NFLinfo: Quinnen Williams mit einer Waffe erwischt und was macht Brady?

Der zweite Teil der heutigen Debüt Ausgabe handelt über die Teams der AFC. Unteranderem wurde Quinnen Williams mit einer Waffe erwischt und alle schauen auf die nahende Entscheidung von Tom Brady.

Zum ersten Teil zur NFC gelangst Du hier.

AFC EAST

Buffalo BillsSebastian

Das war ein kleiner Schocker am Montag, als die News die Runde machte, die Bills haben Cornerback Josh Norman für die kommende Saison verpflichtet, wobei Norman bis zu 8 Millionen Dollar verdienen könnte. Eine durchaus spannende Verpflichtung, auch wenn Norman in den letzten zwei Jahren auf dem absteigenden Ast war. Er gibt Head Coach Sean McDermott und Defensive Coordinator Leslie Frazer eine weitere Option im defensiven Backfield. Zudem könnte er den Platz gegenüber von Tre’Davious White bekommen, da die Zukunft von Kevin Johnson und Levi Wallace (beide werden Free Agent) noch nicht gesichert ist. 

Ansonsten ist es noch relativ ruhig bei den Bills, die Frazier am vergangenen Mittwoch zum Assistant Head Coach gemacht haben. Am Mittwoch sprach General Manager Brandon Beane von einer „sehr verzwickten“ Free Agency. Seine wichtigsten hauseigenen Free Agents sind dabei Defensive Tackle Jordan Phillips und Defensive End Shaq Lawson. Er würde gerne mit beiden verlängern, aber Beane ließ durchblicken, dass andere Teams eventuell bereit wären, Phillips und Lawson mehr Geld zu bieten. Sollten beiden die Franchise verlassen, „müssen wir uns anderweitig umsehen, um die Lücken dann zu füllen“, erklärte Beane.

Miami DolphinsJessica

Die Augen der Dolphins sind weiterhin mit einer zentralen Frage auf den Draft fokussiert: „Wie bekommen wir Tua?“. Nicht nur die Dolphins möchten um Alabamas hochtalentierten Quarterback Tua Tagovailoa ein neues Team aufbauen, daher erscheint es wahrscheinlich, dass der „Sieger“ mindestens auf den dritten Spot hochtraden muss. Dabei kommt den Dolphins nun zugute, dass sie sehr viele Picks in diesem und im nächsten Draft haben und somit weiter als Topfavoriten auf Tua gelten. Man möchte lieber in Klasse statt Masse investieren, zumal die Erfolgsquote in den letzten Drafts ziemlich mittelmäßig war.

Doch auch andere Positionen werden im Draft verstärkt werden müssen, wie z.B. die Offensive Line. Diese war vergangene Saison die schlechteste Line im Run Blocking und die viertschlechteste im Pass Blocking. J’Marcus Webb, der im September unter Vertrag genommen wurde, wird kein Teil dieser Positionsrenovierung, denn er erhält kein neues Angebot. 

In der Running Back Frage ist eine Teil-Lösung außerhalb des Drafts denkbar. Zuletzt gab es Gerüchte um Melvin Gordon, welcher ein klares Upgrade darstellen würde. Da die Dolphins sehr viel Cap Space haben, würde ein vermutlich teurer, aber eher kürzerer Vertrag nicht so schwer ins Gewicht fallen, wie bei anderen Teams. Eine Ergänzung im Draft wäre Utah-RB Zach Moss, mit dem sich am Rande des Combine getroffen wurde. Er wäre ein Kandidat für die späte zweite oder frühe dritte Runde. 

