Bevor einige Runningbacks sich entschieden, wieder an ihr College zurückzukehren, erwarteten viele eine der besten Draft-Klassen aller Zeiten für diese Position. Dennoch wäre ich überrascht, wenn sich nicht mindestens fünf NFL Teams an den ersten beiden Tagen des Drafts einen neuen “Ballträger” suchen.

Drei der Top-Prospects werde ich dem Ranking der besten zehn dieser Klasse beifügen. Dazu kannst Du ein vorab erstelltes Profil zu J.K. Dobbins nachlesen. 

Meine zehn besten Runningbacks

  1. D’Andre Swift, Georgia
  2. J.K. Dobbins, Ohio State
  3. Cam Akers, Florida State
  4. Jonathan Taylor, Wisconsin
  5. Clyde Edwards-Helaire, LSU
  6. Anthony McFarland, Maryland
  7. Antonio Gibson, Memphis
  8. Eno Benjamin, Arizona State
  9. Joshua Kelley, UCLA
  10. Ke’Shawn Vaughn, Vanderbilt

D’Andre Swift, Georgia

Der 21-jährige Runningback erhielt im ersten College Jahr gelegentliche Bälle hinter den beiden Startern Nick Chubb und Sony Michel bei den Georgia Bulldogs. Danach etablierte sich D’Andre Swift sofort als Starter und schoss mit seinen 1,75 Metern Größe und 98 Kilogramm Gewicht durch die Abwehrreihen der Gegner. In beiden Jahren als Leadback erzielte er in der SEC mindestens 1.000 Rushing Yards.

Stärken

Paart man sein ganzes Skill-Set mit der großartigen Übersicht, die er für die NFL mitbringt, erhält man einen konstanten und sehr effektiven Runningback. Er lässt häufig seine Gegner bereits aussteigen, bevor sie überhaupt in Kontakt zu ihm kommen.

Mit seiner besonderen Spritzigkeit und Spielgeschwindigkeit wird Swift konstant Gefahr für lange Runs und Ausbrüche ausstrahlen. Das ist seine beste Fähigkeit. Es ist nicht allein der “Long-Speed” sondern die Mischung aus seinem ersten Schritt, der Beschleunigung nach dem ersten Cut und letztlich der hohen Endgeschwindigkeit, die ihn zu einem Mismatch für gegnerische Defenses machen.

In seiner zweiten Saison spielte er trotz Leistenverletzung effektiv und zeigte sich belastbar. Selbst wenn er nicht bei 100 Prozent ist, kann er also spielen und war ein Erfolgsfaktor zum Erlangen der SEC East Division Meisterschaft.

Swift gibt seinem Quarterback eine verlässliche Anspielstation für Checkdowns. Gegen Linebacker kann er zudem ein Mismatch auf den klassischen Runningback-Routen sein. Nach dem Catch ist er bei seinen Anlagen selbstverständlich brandgefährlich. Der Playmaker erfüllt damit das Anforderungsprofil eines Erstrunden-Talents. Swift ist sehr beweglich und startet explosiv nach seinen aggressiven Cuts in die andere Richtung. Er gibt damit seiner zukünftigen Offense ein hohes Maß an “Big-Play-Ability”.

Nachdem er seine Leistenverletzung komplett auskuriert hatte, arbeitete Swift stetig an seiner Kraft und Energie. In seiner letzten Saison verließ man sich auch in Short-Yardage-Situationen auf ihn und wurde nicht enttäuscht. Obwohl er immer noch ein Leichtgewicht im Vergleich zu anderen Runningbacks ist, kann man ihm bei der Aufnahme von Blitzes vertrauen. Unbestreitbar zeigt er darin die Fähigkeiten eines Every-Down-Backs.

Schwächen

Swift spielte am College häufig angeschlagen. Selbst wenn er damit eigentlich nie ein Spiel verpasste, ist dies ein Bereich auf den Teams bei ihm schauen müssen. Ansonsten ist er komplett. 

Bewertung

Swift besitzt ein seltenes Paket aus Power, Geschwindigkeit, Beweglichkeit und Übersicht. Er wird damit vom ersten Tag an in der NFL ein besonderer Spieler sein. Unbestreitbar stellt er das Profil eines führenden Runningbacks bei allen Downs dar. An sich kann er in jedem System strahlen. Gelangt er in ein Inside Zone Run Schema, wird er bei seinen Fähigkeiten bei scharfen Cuts und Ausbrüchen den größten Erfolg haben.

Cam Akers, Florida State

In seinem ersten Jahr an der Florida State brach er erstmal ein paar Rekorde seines Vorgängers Dalvin Cook. Doch seine Leistungen konnte er hinter einer der schlechtesten Offensive Lines des Landes nicht wiederholen. Mit 20 Jahren geht der einstige Nummer Eins Runningback Rekrut nun in die NFL. Er ist 1,81 Meter groß und wiegt dabei 96 Kilogramm. 

Stärken

Wird seine Offensive Line nicht sofort um Yards nach hinten geschoben, präsentiert Akers seine hervorragende Feldübersicht. Er kann in der NFL das Laufspiel seines Teams als kompletter und spielintelligenter Runningback anführen. Sein linearer Speed ist beeindruckend. Lange Läufe bis in die Endzone kann man von ihm erwarten. Bei Outside Runs geht er blitzschnell Richtung Außenbahn und ist schwer für Linebacker zu erreichen. Spritzig wechselt er seine Laufwege und rast durchs offene Feld. 

