Der Start der NFL-Saison 2020 ist tatsächlich in greifbare Nähe gerückt. Das bedeutet für den gemeinen Fantasy-Football Fan, dass es so langsam Zeit wird, sich mit der Fantasy-Saison 2020 auseinanderzusetzen. Ich will Dir einen Überblick geben, worauf es zu achten gilt, welche Strategie Sinn ergibt und welche Spieler im Fokus stehen.

Struktur der Liga

Grundsätzlich spielt der Großteil der Fantasy-Enthusiasten auf Plattformen, wie nfl.com, espn.com oder mobil auf der sleeper-App.

nfl.comespn.comSleeper
PPRPPRPPR
QBQBQB
RBRBRB
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WRWRWR
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TETETE
WR/RBFLEXFLEX
KKFLEX
D/STD/STK
D/ST
BENCHBENCHBENCH
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BENCHBENCH
BENCH

Für den Draft spielen folgende Kriterien eine übergeordnete Rolle:

  • Es wird jeweils nur mit einem QB und einem TE gespielt
  • Es müssen zwei RB und zwei WR gestartet werden
  • Es muss eine FLEX Positionen mindestens gestartet werden, Sleeper verlangt sogar zwei Starter auf dieser Position.

Draft-Strategie

Das allem übergeordnete Kriterium bei Drafts ist das Prinzip von „Angebot und Nachfrage“. Die Gesetze des Marktes für seltene Gemälde gelten ebenso im Draft. Nur sind es hier nicht Bilder berühmter Maler, sondern Positionen mit hoher Nachfrage.

Quarterbacks

Die NFL hat 32 Teams, in denen bis auf wenige Ausnahmen, die Starter schon feststehen. Die Chicago Bears haben ein offenes Camp-Battle und der Washington FC ist sich noch nicht sicher. Ryan Fitzpatrick wird in Miami starten, hier steht nur nicht fest, wann Tua übernimmt. Bei den Chargers startet Tyrod Taylor sicher. Es stehen also 29 Quarterback-Starter fest und nur drei sind unsicher. 

Über die letzten Jahre hat sich gezeigt, dass die late-round-Strategie bei Quarterbacks ergiebig gewesen ist. Diese Strategie kann man auf zwei Arten verstehen:

  1. Late round wörtlich: Wir draften den Quarterback einfach sehr spät. Bei 16 Runden, werden die letzten 3 Runden angepeilt, auch bis hin zur letzten Runde. 
  2. Late round aus der value-Perspektive: Du draftest einen Quarterback, der so weit fällt, dass er zu einem value wird. Zum Beispiel haben Patrick Mahomes und Lamar Jackson eine ADP (durchschnittliche Draft Position) von Mitte bis Ende Runde 2. Fällt einer der beiden Spieler jetzt um eine Runde, wird er zum value. Das setzt allerdings voraus, dass man ungefähr weiß, wie die ADP der verschiedenen Spieler sind.

Außerdem kannst Du Dir merken, dass die Unterschiede bei den Quarterbacks nach den ersten sechs (Mahomes, Jackson, Prescott, Murray, Watson, Wilson) relativ gering sein werden. Einen Premium-Pick zu investieren lohnt sich nach diesen sechs Quarterbacks nicht mehr. 

Tight Ends

Auch die Tight End-Position wird nur einmal besetzt. Der Unterschied zu den Quarterbacks ist allerdings, dass das Gefälle bei Tight Ends um ein Vielfaches größer ist, als bei den Spielmachern. Travis Kelce und George Kittle führen das Feld an und gehen berechtigterweise schon in Runde zwei übers Board. Danach kann man noch Argumente für Mark Andrews und Zach Ertz in Runde 4 finden. Alles andere danach ist mit kleineren und größeren Fragezeichen versehen. Die Lösung ist entweder einen Top-Tight End zu ziehen oder sehr lange auf eine solide Option zu warten.

Mike Gesicki, Hayden Hurst, Noah Fant, Dallas Goedert, Rob Gronkowski und insbesondere Jonnu Smith sind hervorragende Lösungen und werden meistens nicht unter den ersten zehn Tight Ends gepickt.

Bei den Positionen Quarterback und Tight End ist es einfacher im Auge zu behalten, wann die anderen Mitspieler in diese Positionen investieren. Grundsätzlich picken viele nur einen Spieler auf der jeweiligen Position. So kannst Du abschätzen, was für Dich noch übrig bleibt. 

Wide Receiver

In allen Formaten werden nur zwei Wide Receiver verlangt. Ich schreibe bewusst nur. 32 Teams starten mindestens zwei Wide Receiver und in 50% der Zeit sogar drei Passempfänger. Macht 78 Wide Receiver mit signifikanter Zeit auf dem Feld, was die Vorrausetzung für Punkte darstellt. 

In der Saison 2019 haben 67 Spieler mehr als fünf Targets pro Spiel bekommen. Es waren immerhin noch 50 Spieler mit sechs und mehr Targets pro Spiel und 33 Spieler sogar mit sieben und mehr Targets pro Spiel. In der Elite-Gruppe der Wide Receiver mit acht und mehr Targets pro Spiel sind es immer noch 20 (!) gewesen. 

Der Punkt, der hier deutlich wird. Es lohnt sich nicht zu früh in Wide Receiver zu investieren. Es gibt zu viele gute davon. Eine wichtige Statistik, die die Auswechselbarkeit von Receivern in Formaten mit wenig Startern zeigt. Der Unterschied am Saisonende zwischen Wideouts, die unter den Top 12 landen, und denen die WR13-24 sind, wird in den letzten Jahren stetig geringer. Es macht also immer weniger Unterschied, ob man den fünftbesten Wide Receiver oder den auf Platz 19 in seinem Team hat. Viel wichtiger ist die Position.