New England PatriotsLukas

Die Patriots dominieren mal wieder die NFL Schlagzeilen. Diesmal aber nicht wegen eines Cheating Skandals oder eines Super Bowl Sieges. Nein, es geht natürlich um Quarterback Tom Brady, dessen Zukunft wohl gerade einige tausend Glaskugeln der Experten in der Football Landschaft unter Dauerbelastung hält. Immer wieder tauchen die Namen von Teams, wie den Chargers oder den Raiders in den Gerüchteküchen auf, die als Favoriten auf eine Verpflichtung des 43-Jährigen gelten – wenn er die Patriots denn verlässt. Ein Verbleib des Quarterbacks in New England wird quasi wöchentlich von „absolut ausgeschlossen“ bis „gar keine Frage“ ständig neu und anders bewertet. Das wird vermutlich auch noch ein bisschen so bleiben. 

Besser sieht es für die Patriots dagegen bei den Verhandlungen mit dem Free Agent Safety Devin McCourty (32) aus. Laut mehreren Beat-Writern rund um die Patriots gebe es ein gegenseitiges Interesse zwischen beiden Parteien und man hätte sich bei Verhandlungen bereits angenähert. Aber nicht nur McCourty ist einer der wichtigeren Free Agents. Unter anderem sind auch Leistungsträger wie Linebacker Kyle van Noy, Special Teams Ass Matthew Slater, Wide Receiver Philipp Dorsett, Guard Joe Thuney sowie 12 weitere Spieler ohne neuen Vertrag. 

Interessant werden also vor allem folgende Fragen: Wird Brady auch die letzten Jahre seiner Karriere in New England verbringen? Bleibt bei einer Verlängerung mit Brady genug Cap Space, um mit wichtigen Free Agents zu verlängern? Wer soll Brady bei den Patriots ersetzen, sollte er nicht zurückkehren? Gibt es vorallem offensiv durch Draft und Free Agency einen Umbruch? Fragen über Fragen und für Patriots Fans sicher eine der unruhigsten Offseasons der letzten Jahre, was sie aber (gerade für meine Wenigkeit) auch so interessant und spannend macht!

New York JetsBasti

Quinnen Williams, Erstrunden Pick des vergangenen Drafts, wurde am LaGuardia Airport in New York mit einer Handfeuerwaffe (Glock 19) im Gepäck erwischt und festgenommen. Entgegen der ersten Berichte war die Waffe ungeladen und ohne Munition im aufgegebenen und nicht im Handgepäck. Williams ist in Birmingham, Alabama, aufgewachsen, in der eine Waffe zum täglichen Leben gehört wie bei uns ein Smartphone. Die Waffengesetze in New York hingegen sind streng wie in Europa. Williams hat in dieser Sache am 25. März einen Gerichtstermin. Es ist auch mit repressiven Maßnahmen seitens der NFL zu rechnen. 

Cornerback Trumaine Johnson wurde entlassen. Der Defensive Back wurde 2018 für fünf Jahre und 72,5 Millionen Dollar verpflichtet und stellte danach sämtliche Leistungen ein. Er hinterlässt 12 Millionen Dead Money bei Cap Einsparungen von nur drei Millionen. Seine Entlassung war jedoch unabdingbar. 

Ansonsten ist es ereignisarm in Florham Park. Abgesehen von Gerüchten zu möglichen Free Agency Verpflichtungen dreht sich derzeit alles um die Baustellen und welche Spieler man insbesondere in der ersten Runde des Drafts ziehen könnte. Dass die Jets neben Wide Receiver, Cornerback und Edge in der Offensive Line ein Upgrade brauchen, ist ein offenes Geheimnis. Die Nachricht, dass Offensive Tackle Jack Conklin bei den Jets unterschreiben wird, stellte sich als haltlose Spekulation heraus – wie so viele „Breaking News“ in der „Lying Season“. 

Im Rahmen des Combine gab es eine Pressekonferenz mit General Manager Joe Douglas und Head Coach Adam Gase. Dort wurde geäußert, dass die Offensive Line vermutlich gleich mit vier bis fünf neuen Startern versehen wird, dass der Plan, Runningback Le’Veon Bell zu traden, nicht existiert und dass geplant ist, All-Pro Safety Jamal Adams zum „Jet for life“ zu machen. Adams geht in sein viertes Vertragsjahr und hat somit eigentlich noch zwei Jahre Vertrag, jedoch ist sein Stellenwert in der Franchise von unschätzbarem Wert. 

