“Es passt wie Arsch auf Eimer”, sagt man bei uns so treffend. Viele NFL Teams ächzen gerade auf der langen Suche nach Verstärkungen auf den Offensive Tackle Positionen. Nun scheint die Position am College den Sprung gemacht zu haben, den wir vor einigen Jahren bei den Edge Rushern bereits erlebten. Noch nie war eine Klasse an Offensive Tackle so athletisch, wie diese, dazu so technisch entwickelt und fortschrittlich.

Auch in der Tiefe lassen sich noch viele Talente finden. Jedoch müssen Teams sich nach den Top-Talenten im Draft strecken, wollen sie zur Qualität auch einen sofortigen Starter haben. 

Jedrick Wills, Alabama

Er folgte seinem Teamkollegen Damien Harris von der Lafayette High School in Kentucky an die University of Alabama. Nachdem er sich als Freshman mit einer Reservistenrolle zufrieden geben musste, entwickelte sich Jedrick Wills in seinem zweiten Jahr zum sofortigen Starter. Von da an blockte er als Right Tackle die “Blind Side” des links werfenden Tua Tagovailoa.

Offensive Line Coaches im ganzen Land sind sich einig darin, dass der 20-jährige Wills auch auf der linken Seite spielen kann. Der Expertise schließe ich mich an. Auch wenn Anpassungen der Beinarbeit in Pass Protection immer eine größere Hürden sein können, als manch ein Coach annimmt. Mit 1,96 Metern Körpergröße und 145 Kilogramm Körpermasse bewegt er sich so athletisch, wie manch ein NFL Tight End. 

Stärken

Seine hervorragende Beinarbeit kommt nicht von ungefähr. Das Modell eines modernen Offensive Tackles geht leichtfüßig ins zweite Level vor und lässt sich im Pass Rush von keinem noch so scharfen Winkel um die Ecke besiegen.

In Pass Protection setzt Jedrick Wills einen unüberwindbaren Anker. Dank hervorragender Beinarbeit, Körperlänge und Flexibilität im Unter- und Oberkörper ist er der beste Offensive Tackle der letzten Jahrgänge. Am College beschützte er als Right Tackle zuverlässig die Blind Side von Tua Tagovailoa. 

Obwohl er so effektiv in Pass Protections ist, bringt er ein herausragendes Komplettpaket in die NFL mit. Wills ist nämlich nicht nur beweglich und ein sauberer Techniker. Er ist auch sehr kräftig gebaut. Damit pushed er Gegner zügig aus den Run Lanes und geht selbstbewusst ins zweite Level vor. Läufe über seine Seite sind in der Regel vielversprechend.

Ist sein Gegenspieler der Meinung relativ aufrecht an der Line zu spielen, wird er von Wills komplett zerstört. Mit Explosivität und purer Kraft am Snap, stieß er sogar die besten College Verteidiger aus den Run Lanes, bevor diese überhaupt wussten, wie ihnen geschah.

“Schwebe wie ein Schmetterling, stich wie eine Biene” (Muhammad Ali)

Seine Beinarbeit ist bereits auf NFL Niveau. Damit erfüllt er das wichtigste Kriterium für die NFL. Von Verteidigern lässt er sich dabei nie aus dem Rhythmus bringen. Mit solch spritziger und feiner Beinarbeit ist er ein beeindruckendes Talent.

Im offenen Feld bewegt er sich besser als manch leichtere Spieler. Im Run Blocking verliert er nicht die Körperkontrolle und überrumpelt ihn doch einmal der Pass Rush, ist er in der Lage sich mit kräftigem und flexiblem Oberkörper zurück zu kämpfen. Seine Pass Sets sind beeindruckend. Dabei verteilt er kräftige platzierte Schläge an das Pad seines Gegners und bringt diesen so aus der Balance. Im Run Blocking hat er meist als Erster die Hände am Gegenspieler und kontrolliert den Block von Anfang bis Ende. 

