Am 22.08.2019 hat die ACC als vierte der fünf großen Conferences ihr eigenes TV-Network in den Vereinigten Staaten eröffnet. Damit manifestiert sich ein Trend, der den College Football seit Jahren prägt und der die Einnahmen der Universitäten weiter steigern soll. Das ACC-Network wurde in Kooperation mit ESPN an den Start gebracht. Es hat das Ziel die Vermarktung der Conference des 2018er Landesmeisters Clemson Tigers zu konsolidieren und landesweit mehr Aufmerksamkeit zu generieren.

Damit ist die ACC nun die vierte Power-5 Conference mit eigenem Network. Ein Überblick über die verworrene Situation in der TV-Landschaft im College Football wird immer komplizierter. Erläutern möchte ich Dir daher, wie es insgesamt ausschaut und welche Auswirkungen das auf die Zuschauer in Deutschland hat.

Der Status Quo

Der gemeine NFL-Zuschauer in Deutschland kennt womöglich den NFL Gamepass, welcher es einem ermöglicht, alle Spiele der NFL über eine zentrale Plattform zu schauen. Die komplette TV-Vermarktung der NFL wird zentral durch die Liga in Kooperation mit vier TV-Networks (CBS, FOX, NBC und ESPN) realisiert.

Beaver Stadium. Foto: Beaver Stadium von Elena Forstner (Instagram: elliipirelli)
Beaver Stadium. Foto: Beaver Stadium von Elena Forstner (Instagram: elliipirelli)

Im College Football gibt es diesen zentralen Ansatz nicht. Jede Conference ist auf sich alleine gestellt und hat die Möglichkeit einen individuellen Weg einzuschlagen. Vier der fünf großen Power-5-Conferences betreiben ihre eigenen Networks.

Das sind neben der ACC:

  • Die Big Ten mit ihrem Big Ten Network in Kooperation mit FOX
  • Die Pac-12 mit ihrem Pac-12 Network in Eigenregie
  • Die SEC mit ihrem SEC Network in Kooperation mit ESPN

Der College Football hatte lange Zeit keinen übermäßig großen Fokus auf die TV-Vermarktung. Es handelte sich schließlich um einen Amateursport, der eine große regionale Komponente besaß und nach wie vor besitzt. So unterschied er sich fundamental von der NFL, die quasi durch das Fernsehen groß geworden ist. College Football lebte hingegen von der schriftlichen Berichterstattung und den Zuschauern in den Stadien.

Bis in die 1980er-Jahre wurde nur ein vergleichsweise kleiner Teil der Spiele der regulären Saison und die Bowl-Games live gezeigt. Der Dachverband NCAA bestimmte maximal zwei Spiele, die pro Wochenende in der regulären Saison live im landesweiten Fernsehen übertragen werden durften. Erst im Jahr 1984 entschied der Supreme Court der USA, dass dieses Prozedere gegen die Rechte der Universitäten, sich selbst zu vermarkten, verstieß. Der dezentralen Vermarktung öffnete das Tür und Tor.

Erlöse aus den TV-Rechten

Die Einnahmen aus der TV-Vermarktung sind die größte Geldquelle für die Conferences und Sports Departments der jeweiligen Universitäten. Dieses Beispiel der Lousiana State University verdeutlicht den Stellenwert:

Detailed LSU athletics financial data: 2018 revenue down, expenses up from 2017
Link zur Quelle: https://www.nola.com/sports/article_7b81e581-85ed-5530-913e-ad90aaf61484.html

Alleine in 2018 generierte die Big Ten Conference laut USA Today knapp 759 Millionen US-Dollar und die SEC knapp unter 660 Millionen US-Dollar. Im Vergleich dazu sind die Einnahmen der aktuell stärksten Group-of-5 Conference AAC mit 83,3 Millionen US-Dollar im Schnitt für die nächsten 10 Jahre quasi Peanuts. Runtergebrochen auf die einzelnen Universitäten sieht das Gesamtbild bei den Power-5 Conferences folgendermaßen aus:

Quelle der Daten: https://tvrev.com/college-sports-success-continues-to-be-decided-by-tv-revenues/

Übertragungsrechte der Live-Spiele

Die Aufteilung der einzelnen Spiele ist vergleichsweise komplex und hängt von mehreren Kriterien ab. Die Rechte für Live-Übertragungen sind nicht immer an genau ein Network gebunden. Die Big 12, die Big Ten und die Pac-12 haben die Rechte zwischen ESPN und FOX aufgeteilt. Was zur Folge hat, dass es Reihenfolgen gibt, welche die Networks bei der wöchentlichen Auswahl an Spielen berücksichtigen müssen.

Im Falle der Big 12 bedeutet das konkret, dass ESPN bis zu 23 Spiele und FOX bis zu 40 Spiele auswählen darf. In den ungeraden Jahren überträgt ESPN das Conference-Finale, in den geraden Jahren FOX bis 2025. So weit, so unübersichtlich.

Diese bunte Mischung von Senderauswahl ergibt sich aus der Tatsache, dass Spiele häufig zeitgleich stattfinden und aus dieser auch eine gewisse Priorität hervorgeht. ABC und ESPN sind die landesweit empfangbaren Hauptsender des ESPN-Networks und haben daher zusammen mit FOX die höchste Reichweite. FS1, FS2 und die regionalen FOX Sports Networks und ESPN+ sind zum Teil nur regional oder gegen Aufpreis empfangbar. Gleiches gilt für das Longhorn Network.