AFC North

Baltimore RavensSimon

Nach der letzten Regular Season in Baltimore, die auf so vielen Ebenen besonders war (Stats, Scheme, Coaches, Record, Analytics Department, MVP Quarterback Lamar Jackson), steht nach der Ernüchterung durch die Playoffs eine Free Agency bevor, die ruhig verlaufen könnte, wäre da nicht die Personalie Marshal Yanda. Yanda ist möglicherweise der beste Guard des letzten Jahrzehnts und beendet seine Karriere. Kein Guard hat in der letzten Saison besser seinen Quarterback beschützt (Pass Block Win Rate von 98% ESPN zu Folge). Er hat, zumeist ohne großen Ruhm, eine Top 5 O-Line angeführt, sollte aber unbeding in fünf Jahren eine goldene Jacke in Canton überreicht bekommen.

Center Matt Skura, der große Teile der Saison bis zu einer Knieverletzung Starter war, wird Restricted Free Agent. Die innere Offensive Line wird also ein größeres Thema. Dazu mangelt es den Ravens an Pass Rushern, die individuell gewinnen. Und vom einzigen Spieler, der in den Top 100 bzgl Quarterback Pressures lag, Outside Linebacker Matthew Judon (Rang 25 nach pro football reference und Sack Leader des Teams), läuft der Vertrag aus. Nach dem Verlust von Edge Za’darius Smith im letzten Jahr droht ein weiterer prominenter Abgang. Baltimores Defense gehörte in „Expected Points Added“ auf der defensiven Seite zu den Top 5. Die Pressure Rate war aber nur Durchschnitt, was eine kommende Regression vermuten lässt, vor allem, wenn keine Qualität nachkommt.

Auch in der Offense könnte man diese befürchten. Besonders, wenn man sich die Receiving Gruppe hinter Marquise Brown anschaut, welche durch die Sperre von Tight End Hayden Hurst (4 Spiele) sicher nicht besser wird. Die Ravens hatten letztes Jahr ein Händchen für gute Verpflichtungen (CB Marcus Peters, FS Earl Thomas) und ich traue ihnen auch dieses Jahr einiges zu. General Manager DeCosta hatte diesbezüglich einen guten Lehrmeister in der Legende Ozzie Newsome.  

Cincinnati BengalsOlli

Das alles bestimmende Thema in Ohio ist die Position des Quarterbacks. Alle Experten gehen davon aus, dass Cincinnati mit dem ersten Pick im Draft einen neuen Quarterback, der, wenn nichts aussergewöhnliches passieren wird, Joe Burrow (23, LSU) sein wird. Spannend ist die Frage, was dem bisherigen Franchise-Quarterback Andy Dalton passiert. Der 32-jährige wurde 2011 in der zweiten Runde von den Bengals gezogen und nahm drei Mal am Pro Bowl teil. Er geht in sein letztes Vertragsjahr, in dem er 17,7 Millionen US-Dollar verdienen könnte. Bei einer Entlassung oder einem Trade vor dem 01. Juni könnten die Bengals das Salary Cap um das gesamte Gehalt entlasten. Es gibt einige Teams, für die Dalton Sinn machen würde und es ist unwahrscheinlich, dass er nach Ende Mai noch den Bengals angehören wird. Sein Back-Up Ryan Finley (25), der letzte Saison drei Spiele startete und alle verlor (2 TDs / 2 INTs), befindet sich in seinem zweiten Vertragsjahr und ist in jedem Fall eine günstige Lösung, wenn man mit zwei jungen Quarterbacks in die Saison gehen möchte. 

Aus der Vielzahl der Free Agents der Cincinnati Bengals ragt AJ Green (31, WR) heraus. Trotz aller gesundheitlichen Probleme und der Tatsache, dass er 2019 kein Spiel bestritten hat, gilt er noch als zuverlässiges Ziel und klarer Nummer Eins Receiver, der einem neuen Quarterback wirklich helfen kann. Daher haben die Bengals ihn mit einem Franchise Tag belegt und werden ihn behalten. Zwischen den beiden Parteien gibt es Gespräche über einen langfristigeren Vertrag. 

