Ron Rivera wird Head Coach der Redskins – er hätte auch zu den Giants gepasst

Die Regular Season der NFL ist gespielt. Die einen können sich über den Ausgang ihrer Saison freuen, die anderen weniger. Bei einem Teil der zweiten Gruppe wird auch in diesem Jahr wieder der Head Coach die Verantwortung und damit seinen Hut nehmen müssen.

In dieser Artikelreihe möchte ich gerne meine Wunschlösungen für die Nachfolge bei den betroffenen Teams präsentieren. Hierbei orientiere ich mich, wenn vorhanden, natürlich an offizielle Aussagen zum gewünschten Profil. Außerdem achte ich darauf, welche Eigenarten die Entscheidungsträger in der Vergangenheit offenbarten. Alles weitere ist reines Wunschdenken meinerseits und zielt nicht auf eine hohe Trefferquote ab.

Nachdem ich bereits College-Coaches vorgestellt habe, kommen wir nun zu Trainern, die ihre Wurzeln in der Defense haben.

Washington Redskins – Don Martindale

Die Washington Redskins haben sich bereits früh in der Saison von ihrem Head Coach Jay Gruden getrennt. Es wurde nicht gerade selten die Mutmaßung aufgestellt, sie hätten das getan, um frühzeitig um Lincoln Riley zu buhlen. In der Zeit unter Interimscoach Bill Callahan hat sich jedoch wer anderes bewiesen. Der schon vorher hochgelobte OC Kevin O’Connell konnte als Play-Caller nicht nur mit einer funktionierenden Offense, sondern auch mit einem guten Draht zu Rookie-Quarterback Dwayne Haskins punkten. Er ist noch nicht so weit, um selbst Head Coach zu sein, doch wäre es fatal ihn zu verlieren. Der Fehler unterlief den Redskins bereits mit Sean McVay.

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In Washington ist nach einer solchen Saison Stabilität gefragt. Es muss jemand her, der das Franchise über eine gute Kaderführung zunächst in ein ruhiges Fahrwasser führt. Dabei ist vor allem Erfahrung ein großer Vorteil. Außerdem sollte er seinen Hintergrund in der Arbeit mit der Defensive haben. Einmal, um Kevin O’Connell zu halten, doch gleichzeitig findet dieser ein gutes Grundgerüst in dem Teil des Kaders wieder.

Ein passender Kandidat für diese Aufgabe wäre der Defensive Coordinator der Baltimore Ravens Don Martindale. „Wink“, wie sein Spitzname lautet, gehört mit seinen 56 Jahren bereits zur älteren Garde. Er hat auch schon die Erfahrung gemacht, wie es ist zu scheitern. So war er im Jahr 2011 ohne Job in der NFL. Doch eine solche Erfahrung ist nicht schlimm, solange man aus ihr lernt.

Die Ravens sorgen zwar gerade mit ihrer Offense für Furore und stellt damit für Baltimore untypisch die eigene Defense in den Schatten. Das bedeutet jedoch nicht, dass diese nicht weiterhin zu den besten der NFL gehört. Es ist seit gut 20 Jahren Tradition, dass die Ravens bei den Spitzenteams im Bereich Defense wiederzufinden sind und auch Don Martindales Version knüpft daran an.

Seine Vorstellung vom Spiel beinhaltet eine harte Verteidigung auf den Platz bringen möchte, die schnell zum Quarterback gelangt. Diese Philosophie teilt er mit seinen berühmten Vorgängern, wie Rex Ryan. In den 90ern haben die beiden passenderweise auch an der University of Cincinnati gearbeitet. Er baut somit vor allem auf eine starke Front Seven, welche bereits jetzt das Prunkstück der Washington Redskins ist.

„Die Anweisung von mir ist, zuerst technisch sauber zu spielen und schnell zu spielen und zum Football zu kommen. Manchmal denke ich, dass man vier Leute rushen lassen kann und es sich wie Druck anfühlt, wenn die Verteidigung schnell spielt. Zu sagen, ich werde mehr Blitze spielen lassen… weiß nicht, ob das stimmt.“ – Don Martindale

Baltimore Sun

Don Martindale mag zwar nach eigener Aussage nicht wissen, ob er seine Mannen mehr blitzen lässt als seine Kollegen bei anderen Teams es tun, doch wirft man einen Blick auf die Zahlen ist die Sache eindeutig. Nach Ende der Regular Season ist Baltimore mit Blitzes bei über fünfzig Prozent der Snaps der unangefochtene Spitzenreiter. Zum Vergleich, das nächste Team, die Tampa Bay Buccaneers, blitzt bei vierzig Prozent der Snaps.

Im Anforderungsprofil war jedoch auch die Führungsqualität ein wichtiger Aspekt, indem Don Martindale ebenso hervorsticht. Seine Authentizität wird von ehemaligen und aktuellen Kollegen, seien es Spieler oder Trainer, sehr geschätzt. Er verhält sich jedem Menschen gegenüber gleich, ganz egal ob er einen Superstar oder den Greenkeeper vor sich hat. Außerdem ist er direkt und ehrlich zu seinen Mitmenschen. Wenn ihm beispielsweise etwas an der Einstellung oder der Spielweise eines Spielers nicht passt, dann spricht er ihn darauf an und versucht eine Lösung zu finden. Diese werden mit dem Spieler zusammen erarbeitet, nachdem er sich über die bekannten W-Fragen zunächst die Sichtweise des Spielers angehört hat. Das ist ein Trainingsstil, der in der NFL nicht gerade weit verbreitet ist. Die Methode ist jedoch nicht groß überraschend, sobald Don Martindale seine Art des Umganges mit Spielern selbst erläutert:

„Ich sage es den Spielern immer wieder. Ich will derjenige sein, zu dem ihr in 10 Jahren kommt und sagt ‚Weißt du was, Wink? Ich weiß wirklich zu schätzen, dass du mich nie verarscht hast.'“ – Don Martindale

The Athletic

Don Martindale ist ein Coach, der Vic Fangio nicht unähnlich ist. Er ist ungefähr am gleichen Karrierepunkt und vom selben Typus. Die Washington Redskins sollten es den Denver Broncos nachmachen und einen Head Coach anheuern, der im schlechtesten Fall solide Arbeit vollrichten wird, damit Ruhe einkehrt und ein guter Basis aufgebaut werden kann.

