Pittsburgh Panthers reisen ins drittgrößte Stadion der Welt

Die College-Saison ist in vollem Gange. Neben Rivalitäten sehen wir in der dritten Woche weitere Conference-interne Duelle. Manche Teams dürfen mit einer Niederlage ihre Hoffnungen auf ein erfolgreiches Jahr bereits begraben. Aus der Draftperspektive zeichnen sich außerdem erste Bilder für die NFL-Teams und Scouts über die Talente ab.

Pittsburgh Panthers @ #13 Penn State Nittany Lions (18 Uhr)

Ehe ich selbst in drei Wochen Zuschauer im Beaver Stadium bei den Lions sein werde, ist am Wochenende der direkte Nachbar zu Gast, die Pittsburgh Panthers. Die Teams aus dem Keystone State treffen zum 100. Mal aufeinander. Die Bilanz der beiden Rivalen ist mit 52 Siegen für Penn State und 43 für die Pittsburgh Panthers bei vier Unentschieden etwa ausgeglichen, wobei das Heimteam diesmal als klarer Favorit in das Spiel geht.

Beaver Stadium II
Beaver Stadium. Foto: „Beaver Stadium II“ von reivax / Lizenz CC BY 2.0

Derbys wie dieses schreiben bekanntlich ihre eigenen Gesetze. So dürfen sich Zuschauer des Spiels auf ProSieben Maxx durchaus Hoffnung machen, dass die Partie spannender wird als am vergangenen Wochenende. Thematisiert wird während der Übertragung definitiv die Stimmung im mit 106.572 Plätzen drittgrößten Stadion der Welt. Der Gast aus Pittsburgh spielt sonst zu Hause im Heinz Field der Steelers, ist so eine überragende Kulisse aber nur vom College gewohnt. In Sachen Atmophäre wird die NFL klar ausgestochen.

Falls das Aufeinadertreffen der lokalen Rivalen doch einseitig wird, können wir uns wenigstens zwei Draft Prospects genauer ansehen, die ich Dir für das Spiel herausgesucht habe.

Beide Talente sind in der Verteidigung ihres jeweiligen Teams zu finden. Edge Rusher Yetur Gross-Matos (Penn State) erhält derzeit Bewertungen, die ihn in der Erstrunden-Diskussion für den nächsten Draft wiederfinden lassen. Der produktive Defensive End konnte in der vergangenen Saison bereits seinen erfahrenen Teamkollegen und Viertrundenpick Shareef Miller ausstechen. Der großartige Athlet bietet dennoch viel Spielraum zur weiteren Entwicklung, denn die technische Anlagen sind sehr roh.

Zu Saisonbeginn machte er zudem mit Schlagzeilen abseits des Feldes auf sich aufmerksam. Gefehlt hat er deshalb jedoch in keinem Spiel.

Drei Sacks konnte er bereits in den ersten beiden Spielen einheimsen. Meine Annahme, er sei in den Anlagen sehr unreif, stammt aus der Sichtung von Spielszenen aus der vergangenen Saison. Persönlich bin ich sehr gespannt, ob Gross-Matos in einem Jahr einen ähnlichen Sprung in der Entwicklung machen kann, wie wir es im vergangenen Jahr bei Kentucky Wildcats Josh Allen bewundern durften.

Genau anders gelagert ist der Fall Damar Hamlin. Der Safety der Pittsburgh Panthers überspielt mit sehr gereiftem Spielverständnis einige athletische Defizite und ist vor allem in der tiefen Zonenverteidigung eine verlässliche Personalie. Gegen den Rivalen von der Penn State wird er häufig die letzte Absicherung für sein Team sein.

#2 Alabama Crimson Tide @ South Carolina Gamecocks (21:30 Uhr)

Das Powerhouse aus dem tiefen Süden steigt in die Southeastern Conference ein. Diese Duelle werden isoliert in den Standings gerechnet. Um die Meisterschaft in der eigenen Conference werden nur Spiele gegen Teams aus der selbigen angerechnet, weshalb hier ein Ausrutscher sehr fatal ist. Alabama möchte sich nach einem lockeren Saisonstart gegen Duke und New Mexico State bei den Gamecocks keine Blöße geben.

Tua Tagovailoa trifft mit seinen Receivern erstmals auf eine durchaus fähige Secondary. Unterm Strich sollte die von ihm geführte Offense aber zu viel für South Carolina sein. Zeigt er weiterhin seine hohe Genauigkeit bei exakter Ballplatzierung auch bei Würfen in die Tiefe des Feldes, sehe ich nicht einmal die Chance für South Carolina, das Spiel eng zu halten. Aufkommende Fragen bezüglich der Wettbewerbsfähigkeit des Quarterbacks in engen Partien werden wir daher am Wochenende eher nicht beantwortet bekommen.

