Sonny Weishaupt: „Ich hatte meine Go-to-Guys fürs Übersetzen“

Quarterback Sonny Weishaupt steht mit den New Yorker Lions im German Bowl 2019. Es geht gegen Titelverteidiger Schwäbisch Hall Unicorns. Falls Lions-Quarterback Brandon Connette nicht fit wird, könnte Sonny starten. Wie tickt Weishaupt? Anlässlich des German Bowls und seines möglichen Einsatzes hat SCOUTREPORT noch einmal die Interviews mit Sonny aus dem Archiv geholt (sie erschienen zuerst im Juni 2019 auf scoutreport.de). Weishaupt spielte in dieser Saison in Frankreich, wechselte nach Saison-Ende nach Braunschweig.

Als Sonny Weishaupt ans Telefon geht, sitzt er gerade auf einer Parkbank in Grenoble und genießt die Sonne. Der Quarterback hat in dieser Saison für die Centaures de Grenoble gespielt, den Aufsteiger in der ersten französischen Liga bis in die Playoffs geführt. Jetzt ist er zurück in der GFL, bei den New Yorker Lions Braunschweig.

Im SCOUTREPORT-Interview spricht Sonny über sein Leben als Import, Dolmetscher beim Training und die Saison in Frankreich.

SCOUTREPORT: Sonny, in der ersten Playoff-Runde scheiterte Grenoble mit 45:7 an den Amien Spartiates. Wie fällt Dein Saison-Fazit aus?

Sonny Weishaupt: Ich habe mir seit der Niederlage viele Gedanken gemacht. Und ich muss sagen, mein Fazit fällt positiv aus. Die Saison war eine unglaubliche Erfahrung für mich, ein echtes Abenteuer. Ich habe die Ziele, die ich mir für diese Reise vorgenommen habe, größtenteils erfüllen können. Unser Hauptziel war der Klassenerhalt, viele Experten haben uns die Playoffs nicht zugetraut.

Die französische Liga ist in Nord und Süd eingeteilt, ähnlich der GFL. Die jeweils besten drei Teams qualifizieren sich für die Playoffs. Die beiden Top-Teams sind automatisch im Halbfinale. Die anderen vier Mannschaften ermitteln in einer Art Wild-Card-Runde/Viertelfinale die anderen zwei Halbfinalisten.

SCOUTREPORT: Du spricht über Ziele, die Du Dir für Deine Zeit als Import vorgenommen hast. Welche waren das?

Sonny Weishaupt: Das größte Ziel war ganz klar, den Spaß am Spielen wieder in den Vordergrund zu stellen, diesen Spaß wieder zu finden und zu entwickeln. Das hatte ich in Frankfurt – trotz meiner erfolgreichen Zeit bei Universe – nicht immer. Das habe ich geschafft. Ich habe es genossen, komplett „in charge“ zu sein, also in den Spielen, in denen es zählt, auf dem Feld zu sein und meine Plays zu callen. Die eigenen spielerischen Stärken wiederentdecken.

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Sonny Weishaupt im Trikot von Grenoble. Foto: Antoine Buche

SCOUTREPORT: Gab es auch private Ziele?

Sonny Weishaupt: Natürlich sollte man nicht in Statistiken denken. Aber ich wollte eine 2000-Yard-Saison, das hab ich mit 2200 geschafft. Ich wollte 20 Touchdowns, das hab ich mit 21 auch geschafft.

SCOUTREPORT: Hattest Du diese Ziele vorher mit Miriam Kohlhaas, Deiner sportpsychologischen Expertin, abgesprochen?

Sonny Weishaupt: Auf jeden Fall!

Hilfe vom Sportpsychologen? Für viele im Sport ein Tabu. Nicht so für Sonny Weishaupt, Quarterback der deutschen Football-Nationalmannschaft. Im Interview mit der KickoffShow spricht er ganz offen darüber, warum er sich von Mk Coaching helfen lässt und wie #Seahawks-Quarterback Russell Wilson ihn bei diesem Thema inspiriert hat. Die Sportpsychologen #ranNFL #NFL #GFL #AmericanFootball RedZone Pure American Football #Redcon

Gepostet von Chris Höb am Dienstag, 18. Dezember 2018

SCOUTREPORT: Wie hast sie Dir geholfen nach dem Playoff-Aus?

