbalance war er im letzten Jahr mit durchschnittlich 13,6 Yards nach dem Catch einer besten College Receiver in dieser Kategorie.

Schwächen

Gelegentliche Patzer offenbaren fehlende Konzentration in seinem Spiel. Grundsätzlich fängt er nämlich alles was in seine Richtung geht und fängt Pässe am höchstmöglichen Punkt, sodass Verteidiger sie zunächst nicht erreichen können. Woran er zu arbeiten hat, ist der letzte Schritt im Ablauf des Catches. Der Ball wird oft zu sorglos an die Brust gezogen. So vergeigt er sicher geglaubte Receptions.

Bewertung

Das Potenzial von Brandon Aiyuk kann nicht annähernd beschrieben werden. Ein unfassbar athletischer Wide Receiver, der im Begriff ist, die Position erst richtig zu lernen. Doch er ist keinesfalls roh. Eine sichere Grundlage bringt Brandon Aiyuk bereits dank seiner Fähigkeiten auf vertikalen Routen und im kreieren von Yards nach dem Catch mit. Zu Anfang ist er als Starter in der Slot am besten aufgehoben. Entwickelt er seine Technik und kann bei Press Coveragen gegenhalten, hat Aiyuk das Zeug zu einem neuen Stern am Himmel.

Jalen Reagor, TCU

Der 21-jährige Junior ist 1,80 Meter groß und 93 Kilogramm schwer. 2017 zum Big 12 Offensive Freshman des Jahres gekürt, erlebte er ein Jahr später seinen großen Durchbruch. Seine erste 1.000 Yards plus Saison konnte er allerdings in der letzten Saison nicht wiederholen. Besonders athletisch präsentierte sich Jalen Reagor beim Combine. 42 Inches beim Hochsprung und 138 Inches beim Standweitsprung sind Spitzenwerte.

Stärken

Reagor ist einer schnellsten Receiver der Draftklasse. Auf vertikalen Routen ist er brandgefährlich. Da spielen auch die fehlenden Körpermaße keine Rolle. Verteidiger bekommen ihn vor dem Catch bei tiefen Pässen gar nicht erst zu fassen. Seine Beschleunigung ist ebenfalls auf höchstem Niveau. Dazu ist er ein bereitwilliger und zuverlässiger Blocker. Physisch hält er da ohne Probleme mit Safeties und Cornerbacks mit. Seinem Team gibt er damit eine wichtige Unterstützung im Laufangriff.

Bei Screens und nach dem Catch deutet er sein hohes Maß an Beschleunigung und Antritt an. Verteidiger lässt er gern links liegen und gnadenlos aussteigen. In kritischen Situationen vertraut der recht kleine Reagor seiner Spielintelligenz und seiner enormen Sprungkraft. Bei Catches in der Mitte des Feldes ist er in der Lage den Ball vor dem Zugriff des Verteidigers abzuschirmen. 

Ab dem ersten Tag kann Reagor als vertikales Ziel und als Gadget Player eingesetzt werden. Bei End Arounds und Screens kann er mit seiner Explosivität punkten. Verteidiger lässt er danach spielerisch aussteigen. Bekommt er den Ball und ein paar Schritte Raum zum ersten Defender, kann man seine Magie bewundern.

Schwächen

Er zeigt gute Anlagen, muss jedoch seinen Route Tree für die NFL erweitern. Bisher finden sich nur die typischen Speed Routen in seinem Repertoire. Dabei ist er sehr beweglich und wendig. Die Grundlagen zur Weiterentwicklung sind also vorhanden.

Unkonzentriertheiten lassen ihn als Passempfänger inkonstanter wirken als es sein müsste. Reagor zeigt gute Fähigkeiten darin, den Ball vom Körper weg mit seinen Händen sicher zu fangen. Gelegentliche Drops rühren eher daher, dass er zu früh den Kopf Richtung Spielfeld hochnimmt.

Bewertung

Jalen Reagor ist ein beeindruckender vertikaler Receiver. Als zweiter Receiver wird er häufig von Press Man Cornerbacks bespielt. Hier kann er seine Antrittsstärke und Beschleunigung gegen direkte Manndecker am besten ausspielen. Der NFL Starter wird sich auf Speed Routen konstant vom Gegner lösen und bietet Upside für eine Rolle als Slot Receiver mit erweitertem Route Tree.

Meine zehn besten Receiver

Zur Erklärung möchte ich hinzufügen, dass es sich um ein Postion Ranking handelt. Mit meiner prognostizierten Reihenfolge, in der die Spieler letztendlich ausgewählt werden, hat das nichts zu tun. Hier soll die Bewertung ihres Talents im Vergleich zur Konkurrenz abgebildet werden.

  1. CeeDee Lamb, Oklahoma
  2. Jerry Jeudy, Alabama
  3. Laviska Shenault, Colorado
  4. Henry Ruggs III, Alabama
  5. Tee Higgins, Clemson
  6. Brandon Aiyuk, Arizona State
  7. Jalen Reagor, TCU
  8. Donovan Peoples-Jones, Michigan
  9. Justin Jefferson, LSU
  10. Denzel Mims, Baylor

Höher als bei Anderen: Donovan Peoples-Jones, Michigan

Auf dem nächsten Level wird Peoples-Jones weitaus besser performen als an der University of Michigan. Zu selten nutzte man die Fähigkeiten des erstklassigen Possession Receivers und vertraute seinen Händen. In heutigen Offenses wird die Rolle eines groß gewachsenen physischen Slot Receivers, der im Verkehr und enger Deckung eine zuverlässige Option für den Quarterback bietet, immer gewichtiger.

Nicht ohne Grund wurde ein N’Keal Harry im letzten Jahr in der ersten Runde gedraftet. Dabei schätze ich das Potential von Donovan Peoples-Jones noch etwas höher ein. Denn ihm vertraue ich auch, wenn er außen und an der Seitenlinie spielt.

Tiefer als bei Anderen: Justin Jefferson, LSU

Jefferson bringt alle Fähigkeiten mit, die man von einem Big Slot Receiver verlangt in der heutigen NFL. Er wird nie die Nummer Eins in seiner Offense werden, ist allerdings ein verlässliches Ziel in den entscheidenden Momenten. Bei Third Downs und in engen Räumen kann er physisch und mit großem Catch Radius die Oberhand behalten. Dies dürfte eine geeignete Rolle für ihn als NFL Starter sein. In einer besonders starken Receiver-Klasse fällt er gegenüber exzellenten Nummer-Eins-Receivern und besten Athleten damit zurück. 

Neben der Top Ten, gibt es unzählige zukünftige Starter auf den hinteren Positionen. Solltest Du Fragen zu den weiteren Prospects haben, erreichst Du mich am besten über Twitter und per Mail: draftnerdde@gmail.com

Philipp Forstner
Autor: Philipp Forstner
Philipp Forstner ist ehemaliger O-Liner der Bielefeld Bulldogs und sammelte erste Erfahrungen als Autor bei dem Blog "Beardown Germany". Er ist Chefredakteur für SCOUTREPORT - Das American Football Magazin und beobachtet als Scout die zukünftigen und aktuellen Spieler der NFL.