Bereits im letzten Jahr wurden äußerst viele Cornerbacks im Draft ausgewählt. Auch in diesem Jahr suchen Teams wieder nach wichtigen Verstärkungen auf der Position und werden bei dieser starken Klasse auch fündig werden. 2020 dürften in der ersten Runde bereits einige Talente ihren Namen hören. Am zweiten Tag wird es aber noch genug weitere zukünftige Starter geben. Da brauchst Du dir als Fan keine Sorgen machen. Auch wenn der Ausnahmespieler Jeff Okudah dann längst weg sein dürfte.

Ich habe die Positionsgruppe analysiert und klassifiziert. Vier Spieler erhalten dabei eine Bewertung für die erste Runde. Elf weitere Namen sollten von ihren Fähigkeiten und Anlagen am zweiten Tag gedraftet werden.

Jeff Okudah, Ohio State

Nach der letzten Saison belohnte die vereinigte Presse Okudah zurecht mit der Ehre, ihn in das First Team All-American zu wählen. Das 1,85 Meter große und 93 Kilogramm schwere Talent besitzt ideale Körpermaße für die Position. Er könnte der elfte Cornerback in 21 Jahren von der Ohio State Universty sein, der in der ersten Runde im NFL Draft ausgewählt wird. 

Stärken

Im Mix mit seiner Physis kann Okudah im Grunde jedem Matchup überall hin folgen. Da kann er sogar ein wenig Zocken und kurze Routen annehmen, weil er die meisten Gegner auf vertikalen Routen noch einholen kann, nachdem er sich verschätzt hat. 

Sein Gespür für Zonenverteidigung hat sich weiter gebessert. Übergaben an Schnittstellen laufen konstanter. Es ist allerdings noch ein Weg zu gehen, ehe Teams ihn als verlässlichen Zonen-Verteidiger aufstellen. Dennoch kann er als Shutdown-Corner auch in solchen Schemata sofort spielen. 

Ich habe noch kein Duell von Okudah erlebt, bei dem er sich durch scharfe Richtungswechsel hat überwinden lassen. Flüssige Bewegungsabläufe lassen ihn blitzartig an den Catch Point gelangen. Er spiegelt athletisch jeden Lauf des gegnerischen Receivers dank einer exzellenten Beinarbeit.  Es ist durchaus möglich, dass Teams versuchen im Draft für ihn vorzutraden. Okudah kann so physisch und gleichzeitig so beweglich spielen. Im Gesamtpaket kann er sich damit in jedes System als Lock-Down Cornerback einfügen.

Muss er abrupt die Richtung wechseln, nimmt er antrittsstark seinen Top Speed wieder auf. In der NFL werden nur wenige Receiver dabei eine Herausforderung darstellen. Okudah ist, sofern der Ball auf seine Seite fliegt, praktisch immer im Kontakt und sorgt für Möglichkeiten zu Interceptions und Pass Breakups.

Der prächtig entwickelte Athlet wird in Zukunft seine Bereiche komplett abschließen. Dabei sollten Quarterbacks immer eine mögliche Interception befürchten. Am College bekam er nur selten die Gelegenheit dazu, seine besonderen athletischen Einlagen am Catch Point zu präsentieren.

Schwächen

Okudah hat perfekte Körpermaße für Man Coverages und kann dem Receiver mit flüssigen Hüftbewegungen überall hin folgen. In Zonenverteidigung hat er sich im letzten Jahr zwar verbessert, muss aber weitere Arbeit investieren. Sein Spiel wird damit produktiver. Momentan ist das aber schon ausreichend.

Er gerät schnell an den Ort des Geschehens und lässt sich von herannahenden Blockern nicht aus dem Weg drängen. Cornerbacks müssen keine Tacklings setzen, sondern Ausbrüche nach außen verhindern. Hier hält er sehr gut seinen Bereich sauber. Dennoch zählt sein Run Support eher zu seinen Schwächen.

Bewertung

Jeff Okudah hat Star-Potential für das nächste Level. Er kann in jedem System und in unterschiedlichen Rollen der wichtigste Spieler seiner Defense sein. Das physische, athletische und bewegliche Gesamtpaket wird in der NFL seine Seite einfach abschließen. Gegner auf seiner Seite werden dann konstant aus dem Spiel genommen. Definitiv in den Top 10 gedraftet, ist es durchaus möglich, dass ein Team versucht für ihn in die Top 4 vorzutraden. 

Trevon Diggs, Alabama

An der High School spielte der Bruder von Stefon Diggs noch in der Offense, Defense und den Special Teams. Seine Athletik dürfte damit unbestreitbar sein. Am College in Alabama entschied man sich dann, ihn endgültig zum Cornerback auszubilden. Auf seine gefährlichen Kick und Punt Returns wollte man allerdings nicht verzichten. Die besonderen Anlagen hierfür, bringt er als zusätzliches Plus in die NFL mit.