Runningbacks

Wenn es eine entscheidende Position gibt, die auf Sieg und Niederlage den größten Einfluss hat, dann ist es die des Runningbacks. Die Siegchance in BestBall Formaten zeigt auf, dass man mit einem Runningback, den man im Draft trifft, den größten Einfluss auf eine erfolgreiche Saison hat. Einfach ausgedrückt: Wer Christian McCaffrey in der Saison 2019 gedraftet hat, hatte eine viel größere Wahrscheinlichkeit die Saison erfolgreich abzuschließen als derjenige, der Michael Thomas gedraftet hat. Top-Runningbacks punkten besser als Top-Wide Receiver. 

32 Teams starten 32 Runningbacks. Vielerorts gibt es allerdings das Konzept, dass sich Runningbacks die Arbeitslast teilen. Dieser Umstand ist bei Wide Receivern noch ein Segen. Bei Runningbacks führt er allerdings dazu, dass der Wert der Spieler, die in diesen RBBC (Runninback by commitee) operieren, gemindert wird. Das liegt daran, dass ein Run weniger wertvoll ist als ein Catch. Also wird die Zahl der brauchbaren Runningbacks nicht größer sondern kleiner. Und unter diesen wenigen Runningbacks, die eine höhere Arbeitslast bekommen, gibt es dann auch nochmal Abstufungen, wie sie auf dem Feld eingesetzt werden.

Was bringt es Devin Singletary (Bills) außerhalb der Redzone solide Touches zu bekommen, wenn er dann an der Goalline Zack Moss den Vortritt lassen muss? Die Anzahl der Elite-Runningbacks ist daher äußerst gering:

  1. Christian McCaffrey
  2. Ezekiel Elliott
  3. Saquon Barkley
  4. Derrick Henry
  5. Dalvin Cook
  6. Alvin Kamara
  7. Joe Mixon
  8. Miles Sanders
  9. Clyde Edwards-Helaire

Kleinere Fragezeichen haben:

  1. Nick Chubb
  2. Josh Jacobs
  3. Kenyan Drake
  4. Aaron Jones
  5. Austin Ekeler

Schon größere Fragezeichen haben:

  1. Chris Carson
  2. James Conner
  3. Todd Gurley
  4. Leonard Fournette
  5. Melvin Gordon
  6. LeVeon Bell
  7. Jonathan Taylor
  8. David Johnson
  9. Mark Ingram
  10. David Montgomery
  11. Ronald Jones
  12. Raheem Mostert
  13. Devin Singletary
  14. Kareem Hunt
  15. Cam Akers
  16. D‘Andre Swift

Zusammengefasst sind das 14 Runningbacks, die wir mit einem sehr guten Gefühl draften können. Danach wird das Risiko schon deutlich höher, weil man die „Opportunities“ (Runs + Targets) für jeden einzelnen RB nicht einordnen kann.

Die optimale Draftstrategie

Was tun, nachdem Du alle Informationen zur Hand hast? Entscheidend ist unter normalen Umständen natürlich, von welchem Punkt aus Du draftest. Ob Du am Anfang, in der Mitte oder am Ende des Drafts pickst, ist ein großer Fingerzeig, wie Du deinen Draft angehen solltest. Ein großer Irrtum, den leider manche propagieren, ist nach der Best Player Available-Strategie vorzugehen. Hierbei soll immer der Best Player Available (also der beste Spieler auf dem Board) gepickt werden. Das ist leider sehr kurzsichtig gedacht und gibt einem eine schlechte Strategie zur Hand.

Grundsätzlich gilt es so viele Runningbacks wie möglich, aus den ersten 14 zu bekommen. Damit wären beide Picks in den ersten zwei Runden aufgebraucht. In Runde Drei gibt es jetzt mehrere Möglichkeiten. Sind Mahomes, Jackson oder Kittle/Kelce gefallen oder machst Du mit Runningback weiter? Chris Carson, James Conner, Todd Gurley, Leonard Fournette, Melvin Gordon, LeVeon Bell, Jonathan Taylor und David Johnson haben durchaus das Potential, den Unterschied in einer Liga auszumachen. Und wenn einer dieser Spieler noch in Runde vier fällt, dann solltest Du unbedingt zuschlagen.

Was uns dazu bringt in Runde Fünf dann anzufangen Wide Receiver ins Team zu holen. Robert Woods, DJ Chark, Tyler Lockett, DK Metcalf oder Terry McLaurin geben hervorragende Spieler ab und haben seriöses Upside unter den Top 12 der Liga zu landen. Du kannst jetzt bis Runde 9 durchaus nur Wide Receiver picken. Das gibt einem nochmal die Möglichkeit, später auf ein paar Runningbacks zu setzen, die im Falle einer Verletzung des Vordermanns durchstarten könnten. Alexander Mattison, Tony Pollard, Chase Edmonds, Darrell Henderson, Zack Moss und AJ Dillon sind Optionen. Ein Tipp für noch ein wenig später ist Damien Harris. Abgerundet wird das Ganze mit einem späten Quarterback und einem Tight End. Kicker und Defense dazugeholt und schon steht euer Team. 

Fazit

Ziel war es, ein Gefühl für den Draft zu vermitteln und Positionen korrekt einzuordnen. Bei aller Strategie und Gedanken um die richtigen Spieler, darfst Du aber nie vergessen, dass immer noch eine gehörige Portion Glück mit im Spiel ist. Hab viel Glück und viel Spaß beim Draft für die Fantasy Football Saison 2020.