Im Umgang mit Druck trifft Tagovailoa aber auf eine ernstzunehmende Defensive Line. Edge Rusher D.J. Wonnum wird sich im direkten Matchup mit Alabamas Left Tackle Alex Leatherwood messen. Ich erwarte ein Duell auf Augenhöhe, dass leider nicht der Klasse vergangener Zeiten beider Teams auf diesen Positionen verspricht. So spielt Wonnum bisher eine enttäuschende Saison.

Zulässig ist bei ihm die Frage, ob Wonnum nach einer Sprunggelenksverletzung in der vergangenen Saison überhaupt wieder an bessere Leistungen der Vergangenheit anknüpfen kann. Gegen den vielseitigen Tackle Leatherwood wird sein Können dringend gebraucht. Für einen Offensive-Line-Spieler der Crimson Tide spielt der nämlich technisch relativ schlecht ausgebildet. Für beide ist die Partie eine willkommene Gelegenheit, den eigenen Marktwert für den nächsten Draft zu steigern.

Erhält die Offense von South Carolina den Ball, erleben wir dafür ein hochkarätiges Duell zwischen Wide Receiver Bryan Edwards und Cornerback Trevon Diggs. Edwards zählt für mich zu den variabelsten Receivern dieser Klasse. Sowohl direkt nach dem Snap als bei der Seperation besitzt er unterschiedliche Fähigkeiten um sich seine Gegner vom Leib zu halten. Er versteht sich darauf, seine Hände dabei und beim Fang einzusetzen.

So sehr mir seine Techniken in allen Facetten eines Wide Receivers gefallen, muss er noch lernen, sie passend in den richtigen Situationen einzusetzen. Edwards ist auch nicht gerade derjenige, den man auf tiefen Routen über die Schulter anwerfen möchte.

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Gepostet von KickoffShow by Scoutreport am Dienstag, 10. September 2019

Trevon Diggs wird versuchen, ihn früh an der Line of Scrimmage zu attackieren. Er nimmt seine Gegenspieler am liebsten in die physische Press Man Coverage und will ihren Rhythmus im Route Running so früh wie möglich unterbrechen. Im vergangenen Jahr erlitt Diggs einen Fußbruch, der seine Saison um die Hälfte verkürzte. Auffällig passiv geht er seitdem zu Werke. Gegen Bryan Edwards wird er sich das nicht erlauben können.

Alle Matchups aufzuzählen und dann im selben Spiel zu bewerten, ist während der Live-Übertragung nicht möglich. Die Alabama Crimson Tide hat wieder sehr viel Talent für den nächsten Draft auf dem Platz. Offensiv sind das Running Back Najee Harris und natürlich das beste Receiving-Corps des Landes mit Jerry Jeudy, Henry Ruggs III und DeVonta Smith.

Herzstück bleibt aber die Defensive mit den Defensive Linemen Raekwon Davis und LaBryan Ray sowie den Edge Rushern Terrell Lewis und Anfernee Jennings. Die beiden Safeties Xavier McKinney und Shyheim Carter müssen wir uns im weiteren Saisonverlauf genauso näher ansehen. Das werden im Frühjahr wieder viele Spiele der Crimson Tide, die ich mir in der Rückschau ansehen darf.

Doch vergessen wir nicht die Verteidigung der South Carolina Gamecocks. Neben Linebacker T.J. Brunson ist es Defensive Lineman Javon Kinlaw, der es mir besonders angetan hat.

Florida State Seminoles @ #25 Virginia Cavaliers (01:30 Uhr)

Für die Seminoles geht es bereits um die Frage, ob dies erneut eine verkorkste Saison wird. Bis vor drei Jahren zählte der dreifache Nationale Meister über 25 Jahre zu den Top-Teams im College Football und galt regelmäßig als Titelanwärter. Spätestens als der erfolgreiche Cheftrainer Jimbo Fisher ihnen im vergangenen Jahr den Rücken kehrte und zu den Texas A&M Aggies wechselte, sanken die Ansprüche. Dennoch sollte ein positiver Record und die Berechtigung zur Teilnahme an einem Bowl Game weiterhin das Minimalziel sein.