Er ist sich nicht zu fein, für entscheidende Yards einen harten Hit zu kassieren. Dies ist etwas, dass man berücksichtigen sollte. Fest steht jedoch, dass Akers bisher von schweren  Verletzungen verschont geblieben ist.

An der Florida State verlangte man viel von ihm im Pass-Angriff. Akers enttäuschte sein Team hierbei nie. Konzentriert und mit sicheren Händen kann man sich auf ihn verlassen. Dabei müssen es nicht ausschließlich Runningback-Routen sein. Er kann auch die Secondary angreifen.

Akers ist ein sehr beweglicher Runningback und damit im offenen Feld und im Receiving Game gefährlich. Gemessen an seiner schwachen Offensive Line, war Akers äußerst effektiv und bewies seine besondere Agilität. Richtungswechsel erfolgen wendig und er behält dabei seinen tiefen Körperschwerpunkt. 

Alles spricht über Swift, Dobbins und Taylor. Aber Akers bringt vergleichbare Qualität mit. Seine schwache Line schmälert sein Gesamtergebnis. Dafür lief er im Schnitt respektable fünf Yards pro Laufversuch. Der athletische Runningback ist es bereits gewohnt mit tiefem Schwerpunkt und frühem Kontakt für jedes Yard zu fighten. Seine Power hierbei ist über jeden Zweifel erhaben.

Schwächen

Ein wirksamer Blocker in einer schlechten Offensive Line sieht schlecht aus. Akers kann uns da in der NFL ein ganz anderes Gesicht zeigen. Das halte ich für sehr wahrscheinlich. Manche glauben, er müsse das zunächst lernen. Ich sage, dass er bereits dank Athletik und Technik ein entwickelter Pass Protector ist und Potenzial darin bietet.

Bewertung

Akers bringt alles mit für einen zukünftigen Führungsspieler im Laufspiel. Beweglich, kräftig und schnell, ist er effektiv und gefährlich. Im Pass-Angriff ist er ebenfalls eine vielseitige Anspielstation. Diverse Fumbles sind das einzige, dass mich am sofortigen Einfluss in der NFL zweifeln lässt. Er kann bei jedem Down aufgestellt werden und besitzt Star-Potenzial.

Jonathan Taylor

Rekorde über Rekorde zeichnen den Weg von Jonathan Taylor und den Wisconsin Badgers. Als Freshman übertraf er Adrian Petersons 1.925 Rushing Yards als bester Freshman aller Zeiten. Im ersten Jahr war er noch ganz knapp an der 2.000 Yards Marke vorbeigeschrammt. In Zukunft brach er diese Schallmauer zwei Jahre in Folge und wurde 2018 mit dem Doak Walker Award für den besten Runningback des Landes ausgezeichnet. 

Stärken

Taylors Erfolg rührt zu einem guten Teil daher, dass er bei seinen Laufversuchen mit mehreren Reads betraut wurde. Es gab fast immer mehrere Optionen und Lücken durch die er hindurch schießen konnte. Der schlaue Runningback bewies am College bereits seine außergewöhnliche Feldübersicht.

Es gab am College keine gegnerische Defense, die Taylor stoppen konnte. Mit hoher Beschleunigung nach seinen Cuts erzielt er konstant Raumgewinn. Seine hohe Geschwindigkeit ist etwas, dass man bei seiner physischen Spielweise nicht erwartet. Mit guten Fanghänden und schnell gelaufenen Runningback-Routen ist er eine verlässliche Option in den Flats und bei Checkdowns. Er hat sich darin stetig verbessert und hat das Zeug dazu, in Zukunft auch Receiver-Routen zu bespielen.

Seine Laufversuche sind kräftig und physisch. Es gibt hierbei keinen Unterschied an seiner Haltung zwischen dem ersten und dem vierten Viertel. Von einem Gegner allein lässt sich Taylor praktisch nie zu Boden ringen. In Short-Yardage-Situationen ist er kaum aufzuhalten.

Taylor hat kein Problem damit gegnerische Blitzes aufzunehmen. Technisch und physisch war er da stets sicher. In der NFL kann man sich hier auf ihn verlassen.

Schwächen

Über 900 Laufversuche und 6.000 Yards sind beeindruckend. Hinsichtlich seiner zukünftigen Belastbarkeit aber kein Pappenstiel. Taylor war nie großartig verletzt, was man ihm hoch anrechnen muss. NFL Teams werden seine hohe Belastung am College dennoch kritisch beäugen.

Seine Beweglichkeit ist gut für einen Runningback mit seinen Körpermaßen. Am College konnte er damit den meisten Verteidigern ausweichen. Besonders agil ist er zu Swift, Dobbins und Akers aber nicht. 

Bewertung

Taylor ist am gefährlichsten, wenn er mit vielen physischen Läufen die gegnerische Defense allmählich zermürben kann. In einem Schema, das hauptsächlich auf Laufversuche zwischen den Offensive Tackles abgestimmt ist, kann er sofort in der NFL bei allen Downs starten. Wie lange er bei seiner hohen Belastung am College noch auf seinem Level performen kann, beeinflusst seinen Wert im Draft. Mit seiner Effektivität in den ersten Jahren wird das allerdings nichts zu tun haben.

Neben der Top Ten gibt es weitere interessante Talente unter den Runningbacks. Solltest Du Fragen zu den Prospects haben, erreichst Du mich am besten über Twitter und per Mail: draftnerdde@gmail.com