Sonny Weishaupt: Wir waren vorbereitet. Das hört sich jetzt doof an. Ich gehe ja nicht in Spiele rein und sage: Wir verlieren. Ich war für das Matchup gegen die Spartiates optimisch. Aber ich bin Realist, und es war klar: Wenn wir das Spiel verlieren, sind wir raus. Darüber hab ich mit Miriam gesprochen. Wir hatten uns schon in der Regular Season getroffen und unsere Schlüsse gezogen. Mein Mind-Set war: Alles, was jetzt noch kommt, ist die Kirsche auf der Sahne.

Englisch als Sprache im Team? Jein!

SCOUTREPORT: Als Import in Frankreich… sprichst Du fließend Französisch?

Sonny Weishaupt (lacht): Mein Französisch ist deutlich besser geworden. Es reicht für Alltagsgespräche, ich kann unfallfrei Einkaufen gehen. Die Umgangssprache ist natürlich da… ich verstehe deutlich mehr, als gedacht. Aber selber sprechen? Vor allem, wenn es schnell geht? Da muss ich beim Englischen bleiben.

SCOUTREPORT: Im Team wurde dann vermutlich Englisch geredet?

Sonny Weishaupt: Jein! Der Headcoach ist Kanadier, der spricht Französisch, wenn auch sehr gebrochen. Es gibt auch viele Spieler, die de facto kein Englisch sprechen.

Sonny Weishaupt Foto: Antoine Buche
Nach dem Playoff-Aus in der ersten Runde mit Grenoble schließt sich Weishaupt ab sofort den Lions Braunschweig an. Foto: Antoine Buche

SCOUTREPORT: War das ein Problem in der Kommunikation?

Sonny Weishaupt: Es stellte einen manchmal vor Probleme. Wenn du im Training zum Beispiel dem Receiver mitteilen möchtest, wie man besser zusammenarbeiten kann und wie er seine Route verändern soll… du aber dann erst mal einen dazurufen musst, der übersetzt.

SCOUTREPORT: Einen Dolmetscher? Hat sich das irgendwann eingespielt?

Sonny Weishaupt: Bei manchen Jungs ging das wirklich die ganze Saison so. Ich hatte irgendwann meine zwei Go-to-Guys, die dann zum Übersetzen da waren. Die haben dann gesehen, wenn ich auf den Receiver zu bin und kamen sofort dazu. Das lief dann fließend: Ich hab den Receiver auf Englisch angesprochen, die haben übersetzt, der Receiver hat auf Französisch geantwortet, und die haben ins Englische übersetzt.

Vier-Zimmer-Wohnung mit Blick auf die Berge

SCOUTREPORT: Wie hast Du in Grenoble gewohnt?

Sonny Weishaupt: Wir hatten eine großräumige Vier-Zimmer-Wohnung. Du gehst aus dem Zimmer und hast Blick auf die Berge – an guten Tagen sogar den Mont Blanc. Ich hab mit zwei Mitspielern aus Kanada zusammengewohnt. Die beiden Jungs sind übrigens gerade Einkaufen, während ich hier auf der Parkbank sitze (lacht).

SCOUTREPORT: Wie lief deine Woche als Import ab?

Sonny Weishaupt: Montagabend gab es immer eine Team-Besprechung. Dienstag und Donnerstag Training. Montag oder Dienstag hatte ich noch ein Meeting mit dem Coach, in denen wir die Trainingswoche besprochen haben. In spielfreien Wochen hatte ich vor dem Montagabend-Meeting noch eine Wurfeinheit mit Receivern und Running Backs. Ansonsten jeden Tag Gym! Und natürlich die Uni. Ich bin tatsächlich vorangekommen in meinem zweiten Studienfach Philosophie. Gerade was Essays und Hausarbeiten angeht, konnte ich einiges nachholen, was ich in den letzten Semestern bisschen habe schleifen lassen.

Im zweiten Teil des Interviews spricht Sonny Weishaupt über seinen Glauben und was sein Studienfach Philosophie und American Football gemeinsam haben. Außerdem vergleicht er die französische Liga mit der GFL.

Written by Chris Höb
Christian Höb ist Chefredakteur von SCOUTREPORT und moderiert die SCOUTREPORT-Webshow. Chris kommentiert außerdem GFL-Spiele der Berlin Rebels. Er ist freier Sportjournalist.

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