NFL-Saison 2019: Vorschau auf alle Teams der AFC

NFL-Vorschau auf SCOUTREPORT.de! Die stärkste Football-Liga der Welt startet am 5. September in die Saison 2019/2020, und zwar mit der Partie Green Bay Packers gegen Chicago Bears.

Bevor es losgeht hat sich SCOUTREPORT bei Experten umgehört und sie gebeten, Prognosen für die jeweiligen Divisions abzugeben.

AFC West: Chiefs, Chargers, Broncos und Raiders

Erik Seewald, Experte SCOUTREPORT

Kansas City Chiefs

Die Kansas City Chiefs stellten in der vergangenen Saison die beste Offense der NFL. Quarterback Patrick Mahomes war die Entdeckung des Jahres, warf für über 5000 Yards und 50 Touchdowns in seinem ersten Jahr als Starter. Dieses Jahr kennen die Defenses Mahomes und seinen Spielstil besser. Es wird sich zeigen, ob MVP der vergangenen Saison wieder so überzeugen kann.

Die Waffen dafür hat er auf jeden Fall. Hinter einer soliden Offensive Line werden Offensive Mastermind und Head Coach Andy Reid und Mahomes Mittel und Wege finden, die Bälle zu verteilen. Anspielstationen hat Mahomes dafür genug. Receiver Tyreek Hill, der wohl keine Sperre der NFL zu befürchten hat, Sammy Watkins und Mecole Hardman, den die Chiefs in der zweiten Runde gedraftet haben. Neben den drei Wide Receivern wartet dann noch einer der besten drei, wenn nicht der beste Tight End der NFL: Travis Kelce. Die Offense ist also bestens besetzt.

Für die Defense wurde auch einiges getan. Die Chiefs haben mit Frank Clark einen echten Pass Rusher von den Seattle Seahawks geholt und dafür ihren Erstrundenpick im diesjährigen Draft geopfert. Mit 14 Sacks und 42 Tackles wird die Defense der Chiefs aggressiver und schwerer auszurechnen.

Top 10 NFL Spieler
Top 10 NFL-Spieler von Erik Seewald. Die Pfeile zeigen die Position im Vergleich zum Ranking der „NFL 100“ an, bei der die NFL-Profis abgestimmt haben. Grafik: SCOUTREPORT

Der Druck auf die gegnerischen Quarterbacks kommt auch Safety Tyrann Mathieu zu Gute. Dieser wird ab diesem Jahr zusammen mit Rookie Juan Thornhill das Defensive Backfield unsicher machen. Thronhill ist dabei eine gute Ergänzung in der Passverteidigung. Während Strong Safety Mathieu auch gerne aggressiv die Line of Scrimmage attackiert, sichert Thornhill ihn in der Mitte ab.

Die Chiefs sind auch in der kommenden Saison ein Kandidat für den Super Bowl. Im vergangenen Jahr noch knapp an den Patriots gescheitert, können die Chiefs dieses Jahr „all the way“ gehen.

Los Angeles Chargers

Die Los Angeles Chargers bauen auf einer erfolgreichen Saison 2018 auf. In den Divisional Playoffs war Schluss, die Chargers verloren gegen den späteren Super-Bowl-Champion New England Patriots. Die Off-Season wird vor allem vom Hold-out von Running Back Melvin Gordon bestimmt, welcher sich nicht mit der 5th-Year-Option seinen Rookie-Vertrages und dem damit verbundenen Gehalt zufrieden geben möchte. Er droht mit einem Streik, sollten seine Gehaltsforderungen nicht erfüllt bzw. fordert einen Trade.

Die Chargers haben bisher nicht auf die Forderung reagiert. Wohl auch, weil mal mit Austin Ekeler und Justin Jackson zwei Running Backs hinter Gordon hat, die durchaus gute Leistungen bringen – wenn auch bisher nicht in der Spitze und der Konstanz von Gordon. Die Chargers werden abwägen müssen, ob Gordon die circa acht bis zehn Millionen Dollar mehr an Cap-Space wert ist (soweit liegen die beiden Parteien etwa auseinander) oder man mit Ekeler und Jackson in die Saison geht und das Geld anderweitig investiert.