Einen Rosterplatz wird Cordy Glenn (30, OT) freimachen. Der Offensive Tackle soll getradet und wenn dies nicht klappt entlassen werden. Er erhält in seinem letzten Jahr $9.500.000, darunter einen Roster Bonus in Höhe von zwei Millionen US-Dollar. Auch Billy Price (24, C) wird die Bengals vorraussichtlich verlassen. Er ist ein Tradekandidat im vorletzten Jahr seines Rookie Vertrags, der von einigen Teams nach wie vor geschätzt wird, während ihm auf Center Tray Hopkins den Rang abgelaufen hat. Auch der Versuch ihn als Left Guard einzusetzen war wenig erfolgreich, dort hatte sich der Rookie Michael Jordan (22, G) durchgesetzt.

Cleveland BrownsPiefke

Joe Schobert wird aller Voraussicht nach nicht zu den Browns zurückkehren. Der 26-jährige Linebacker wird den Free Agent Markt testen, nachdem sich die Browns, um den neuen General Manager Andrew Berry, nicht bereit zeigten, ein kolportiertes Gehalt von zehn Millionen Dollar pro Jahr zu zahlen. Damit bricht den Browns der in meinen Augen nach Myles Garrett wichtigste Spieler und Kopf der Defense weg. Schobert dürfte der beste Linebacker sein, der auf den Markt kommt und das Interesse einiger Teams auf sich ziehen. Ebenfalls könnte die Browns Defensive End Olivier Vernon (29) verlassen, den Ex General Manager Dorsey im Zuge des OBJ-Deals letztes Jahr nach Cleveland lotste. Mit 15,25 Millionen Dollar wäre er in der kommenden Saison der teuerste Spieler im Kader. Noch handelt es sich hierbei aber um ein Gerücht, über das verschiedene Beatwriter berichteten. 

Weiteres aus der Gerüchteküche: Nachdem die Redskins sich offen zeigten für einen Trade von Trent Williams, wird dieser mit den Browns in Verbindung gebracht, die dringend Verstärkung auf der Offensive Tackle Position brauchen. In Anbetracht einer starken Offensive Line Klasse im diesjährigen Draft und dem zehnten Pick, den die Browns dort innehaben, sollte man hier aber meiner Meinung nach nicht Haus und Hof verkaufen für einen 31-jährigen Spieler, der ein Jahr lang nicht auf Wettbewerbsniveau gespielt hat. Für einen Trade könnte sprechen, dass Bill Callahan, von 2015 bis 2019 O-Line-Coach bei den Redskins, ab dieser Saison bei den Browns für diese Positionsgruppe verantwortlich ist. Ein weiterer Kandidat für diese Position soll Jason Peters (38) von den Eagles sein, der Free Agent wird. 

Noch zwei frische News vom Dienstag Nachmittag: Die Browns haben Linebacker Christian Kirksey (27) entlassen. Kirksey war seit 2014 bei den Browns und ein absoluter emotionaler Leader, lag zuletzt aber öfter im Krankenbett, als dass er auf dem Feld stand. Gerade für die jungen Spieler galt Kirksey auch als Mentor, wie Linebacker Mack Wilson (22) kurz nach der Entlassung via Twitter unterstrich. Auf Linebacker sind die Browns nun ziemlich dünn besetzt. Center JC Tretter (29) wurde unterdessen zum neuen Präsidenten der Spielergewerkschaft NFLPA gewählt.

Pittsburgh Steelers – Andreas

Ohne viel Cap Space und Draft Kapital zum Traden wird es in Pittsburgh eine relativ ruhige Offseason. Nach den hitzigen letzten Jahren aufgrund LeVeon Bell und Antonio Brown könnte die Ruhe der Franchise gut tun. Es wird auf jeden Fall versucht, entweder Hargreaves, Dupree oder beide zu halten, aber dafür müssen sie Cap Space schaffen.  

