Nach einem eher müden Spieltag in Woche Drei gibt es endlich wieder spitzen College Football. Die SEC steigt ins Geschehen ein und zwar sofort mit direkten Conference Duellen. Als wäre das nicht genug, gibt es weitere vielversprechende Begegnungen. Zunächst treffen Kansas State und Oklahoma in der Big12 aufeinander. Florida State spielt in der Nacht zum Derby in Miami auf und NC State rundet mit Virginia Tech den ACC Spieltag ab. Das verspricht ein Feiertag für College Fans zu werden.

#5 Florida Gators @ Ole Miss Rebels (18 Uhr)

Ich bleibe mit RAN und ProSiebenMaxx am Samstag in der Southeastern Conference. Florida holte 2019 einen 11-2 Record und gewann im Orange Bowl gegen Virginia. Ole Miss ist eine bunte Wundertüte mit ihrem neuen Cheftrainer Lane Kiffin, ist aber durchaus ambitioniert. Zu sehen ist das Spiel im deutschen TV. Vor Ort sind ungefähr 16.000 Zuschauer im Vaught-Hemingway Stadium zugelassen.

Vaught-Hemingway Stadium // Wikimedia Commons: Matthew Nichols // Lizenz: CC 2.0

Mit Gators Quarterback Kyle Trask werde ich nicht warm. Bereits an der High School war Trask vorwiegend Backup. Obwohl er im Kurzpassspiel im letzten Jahr viel Erfolg hatte, fehlt es ihm sichtlich an Erfahrung. Im Umgang mit Druck bricht sein solides Setup schnell in sich zusammen. Jedoch muss er von einer sauberen Plattform werfen, denn sein Armtalent ist wenig beeindruckend. Trask geht nun in seine erste Saison als Starter in der SEC. Daher kann und darf über Trask noch kein finales Urteil gefällt werden.

Wichtigste Anspielstation ist sein Tight End Kyle Pitts. Ob im Zentrum oder an der Seitenlinie angespielt, findet Pitts stets einen Weg Pässe zu verwerten. Sein Catch Radius ist enorm. Selten löst er sich jedoch von Manndeckung. Eine Schwäche, die Ole Miss zu ihrem Vorteil nutzen will. Hat sich Pitts in der Offseason nicht technisch verfeinert, dürfte er mit dem exzellenten Linebacker Corps der Rebels um Transfer Lakia Henry Probleme bekommen. Ein Name, den sich Draft Fans schon einmal merken sollten.

Bekommt Ole Miss den Ball, dürfen sich Scouts auf das Duell zwischen Slot Receiver Elijah Moore und Floridas Secondary mit Marco Wilson und Trey Dean III freuen. Aufgrund einer unangebrachten Jubel-Pose im Egg Bowl 2019 erhielt Moore unrühmliche Bekanntheit. Dessen Strafe kostete seinem Team letztendlich den Sieg gegen den Rivalen von der Mississippi State.

Klein gewachsene Slot Receiver müssen NFL Teams beweisen, dass sie auch gegen physische Matchups konstante Leistungen zeigen können. Moore spielt in der SEC gegen viele zukünftige Profis. Hält er mit seinem Team das Spiel gegen Florida lange offen, könnte er ehemaligen Rebels wie A.J. Brown und DK Metcalf schneller in die NFL folgen, als es seinem neuen Coach Kiffin lieb ist. Ansprechende Leistungen werden national nicht nur von den Medien wohlwollend aufgenommen.

Mississippi State Bulldogs @ #6 LSU Tigers (21:30 Uhr)

Der amtierende Champion beginnt die Saison standesgemäß im eigenen Stadion. Die dominante Offense konnte im letzten Jahr nur von Auburn unter 36 Punkten gehalten werden. Beim Gegner steht der Fokus auch eher im Angriffspiel, weshalb der neutrale College Football Fan viele Punkte erwarten darf. Im tiefsten Süden des Landes nicht anders zu erwarten, sind im Stadion über 25.000 Zuschauer erlaubt. Dieser Seitenhieb sei mir als Autor gestattet.

An der Mississippi State scheint man mit dem neuen Trainer Mike Leach und Quarterback-Transfer K.J. Costello so etwas wie eine Kopie des letztjährigen Meisters und Rivalen in der SEC zu entwerfen. Für mich persönlich ist die Kombination aus dem verschrobenen Leach und dem unkonventionellen Costello ein absoluter No-Brainer. Mit einer unorthodoxen Wurfbewegung, aber einer hohen Genauigkeit, gibt es keinen Coach am College, der Costellos Fähigkeiten höher bewerten dürfte, als der Ausbilder von Quarterback Gardner Minshew.

Costello kann das Feld überall angreifen und verfügt über einen genauen und talentierten Wurfarm. Seine Mechaniken sind, wie bereits erwähnt, unkonventionell, scheinen ihn aber nicht zu behindern. Bei manchen Scouts wird er, trotz seiner idealen Körpermaße, deshalb durchfallen. Doch könnte den NFL Teams damit ein vielversprechendes Talent entgehen. Costello hat alle Anlagen für einen Starter bei den Profis. Nun sind meine Blicke darauf gerichtet, wie schnell er das Air-Raid Konzept von Mike Leach adaptiert.