Auf der Quarterback-Position wird alles beim Alten bleiben. Philip Rivers ist der unangefochtene Veteran und Leader der Offense und des gesamten Teams. Mit über 4300 Yards und 32 Passing Touchdowns bei zwölf Interceptions hatte er 2018 eine sehr solide Saison und wird auch mit 37 Jahren weiter performen.

Targets hat er: Mit Keenan Allen und Travis Benjamin, sowie Mike Williams steht ihm eine gute Mischung aus Receivern zur Verfügung, die sich in Erfahrung und auch Größe und Schnelligkeit gut ergänzen. Einzig die Tight-End-Position könnte stärker besetzt sein. Die solide Defense wurde den klugen Draft Picks von Defensive Tackle Jerry Tillery und Cornerback Nasir Adderley verstärkt. Die Defensive Ends Joey Bosa und Melvin Ingram werden die gegnerischen Quarterbacks weiter jagen.

Die Chargers werden in der AFC West mit den Chiefs um den Division-Sieg kämpfen. Im direkten Duell wird von der Tagesform abhängen, wer die Spiele gewinnt. Die Chargers sind ein Playoff-Kandidat. Ob es für mehr als die Division Round reicht, wird davon abhängen, ob Philip Rivers auch in den Playoffs performen kann. An der Running-Back-Position entscheidet sich das eher nicht.

Denver Broncos

Die Denver Broncos waren in den vergangenen Jahren so etwas wie der Quarterback-Friedhof der NFL. Nach dem Rücktritt von Peyton Manning nach der 2015er Saison versuchten sich Brock Osweiler, Trevor Siemian, Paxton Lynch und zuletzt Case Keenum in der Offense der Broncos. Dieses Jahr hat sich John Elway die Dienste des bei den Baltimore Ravens aussortierten Joe Flacco gesichert.

Die erneuerte Version der West-Coast-Offense, die die Denver Broncos spielen werden, kann Flacco laufen. Wie schnell er das neue System mit seinen immerhin schon 34 Jahren aufnimmt, wird entscheiden, wie die Saison der Broncos verlaufen wird. Flacco muss vor allem das junge Offensive Backfield unter Kontrolle bringen und mit seiner Erfahrung führen. Seine Wide Receiver DaeSean Hamilton, Courtland Sutton, River Cracraft und Tim Patrick sowie Tight End Jake Butt gehen alle erst in ihre zweite und dritte NFL-Saison.

Das Spiel der Broncos wird maßgeblich von der Leistung der Defense abhängen. Das ist eine Parallele für Flacco zu Baltimore. In Denver wird Outside Linebacker Von Miller auf Quarterbackjagd gehen. Mit 14,5 Sacks führte er die Broncos an. Linebacker Bradley Chubb kam auf zwölf Sacks. Hinter den beiden muss die Produktion der Defense allerdings zulegen. Vor allem die Defensive Line muss mehr Druck ausüben, damit die Defense der Broncos weniger Punkte zulässt. Eine Verteidigung, auf der das Team aufbaut, muss dominanter als Platz 13 (nach zugelassenen Punkten, Saison 2018) sein.

  • Welche Folgen hat Football für die Gehirne der Spieler? Wie kann die NFL den Sport sicherer machen, ohne das Spiel komplett körperlos zu machen? Wie gehen GFL-Spieler mit dem Thema um? Die SCOUTREPORT-Themenwoche „Football im Kopf

Die Broncos mussten mit Joe Flacco einen großen Salary-Cap-Hit hinnehmen. Ob er die Offense in die Spur bringen kann, ist fraglich. Schlägt Flacco ein und hat Von Miller eine produktive Saison, können die Broncos um die Playoffs mitspielen. In der AFC West sind mit Kansas City und den Los Angeles Chargers aber schon zwei Teams gesetzt, die den Division-Titel unter sich ausmachen werden.  