AFC South

Houston TexansToffi

Im südlichen Texas ist es momentan ziemlich ruhig. Nach der vollständigen Übernahme des General Manager Postens seitens Head Coach Bill O´Brien geht man davon aus, dass Tim Kelly (ehem. TE Coach) das offensive Playcalling übernimmt. Zudem trainiert er die Quarterbacks. 

Die Verlängerung von Defensive Tackle Brandon Dunn (27) könnte sich als sehr wichtig herausstellen. Momentan ist davon auszugehen, dass es zu keiner Verlängerung oder einem Franchise Tag bei Starting Defensive Tackle D.J. Reader (25) kommt. Der ehemalige Fünftrunden Pick übernahm für Vince Wilfork, nachdem dieser in Footballrente ging. Ein Abgang den die ohnehin aktuell schwache Defensive Line schlecht verkraften könnte.

Bei den weiteren Free Agents hat sich auch noch nicht viel getan. 18 Spieler stehen neben Reader zum aktuellen Zeitpunkt auf dem Markt. Darunter befinden sich Cornerback Bradley Roby (28) und die Runningbacks Carlos Hyde (28) und Lamar Miller (29), die in der letzten Saison Starterplätze im Team hatten.

Neben Punter Bryan Anger wurde eine weitere Stütze im Special Team verlängert. Long Snapper Jon Weeks (34) geht mit den Texans in die zehnte Saison. Die Verlängerung von Tight End Darren Fells (33), der mit sieben Touchdowns im letzten Jahr einen Franchise Rekord bei den Tight Ends holte, ist ebenfalls erfolgt. Er ist eine wichtige, solide Anspielstation für Watson und fungiert als Mentor. Der Vertrag läuft über zwei Jahre und beträgt sieben Millionen Dollar. Außerdem wurde Kicker Ka’imi Fairbairn für die nächsten vier Jahre verpflichtet. Er bekommt $17,65 Millionen, von denen neun garantiert sind. Wie die Texans Nation DACH die aktuelle Rosterlage in Hinblick auf die Free Agentcy sieht, ist im aktuellen Podcast zu hören.

Free Agency-Ziele sind unter anderem ein Nummer Eins Cornerback und Verstärkung für die Defensive Line. Zu wichtigen Verlängerungen, wie unter anderem Left Tackle Laremy Tunsil und Quarterback Deshaun Watson ist noch nichts Genaueres bekannt. Für die kommend Saison haben beide noch einen gültigen Vertrag. Man wird aber versuchen, alles vor Ende der kommenden Saison unter Dach und Fach zu haben.

Injury Updates: Left Tackle Tunsil ließ sich an der Schulter operieren, ebenso wie Safety Justin Reid. Inside Linebacker McKinney ließ einen Eingriff an beiden Knöcheln durchführen. Bei allen wird erwartet, dass sie zum Camp wieder fit sind. 

Noch etwas Schönes zum Schluss: Die Texans beteiligten sich mit den Colts und den Jaguars an einer gemeinsamen Spende von $100.000 für die Stadt Tennessee. Ein Tornado traf die Stadt Nashville. Die Titans leiten die Spenden an die betroffenen Gemeinden und Hilfsorganisationen weiter. 

Indianapolis ColtsFlorian

In Indianapolis dreht sich dieser Tage alles um die Frage, wer nächstes Jahr der Quarterback ist. Wird es der erfahrene Veteran (Rivers?) oder ein spannender Rookie (Love, Herbert, Fromm?)? Vielleicht sogar beides? Ich predige immer gern, dass Colts Fans bitte nicht enttäuscht sein sollen, wenn man sich für den dringend benötigten Defensive Tackle in der ersten Runde entscheidet und die Quarterback Frage weiter verschiebt. Auch neben dieser – zugegeben wichtigsten Personalie – gibt es klaffende Löcher im Team, die entweder über die Free Agency oder den Draft, vermutlich durch beides geschlossen werden sollen.