New York Giants – Ron Rivera

Nachdem ich bereits meine Lösung für die Dallas Cowboys präsentiert habe, kommen wir nun zum nächsten Big Player. Die New York Giants sind nach den Cowboys die Franchise der NFL. Zudem stellt die Organisation ein Vorbild für so viele andere dar, wie ein Franchise zu führen ist. Von daher können sie zuletzt noch so erfolglos gewesen sein oder einen Kader besitzen, der etliche Baustellen aufweist. Die Giants sind mit ihrer Tradition, ihrem Standort und vor allem ihrem Ansehen eine Top-Adresse.

Anhand des Abschneidens der letzten Jahre ist allerdings ebenso wenig von der Hand zu weisen, dass große Änderungen vollzogen werden müssen. Als die Giants das letzte Mal drei negative Records mit einer zweistelligen Anzahl an Niederlagen in Serie verzeichneten, war das in der Zeitspanne von 1978 bis 1980. Damals wurde infolgedessen die Struktur der Franchise maßgeblich verändert und läuft auf dieser Art bis heute. Es scheint an der Zeit, dass Besitzer John Mara es seinem Vater gleichtut und die Struktur der New York Giants modernisiert.

Dafür braucht es jemanden, der weiß, wie eine Franchise aussehen muss, um erfolgreich zu sein. Eine starke Persönlichkeit, die genügend Ansehen besitzt, um Änderungen in einer so traditionsreichen Organisation in Gang zu bringen. In einem solchen Prozess stößt man Leuten vor dem Kopf, weil nicht alle Entscheidungen einfach sind. Auch die New Yorker Presse muss in einer solchen Zeit gut gehändelt werden. Zeitgleich muss ein Team aufgebaut werden, das wieder konkurrenzfähig ist. Auch dort hat der neue Head Coach einen Haufen Arbeit vor sich.

Niemand ist meiner Meinung nach für den Job besser geeignet als Ron Rivera. Er ist zweifelsohne die Nummer Eins auf dem Markt. Niemand hat sonst hat sich bereits so darin bewährt ein Gewinnertyp zu sein.

Als All-American kam er vom College zu den Chicago Bears und gewann in seiner Zeit dort den Super Bowl. Im Anschluss an seiner Spielerkarriere stellte er bei beiden Stationen als Defensive Coordinator Top-10 Defenses.

Im Jahr 2011 wurde er Head Coach der Carolina Panthers. Nach anfänglichen Schwierigkeiten trug seine Arbeit im dritten Jahr Früchte. Die Panthers schlossen die Saison mit einer Bilanz von 12 – 4 ab und gewannen die NFC South. Nachdem er im Dezember dieses Jahres entlassen wurde kann er einen Record von 76 – 63 -1 und vier Playoff Teilnahmen, inklusive dem 17 – 1 Weg in den Super Bowl im Jahr 2015, aufweisen.

Die Erfolge basieren, trotz seiner guten Leistungen als Defense Coach, vor allem auf seiner Arbeit mit den Menschen. Egal, ob Defensive oder Offensive, er ist von allen respektiert und gemocht. Sein Team geht für ihn durch das Feuer. Die Verletzungen von Cam Newton bedeuteten zuletzt das sportliche Aus für die Panthers, doch keiner der Spieler gab auf. Dementsprechend geschockt zeigten sich seine Gefolgsleute nach seiner Entlassung.

Warum wurde er überhaupt in Carolina entlassen, wenn er so gut ist, mag man sich jetzt fragen. Die Panthers haben seit 2017 einen neuen Besitzer, der nach zwei Jahren Überblick verschaffen für seine Organisation seine eigenen Leute einstellen möchte. Am Ende möchte keiner hören, dass Erfolge durch bestehendes Personal erreicht wurden. Dennoch weiß auch er nur positives über Rivera zu berichten.

Ron Riveras erfolgreichste Zeit in Carolina war zwischen 2013 und 2017 zusammen mit Dave Gettleman, dem jetzigen Giants General Manager. Eine Zusammenarbeit, die sich bereits bewährt hat und den ebenfalls angezählten Manager nur helfen kann. Gleiches gilt für den jungen Quarterback Daniel Jones. Ein solches Ansehen, wie das Riveras, ermöglicht das Anheuern der besten Coordinator und Jones kann beispielweise von einem Mann wie Norv Turner nur profitieren.

Hinweis der Redaktion: Die Aktualität hat uns eingeholt. Eine Stunde vor Veröffentlichung des Artikels haben die Redskins offiziell bekanntgegeben, dass Rivera Head Coach bei den Redskins wird.

Autor: Janik Aschenbrenner
Janik Aschenbrenner beschäftigt sich seit Jahren mit American Football und dessen Spielkonzepte. Im Jahr 2014 gründete er den Blog „Beardown Germany“. Für „SCOUTREPORT - Das American Football Magazin“ setzt er sich mit aktuellen Themen der NFL auseinander.

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