Nach einem ähnlichen Prinzip erfolgt die Verteilung der Live-Spiele auch für die Big Ten und Pac-12. Was aber alle Networks gemeinsam haben: Bei Spielen zwischen einer “eigenen” Mannschaft und einem Gegner aus einer anderen Conference, die einen anderen TV-Rechte-Deal besitzt, wird nur das Heimspiel des “eigenen” Teams übertragen.

SEC und ACC-Livespiele im TV

Für diese beiden Conferences existieren einige Besonderheiten. Das Top-Spiel der Woche in der SEC wird Samstags von CBS um 15:30 Uhr Ostküstenzeit übertragen. Der Rest der Spiele findet in den Kanälen des ESPN-Networks statt. An zwei Wochenenden in der Saison hat CBS die Option ein Abendspiel (Ortszeit) und ein frühes Spiel zusätzlich zum eigentlichen Paket zu zeigen.

Im Laufe der 2019er-Saison wurde bekannt, dass ESPN großes Interesse am SEC-Rechtepaket von CBS hat. Die ACC ist momentan noch die einzige der Power-5-Conferences, deren Heimspiele komplett im ESPN-Network übertragen werden.

Livespiele der Texas Longhorns und Oklahoma Sooners

Beide Programme heben sich aufgrund der vorhandenen Ressourcen vom Rest der Big 12 ab und das wirkt sich auch auf deren Live-Übertragungen aus. Texas leistet sich ein eigenes Network und tritt, ähnlich wie die Sooners, häufiger in den Top-Spielen von ESPN und FOX auf. Sie haben de facto eine privilegierte Partnerschaft mit FOX.

Sonderfall Notre Dame

Die Notre Dame University war schon immer ein Independent, also nie Teil einer Conference. Die Folge war, dass die Übertragungsrechte direkt von Seiten der Universität vergeben wurden. Bis 1991 existierten Deals mit ABC und dem DuMont Television Network.

1991 markiert jedoch eine große Zeitenwende sowohl für Notre Dame als auch für den College Football. Der Abschluss des TV-Vertrages zwischen der Notre Dame University und NBC setzte Maßstäbe für einen Sport, der bislang eine sehr ambivalente Beziehung zum Fernsehen hatte.

Notre Dame Fighting Irish Fight Song (Victory March)

Der Vertrag hatte eine Laufzeit von 5 Jahren und einen Gesamtwert von 38 Millionen US-Dollar. Die unmittelbare Auswirkung war, dass seit jenem Jahr alle Heimspiele der Fighting Irish von NBC übertragen wurden. Diese Partnerschaft existiert bis heute und ist einmalig.

Die Rolle der Conference-Networks

Die Inhalte der Conference-Networks bestehen aus Nachrichten, Dokumentationen und Live-Events der jeweils eigenen Conference. Football ist nur ein Bestandteil der Übertragungen und nimmt logischerweise während der Saison den Löwenanteil der Sendezeit ein. Beim wesentlichen Programmteil der College Football Saison spielen die Networks aber nur eine untergeordnete Rolle.

Die Networks sind zwar in Sachen Berichterstattung zu den einzelnen Conferences ganz vorne mit dabei und bieten den tiefsten Einblick zu den einzelnen Teams. Aber rein Rechte technisch sind sie bei Live-Übertragungen ganz klar benachteiligt.

TV-Übertragung der CFB-Playoffs und Bowl-Games

Die Übertragung der Playoffs und dem Großteil der jährlichen Bowl-Games (u.a. auch den New-Years-Six Bowls) erfolgt durch ESPN. Eine Handvoll kleinerer Bowl-Games wird von Sendern aus dem CBS- bzw. FOX-Network übertragen.

Auswirkungen auf Zuschauer in Deutschland

Die zerstreute TV-Landlandschaft in den USA hat leider zur Folge, dass nicht alle Übertragungsrechte hierzulande lizensiert und daher auf offiziellem Wege nicht empfangbar sind. Der ESPN Player bietet alle Spiele des ESPN-Networks an, mit Ausnahme der Spiele, die exklusiv bei ESPN+ laufen. Sublizenzen des ESPN-Paketes sind auch die Basis für das Übertragungsangebot von DAZN und seit der Saison 2019 von ProSieben Maxx.

Spiele von FOX und CBS sind nicht lizensiert und können über offizielle Wege nicht geschaut werden. Anders sieht es beim Notre Dame-Paket von NBC aus. Dieses bietet für Zuschauer außerhalb der Staaten die Möglichkeit die Heimspiele der Fighting Irish zu streamen. Das Big Ten Network war bis 2019 ebenfalls separat buchbar, steht Zuschauern außerhalb der USA aktuell aber nicht mehr zur Verfügung.

Fans der Pac-12 verpassen zwar die Spiele, die im FOX-Network laufen, haben aber die Gelegenheit das Pac-12 Network kostenlos via Youtube zu empfangen. Dies ist insofern absurd, als dass das Pac-12 Network in vielen Teilen der USA kaum empfangbar ist, da es zahlreiche TV-Provider aufgrund geringer Nachfrage nicht im Angebot haben.

Rechtzeitig zum Start der kommenden Saison veröffentliche ich noch einen Artikel, der Dir alle offiziellen Möglichkeiten auflistet, College Football in Deutschland zu empfangen. Es würde mich nicht überraschen, wenn sich das Angebot im Vergleich zu den Vorjahren noch vergrößern sollte.

Peter Schindler
Peter ist College Football Fan mit Leib und Seele. Neben den Oklahoma Sooners und der Big 12 verfolgt er alle anderen Conferences regelmäßig und interessiert sich für alle möglichen Details der Nachwuchsliga. Insbesondere das Recruiting von High School Spielern, den NFL-Stars von morgen, beobachtet er intensiv.