Nachdem Offensive Tackle Anthony Castonzo angekündigt hat zurückkehren zu wollen, bleiben Defensive Line und Wide Receiver, sowie vermutlich auch Cornerback die prominentesten Baustellen im Kader. Bezüglich der zuerst anstehenden Free Agency kann erstmals mit einem Abrücken vom bisherigen, sehr zurückhaltenden Ansatz der Colts gerechnet werden. General Manager Chris Ballard hat auf Anfrage bestätigt, dass der Kader bereit für einen (nicht ganz pflegeleichten) hochkarätigen Free Agent sei. Die Colts dürften wegen des verfügbaren Cap Spaces sowieso mit jedem großen Namen der Free Agency in Verbindung gebracht werden.

Jacksonville JaguarsFriedrich

Es ist keine drei Jahre her, dass die Jaguars Secondary zu den stärksten Positionsgruppen der NFL gehörte. Geblieben aus dieser Positionsgruppe ist… Niemand! Mit AJ Bouye wurde ein weiteres Mitglied der Super Bowl -würdigen Defense aus dem Jahre 2017 abgegeben. Die Jaguars erhalten von den Broncos einen Viertrunden Pick und – was noch wichtiger ist – Cap Space. Eine Überraschung ist die Weggabe von Bouye nicht, war er doch schon seit zwei Jahren nicht mehr auf der Höhe seiner Leistungsfähigkeit.

Wie geht’s weiter? Die Jaguars werden nach hiesiger Vermutung keine größeren Player in der anstehenden Free Agency sein. Denkbar wäre ein Investment in einen guten Tight End oder in einen starken Interior Defensive Lineman. Beide Positionen waren letzte Saison quasi inexistent. Ob man Ngakoue wird halten können? Mehr als fraglich. Erstens will er nicht mehr (wovon tausendundeine auf Twitter gepostete ‚Finish-Flagge‘ zeugen) und zweitens haben die Jaguars einen starken jüngeren Spieler in Josh Allen auf seiner Position. Wenn die Jaguars nennenswerte Picks bekommen, ist ein Trade denkbar. Sollten die Jaguars ihn ‚taggen‘, sind weitere Twitter-Abwanderungswünsche vorprogrammiert.

Tennessee TitansTim

Bis auf den Tornado war es ansonsten sehr ruhig in Nashville. Nächste Woche gibt es Infos, wie es mit der Free Agency aussieht.

AFC West

Denver Broncos – Katharina

Nachdem endlich klar ist, wer als Quarterback für die Broncos starten wird, sollte man sich die nächstgelegene Frage stellen: „Wer beschützt das junge Küken vor den gegnerischen Linebackerwölfen, die nur darauf warten, ihn in ihre Fänge zu kriegen?“ Center Connor McGovern, der zum Free Agent wird, soll aber schon Vertragsgespräche in Aussicht gestellt bekommen haben. Auf seiner rechten Seite, wird eine Lücke entstehen, da der Vertrag von Ron Leary nicht verlängert wird. Sollten die Broncos auf dem Markt tätig werden, wurde hier schon der Name Brandon Scheriff, Guard der Washington Redskins, in den Raum geworfen. Die besten Chancen ergeben sich natürlich im Draft. Tristan Wirfs (Guard / Iowa) soll sich schon mit den Broncos und den Colts getroffen haben. Vielleicht könnte er die riesige Lücke in der Offensive Line schließen, damit das noch reifende Quarterbackküken nicht wieder neun Mal vom amtierenden Champion in einem Game gelegt wird.