Solch ein athletischer und physischer Offensive Tackle hat meistens am College zu sehr auf seine Anlagen vertraut und hat seine Techniken kaum entwickelt. Bei Wills liegt der Fall jedoch anders. So feine, sichere und kontrollierte Techniken sehe ich äußerst selten bei einem College Spieler. Dazu hat er die Übersicht um im zweiten Level Linebacker aufzureiben.

Schwächen

Abgesehen von dem Vorwurf, dass er auf Left Tackle noch nie gespielt habe, gibt es rein gar nichts an ihm auszusetzen. Ein kompletter Offensive Tackle.

Bewertung

Wills ist ein Prachtexemplar von einem Offensive Tackle. Er kann in der NFL sofort starten und hat das Zeug zum sofortigen All Pro Level. In einem vertikalen System benötigt man Tackle, die den Pass Rush länger aufhalten können. Jedrick Wills ist dafür prädestiniert. Technik, Athletik, Physis und Arbeitseinstellung lassen bei ihm keine Frage mehr offen. Für mich gilt er als der sicherste Pick im kommenden Draft.

Tristan Wirfs, Iowa

Der 21-jährige Modellathlet gewann an der High School Meisterschaften im Diskuswerfen, Amatuer-Wrestling und Baseball. Football kam da lange Zeit zu kurz. Am College änderte sich das schlagartig. Tristan Wirfs ist seit 1999 der erste True Freshman der als Left und als Right Tackle gestartet ist. Der Körpermaße sind nahezu identisch mit denen von Jedrick Wills, weshalb sie im Draft Prozess gern miteinander verglichen werden.

Stärken

Wirfs ist ein Modellathlet und prototypischer Offensive Tackle. Mit solchen Aussagen bin ich meist vorsichtig, aber wenn es doch zutrifft. Explosiv bringt er sich beim Snap in Schwung und führt kraftvoll und energisch seine Blöcke aus. Verteidiger, die eine dürftige Beinarbeit haben, setzt er spielerisch in Bewegung. Die Kraftübertragung nach dem Snap aus dem Unterkörper ist phänomenal. Häufig schlägt Wirfs beim Laufspiel rasant das erste Matchup und kann selbstbewusst ins zweite Level vorgehen.

Tristan Wirfs vs. Jedrick Wills: Who is the best tackle Prospect? – Brett Kollmann

Technisch ist Wirfs im Unterkörper auf ganz hohem Level. Dass er in Pass Protection Fehler macht, liegt definitiv an technischen Defiziten und daran, dass er seine Beine nicht schnell genug bewegen kann. Bei sauberer Ausführung spiegelt er rhythmisch jede Bewegung des Verteidigers und drückt mit schnellen Füßen energisch Gegenspieler aus den Run Lanes.

Der erfahrene Right Tackle muss bei seinen Anlagen früh gedraftet werden. Stimmt auch seine Technik, ist er aufgrund seiner Beweglichkeit kaum zu umkurven. Verliert er ausnahmsweise den ersten Kontakt am Snap, ist er in der Lage sich mit viel Power und Flexibilität im Körper zurück zu kämpfen.

Wirfs scheint seine Matchups vorzubereiten und hat so oft einen Plan, wie er seinen Gegenspieler am besten besiegen kann. Stunts und andere Designs an der Line of Scrimmage erkennt er gut. In Sachen Spielerkennung und -vorbereitung wird er NFL Teams überraschen

Schwächen

Einmal führen Konzentrationslücken dazu, dass Wirfs blitzende Linebacker manchmal zu spät erkennt. Dann sorgt schlechte Platzierung und Timing der Hände für inkonstante Pass Protection. Zu Beginn seiner Karriere wird er dort öfter ausgespielt, als es seinem neuen Team lieb sein wird. 

Seine pure Körperkraft erlaubt es ihm, ein sehr energischer Run Blocker zu sein. Aber dazu gehört noch mehr. Auch hier sorgt sein schwacher Handeinsatz dafür, dass er gelegentlich am Pad des Verteidigers abrutscht. Erst das Paket aus Power, Athletik und Technik wird ihn hier konstanter spielen lassen.