Oakland Raiders

Die (noch) Oakland Raiders kannten in der Off-Season fast nur ein Thema: Antonio Brown. Der Star-Wide-Receiver wurde nach Streit und einigen zweifelhaften Interviews von den Pittsburgh Steelers zu den Raiders getraded, für einen Dritt- und einen Fünftrundenpick. Für einen Nummer eins Receiver seines Kalibers eigentlich ein Steal für die Raiders, wären da nicht der neue, teure Vertrag und der Ruf von Brown, nicht nur viel Aufmerksamkeit zu brauchen, sondern zu vielen Dingen einfach eine andere Meinung zu haben. Das gipfelte in der neuesten Debatte um seinen Helm.

Bleibt für die Raiders zu hoffen, dass Brown die über 50 Millionen Dollar für drei Jahre wert ist. Quarterback Derek Carr kann die Verstärkung auf der Receiverposition gut gebrauchen. Auch wenn Carr für über 4000 Yards warf, wird Brown als Deep Threat nicht nur viele Bälle bekommen, er zieht auch die Aufmerksamkeit der Defense auf sich, wodurch sich mehr Räume für Tyrell William und auch Running Back Doug Martin ergeben werden.

Die Raiders hatten drei (!) Erstrundenpicks im diesjährigen Draft. Mit Defensive Tackle Clelin Ferrell sicherten sich die Raiders die Dienste eines National Champions aus dem College. Der Passrusher aus Clemson soll die gegnerischen Quarterbacks zu Boden bringen und die magere Bilanz bei Sacks aufbessern. Mit nur 13 Sacks rangierten die Raiders 2018 auf dem letzten Platz der Liga.

Running back Josh Allen aus Alabama war die zweite Wahl der Raiders in der ersten Runde. Anders als bei Safety Johnathan Abram, der das defensive Backfield der Raiders deutlich verstärken wird, erschließt sich mir die Auswahl in der ersten Runde bei Allen nicht ganz. Die Raiders hätten hier lieber in die löchrige Offensive Line investieren sollen die über 50 Sacks zuließ. Auch wenn Marshawn Lynch wohl in Rente gehen wird, hätten die Raiders anderweitig Ersatz finden können.

Die Defense wird mit Clelin Ferrell wesentlich explosiver sein. Mit Middle Linebacker Vontaze Burfict haben die Raiders einen erfahrenen Mann verpflichtet, der allerdings in vergangenen Jahren auch durch einige Unsportlichkeiten aufgefallen ist (Antonio Brown wird sich erinnern) und dementsprechend auch öfter gesperrt war.

Die Raiders müssen den Rebuilt unter Headcoach Jon Gruden abschließen. Mit der Verpflichtung von Antonio Brown und dem Draft von Clelin Ferrell wurden die Lücken geschlossen, die Khalil Mack und Amari Cooper gerissen haben. Problem wird weiter die Offensive Line sein. Derek Carr wird weiter viel gesackt werden. Die Raiders werden wohl einen besseren Record haben, als letzte Saison. Für die Playoffs wird das nicht reichen.

AFC North: Ravens, Browns, Steelers und Bengals

Sebastian Mühlenhof, Interception Football-Talk

Balitmore Ravens

Lamar Jackson mit 1000 Rushing Yards: Das hört sich jetzt erstmal viel an, aber die Ravens werden sich viel auf den Lauf verlassen. Nach der Bye Week letztes Jahr hat er im Schnitt 79,4 Run Yards pro Spiel erlaufen. Hochgerechnet auf eine Saison sind das 1270,86 Yards. Das erwarte ich jetzt zwar nicht, aber der Rekord von Bobby Douglass mit dem meisten Rush Yards eines Quarterbacks (968) sehe ich wackeln.

Mit dem neuen Offensive Coordinator Greg Roman wird der Fokus zudem noch mehr auf dem Run Game liegen. Dennoch erwarte ich einen Fortschritt von Jackson im Passing Game, auch wenn seine Receiver noch relativ unerfahren sind. Seid also nicht überrascht, wenn die Ravens im Januar wieder Playoff-Football spielen.

Pittsburgh Steelers

Mehr als zehn Siege und Division-Titel: Bei dem ganzen Hype um die Browns haben wir die Steelers komplett aus den Augen verloren. Ich habe das Gefühl, dass die Stärke der Steelers gerne übersehen wird. Mit Le’Veon Bell und Antonio Brown hat man zwei schwierige Charaktere „verloren“ und kann sich jetzt wieder voll auf Football konzentrieren.

