Basierend auf 92 Talenten, die ich mir vor der College Saison genauer angeschaut habe, ergibt sich folgende Top Zehn für den NFL Draft 2021. Der Fokus liegt vor dem letzten Jahr auf athletischen Anlagen und bereits gezeigten Fähigkeiten. Manche Spieler können noch Verbesserungen auf dem Platz zeigen, andere wiederum setzen die Saison ganz aus. Entweder weil sie dazu gezwungen sind oder diesen Schritt freiwillig wählen.

Top Zehn

Allen voran sind es natürlich die Quarterbacks, die dem kommenden Draft ihren Stempel aufdrücken. Doch finden sich vor allem in der Defensive wieder herausragende Talente.

10. Caleb Farley / Cornerback, Virginia Tech

An der Atlantikküste wird zwar gespielt. Der ehemalige Quarterback und Wide Receiver entschied sich aber dagegen, eine weitere Saison für die Hokies zu absolvieren. Mehrere Verletzungen zeichnen seine College Karriere, darunter ein Kreuzbandriss. Dies könnte einer der Gründe für seine Entscheidung sein.

Caleb Farley wird im kommenden Draft gefragt sein. Kein anderer Cornerback bespielt seine Gegenspieler so physisch, wie er es tut. In Press Man oder am Catch Point verlangt er mit kräftigem Armeinsatz seinem Matchup alles ab. Zu seiner Physis kommt ein hohes Maß an Quickness, Geschwindigkeit und Beweglichkeit. Insgesamt hat er das Zeug zu einem elitären Verteidiger auf dem nächsten Level und ist sofort einsatzbereit. Abgesehen von seiner Verletzungsanfälligkeit gibt es nichts auszusetzen.

9. Justin Fields / Quarterback, Ohio State

Den mobilen Spielmacher trifft die verschobene Saison in der Big Ten hart. Seine Hoffnungen ruhen darauf, dass sich Offizielle darauf einigen, im Oktober/November nun doch zu starten. Denn er benötigt dringend weitere Spielerfahrung, tat er sich in schwierigen Duellen doch schwer. Scouts wollen mehr von dem natürlichen Armtalent sehen, mit dem es bereits andere Spieler in das Starting Lineup eines NFL-Teams geschafft haben.

Sein Umgang mit Druck und engen Verteidigungslinien ist definitiv ausbaufähig. Trotz herausragender Leistungen gegen manche Gegner gibt es für Justin Fields noch eine Menge zu zeigen und vor allem zu lernen, ehe er ein NFL Feld betreten sollte. In die Top Zehn schafft er es sogar mit bisher gezeigten Resualtaten.

8. Gregory Rousseau / Edge, Miami (FL)

Vor ein paar Monaten befand sich Rousseau noch in meiner Top Fünf. Nun, da er entschieden hat, die Saison auszusetzen, findet er sich dort nicht mehr wieder. Denn seine umwerfende Produktion aus 2019 resultiert vor allem aus seiner Athletik. Rousseau versteht sich darin, seine Körperlänge optimal einzusetzen. Doch fehlt es momentan noch an jeglicher Technik. Seine Armspanne ist enorm und er ist wahrlich ein Kraftpaket, was ihn allein zu einem elitären Prospect im nächsten Draft macht.

Doch werden Scouts lange warten müssen, bis sie erleben, inwiefern Rousseau sich technisch weiterentwickeln konnte. Dieser Umstand und dass er als verletzungsanfällig gilt, mindern derzeit seine Bewertung.

7. Dylan Moses / Linebacker, Alabama

Moses will allen Kritikern beweisen, dass er nach auskuriertem Kreuzbandriss wieder an seine alten Leistungen anknüpfen kann. Der Top-Athlet ist äußerst beweglich und dennoch stabil im Unterkörper. Dazu merkt man ihm an, dass er es liebt auf dem Footballfeld zu stehen. Er zeigte sich bereits 2018 als sehr erfahrener Spielmacher seiner Defense, gelangte schnell an den Ort des Geschehens und schloss dort meist mit fehlerfreiem Tackling ab. Ballträger hatten bisher wenig entgegenzusetzen.

Entgegen fiebere ich den Duellen mit Georgia, Tennessee und Mississippi State. Im Oktober darf er früh in der Saison sein Bestes zeigen. Präsentiert er sich, wie erwartet, ist er danach aus den Top Zehn nicht mehr wegzudenken.

6. Patrick Surtain II / Cornerback, Alabama

Surtain passt perfekt in das Anforderungsprofil an einen NFL Cornerback. Es gibt unter athletischen Gesichtspunkten nichts an ihm auszusetzen. Dazu ist er spielerisch schon weit entwickelt.

Allerdings wünsche ich mir, dass er physischer agiert. Gegen Terrace Marshall (LSU) und Seth Williams (Auburn) bekommt er es im November mit kräfitgen und großen Receivern in starken Pass-Offensiven zu tun. In diesen engen Duellen entscheidet sich der Ausgang in der Southeastern Conference. Für Patrick Surtain ist es eine willkommene Gelgenheit letzte Kritiker für immer zum Schweigen zu bringen. Schaltet er beide aus, sollte er der erste Cornerback sein, der im Draft ausgewählt wird. Seine unmittelbare Konkurrenz setzt bekanntlich die Saison aus.