Stärken

Er scheint dem Quarterback gedanklich stets einen Schritt voraus zu sein. So kann er etwas entfernt vom Receiver spielen und trotzdem abrupt an den Ball gelangen. Ob physisch am Catch Point oder indem er den Pass unterläuft, ist Diggs stets für Pass Breakups gut. Diggs kann jedes Tempo in der NFL mitgehen. Auf vertikalen Routen bleibt er am Mann und auf kurzen Routen beschleunigt er exzellent. Die seltene Kombination aus Physis, Athletik und Ball Skills ist damit prädestiniert für eine Press Man Rolle bei den Profis. 

Häufig war es Diggs’ Aufgabe, seine Secondary vor dem Snap zu positionieren. Er hat ein sehr gutes Verständnis für die korrekten Lineups. Nach dem Snap erkennt er dazu spielerisch den Plan des Gegners. Dazu unterstützt er sein Team bereitwillig gegen den Lauf. Gewiss ist Qualität hierbei zu vernachlässigen, wenn ich mir die restlichen Anlagen anschaue. Diggs macht aber auch hier eine gute Figur. Er hält seine Seite sauber und lässt gegnerische Runningbacks nicht nach außen entwischen. 

Zweifellos besitzt Diggs die Körperkontrolle eines Wide Receivers. Quarterbacks hatten gegen ihn wenig zu lachen. Er lockt seine Gegner gern in die Falle und schlägt dann mit sicheren Catches zu. Athletische Einlagen sind dort keine Seltenheit. Ich würde Diggs gegen jede Art von Wide Receiver aufstellen. Er wird immer einen Weg finden, unterschiedliche Matchups bespielen zu können. Der athletische Playmaker kann rasant zum Play gehen, wenn er scheinbar schon geschlagen ist. 

Meistens hat er den richtigen Riecher für den Plan des Gegners. Dann wird der ehemalige Receiver zu einem echten Problem. Er spielt physisch durch die Arme des Gegenspielers in Manier eines Wideouts und ist auch an der Seitenlinie mit gefährlichen Einlagen für Interceptions gut. 

Schwächen

Beeindruckend wie gut sich der groß gewachsene Diggs bewegt. Quarterbacks müssen immer davor gewappnet sein, wie zügig er an den Ort des Geschehens gelangen kann und sich dann athletisch in die Höhe schrauben kann. Als hüftsteif möchte ich ihn dennoch bezeichnen. Er gewinnt seine Duelle physisch und nicht durch besondere Flexibilität.

Bewertung

Als Press Man Cornerback wird er mir auf dem nächsten Level am besten gefallen. Seine Physis, Athletik und Spritzigkeit erlauben es Trevon Diggs hier bei jedem Matchup mitgehen zu können. Dann hat er das Zeug dazu, seine Seite komplett sauber zu halten. Erweiterte Fähigkeiten im Spielverständnis und sein Hintergrund als ehemaliger Receiver machen den Bruder von Stefon Diggs zu einem potentiellen Playmaker in der NFL. 

Noah Igbinoghene, Auburn

Bei dem Namen wird Noah Igbinoghene für einige Stolperer bei Kommentatoren sorgen. Erst vor zwei Jahren wechselte der Modellathlet von Wide Receiver auf Cornerback. Als Returner wurde er hingegen kontinuierlich am College eingesetzt. Mit 1,78 Meter ist er etwas kleiner als andere Talente im Draft, kompensiert dies jedoch mit seiner besonderen Athletik und Körperkontrolle bei 90 Kilogramm Körpermasse. Igbinoghene hat sich in kürzester Zeit so rasant in eine, ihm zuvor unbekannte, Position entwickelt, wie man es selten erlebt. 

Stärken

Igbinoghene will stets am Catch Point das Play machen und bringt sich dafür konstant in eine gute Position. Auch wenn seine Beinarbeit noch ausbaufähig ist, zeigt er bereits gute Ansätze als Manndecker. Sein Gespür für Routes und Richtungswechsel hat sich bemerkenswert rasant entwickelt.

Er kann sehr schnell Räume gegen Receiver und Ballträger verkürzen. Ich habe in der Vergangenheit keinen Verteidiger erlebt, der den Wechsel von Receiver zu Cornerback so weich vollzogen hat. Sein hoher Top Speed hat ihm dabei geholfen. Dazu kann er in Zukunft als Returner eingesetzt werden. Außergewöhnlich beweglich präsentiert sich Igbinoghene. Weiche Hüften und Gelenke machen ihn zu einem dynamischen Verteidiger, der jede Bewegung des Receivers spiegeln kann. Jedoch fehlt die Erfahrung und Ausbildung, um Füße korrekt zu setzen. Daran lässt sich allerdings weiter arbeiten. 