Die Offense gehört weiterhin zu den Top fünf, auch wenn Antonio Brown nur schwer zu ersetzen ist. Zudem ist der Pass Rush unheimlich gefährlich, hat er doch in den letzten zwei Jahren unfassbare 108 Sacks produziert. Mit Line Backer Devin Bush könnte zudem der Ersatz für Ryan Shazier gefunden sein. Die Secondary ist zwar nicht stark, aber die Steelers-Offense wird wieder über 25 Punkte pro Spiel erzielen.

Cleveland Browns

Bis Woche acht zwei Siege: Ich sehe schon die Kritik, die ich dafür bekommen werde, aber ich stehe dazu, dass ich an den Hype um die Browns (noch) nicht glaube. Der Auftakt mit Heimspielen gegen die Titans, Rams und Seahawks und Spielen bei den Jets, Ravens, 49ers und Patriots ist aber ein schwieriger. Der einzige Sieg, den ich sofort sehe, ist ein Sieg in New York. Die anderen Teams agieren auf Augenhöhe oder sind besser (Patriots, Rams).

Klar sieht das Team auf dem Papier richtig gut aus, aber vergangene Saison kamen die Siege zum sehr großen Teil gegen Teams, deren Defense einfach schlecht war. Bei den Mannschaften zum Auftakt sehe ich aktuell nur die Jets und Seahawks mit einer schlechten Defense. Nach dem Spiel in Boston traue ich den Browns aber viele Siege zu, weil sie zum großen Teil der Favorit sind. Dennoch sollten sich alle Fans über ein Record von 8-8 freuen und hoffnungsvoll in die Zukunft schauen.

Cincinnati Bengals

Neuer Quarterback bitte: Es wird wirklich Zeit für einen Rebuild in Cincinnati. Man hat sich jetzt nach über 15 Jahren von Head Coach Marvin Lewis getrennt und sollte jetzt mit dem Nachfolger Zac Taylor neue Wege gehen. Den Anfang muss man dabei auf der Quarterback-Position machen. Andy Dalton ist ein solider Quarterback, der das Team in acht Jahren immerhin fünfmal in die Playoffs gebracht hat. In den vergangenen drei Jahren hat man es aber nicht geschafft, die Playoffs zu erreichen, was auch an ihm lag.

In einer Liga, die immer mehr Wert aufs Passing Game liegt, braucht man einfach einen Quarterback, der Spiele gewinnen kann – und das kann Dalton nicht. Daher sollten sich die Bengals einen hohen Draftpick holen, um einen der Top-Quarterback-Prospects im kommenden Draft zu holen. Dort sollte auch dringend die O-Line und der Receiver-Corps verstärkt werden. Und bitte, liebe Bengals: Fangt endlich mal an, in der Free Agency Spieler zu verpflichten. Ansonsten werdet ihr in den nächsten Jahren weiter die rote Laterne in der AFC North in der Hand halten.

AFC South: Titans, Texans, Colts und Jaguars

Matthias Gindorf, beimfootball.de

Tennessee Titans

Die Titans sind für mich eine der größten Wundertüten der NFL. Mit Cornerback Malcolm Butler haben sie einen Verteidiger, der schon alles gesehen hat. Die Defensive des Teams dürfte auch zum oberen Drittel der NFL gehören, aber reicht das? Die Blicke werden natürlich auch auf Quarterback Marcus Mariota gerichtet sein, der sich und seine Klasse beweisen muss.

Video: SCOUTREPORT fragt die German Titans – ist Tennessee eine Wundertüte?

Zu Beginn der Pre-Season hat sein neuer Backup Ryan Tannehill schon mal eine Duftmarke gesetzt und plötzlich ist Mariota nicht mehr sicher die Nummer 1. Da ist Feuer drin. Die Titans spielen jetzt 20 Jahre in Nashville und werden erstmal ohne großen Erfolg bleiben. Mein Tipp: Platz vier in der Division.