5. Trey Lance / Quarterback, North Dakota State

Es gibt keine Position, die wichtiger ist, als die des Quarterbacks. Mit dem Ausfall der Saison wird es noch schwieriger, die Spreu vom Weizen zu trennen. Momentan lassen sich nämlich Argumente sowohl für Justin Fields, Trevor Lawence als auch Trey Lance in den Top Zehn finden. In Sachen Athletik stehen sich die drei in nichts nach. Sie sind mobil und verfügen über exzellentes Armtalent, um jedes kleine Passfenster auf dem Feld zu finden.

Auffällig ist jedoch, dass Lance noch wenig Spielerkennung und Verarbeitung zeigt. Bisher haben ihm seine Coaches das Leben mit „Half-Field-Reads“ sehr erleichtert. Am 3. Oktober erhält er nun die einzige Gelegenheit, sein Können in 2020 unter Beweis zu stellen. Gegen Central Arkansas erwartet sein Team nicht gerade ein Schwergewicht. Jedoch ist dieses Spiel eigens für Trey Lance angesetzt worden, um ihm trotz Ausfall der Saison, sozusagen ein Schaulaufen zu gewähren. Da ist es nicht zu viel verlangt, wenn Scouts an diesem Tag von ihm sehen wollen, wie er das komplette Feld liest und einzelne Optionen nacheinander durchgeht. Schließlich hatte Lance genug Zeit sich auf diesen einen Gegner vorzubereiten.

4. Micah Parsons / Linebacker, Penn State

Ob die Big Ten nun Ende Oktober startet oder nicht, für Micah Parsons spielt es keine Rolle mehr. Er entschied sich bereits, die letzte Saison auszusetzen und sich ausschließlich auf den Draft vorzubereiten. Der besondere Athlet besitzt die Spielerkennung und Instinkte eines elitären Linebackers. Er verarbeitet das Spiel nicht nur schnell, sondern ist auch wahnsinnig antrittsstark. Auch wenn die Resultate manchmal ausbleiben, ist Parsons dazu ein gefährlicher Pass Rusher.

Der erste Linebacker im Draft sollte unter den Top Zehn ausgewählt werden. Wird es Moses oder Parsons? Zumindest letzt genannter hat es nicht mehr selbst in der Hand.

3. Ja’Marr Chase / Wide Receiver, LSU

Ja’Marr Chase muss sich nicht mehr mit der Frage beschäftigen, wer ihm in Zukunft am College die Bälle zuwirft. Er setzt die Saison aus, nachdem er im letzten Jahr mit Joe Burrow das beeindruckendste Quarterback-Receiver-Gespann bildete, was die 2019er College Football Saison zu bieten hatte. Mit 1.780 Receiving Yards und 20 Touchdowns setzte Chase eine neue Saison-Bestmarke für einen SEC-Receiver.

Vergleichbar mit CeeDee Lamb ist es nicht die besondere Schnelligkeit oder Physis, die ihn zu einem elitären Wide Receiver macht. Es ist mehr seine Athletik am Catch Point und sein Gespür für freie Schnittstellen in der Verteidigung, welche seine Klasse definieren. NFL Scouts muss er nichts mehr beweisen. Chase ist der beste Wide Receiver im Draft.

2. Penei Sewell / Offensive Tackle, Oregon

Es sind nicht die Offensive Tackle, die Fans in der ersten Nacht des Drafts in Ekstase versetzen. Doch es sind diejenigen, die letztendlich Garant für erfolgreiche Saisons werden. Penei Sewell gehört zu dieser Kategorie. Er ist unfassbar gut gebaut für einen Tackle und bewegt sich so herrlich flüssig und sauber. Dabei ist der junge Mann gerade einmal 19 Jahre alt.

Technisch kann er seine Reps noch verfeinern. Dazu hat er etwa zehn Monate in der Vorbereitung auf den Draft. Die Pac-12 verschiebt bis auf weiteres die Saison und es ist nicht klar, wann die Conference an der Westküste wieder den Spielbetrieb aufnimmt. Sewell sollte die Zeit nutzen und mit persönlichen Coaches weiter an seinen elitären Anlagen und Fähigkeiten arbeiten.

1. Trevor Lawrence / Quarterback, Clemson

Zum NFL Draft 2021 ist Trevor Lawrence 21 Jahre alt. Schon jetzt wäre er sicher der Nummer Eins Pick. Es gab in den letzten Jahren keinen Quarterback, der seine Fähigkeiten in dem Alter so stabil und sauber vorgetragen hat. Mechanisch wirft er reibungslos von einer ausbalancierten Plattform aus. Fällt der Plan der Offense mal in sich zusammen, hat Lawrence auch keine Probleme damit, den Spielzug zu erweitern und außerhalb der Pocket aus der Bewegung ähnlich sauber zu passen.

Lobenswert ist seine Toughness und seine Einstellung zum Spiel. Lawrence muss niemandem etwas beweisen und will trotzdem angreifen, wo andere Top Prospects lieber die Saison aussetzen. Seine Spielverarbeitung läuft von Woche zu Woche schneller ab. Die Herausforderer in der ACC werden sich vermutlich die Zähne an ihm ausbeißen. Am Ende hat Trevor Lawrence nur ein Ziel. Den Gewinn der Nationalen Meisterschaft. Momentan ist sein härtester Konkurrent, der ihn um diesen Sieg bringen kann, das Corona-Virus. Hoffen wir auf das Beste!