Die NFL Training Camps sind in vollem Gange. Bis zum Saisonstart ist es nicht mehr weit. Seit einem Monat arbeiten die Rookies auf dem Gelände ihrer Franchise. Sie wollen gestandene Veteranen in der Startformation verdrängen. Ich habe in jedem Team ein Talent herausgesucht, dass die größten Chancen hat, ab dem ersten Spieltag zu starten.

In dieser Woche erscheint die Ausgabe zur AFC. Nächste Woche gibt es für Dich die NFC.

A.J. Epenesa / Defensive End, Buffalo Bills

Buffalo vermisst einen Pass Rusher, der das Spiel an sich reißen kann. Jerry Hughes kam im letzten Jahr auf 4,5 Sacks. Deshalb verpflichteten die Bills Mario Addison und den Rookie A.J. Epenesa. Keiner von beiden ist ein besonderer Athlet. Die erwartete Produktion darf daher als solide bezeichnet werden. Coach McDermott findet Erfolg im Pass Rush durch sinnvolle Rotation. Epenesa ist einsatzbereit. Der feine Techniker sollte im Wechsel mit Hughes und Addison konstante Leistungen zeigen. Je besser er sich im Camp anstellt, desto mehr Snaps kann er den Veteranen abnehmen.

Noah Igbinoghene / Cornerback, Miami Dolphins

Xavien Howard erholt sich gerade von seiner Knie-OP. Neuzugang Byron Jones sollte eigentlich mit ihm eines der besten Cornerback-Duos der NFL stellen. Nun wird Howard den Saisonstart verpassen. Rookie Noah Igbinoghene hat Ambitionen. Eingeplant als Nickelback könnte er bereits im Camp den blassen Jamal Perry verdrängen. Das Zeug dazu hat Igbinoghene dazu. Er ist ein explosiver und sehr talentierter Athlet. Lediglich die Erfahrung fehlt ihm. Der Ausfall von Howard bietet den Dolphins die perfekte Gelegenheit, ihm früh in seiner Karriere Spielpraxis zu genehmigen.

Josh Uche / Linebacker, New England Patriots

Du kannst es drehen und wenden, wie Du willst. Unter den vorhandenen Linebackern im Kader befindet sich kein einziger der letztjährigen Startelf. Viele Starter entschieden sich, von ihrer Option, die Saison auszusetzen, Gebrauch zu machen. Was den Patriots Bauchschmerzen bereitet, ist allerdings eine große Chance für die Rookies. Sie erhalten ein komplettes Jahr Spielpraxis, um anschließend Veteranen verdrängen zu können.

Josh Uche ist ein faszinierender Speed Rusher. Ihn allmählich zum WILL-Linebacker auszubilden, war im Draftprozess mein Wunsch für ihn. Nun ist Bellichick praktisch dazu gezwungen. Uche wird mehr Snaps sehen als in einer limitierten Rolle als situativer Pass Rusher und einseitig veranlagte Spezialisten in der Defense verdrängen.

Denzel Mims / Wide Receiver, New York Jets

Etwa ein Drittel der Pass Attempts von Sam Darnold zielten 2019 auf Demariyus Thomas und Robby Anderson. Diese Targets wird Neuzugang Breshad Perriman nicht allein erhalten. Die Chancen des Nummer-Zwei Receivers bei den Jets können also höher nicht sein. Für Denzel Mims muss es darum gehen, sich im Camp für so viele Targets wie möglich zu beweisen. Der X-Receiver sollte seine Konkurrenz in Vyncint Smith auf alle Fälle ausstechen. Isoliert auf seiner Seite wird Mims mit großartiger Körperkontrolle für manchen Höhepunkt im Passangriff sorgen. 

Patrick Queen / Linebacker, Baltimore Ravens

Von Queen erwarten außenstehende nicht weniger, als dass der Linebacker die meisten Snaps aller Defensive Rookies der Draftklasse erhält. Der Sideline-to-Sideline Speed, sowie die Übersicht sind vorhanden, um sofort die Führungsrolle in Baltimore zu übernehmen. Dazu kann er bei gelegentlichen Blitzes auftrumpfen. 

Sein Trainerteam erwartet verdammt viel von ihm und Unterstützung erhält Queen lediglich von einem weiteren Rookie in Malik Harrison. Im Camp muss es darum gehen, so viele Erfahrungen wie möglich zu sammeln. Denn eine lange Eingewöhnungsphase wird man Queen nicht gewähren. 