Indianapolis Colts

Bis zur Woche zwei der Pre-Season habe ich die Colts noch als Favorit der AFC South gesehen. Dann kam aber der schockierende Rücktritt von Quarterback Andrew Luck. Er hört mit 29 Jahren auf, weil er zu viel verletzt war und sich einfach nicht mehr quälen will. Aus seiner Sicht völlig verständlich. Aus Sicht der Colts eine Katastrophe. Kurz vor Saisonstart fehlt der Kopf des Teams, das sich eigentlich gefunden hatte.

Als Backup für Luck stehen Chad Kelly und Jacoby Brissett bereit – sicher talentiert, aber sicher nicht dem Druck gewachsen, wenn alle Welt sehen will, wie die Saison gerettet werden soll. Wenn da nicht noch ein neuer Starter geholt wird, der sofort funktioniert, sehe ich für die Colts schwarz. Der harte Spielplan mit Auswärtsspielen bei den Saints, Chiefs und Steelers wird jetzt zur Qual. Mein Tipp: Maximal Platz drei in der Division.

Jacksonville Jaguars

Quarterback Nick Foles. Er ist der Hoffnungsträger der Jaguars. Super-Bowl-MVP und Philly Special werden in Florida aber nicht ausreichen. Seine Vorderleute sind ganz andere. Foles hat noch keine volle Saison gespielt und muss dem Druck jetzt Stand halten.

Das Team ist insgesamt jung und von der Leistung der „Sacksonville Defensive“ vielleicht noch etwas entfernt.  Einige Power Rankings sehen die Jaguars auf Platz 32 in der NFL. Ich glaube schon an die Offensive und ein paar Erfolgserlebnisse. Mein Tipp: Platz zwei in der Division.

Houston Texans

Ich gebe zu, hier bin ich etwas voreingenommen. Die Houston Texans sind mein Lieblings-Team in der NFL – auch wenn sie noch nicht viel gerissen haben. Für 2019 hoffe ich, dass Quarterback DeShaun Watson es ausnutzt, die gesamte Vorbereitung verletzungsfrei bestritten zu haben.

Schön wäre hier auch, wenn ihn seine O-Line etwas mehr beschützt als zuletzt. Dann sind da noch die Schlüsselspieler J.J. Watt (Defensive End) und DeAndre Hopkins (Wide Receiver), die beide frisch operiert in die Saison gehen wollen. Die müssen liefern.

Running Back Lamar Miller hat sich in der Pre-Season ein Kreuzband gerissen und Line Backer Jadeveon Clowney nervt mit Vertragsdiskussionen. Mein Tipp: Weil die Colts wegen Andrew Lucks Ausfall abrutschen, schaffen die Texans mit Mühe Platz eins in der Division.

AFC East: Patriots, Jets, Bills und Dolphins

Chris Höb, Chefredakteur SCOUTREPORT – Das American Football Magazin

Ich denke, die Division rückt enger zusammen. Die New England Patriots werden sich Platz eins in der AFC East sichern – ich weiß, keine aufregende Prognose. Aber eine realistische. Dahinter wird es enger, wobei ich leichte Vorteile bei den Jets sehe.

New England Patriots

Vor der Saison 2018 habe ich auf die New England Patriots als Super-Bowl-Sieger getippt. So kam es dann auch. In diesem Jahr gehe ich nicht so weit, aber für den ersten Platz in der AFC East wird es reichen. Dafür wird das Duo aus Quarterback Tom Brady und Head Coach Bill Belichick sorgen.

Die Top 10 NFL-Spieler von Chris Höb. Die Pfeile zeigen die Position im Vergleich zum Ranking der „NFL 100“ an, bei der die NFL-Profis abgestimmt haben. Grafik: SCOUTREPORT

New England wird weiterhin auf Team-Football setzen. In der Offense haben die Patriots allerdings eine Schwachstelle im Vergleich zum Vorjahr: die Tight-End-Position. Nach dem Karriere-Ende von Rob Gronkowski hat der Super-Bowl-Sieger keinen gleichwertigen Ersatz gefunden.

Ich gehe davon aus, dass Belichick diese vermeintliche Schwäche gut kaschieren wird – vermutlich mit Two-Back-Sets (also zwei Running Backs auf dem Feld), beispielsweise mit Sony Michel als Läufer, Rex Burkhead als Läufer/Receiver. Aufgrund eines fehlenden Top-Tight-Ends wird es außerdem noch mehr auf Wide Receiver Julian Edelman ankommen, der seine Stärken im Slot hat.

