Die Überschrift ist provokant, zugegeben. Ian Rapoport, steht hier für eine ganze Riege an „Journalisten“, die im Auftrag der National Football League Berichterstattung betreiben. Gleiches gilt auch für seine Kollegen vom NFL Network.

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NFL Network

Zuerst mit dem Thema „NFL Network“ habe ich mich vor einigen Jahren beschäftigt, als ich den Podcast „Around the NFL“, produziert vom NFL Network, gehört habe. Dort machten sich die Hosts darüber lustig, warum die Organisation der Sportjournalisten in den USA sie nicht in ihre Gesellschaft aufnehmen würde. Damals habe ich mir nichts weiter dabei gedacht, doch ein paar Wochen später tauchte das Thema in einem Packers-Podcast von Tom Silverstein, seines Zeichens Reporter bei der Green Bay Press Gazette auf. Er beschwerte sich über die Vorteile von Teams und NFL bei der Berichterstattung.

Denn: Seit NFL-Teams wie die Packers eine eigene Berichterstattung aufbauen, wird der Zugang von außen immer weiter beschränkt. Logisch, denn die kritikfreihe Berichterstattung aus den eigenen Reihen ist weniger anstrengend als unabhängige Reporter, die für eine Story auch nach kritischen Punkten suchen.

Interesse für die Liga wecken, steht im Vordergrund

Gleiches gilt für die NFL: Alle Berichterstatter des NFL Networks arbeiten für die Liga, die ihr Produkt vermarkten will. Je mehr Leute Football schauen, desto besser für die Liga, deren Einnahmen steigen. Aufgabe der Berichterstatter des NFL Networks ist es also vorrangig, Interesse für die NFL zu erzeugen und nicht, unangenehme Tatsachen aufzudecken oder Hinterzimmerdeals der Öffentlichkeit preiszugeben.

Jeder Sender, jede Liga, die ihre eigene Berichterstattung bezahlt, tut das Gleiche wie beispielsweise die Tabakkonzerne, die mittels eigener Studien früher behaupteten, das Rauchen nicht zu Krebs führen würde und heute die E-Zigarette als „gesunde Alternative“ zum Rauchen anpreisen.

Natürlich ist die Berichterstattung und Selbstbeweihräucherung der NFL nicht gesundheitsschädlich. Sie ist aber dennoch unehrlich. Hinter dem Rücken der Fans wird versucht, das Stimmungsbild zugunsten der Liga zu verändern.

Ian Rapoport weiß genau, für wen er arbeitet

Vor zwei Jahren sah man das besonders deutlich bei den National Anthem Protesten, als nur ESPN-Reporter über die Knie-Aktionen wirklich berichteten. Aber auch diese Offseason sieht man das wieder sehr deutlich: Von Ian Rapoport und Co. werden lediglich die ungefilterten Statements der Teambesitzer gepostet. Kritische Gegenstimmen beispielsweise vom früheren Vize-Präsidenten der Packers Andrew Brandt, Gegner des letztlich angenommenen CBA, finden bei den NFL-Network Journalisten nicht statt.

Die NFL verpasst ihren Reportern sicherlich keinen Maulkorb. Die Reporter wissen jedoch selbst sehr genau für wen sie arbeiten. Ein Pressesprecher einer Ölfirma wird nicht darüber berichten, dass seine Firma für ein Ölleck im Golf von Mexiko verantwortlich ist. Das ist Aufgabe der unabhängigen Presse.

Nun gibt es aber einen gravierenden Unterschied: Bei dem Pressesprecher ist sich jeder Zuschauer der Intention desselben bewusst. Es ist klar, dass er nicht frei und unabhängig berichtet, weil er (oder auch sie) das Interesse der Firma zu vertreten hat.

Bei der NFL ist dem aber nicht unbedingt so: Die meisten Fans sind sich der Tatsache nicht aktiv bewusst, dass das NFL Network keinesfalls ein Sender ist, der unabhängig über die NFL berichtet. Gleiches gilt auch für die Fußballberichterstattung: Kritische Stimmen zum Fußballzirkus, beispielsweise zur Thematik Dietmar Hopp wurden nicht etwa im „Kicker“ oder der „Sportbild“ laut. Sondern bei Spiegel, Süddeutsche und weiteren Blättern, die ihr Hauptgeschäft nicht mit dem runden Ball verdienen. Und hier ist noch der Unterschied, dass Kicker und Sportbild eigentlich unabhängig von der DFL und dem DFB sind. Das NFL Network ist nicht einmal das.

Was würdet ihr einem Sender „Bundesliga TV“ von der DFL glauben, der über die Bundesliga berichtet?

Nun ist Ian Rapoport ein geschätzter Reporter, der häufig Scoops zu Spielerwechseln, zu Verträgen und vielem mehr hat. Wollen die Teams denn, dass Vertragsdetails bekannt werden zu einem gerade verpflichteten Spieler? Wollen Teams denn, dass ein Reporter ihnen die Ankündigung einer Verpflichtung vor der Nase wegschnappt?

Jein, denn natürlich soll die Aufmerksamkeit auf dem Team liegen. Dennoch ist das ja keine „schlechte Presse“, denn es wird Aufmerksamkeit für die NFL und das Produkt Football erzeugt – daher haben die Teams auch nichts dagegen. Über den Besitzer der Patriots, Robert Kraft, der sich mit Prostitutierten vergnügt haben soll, habe ich keinen Network-Reporter etwas berichten sehen. Rapoport ließ nur das Statement von Kraft dazu verlautbaren, am Ende eines dürren Berichts, der von einer Nachrichtenagentur übernommen wurde. In zwei weiteren Artikeln auf nfl.com wurde ein weiteres Statement von Kraft abgedruckt und mitgeteilt, dass ein Video nicht nutzbar sei.

Es ist nicht falsch, Reportern wie Tom Pelissero oder Ian Rapoport zu folgen. Das sind gute Reporter, die in ihrem Business herausragend sind. Man muss sich nur immer bewusst sein, für wen sie arbeiten und was ihre Agenda ist. News zu Spielerwechseln bekommt man dort. Kritische Berichterstattung nicht. Aber wem kann man denn vertrauen?

Alternativen

ESPN verdient zwar ebenso wie CBS und NBC Geld mit der Ausstrahlung von Football-Spielen, allerdings gilt das für quasi alle Medien. Dennoch sind die Reporter von ESPN mit die besten im Football-Business. In Deutschland etwas kritischer zu sehen ist die Rolle von ransport, denn die haben im Gegensatz zu ESPN und Co. keine starke Ausgangsposition und sind sehr vom Wohlwollen der NFL abhängig.

Weiterhin berichtet „The Athletic“ ausgezeichnet über die NFL. Das Newsportal hat auch neulich den Baseball-Skandal aufgedeckt. Überregionale Medien wie die New York Times schreiben seltener etwas zu Football. Wenn sie über Sportpolitik berichten, ist das aber fast immer äußerst interessant. Am besten ist für die Berichterstattung zu einem Team immer noch die lokale Presse geeignet. Auch wenn die ihr Budget immer mehr zusammenstreichen müssen, weil die Einnahmen drastisch zurückgehen. Sie haben gute Verbindungen zu den Teams, berichten aber dennoch fast immer kritisch. Wenn ihr das nächste Mal eine Nachricht zu „eurem“ Team seht, lest doch lieber die der lokalen Zeitung durch.