Unsere Vorschläge zur Änderung der Overtime-Regelung in der NFL

Die Minnesota Vikings schlagen die New Orleans Saints 26:20 in der Wild-Card-Runde. Die Vikings hatten in der Overtime den Münzwurf gewonnen, Tight End Kyle Rudolph schließt den ersten Drive mit einem Touchdown ab – die Saints und Drew Brees kommen gar nicht erst in Ballbesitz.

Die Overtime-Regelung sorgt derzeit (mal wieder) für Diskussionen in der NFL-Community. Unsere SCOUTREPORT-Experten haben sich Gedanken gemacht. Hier sind ihre Wünsche für die Overtime-Regelung.

Chris Höb: „Jedes Team bekommt in der Overtime einmal den Ball. Steht es danach immer noch unentschieden, hat jedes Team einen „Hail Mary“-Versuch von der 50-Yard-Linie. Steht es danach immer noch unentschieden, entscheidet der Field-Goal-Shootout. Dabei geht es in jeder Runde 10 Yards nach hinten, beginnend bei der 10-Yard-Linie.“

Max Sachs: „Wenn wir die Overtime-Regeln reformieren wollen, schauen wir uns doch einfach Sportarten an, in denen eine Overtime oder auch Verlängerung funktioniert. Und da können wir ganz bescheiden den Fußball als Vorbild sehen. Eine Verlängerung inklusive Elfmeterschießen für den Football? Ich stelle mir die Idee folgendermaßen vor: Es wird ein weiteres Viertel Football gespielt – ganz normal, ohne „Golden Goal“-Regelung. Sollte es am Ende danach noch Unentschieden stehen, gibt es eine Art Elfmeterschießen: Beide Offenses und Defenses sind auf dem Feld, jeweils an den gegenüberliegenden Enden – wie bei einer Two-Point-Conversion – und bekommt drei Versuche. Sollte es nach den drei Versuchen immer noch Unentschieden stehen, gibt es zwei weitere im Shootout-Modus (wenn eins trifft, das andere nicht, ist das Spiel vorbei) und danach gibt es ein Kicker-Shootout mit wachsenden Entfernungen. So verrückt das klingen mag, die Methode hat in einer ähnlichen Form einen prominente Fürsprecher: Pat McAfee, der ehemalige Colt.“

Philip Forstner: „Als College-Fan empfehle ich der NFL natürlich die Overtime-Regel, wie ich sie vom College kenne. Sie sieht wie folgt aus: Es gibt keine Spielzeit. Stattdessen erhält jedes Team einmal Ballbesitz an der gegnerischen 25 Yard Linie. Von dort versuchen sie nach dem üblichen Modus Raumgewinn zu erzielen und im besten Fall einen Touchdown oder ein Field Goal zu erzielen. Beide Teams dürfen einmal ran. Per Münzwurf wird lediglich entschieden, wer anfängt. Gibt es nach insgesamt vier Durchgängen noch keinen Sieger, darf ein Touchdown nicht mehr mit einem PAT, sondern muss mit einer Two-Point-Conversion gekrönt werden. Kritiker werden sagen, dass bei dieser Regelung das Team im Vorteil ist, dass als Zweites dran ist und reagieren darf. Das ist auch vollkommen richtig und spiegelt sich in den Statistiken wieder. Ich halte die Regelung dennoch für besser geeignet, weil sie zumindest beiden Mannschaften eine Chance gibt.“

Erik Seewald: „Meiner Meinung nach sollte sich die NFL offen zeigen für Änderungen an der Overtime-Regelung. Eine Mischung aus dem, was derzeit in der NFL und in der NCAA gemacht wird, wäre für mich die beste Lösung. Vor allem in den Playoffs ist es eigentlich nicht zu vermitteln, dass der Erfolg der Teams nach 60 Minuten Spielzeit von einem Münzwurf abhängt. In der Regular Season muss man sich auch überlegen, ob überhaupt noch eine Overtime gespielt werden soll. Diese Verlängerungen erhöhen das Verletzungsrisiko der Spieler. Gerade vor dem Hintergrund einer eventuellen Erweiterung der Regular Season auf 17 Spiele wäre das die Gelegenheit, hier tätig zu werden. Für die Playoffs könnte ein abgewandeltes System des Kansas-City-Tiebreakers (College Football, jedes Team startet einen Angriff an der 25-Yard-Linie des Gegners) eingeführt werden. Um sich nicht zu sehr an der NCAA zu orientieren, könnte der Ball auf die 50-Yard-Linie gelegt werden. Der Rest kann analog zum College gespielt werden. Eventuell kann man zur Verkürzung eine zwingende 2-Point-Conversion spielen lassen. Gespielt wird, bis eine Mannschaft mehr Punkte erzielt hat als der Gegner. Diese Regelung wäre fair (Münzwurf entscheidet nur über die Spielrichtung und wer als erstes anspielt) und würde die Spieler nicht übermäßig belasten, wenn sie sowieso nur in den Playoffs gespielt wird.“

Janik Aschenbrenner: „Die XFL geht in diesem Jahr an den Start und hatte genug Vorlaufzeit, um sich anzuschauen, welche Regeln in der NFL funktionieren und welche eben nicht. Die Chance wusste die Liga zu nutzen, wie man an dem frisch verkündeten Regelwerk erkennen kann. Unter anderem funktioniert die Verlängerung wie ein Elfmeterschießen im Fußball. Die Teams haben abwechselnd fünf Versuche von der 5-Yard-Linie, die jeweils zwei Punkte wert sind. Sollte es danach noch immer unentschieden stehen, dann geht es in auf die Art in einem K.O.-System weiter, bis ein Sieger feststeht.“

Titelfoto: Stadion der 49ers, Foto: Michael Reischer

SCOUTREPORT Redaktion
Autor: SCOUTREPORT Redaktion
SCOUTREPORT - Das American Football Magazin wurde im Jahr 2019 ins Leben berufen. Hier erhältst Du Informationen, Analysen und Hintergründe rund um die NFL, GFL (German Football League) und NCAA (College).

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