Hoffnungsträger hierbei ist Runningback Cam Akers. Mit hervorragender Übersicht und Beweglichkeit lässt der Modellathlet seine gegnerischen Verteidiger reihenweise aussteigen und maximiert so seine Ausbeute pro Laufversuch. Zwar erlitt Akers 2018 einen Leistungseinbruch. Seine Leistungen im bisherigen Saisonverlauf sprechen aber klar für ihn und gegen seine immer noch unterdurchschnittliche Offensive Line. 

In zwei Spielen kommt Akers bei 51 Läufen auf über 300 Yards. Drei Touchdowns erzielte er bei durchschnittlichen 6,1 Yards pro Laufversuch. Im Receiving Game konnte er auch schon punkten. Gegen die Cavaliers braucht sein Team Cam in Bestform, denn die Verteidigung ist mit vielen Talenten gespickt.

Im Matchup kommt es vor allem auf die beiden Linebacker Charles Snowden und Jordan Mack an. Snowden ist zwar oft für den Pass Rush vorgesehen, gefällt mir aber vor allem in der Laufverteidigung. Hier löst er sich schnell von herannahenden Blockern, verfügt mit über zwei Metern Körpergröße und langen Armen über eine enorme Reichweite und ist ein sehr sicherer Tackler.

Um ihn zu schlagen, bedarf es von Akers vor allem spritzige und scharfe Richtungswechsel. Aufbrechen wird er das Tackling kaum, wenn Snowden ihn erstmal zu fassen bekommt.

Philipp Forstner, College-Experte bei SCOUTREPORT (Foto: Elena Forstner)
Philipp Forstner, College-Experte bei SCOUTREPORT (Foto: Elena Forstner)

Weitere Talente in der Defense der Cavaliers erwarten Florida State. Allen voran wird Cornerback Bryce Hall dem Passangriff zusetzen. Aus der Draftperspektive werden ihn hierbei Safety Joey Blount und Defensive Lineman Eli Hanback unterstützen. Die Seminoles haben defensiv auch einige interessante Prospects zu bieten. Da wären Cornerback Stanford Samuels, Defensive Lineman Marvin Wilson und Free Safety Hamsah Nasirlideen

Die wichtigsten News der Woche aus dem College Football

Walker Little, Offensive Tackle der Stanford Cardinal, fällt mit einer Knieverletzung für die restliche Saison aus. Eine erhebliche Schwächung für das Team.

NFL-Teams, die im nächsten Draft nach einem neuen Tackle Ausschau halten, hatten Little bestimmt sehr weit oben auf ihren Scouting-Listen stehen. Nun wird er wahrscheinlich 2020 an sein College zurückkehren.

Der vierfache Super-Bowl-Champion Lynn Swann ist als Athletik-Direktor der University of Southern California zurückgetreten. Nach drei Jahren können die meisten Fans der Trojans nur sagen: „Endlich!“ Dürftige Rekrutierungen schwächten das Team und die Trainer-Scharade um Kliff Kingsbury im vergangenen Winter erfolgte ebenfalls unter seiner Ägide.

Zunächst erwartete man von Swann, dass er den im vergangenen Jahr erfolglosen Cheftrainer Clay Helton zugunsten von Kingsbury entlassen würde. Kliff erhielt dann allerdings nur den Posten des Offensive Coordinators.

Ob der neue Head Coach der Arizona Cardinals auch in die NFL abgewandert wäre, hätte ihm Swann den Chefposten angeboten, können wir nicht wissen. Zumindest wäre er nicht der erste College-Trainer gewesen, der sich für ein langfristig sicheres Gehalt und gegen die schnelllebige NFL entschieden hätte.

Die Woche 3 im College Football bietet neun Spiele im frei empfangbaren TV und auf legalen kostenlosen Livestreams. Darunter befinden sich mit den Utah Utes, Penn State Nittany Lions, Oregon Ducks und Washington Huskies gleich vier Teams, die in den Top 25 Rankings der Associated Press geranked sind.

Auf Twitter gibt es über @Draft_Nerd_DE an jedem Spieltag Threads mit dem Hashtag #DraftWatch zu den jeweiligen Spielen geben. So kannst Du Dich direkt mit Philipp Forstner über die Talente und die Begegnung austauschen.

Du hast Fragen zum College Football oder willst Näheres zu den vorgestellten Talenten und Matchups wissen? Dann schreib SCOUTREPORT-Experte Philipp Forstner an draftnerdde@gmail.com oder auf Twitter (@Draft_Nerd_DE).

Written by Philipp Forstner
Philipp Forstner ist College- und NFL-Draft-Experte bei SCOUTREPORT. Er beobachtet Talente gerne aus der Trainer-Perspektive. Seit 2015 schreibt er für Beardown Germany. Leser kennen ihn auch von draftnerd.de

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