Was bitte ist denn in der NFL kaputt?

Ein Gastbeitrag von Janik Aschenbrenner von Beardown Germany

Inzwischen ist ein Drittel der NFL Saison gespielt und gerade nach dem sechsten Spieltag am vergangenen Wochenende fragen sich Fans der Liga, wer das nötige Reperaturset parat hat. Was ist denn jetzt kaputt, Zweikomponentenkleber gefällig?

Während der letzten Saison erlebte der NFL-Fan ein einziges Feuerwerk der Offenses. Höhepunkt des Spektakels war sicherlich das 51:54 der Los Angeles Rams gegen die Kansas City Chiefs. Patrick Mahomes kam, sah und siegte. Jared Goff wirkte unter Head Coach Sean McVay wie ausgewechselt. Baker Mayfield stieg zum Messias auf und unter diesen Riesen deuteten auch weitere Zwerge an, am Himmel gesehen werden zu wollen. Auch ein Großteil der restlichen Teams wollte im Anschluss einen jungen Wilden auf der Quarterback-Position. So war es wenig überraschend, dass viele Medien während der Offseason einen Generationswechsel einläuteten.

Nur wenige Monate später sind viele Pressevertreter verdutzt und ihre Prognosen wirken wie eine Farce.

Patrick Mahomes begibt sich gerade auf die Suche nach einer Lösung, wie er Manndeckungen der gegnerischen Defenses knackt. Solange er auf diese noch nicht gestoßen ist, ist er augenscheinlich nicht mehr „the next Favre“, sondern ein einfacher ordentlicher Quarterback. Zumindest nüchtern betrachtet. Denn selbst hier findet sich bereits der ein oder andere Zweifler, nachdem nun zwei Heimspiele in Serie verloren wurden. Hinzu kommt hier natürlich, dass die Defense im Vergleich zum Vorjahr nicht den erwünschten Schritt nach vorne gemacht hat und eine Regression der Offense somit sofort bemerkbar wird.

Sieht man auf die Situation um Jared Goff und Baker Mayfield, lebt Mahomes allerdings in einer Wohlfühloase. Goff brachte seit dem Spiel gegen die Bears-Defense im Dezember 2018 kaum ein ordentliches Spiel zustande. Nett ausgedrückt. Seitdem offenbaren Defenses ihre Zuordnungen nämlich erst, nachdem der kleine Mann im Ohr (McVay) abgestellt ist. Dieses Problem ist die derzeitige Aufgabe von Goff oder eben McVay, für die es Antworten zu finden gilt. Der restliche Kader der Rams hat, logischerweise, nach dem All-In im vergangenen Jahr ebenfalls Federn lassen müssen. Beides in Kombination führt zum momentanen 3-3 Record.

Gegenwind für Baker Mayfield und die Browns

Messias Mayfield und seine Cleveland Browns bekommen inzwischen die gesamte Wut der Leute zu spüren, welche sie über die Offseason hinweg auf Händen getragen haben. Mayfield solle sich auf den Sport konzentrieren, er sei der nächste Manziel (ohne das Koks) und das gesamte Team, vorher zum Super-Bowl-Anwärter verschrien, sei letztendlich doch die altbekannten Browns.

Die ersten müssen sogar schon ihre sieben Sachen packen. Nach den sechs Turnovern ist Jameis Winston nun wirklich unten durch, wenn scheinbar nicht einmal Bruce Arians ihn davor bewahren kann. Marcus Mariotas ersten beide Jahre sind ebenso vergessen, genauso wie seine Leistung von sieben Touchdowns zu null Interceptions in den ersten fünf Spielen der Saison. Das Urteil: Sie seien dieselben Spieler wie noch zu College-Zeiten und deshalb maximal als Back-Ups zu gebrauchen. Während vergessen wird, dass in der NFL noch immer Leute wie Case Keenum, Andy Dalton & Co. als Starter auflaufen.

Believe the hype. The Hype is real.