Der Modellathlet verkürzt rasant den Weg zum Ballträger und ist gegen den Lauf und in Special Teams ein verlässlicher Verteidiger. Physisch und explosiv geht er dabei zu Werke. Seinen Bereich hält Igbinoghene im Run Support definitiv sauber.

Da er die Position noch lernt und längst nicht ausgereift ist, ist eine Prognose erschwert. Seine Athletik und Körperkontrolle ist aber deutlich erkennbar, sodass er sich zu einem konstant sehr beweglichen Cornerback entwickeln sollte. Das Risiko mit ihm einen Fehler zu machen, ist damit trotz fehlender Entwicklung minimiert.

Räume werden sehr gut von ihm verkürzt und auch nach Richtungswechseln kann Igbinoghene zügig wieder Kontakt aufnehmen. Nach Interceptions oder bei Returns ist er sehr schlüpfrig und schwer zu fassen. Bei guter Beinarbeit ist er auf kurzen Routen nicht zu besiegen.

Schwächen

Obwohl er einen Hintergrund als Receiver hat und überraschend oft für Pass Breakups sorgt, ist seine Produktion leider sehr gering. Lediglich eine Interception am College ist enttäuschend. Er wird mit mehr Erfahrung aber aggressiver am Catch Point agieren und kann sich hierin gewiss noch verbessern.

Igbinoghene liest kaum das Spiel und ist häufig der reagierende Verteidiger. Mit athletischen Einlagen bringt sich der Cornerback dennoch an den Ort des Geschehens. In der NFL wird dem rohen Spieler dies nicht mehr so leicht gelingen. 

Bewertung

Noah Igbinoghene spielt die Cornerback Position noch nicht lang und zeigt dafür bemerkenswerte Fähigkeiten. Die Frage ist nicht, ob er sich zu einem guten Cornerback entwickelt, sondern wie lang es dauert, bis wir seinen Namen an Sonntagen regelmäßig hören. Mit explosiven Einlagen kann der ehemalige Receiver zumindest von Beginn an als Returner und Gunner eingesetzt werden. Sein Horizont als Cornerback ist kaum zu beschreiben. In einer starken Klasse wird er am zweiten Tag noch zu haben sein. Am Talent gemessen, sollte er in Runde Eins gehen.

Diese zehn Cornerbacks sollten ihren Namen zuerst im Draft hören

  1. Jeff Okudah, Ohio State
  2. Trevon Diggs, Alabama
  3. Noah Igbinoghene, Auburn
  4. Damon Arnette, Ohio State
  5. Kristian Fulton, LSU
  6. C.J. Henderson, Florida
  7. Jeff Gladney, TCU
  8. Bryce Hall, Virginia
  9. A.J. Terrell, Clemson
  10. Troy Pride Jr., Notre Dame

Höher als bei Anderen: Damon Arnette, Ohio State

Mir sind die Gerüchte um seine schlechte “Coachability” durchaus zu Ohren gekommen. Angeblich soll Arnette sehr hochnäsig sein. Von hier aus ist das natürlich schwer zu beurteilen. Vorstellen kann ich mir aber durchaus, dass er schlichtweg die Boards hinunter purzelt, weil er neben sich einen so überragend spielenden Jeff Okudah am College hatte und vermeintlich davon profitierte.

Dabei ist er technisch so fein entwickelt, dass es mich wundert, woher die Aussagen, er würde nicht auf Coaches hören, stammen. Über vier Jahre sammelte Arnette wichtige Erfahrungen und war stets produktiv. Der physische Cornerback könnte bei seiner kräftigen Spielweise auch als Nickelback gegen Big-Slot-Receiver eingesetzt werden.

Damit bietet er wichtige Vielseitigkeit, die im Draftprozess noch zu sehr vernachlässigt wird. Denn mit 1,75 Meter wird man Spieler wie N’Keal Harry in Zukunft sonst nicht verteidigen können. In Special Teams kann er sich zusätzlich einen Namen machen.

Tiefer als bei Anderen: Jaylon Johnson, Utah

Johnson liest in beeindruckender Weise das Spiel und produzierte dabei sechs Interceptions am College. Seine Seite hat er in den meisten Begegnungen praktisch komplett dicht gehalten. Obwohl er nicht in meinen Top Ten aufgeführt ist, zählt er trotzdem zu den Namen, die meiner Meinung nach am zweiten Tag ausgewählt werden müssen.

Gegenüber den Talenten vor ihm, fehlt es Johnson an der Vielseitigkeit. Dazu ist er kleiner und wird in der NFL weniger physisch agieren können, als noch am College. Gerne spielte er sehr eng am Receiver. Zu eng für die scharfen Regeln bei den Profis.


Neben der Top Ten, gibt es weitere interessante Namen für die Cornerback Position. Solltest Du Fragen zu den Prospects haben, erreichst Du mich am besten über Twitter und per Mail: draftnerdde@gmail.com