Joe Burrow / Quarterback, Cincinnati Bengals

In Cincinnati besteht das Quarterback-Battle aus der Frage, wer hinter Joe Burrow der Backup sein darf. Doch sollte es vor allem darum gehen, dem Rookie und Firstpick im letzten Draft, beinah jeden Snap in der Vorbereitung zu überlassen. Die Defense muss ihn bei jedem Dropback fordern. Denn die Herausforderung für einen Rookie-Quarterback sofort zu starten, ist aufgrund der fehlenden Preseason extrem. Wäre das nicht schwer genug, besteht das voraussichtliche Starting Lineup im Angriff zur Hälfte aus neuen Startern.

Burrows Grundlagen für die NFL können kaum besser sein. Jedoch wäre er nicht der erste hoffnungsvolle Quarterback, der an den schwierigen Voraussetzungen am Karrierestart letztendlich zerbrochen ist.

Jedrick Wills / Offensive Tackle, Cleveland Browns

Wills soll sofort auf der linken Seite starten und mit Neuzugang Jake Conklin die Sicherheit ihres Quarterbacks Baker Mayfield gewährleisten. Zwar spielte er am College stets als Right Tackle. Dennoch sollte der Wechsel auf links relativ weich ablaufen. Gewöhnen darf sich Wills an die neue Rolle bereits seit dem Draft Ende April. Bewegungsabläufe lassen sich auch außerhalb des Training Camps trainieren.

Persönlich erwarte ich von ihm überragende Leistungen als Pass Protector vom ersten Tag an. Mit Conklin kann er eines der besten Tackle-Duos des Landes bilden und bereits als Rookie auf All-Pro-Level performen.

Chase Claypool / Wide Receiver, Pittsburgh Steelers

Smith-Schuster ist in der Startelf gesetzt. Auch Diontae Johnson zeigt eine vielversprechende Entwicklungskurve. Von James Washington kann dies weniger behauptet werden. Er muss sich gegen die Ambitionen von Chase Claypool wehren. Claypool wiederum, kann Smith-Schuster Snaps als Big Slot Receiver abnehmen und einer erneuten Verletzung des wichtigen Receivers helfen, vorzubeugen.

Die Vorbereitung ist kurz, aber knackig. Washington sollte die Nase am Saisonstart vorne haben. Doch kann Claypool sich im Camp bereits für mehr Snaps im weiteren Verlauf der Saison bewerben und ihn langfristig verdrängen.

Ross Blacklock / Defensive Tackle, Houston Texans

J.J. Watt und Whitney Mercilus sind gesetzt. Ross Blacklock in der zweiten Runde zu draften, war ein Pick für die Zukunft. Als Ersatz für Nose Tackle D.J. Reader kann er nicht vorgesehen sein. Momentan ist er für diese gewichtige Rolle nicht reif. Blacklock sollte anfangs als Pass Rusher in der Defensive Line eingesetzt werden. Da streitet er sich mit Angelo Blackson und Charles Omenihu um die Snaps.

Michael Pittman Jr. / Wide Receiver, Indianapolis Colts

Pittman ist der Favorit im Kampf um die Rolle als zweiter Receiver. Das Duell mit Zach Pascal schien bereits vor dem Training Camp entschieden. Doch gilt es für ihn, seinen Quarterback und das Coaching Staff von seinen enormen Ball Skills zu überzeugen. An T.Y. Hilton kommt er nicht vorbei. Doch kämpft er darum, Slot Receiver Parris Campbell viele Targets abzunehmen und die Konkurrenz aus der Rotation weitestgehend zu verdrängen. Je besser sein Eindruck bei den Coaches in der Vorbereitung, desto höher steigt die Zahl seiner Spielanteile in der Saison. 

K’Lavon Chaisson / Linebacker, Jacksonville Jaguars

Die Hinweise verdichten sich, dass Yannick Ngakoue zum Saisonstart nicht mehr Teil des Teams in Jacksonville sein wird. Josh Allen ist nach einer starken Rookie-Saison für die Defensive Front gesetzt. Chaisson hat Erfahrung in Coverages als Linebacker, doch würde man ihm damit Snaps im Pass Rush nehmen. Darin strahlt er nämlich größte Gefahr für den gegnerischen Angriff aus. In einer hybriden Front wird er anfangs häufiger Cassius Marsh den Vortritt lassen müssen. Hinterlässt Chaisson im Camp einen besonders positiven Eindruck, wird er umso schneller die Starterrolle ergattern. 