Die Platzierung und das Timing seines Handeinsatzes muss sich verbessern. Wenn er einen Rep verlor am College, dann deshalb. Arbeitet er an seiner Genauigkeit, wird er kaum noch zu schlagen sein. Aufgrund seiner großartigen Athletik und Beweglichkeit sehe ich keine Probleme, dass er sich langfristig darin verbessern kann.

Bewertung

Wenn Teams ihn lieber als Guard aufstellen wollen, weil er Probleme in Pass Protection hat, kann ich das verstehen. Das Risiko einen Flop gedraftet zu haben, minimiert sich dann ungemein. Jedoch muss man ihm eine Chance als Right Tackle geben. Verbessert er seine Techniken im Oberkörper, wird er den Sprung in die NFL auf der wichtigeren Position schaffen.

Das beeindruckende Paket an Power, Athletik und Spielerkennung wäre sonst verschwendet. Er sollte definitiv als sofortiger Starter in einer NFL Offensive Line angesehen werden. Egal ob man es innen oder außen mit Tristan Wirfs versucht.

Mekhi Becton, Louisville

Vor dem Draft wird Mekhi Becton noch seinen 21. Geburtstag feiern. Seine Mutter muss nun nicht mehr seine Geburtsurkunde mit zu jedem Auswärtsspiel schleppen. Vor zehn Jahren war er bereits ein solcher Hühne, dass Schiedsrichter und Trainer des Auswärtsteams sein wahres Alter regelmäßig anzweifelten.

2020 NFL Draft: Mekhi Becton loves dominating defenders | Pro Football Talk | NBC Sports

Er entschied sich gegen sein Heimat-College in Virginia und spielte stattdessen für die Louisville Cardinals, Die machten ihm nämlich zum sofortigen Starter in ihrer Offensive Line. Nach drei Jahren, in denen er Right und hauptsächlich Left Tackle spielte, wurde er Ende 2019 ins First Team der All-ACC gewählt. 

Stärken

Mekhi Becton ist ein geborener Left Tackle. Der athletische Freak wird allein bei seinen Anlagen die Prognose für eine lange NFL Karriere erhalten. Es gibt keinerlei athletische Limitierungen, die dagegen sprechen, dass er in unterschiedlichen Systemen seinen Quarterback beschützen kann.

Um den enormen Brocken muss man erstmal herum kommen. Bull Rusher können ihn nicht schlagen. Setzt er seine Hände sauber, haben athletische und schnelle Pass Rusher auch das Nachsehen. Selbst erfahrene Techniker kann er mit seiner schieren Körperkraft und Beweglichkeit aufhalten. 

Wenn NFL Teams sich noch nicht in ihn verliebt haben, tun sie es spätestens, wenn sie seine Run Blocks begutachten. Ob mit purer Power oder im Zone Blocking bewegt er Verteidiger konstant aus den Run Lanes und reißt Löcher für den Runningback auf. Auch bei Reach Blocks behält Becton stets die Kontrolle und Übersicht. Einfach genial. Kräftig gebaut bringt er mit hervorragender Beinarbeit direkt beim Snap seine Masse in Schwung. Im Run Blocking ist es ein hoffnungsloses Unterfangen, den Anker gegen Becton zu setzen.

Der wuchtige Offensive Tackle hat seine Techniken über die Jahre immer weiter entwickelt. Trotz seiner etwa 160 Kilogramm Körpermasse bewegt er sich unfassbar leichtfüßig und spritzig. Damit geht er jede Bewegung seines Gegners mit. Dank sehr guter Beinarbeit bringt er stets seine vielen PS auf die Straße. Häufig haben Tackle seines Kalibers damit so ihre Probleme.

Defizite gegen beweglichen Pass Rusher bestehen eher aufgrund mangelnder Technik. Für einen Mann mit seiner Größe bewegt er sich nämlich exzellent. Er kann sich in verlorene Reps zurück kämpfen und dank Flexibilität in den Hüften und feiner Beinarbeit alle Bewegungen des Verteidigers mitgehen. 