Miami Dolphins

Die Miami Dolphins haben ihren Franchise-Quarterback. Josh Rosen ist besser, als viele denken. Er braucht allerdings, wie jeder Quarterback, eine gute O-Line. Mit Michael Deiter (Left Guard) und Shaq Calhoun (Right Guard) sind gleich zwei Rookies den Guard-Positionen. Ob das reicht, den Quarterback zu beschützen?

Noch ist nicht klar, ob Rosen oder doch Ryan Fitzpatrick startet. Für mich ist Rosen der klare Starter. Sorry, Fitzmagic. Die Defense der Dolphins hat im Backfield zwar Xavien Howard und Minkah Fitzpatrick, von dem ich hoffe, dass er sich weiterentwickelt. Insgesamt fehlt der Verteidigung die Tiefe, das Team befindet sich ganz klar im Umbruch.

Dazu kommt der knackige Spielplan: Miami startet gleich gegen vier harte Gegner in die neue Saison (Ravens, Patriots, Cowboys und Chargers).

New York Jets

Die New York Jets haben keinen klassischen Number-One-Receiver, auf den sich die gegnerische Defense einstellen kann. Ich rechne damit, dass Quarterback Sam Darnold die Bälle im Pass-Spiel extrem verteilen wird. Kurz auf Jamison Crowder im Slot, lang auf Robby Anderson… und wenn der Druck zu groß wird in der Pocket, steht Le’Veon Bell als Anspielstation bereit.

Der Running Back ist nach seiner Streik-Saison frisch und ausgeruht. Viele sehen die Pause als Nachteil. Ich sehe es als Vorteil, weil Running Backs in der Regel viel auf die Mütze bekommen. Bell muss jetzt zeigen, dass er die 46,8 Mio Euro über vier Jahre wert ist.

Video: SCOUTREPORT fragt Gang Green Germany – sind die Jets ein Geheimfavorit?

Die Defense der Jets gehörte in der vergangenen Saison statistisch zu den zehn schlechtesten der NFL (380,4 Yards pro Spiel zugelassen). Um das zu ändern, hat das Team Defensive End Quinnen Williams gedraftet. Was ich auf den Video-Tapes gefunden habe, hat mir gefallen. Williams wird sofort für Impact sorgen.

Der neue Defensive Coordinator Gregg Williams will eine Mischung aus 3-4 und 4-3 Defense spielen. Klingt auf dem Papier nach einer flexiblen Verteidigung, ist in der Praxis aber schwer umzusetzen – du brauchst als Coach das richtige Personal dafür. Die Hybrid-Strategie birgt für mich ein Risiko.

Buffalo Bills

Die Buffalo Bills haben einiges in der Offensive Line verändert, unter anderem Center Mitch Morse. Der 27-Jährige war von 2015 bis 2018 bei den Chiefs. Sorgen machen mir die Running Backs: Frank Gore (36) und LeSean McCoy (31) bringen zusammen zwar viel Erfahrung mit. Aufgrund ihres Alters habe ich allerdings Zweifel, was Geschwindigkeit und Verletzungsanfälligkeit angeht. Quarterback Josh Allen wird wieder regelmäßig selbst mit dem Ball laufen müssen (er hatte schon letzte Saison 631 Rushing Yards).

In der Defense haben die Bills mit Cornerback Tre’Davious White (24) und den Linebackern Tremaine Edmunds (21) und Matt Milano (25) junge, vielversprechende Spieler. Edmunds war schon in der vergangenen Saison der Leading Tackler der Bills (121).

Neben ihren AFC-East-Duellen müssen die Bills unter anderem auch gegen die Cinncinnati Bengals, Washington Redskins und die New York Giants ran. In diesen Partien traue ich den Bills einen Sieg zu.

Written by Chris Höb
Christian Höb ist Chefredakteur von SCOUTREPORT und moderiert die SCOUTREPORT-Webshow. Chris kommentiert außerdem GFL-Spiele der Berlin Rebels. Er ist freier Sportjournalist.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

error

Du willst uns unterstützen? Folge uns!