Kristian Fulton / Cornerback, Tennessee Titans

Adoree Jackson hat mich im letzten Jahr positiv überrascht. Ich habe ihn zuvor eher als Nickelback gesehen. Nach hervorragenden Leistungen wird er voraussichtlich nun auf Cornerback bleiben.

Kristian Fulton ist ein exzellenter Manndecker. Er spielte am College zwar bevorzugt außen, bringt aber eine hervorragende Beweglichkeit mit, um als Nickelback jegliche Routen des Gegners zu spiegeln. Dazu bringt er Positions-Flexibilität mit, um notfalls Cornerback zu spielen. Die Konkurrenz sollte Fulton im Camp, bei seinem Talent, verdrängen. 

Jerry Jeudy / Wide Receiver, Denver Broncos

Erste Eindrücke aus dem Camp der Broncos bestätigen, die Rookies Jeudy und Hamler werden ab dem ersten Tag einen Startplatz erhalten. Dahinter streitet sich die Konkurrenz um die verbliebenen Kaderplätze und um Spielzeit. Jeudy wird sich nicht ausruhen und will mit seinen feinen Techniken und Fähigkeiten als exzellenter Route Runner die Coaches beeindrucken. Sein Quarterback Drew Lock darf sich auf eine konstant anspielbare Option freuen, die immer für ein Big Play gut ist. Jeudy duelliert sich als Rookie bereits mit Sutton um die Hauptrolle im Passangriff.

Clyde Edwards-Helaire / Runningback, Kansas City Chiefs

Runningbacks haben so ziemlich den leichtesten Einstieg in die NFL. Da bereitet es den Chiefs wenig Sorgen, dass Damien Williams die Option zog, die Saison auszusetzen. Entscheidend für die Spielanteile, die CEH erhalten soll, wird sein, ob er im Training beweist, dass er auch Verteidiger mit NFL-Kaliber in Pass Protections blocken kann. Als Runner und Receiver ist er konstant. Deshalb wird Clyde auch auf anhieb die Hauptlast im Laufangriff tragen. Mit Darwin Thompson, Darrell Williams, DeAndre Washington und vielleicht Elijah McGuire warten mehrere Runningbacks darauf, ihm möglichst viele Snaps abzunehmen.

Henry Ruggs III / Wide Receiver, Las Vegas Raiders

An keiner Position lässt sich so gut verfolgen, dass sich GM Mayock und Cheftrainer Jon Gruden stets Wettbewerb im Kampf um die Kaderplätze wünschen, wie bei den Receivern. Henry Ruggs III duelliert sich um einen Startplatz und möglichst viele Targets mit Bryan Edwards, Nelson Agholor, Tyrell Williams und Hunter Renfrow. Momentan sieht es so aus, dass Ruggs und Williams die Wide Receiver Starterrolle erhalten und Renfrow in der Slot die Hauptaufgabe erhält.

Agholor und Edwards werden im Camp nicht kampflos aufgeben. Ruggs muss daher den Coaches beweisen, dass er tatsächlich mehr als ein explosiver Deep Threat Receiver ist. Überträgt er zügig seine Spielerfahrung vom College zu den Profis und findet weitere Schnittstellen in der Verteidigung, wird ihm die Hauptrolle im Passangriff nicht zu nehmen sein.

Kenneth Murray / Linebacker, Los Angeles Chargers

Auf dem Papier sieht es nach einem Dreikampf aus. Bei frühen Downs gegen den Lauf hat Denzel Perryman die Nase vorn. Doch ist seine hohe Anfälligkeit für Verletzungen ein Grund, dass die Chargers Murray in Runde Eins ausgewählt haben. Der war am College stets einsatzbereit. Als Allrounder verfügt er über zusätzliche Fähigkeiten im Pass Rush. Mit Drue Tranquill könnte Murray sich das Spielfeld mit hoher Flexibilität teilen und Perryman zum Backup degradieren.

Für den Rookie ist es notwendig, das Spiel schnell zu verarbeiten, um als zuverlässig zu gelten. Sonst sieht sich Murray in seiner ersten Saison lediglich in der Rotation bei Third Downs auf dem Feld.