Gegen die Abwehr der Tigers erfolgt bereits im ersten Spiel ein wahrer Gradmesser. Obwohl der Champion viele Talente in Richtung NFL ziehen lassen musste, hat die Defense um Linebacker Jabril Cox und Safety JaCoby Stevens gewiss nicht an Qualität eingebüßt. Deshalb dürfen Scouts gespannt auf einige Neuentdeckungen sein, die im letzten Jahr noch hinter manchen Stars in die zweite Reihe gedrängt wurden.

Offensiv muss das Team in Zukunft auf Quarterback Joe Burrow und die Receiver Justin Jefferson und Ja’Marr Chase verzichten. Letzterer entschied sich, die Saison auszusetzen. Am schmerzlichsten dürften sie allerdings Offensive Coordinator Joe Brady vermissen, den es in die NFL zu den Carolina Panthers zog. Erster Kandidat, um sich in den Fokus der Scouts zu spielen, dürfte nach dem Aderlass wohl Wide Receiver Terrace Marshall Jr. sein. Neben dem abwesenden Chase hat er das Potential in der ersten Runde gedraftet zu werden.

#2 Alabama Crimson Tide @ Missouri Tigers (1 Uhr)

Die Clemson Tigers sind bereits mit einer weißen Weste in die Saison gestartet. Nun geht es endlich auch für den Dauer-Rivalen aus Alabama los. In der vergangenen Saison verfehlten die Crimson Tide ihr Saisonziel deutlich. Nach der schweren Verletzung ihres Quarterbacks Tua Tagovailoa präsentierten sich LSU und Auburn als bessere Teams im Kampf um die Krone in der SEC.

Ohne Tua, dafür mit dem komplettesten Kader aller College Teams, will Alabama mit einer geschlossenen Mannschaft den fünften Nationalen Meistertitel in zehn Jahren gewinnen. Die Kandidatur für einen erneuten Showdown gegen Clemson im Januar ist durchaus aussagekräftig.

Ihr Quarterback Mac Jones ist kein schlechter. So viel ist sicher. Doch führt der Weg zum Erfolg Alabamas in der SEC über einen ausbalancierten Angriff. Daher tragen die Runningbacks eine große Verantwortung. Der erfahren Najee Harris wird mit einigen Freshmans versuchen, an alte Tugenden der Offense aus dem Süden anzuknüpfen. Mit eher kompakten Läufen reiht sich Harris als unaufhörlicher Arbeiter in die Tradition von Derrick Henry und Mark Ingram ein. Er gewinnt nicht mit explosiven Plays sondern stetigen zermürbenden Läufen.

Scouts dürfte vor allem interessieren, wie effektiv der massige Harris gegen disziplinierte Linebacker agiert. Da ist Missouris Nick Bolton ein perfektes Matchup. Der ist keiner dieser modernen und leichtfüßigen Playmaker, die in Pass Coverages gefühlt das ganze Feld abdecken. Bolton ist ein physischer Run Stopper, der sich nur schwer von der gegnerischen Offensive Line abdrängen lässt. Mit einem athletischen Mitspieler in seiner künftigen NFL Defense, bietet er im Draft ein vielversprechendes Talent an.

Unterm Strich wird das Duell nicht spielentscheidend. Allerdings ist es für die Bewertung beider Spieler besonders hervorzuheben. Letztendlich wird Missouri keine Chance gegen Alabama haben. Zu diesem frühen Zeitpunkt sehe ich im Team der Crimson Tide bereits zehn(!) Bewerber auf die erste Runde im kommenden Draft. Sowohl Offensiv als auch Defensiv ist Alabama für das Team der SEC Eats daher ein paar Nummern zu groß.

Überzeug Dich selbst, von Talenten wie WR Jaylen Waddle, WR DeVonta Smith, OT Alex Leatherwood, OG Deonte Brown, DE Christian Barmore, DE LaBryan Ray, LB Dylan Moses, CB Patrick Surtain II und CB Josh Jobe. Im weiteren Verlauf werde ich diesen und weiteren Spielern meine Aufmerksamkeit gegen bessere Gegner widmen. 

Die wichtigsten News der Woche aus dem College Football

Sieben Spieler der Fighting Irish wurden positiv auf COVID-19 getestet. Sechs weitere Spieler müssen nun vom Team isoliert werden. Das Spiel gegen Wake Forest, welches eigentlich von RAN und ProSiebenMaxx übertragen werden sollte, wird nun in den Dezember verschoben. Gute Besserung den Spielern und ihrem betroffenen Umfeld!

Die Mountain West Conference berät am Freitag über eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs zum 24. Oktober. Damit würde man der Entscheidung aus der Big Ten folgen und plant einen verkürzten Spielplan mit acht Begegnungen.

Es scheint mehr College Football im Herbst zu geben, als vor ein paar Wochen noch von vielen angenommen. So wird die Pac-12 am 6. November in die Saison starten.

Rondale Moore kehrt ans College zurück. Die Boilermakers dürfen sich auf den Wide Receiver freuen. Im letzten Jahr war sein Ausfall doch ein herber Schlag für die Offensive Purdues. Nun greift der vielversprechende Playmaker überraschend noch einmal in das College Geschehen ein.

Über @Draft_Nerd_DE gibt es an jedem Spieltag Threads mit dem Hashtag #DraftWatch zu den jeweiligen Spielen. So kannst Du Dich über Twitter direkt mit mir über die Talente und die Begegnung austauschen. Der Fokus liegt an diesem Wochenende klar auf der SEC.