Das neue Ligajahr beginnt offiziell erst am 18. März und die Denver Broncos haben anscheinend keine Zeit zu verlieren und traden Cornerback AJ Bouye (28.J) von den Jacksonville Jaguars für einen wahrscheinlichen Viertrunden Pick. Bouye, Teil der bekannten „Sacksonville“ Defense im Jahr 2017, die unter anderem die Pittsburgh Steelers in den Playoffs geschlagen und sogar die New England Patriots im AFC Championship Game am Rande einer Niederlage gebracht hatten, kommt mit einer Empfehlung von acht Interceptions, 34 geblockten Passversuchen und 175 Tackles – wodurch die Zeichen beim langjährigen Cornerback Chris Harris jr.(30.J) wohl auf Abschied stehen. Als Free Agent werden viele Teams ihre Fühler nach dem erfahrenen Cornerback ausstrecken, denn mit dem bevorstehenden Singning von A.J Bouye sind die Chancen auf ein Verbleib auf ein Minimum gesunken.

Am Donnerstag entließen die Denver Broncos Defensive Lineman Billy Winn (30). Winn wurde 2019 auf Grund einer Verletzung am Arm, die er sich während der Preseason zugezogen hatte, auf der Injury Reserved Liste geführt. Er spielte 16 Spiele in der Saison 2016, fehlte aber in der darauffolgenden Saison komplett wegen eines Kreuzbandrisses. 

Kansas City ChiefsAndri

Wie von vielen Experten vermutet, wird Star Defensive Tackle Chris Jones (25) von den Chiefs mit dem Franchaise Tag versehen. Dadurch können sich die Chiefs mehr Zeit lassen, um mit Jones einen – von beiden Seiten erwünschten – längerfristigen Vertrag auszuhandeln oder aber Jones vor dem Draft Ende April zu traden, was voraussichtlich in einem Errst- und Drtittrunden Pick enden sollte.

Zudem wurde in den letzten Tagen von mehreren Quellen berichtet, dass die Chiefs die Option auf ein weiteres Vertragsjahr mit Offensive Lineman Cam Erving (27) nicht ziehen werden. Erving startete in den letzten drei Jahren in 25 Spielen für die Chiefs und kam insgesamt in 40 Spielen als Left Guard, Left Tackle und Right Tackle zum Einsatz. Im Jahr 2020 hätte Erving rund $4.7 Millionen an Cap blockiert, was angesichts des Cap Spaces der Chiefs wohl zu viel ist, um ihn zu halten. Als solider Backup wird Erving aber auf jeden Fall ein Team für die neue Saison finden.

Weiterhin wurden Gespräche mit Wide Reciver Sammy Watkins (26) angekündigt, welcher 2020 rund $21 Mio verdienen wird (Platz 1 aller Wide Receiver!). General Manager Brett Veach kündigte an, dass Watkins zu diesen Bedingungen wohl nicht zum Team zurückkehren werde. Mit dem hohen Gehalt ist ein Trade aber praktisch ausgeschlossen. Watkins wird seinen Vertrag anpassen müssen, ansonsten wird er wohl entassen, was für die Chiefs einen Dead Cap von rund $14 Millionen zur Folge hätte.

Bezüglich des Trainerstabs wurde am Wochenende das Aufgabenfeld des bisherigen Quarterback Coach Mike Kafka um das des Passing Game Coordinators erweitert. Die Beförderung kommt wenig überraschend und soll Kafka vermehrt in die Entscheidungen des Playcallings miteinbeziehen, denn die Chiefs rechnen stark damit, dass spätestens nächste Saison der jetztige Offensive Coordinator Eric Bieniemy als Head Coach ein Team in der NFL übernehmen wird. Verpflicht wurde dazu Andy Hill. Andy Hill war 24 Jahre Assistent Head Coach und Special Teams Coordinator an der University of Missouri und heuert nun als Assistent Special Teams Coach unter Dave Toub an.

Las Vegas RaidersBen

Was beschäftigt die Raider Nation aktuell? Die Fanbase ist gespalten in Derek Carr (QB) Supporter und die Gegenfraktion, die sogar mit Tom Brady zufrieden wäre, solange das Franchise endlich mal in die Erfolgsspur kommt. Wenn man sich die Statistiken anguckt, ist Carr unter den Top 10 Quarterbacks der Liga und hat sich im Vergleich zu 2017 und 2018 verbessert. Die Frage, die im Raum stehen bleibt: Warum siegen wir nicht?