Schwächen

Ich kann es nur immer wieder betonen. Ein solches Schwergewicht dürfte sich eigentlich nicht so gut bewegen. Worin er sich noch verbessern kann, ist sein Handeinsatz. Gegen athletische Pass Rusher sind seine kräftigen Arme oft deplatziert und unsauber eingesetzt. Will er in der NFL konstant auftrumpfen, muss er daran arbeiten. 

Becton kommt dank beeindruckender Physis und Beweglichkeit mit Fehlern im Handeinsatz davon. In der NFL wird er sich nicht mehr so leicht aus der Affäre ziehen. Die Entwicklungskurve zeigt aber schon klar nach oben. Er wird sich stetig verbessern. Von Stunts und Twists lässt er sich nur noch selten aufs Glatteis führen.

Bewertung

Mekhi Becton bringt alles für die NFL mit. Er ist beweglich, groß und kräftig gebaut. Es gibt gewiss noch technische Probleme im Handeinsatz, an denen er zu arbeiten hat. Aber das beschreibt eigentlich schon, wie groß sein Potenzial noch ist. Im Laufspiel wird der hochkarätige zukünftige NFL Starter alles vor sich her treiben. Als Pass Protector hilft ihm zunächst sein großer Körperbau, bis er seine Techniken verfeinert hat. 

Meine zehn besten Offensive Tackle

Zur Erklärung möchte ich hinzufügen, dass es sich um ein Postion Ranking handelt. Mit meiner prognostizierten Reihenfolge, in der die Spieler letztendlich ausgewählt werden, hat das nichts zu tun. Hier soll die Bewertung ihres Talents im Vergleich zur Konkurrenz abgebildet werden.

  1. Jedrick Wills, Alabama
  2. Tristan Wirfs, Iowa
  3. Mekhi Becton, Louisville
  4. Andrew Thomas, Georgia
  5. Ben Bartch, St. John
  6. Prince Tega Wanogho, Auburn
  7. Ezra Cleveland, Boise State
  8. Jack Driscoll, Auburn
  9. Josh Jones, Houston
  10. Lucas Niang, TCU

Höher als bei Anderen: Jack Driscoll, Auburn

Der Journeyman spielte erst für die University of Massachusetts und dann in der SEC für die Auburn Tigers. Manches ändert sich in der öffentlichen Wahrnehmung wohl nie. Vor allem, dass Spieler, die bei mehreren Teams gewesen sind, in der medialen Bewertung immer schlechter wegkommen. Sogar bei Quarterbacks haben wir das in den letzten Jahren noch erlebt. Doch die Teams sehen das mittlerweile völlig anders.

Prince Tega Wanogho ist in aller Munde. Aber es war der Tiger auf der anderen Seite der konstant die härtesten Matchups in der SEC bestritt und durchweg brillierte. Sicher hast auch Jack Driscoll technische Defizite, die ihn in der Gunst gegenüber den ganz großen Starts im Draft fallen lassen. Aber der agile Right Tackle hat konstant über Jahre seinen Job gemacht und dabei keinerlei Anzeichen von Schwäche bei der Gewöhnung an ein höheres Level angedeutet.

Das werden ihm Teams auf alle Fälle höher anrechnen, als die Medien. Dabei wäre ich überhaupt nicht überrascht, früh am zweiten Tag vor anderen seinen Namen zu hören. Driscoll hat das Zeug zu einem soliden und frühen NFL Starter. 

Tiefer als bei Anderen: Josh Jones, Houston

Jones hat sich stetig entwickelt. Allerdings sind seine athletischen Tests nicht annähernd so gut gelaufen, wie viele es vorab prognostiziert haben. Ich mag Top-Athleten mit soliden Grundlagen. Wenn aber das “Top” gestrichen werden muss, bekomme ich Probleme ein frühes Investment zu rechtfertigen. Am zweiten Tag bin ich dann auch ein Freund davon. 

Neben der Top Ten, gibt es weitere interessante Talente für die Offensive Tackle Position. Solltest Du Fragen zu den Prospects haben, erreichst Du mich am besten über Twitter und per Mail: draftnerdde@gmail.com