Vollmer: „Das Duo Belichick und Brady wird es nicht nochmal geben.“

Matthias Gindorf, Gründer des NFL Blogs „beimFootball.de“ – wo ihr herzlich eingeladen seid vorbeizuschauen, konnte Sebastian Vollmer für ein kurzes Interview gewinnen. Für SCOUTREPORT – Das American Football Magazin spricht der DAZN-Experte über den Wechsel seines Ex-Teamkollegen Tom Brady von den New England Patriots zu den Tampa Bay Buccaneers.

DAZN-Experte Sebastian Vollmer

…zum Wechsel von den Patriots zu den Buccaneers.

„Gegen Ende der Saison und dann zur Free Agency hin war es fast abzusehen. Vielleicht nicht unbedingt die Tampa Bay Buccaneers, aber das Tom Brady die Patriots verlässt. Ich glaube, dass das Arbeitsverhältnis zwischen Bill Belichick und Tom Brady am Ende nicht mehr ganz so rosig war und das Tom vielleicht dann auch einen Neuanfang suchte. Allerdings gibt es immer zwei Seiten bei einer Verhandlung und da können sich beide gegenseitig die Schuld ein bisschen in die Schuhe schieben. Ich hoffe, dass es am Ende für beide Parteien das beste war. Ich halte das für fragwürdig, es wird sich jedoch erst mit der Zeit zeigen.“

…zur Motivation nach Tampa Bay zu gehen.

„Auch hier muss man, wie gesagt, beide Seiten betrachten. Auf der einen Seite die Patriots, wenn die Tom Brady nicht mehr wollen, dann muss er sowieso irgendwo anders hin. Von seiner Seite aus ist es einmal das Private, da hat es, glaube ich, viel damit zu tun, dass sein Sohn, den er nicht mit Giselle Bündchen hat, in New York lebt und das ist von der Distanz her nicht ganz so weit weg, als wäre er beispielsweise zu den Chargers gegangen. Vom Marketing her ist das interessant, weil sein Logo, dem „TB“ für Tom Brady, und Tampa Bay natürlich passt. Aber ganz wichtig sind seine zwei Top Receiver in Tampa Bay. Seit langem steht ihm dort ein Offensivtalent zur Verfügung, dass er bei den Patriots, vor allem letztes Jahr, nicht hatte. Ich denke da vor allem an Mike Evans, den Nummer Eins Receiver, so einen wollte er und hatte diesbezüglich so lange schon nachgefragt, um die Offense nicht ganz alleine tragen zu müssen.“

…zum Schaden des Ansehens bei einem möglichen Misserfolg.  

„Er hat 20 Jahre bei den Patriots gespielt, dort alles gewonnen, sogar mehrfach gewonnen und ist vielleicht der beste Spieler, der je in der NFL gespielt hat. Selbst wenn das, auf gut Deutsch, in die Hose gehen sollte, würde ich dagegen argumentieren, dass er damit seine Legacy beeinträchtigt. Aber es gibt auch andere Beispiele, wie Peyton Manning, der von den Indianapolis Colts zu den Denver Broncos gegangen ist und nochmal einen Super Bowl gewonnen hat. Darauf ist er natürlich aus und will es allen nochmal beweisen, dass er in einem, für einen Footballspieler, hohen Alter nochmal Top Leistungen bringen kann. Er geht zu einem Team, das in der Vergangenheit nicht so bestückt war, wie die Patriots es vom Coaching, von den Spielern und auch einfach vom Erfolg her waren. Aber das will er natürlich ändern und weiß natürlich auch, dass er zwar einen Zweijahresvertrag besitzt, es jedoch trotzdem jetzt oder nie für ihn heißt. Ich glaube, das ist es, was er will: den Leuten und auch sich selbst noch mal beweisen, dass er ein großer Teil der Erfolgsgeschichte der Patriots war. Diese eben nicht nur mit Bill Belichick zusammenhängt, sondern er es auch alleine schaffen kann.“

Matthias Gindorf u. Sebastian Vollmer

…zur Chance, sich ein zweites Krönchen aufsetzen zu können.

„Ja, das auf jeden Fall. Er will, so sagt er ständig, so lange spielen, bis er glaubt, er kann eine bestimmte Leistung nicht mehr vollbringen. Super Bowls und Championships sind für ihn das A und O, egal wo er ist, die möchte er gewinnen. Ich glaube, ob er der „GOAT“, der Beste ist, das motiviert ihn wenig. Seine aktuelle Leistung interessiert ihn und das gilt rund um die Uhr, weil er jeden Tag das Beste aus sich und seiner Mannschaft herausholen möchte. Das ganze drum herum ist interessant für die Medien und für die Fans, zu argumentieren, wer der Beste war oder ob er nur der beste mit den Patriots ist, aber nicht woanders. Für ihn zählt wirklich nur die Leistung, die er am Tag vollbringen kann. Am Ende seiner Karriere, wann sie auch immer kommen mag, da kann er sich vielleicht ein bisschen zurücklehnen und sagen „Ja, ich hab schon einiges geleistet“, obwohl er vom Typ einfach niemand ist, der so über sich selbst spricht.“

…zu den Patriots und ob Brian Hoyer das Brady Erbe antritt.

„Das glaube ich nicht. Das ist jetzt nicht böse gemeint, aber er ist eher eine Notlösung, die einspringt, sollte etwas passieren. Ich mein, das ist das dritte Mal, dass er bei den Patriots ist. Er kam schon 2009 mit mir zusammen dahin. Sie werden Jarrett Stidham jede Chance geben der Starting Quarterback zu sein. Wenn das nicht klappt, dann wird Hoyer, so glaube ich, die Starter Rolle übernehmen. Die Patriots wollen einen kompletten Neuanfang, dafür brauchen sie einen jungen Quarterback und Hoyer ist jetzt auch schon in seinem 11. Jahr, mit ihm baust du nichts mehr auf. Es geht jetzt darum, die jungen Leute, die junge Garde heranzubringen. Irgendwann geht jede Dynastie mal zu Ende. Ob jetzt der Zeitpunkt ist, kann man noch nicht sagen, doch zumindest wird es das Duo aus Bill Belichick und Tom Brady nicht nochmal geben. Deshalb muss man jetzt neu anfangen.“

Matthias Gindorf
Autor: Matthias Gindorf
Matthias Gindorf ist Football-Fan seit die Buffalo Bills vier Mal in Folge den Super Bowl verloren haben. Seitdem verfolgt er die NFL in Deutschland und auch im Stadion. Sein erstes Live-Spiel war in Houston zwischen den Texans und den Indianapolis Colts. Seit diesem Tag schlägt sein Herz für die Texaner. Seit einiger Zeit ist er als Reporter bei der International Series in London dabei und durfte schon drei Mal vom Super Bowl berichten.