Eine der wenigen verlässlichen Anspielstationen war Rookie Tight End Darren Waller. Bei den von Verletzungen geplagten Wide Receivern zeigte sich nur Rookie Hunter Renfrow als zuverlässiger Passempfänger. Mangels weiterer Alternativen hat man eher auf das Laufspiel von Rookie Josh Jakobs (RB) gesetzt. Mit zwei guten Deep Threat Wide Receivern könnte sich für Carr alles verändern. Die Saison 2020 wird daher nicht nur ein Neustart im neuen zu Hause, sondern eine letzte Bewährungsprobe für Carr als Franchise QB.

Aus Cap Space Gründen ist es wahrscheinlich, dass man sich von Guard Gabe Jackson, sowie Wide Receiver Tyrell Williams trennen wird. Beide haben nicht gerade besonders gut abgeliefert und würden Platz für weitere Optionen schaffen.

Die Safeties bekommen Rookie Jonathan Abram aus einer Verletzungspause zurück. Eine Verlängerung von Karl Joseph wäre wünschenswert, anscheinend entlässt man ihn jedoch in die Free Agency. Erik Harris dominierte letztes Jahr in der Seconday mit fünf Interceptions und zwei Touchdowns.

Bei den Linebackern konnte nur Morrow halbswegs überzeugen. Tahir Whitehead wurde am 10. März entlassen, seine Leistung blieb weit hinter den Erwartungen zurück. Vontaze Burfict ist aufgrund seines Spielstils einfach ein Risiko. Man könnte ihn weiterverpflichten, aber eher als Mentor für jüngere Spieler.

Und Cornerbacks? Von Gareon Conley hat man sich schon während der Saison 2019 getrennt und es wird spekuliert, dass Darren Worley ebenfalls die Koffer packen muss. Hier besteht also in der Free Agency, als auch im Draft, die höchste Priorität.

Los Angeles ChargersSebastian

Die letzte Saison war eine Enttäuschung für die Chargers, denn aufgrund des Talents hätte viel mehr möglich sein können. Nach dem Abgang von Quarterback Philipp Rivers gibt es einige weitere Personalien, die bei den Chargers bereits feststehen. So hat Running Back Austin Ekeler einen Vier-Jahresvertrag unterschrieben, der ihm bis zu 26 Millionen Dollar einbringen könnte. Eine gute Entscheidung der Chargers, hat doch Ekeler bewiesen, dass er ein wichtiger Teil der Offense sein kann. Mit seiner Vertragsverlängerung ist aber auch klar, dass sein Positionskollege Melvin Gordon, der bis zum vergangenen Sommer eigentlich Starter war, nicht weiter in L.A. spielen wird. Durch seinen Holdout und seine schlechten Zahlen in der vergangenen Saison hat er seine Verhandlungsposition verschlechtert.

Einen Wechsel wird es auch in der wackeligen Offensive Line der Chargers geben. So schicken sie Medienberichten zufolge Offensive Tackle Russell Okung zu den Carolina Panthers, die im Gegenzug Guard Trai Turner an die Chargers abgeben. Der Trade ist noch nicht offiziell, da dies erst am 18. März, dem offiziellen Start der neuen NFL Saison, passieren kann. Turner war für die letzten fünf Pro Bowls nominiert und wird eine sofortige Verstärkung für die Chargers sein. Ansonsten haben die Chargers noch 21 Free Agents, wovon Tight End Hunter Henry wohl der prominenteste Name ist. Angesichts von 57 Millionen Dollar Cap Space hätten die Chargers das nötige Kleingeld, auch wenn die oberste Priorität darauf liegt, einen neuen Quarterback zu finden.

Max Müller
Autor: Max Müller
Max Müller ist Initiator und Editor von packers-germany.de und schreibt dort über die Green Bay Packers. Darüber hinaus ist er auch hin und wieder bei packerstalk.com aktiv. Für SCOUTREPORT - Das American Football Magazin organisiert er die Fan Rubrik "NFLinfo".