Wir wären doch nicht im schnelllebigen digitalen Zeitalter, wenn nicht längst Nachfolger gefunden wären. Einer nennt sich Lamar Jackson und war im Jahr zuvor noch die Lachnummer, der „Runningback auf der Quarterback-Position“. Nun hat er Mayfield als vielversprechendsten Quarterback der 2018er Draft-Klasse abgelöst und ist nicht zu stoppen, eben weil er via eigenes Laufspiel so gefährlich ist und zugleich doch passen kann. Der andere Liebling der Massen heißt Gardner Minshew und ist ebenso kultig wie Baker. Naja, er gewinnt zwar kaum, aber was haben wir nicht alle über seinen Schnauzbart gelacht! Sein Style? Wahnsinn!

Dem ein oder anderen spitzfindigen Leser wird jedoch bereits ein Licht aufgegangen sein. All das kennen wir bereits. Die Defenses der Gegner werden mit der Zeit auch ihre Mittel gegen diese beiden finden und der Hype-Train ist am Bahnhof angelangt. Dann gilt es, Lösungen zu finden, quasi der Prozess, den die anderen gerade bereits durchlaufen. Erst dann zeigt sich, wer in der Lage ist, sich anzupassen und am Ende tatsächlich den Generationswechsel anführt. Bis dahin sind ihre Teams erst einmal keine Überflieger und für jeden schlagbar.

Wie sieht es bei den anderen Favoriten aus?

Die anderen zuvor favorisierten Teams machen sich derzeit nicht besser. In der AFC läuft es bei den Texans im wahrsten Sinne des Wortes noch nicht richtig, die Chargers-Defense hält nur das eigene Team auf und die Patriots-Offense läuft auch nicht wirklich flüssig, doch treffen die gefühlt erst im November auf einen Gegner.

In der NFC sind die Eagles so inkonstant wie das Herbstwetter, die Packers haben Ladehemmungen in der zweiten Halbzeit, die Bears-Offense ist noch in der Sommerpause, Cam und Brees vorerst außer Gefecht, die Falcons sind die Chargers ihrer Conference und die Vikings sowieso nur ernst zu nehmen, solange sie aus einer Führung heraus spielen.

Sieht man einmal von den Cincinnati Bengals, Washington Redskins und Miami Dolphins ab, wovon letztere sogar einen neuen Tiefpunkt in der Geschichte der Liga erreicht haben, dann ist jedes Team in der Lage, alle anderen zu schlagen. Favoriten Fehlanzeige. Was ist denn jetzt kaputt?

Die Qualität der Spiele hat sichtlich abgenommen, da – wie eben angesprochen – alle Mannschaften ihre Baustellen haben und selbst den Besten haarsträubende Fehler unterlaufen. Die Anzahl an Fehlern wie Drops, Turnover oder Strafen (es liegt nicht immer an den Referees), ist zum verrückt werden. Dies führt bei der heutigen Schnelllebigkeit zu Entscheidungen, die dem Spiel kurz- sowie langfristig nicht gut tun. In Washington ist bereits der Head Coach entlassen und Josh Rosen wird unter der Woche zum Starter für die restliche Saison erklärt und in der Halbzeit bereits wieder auf die Bank zurückbeordert. Ein wenig mehr Gelassenheit, also weniger Hype und damit auch weniger Drama im Anschluss, sei zumindest den Teams geraten.

Die Fans hingegen bekommen dieses Jahr eine andere Form von Entertainment. Ohne einen deutlichen Favoriten ist für Spannung zu genüge gesorgt. Wann war es denn zuletzt so schwer, im Vorfeld einzuschätzen, wer am Ende das Stadion als Sieger verlässt? Wie viele Highlights und Aufreger bekommt man derzeit geboten? Der neutrale Zuschauer dürfte sich auf jeden Fall freuen.

Diejenigen, die sich tiefergehend mit dem Sport beschäftigen, sind jedoch nicht aufgeschmissen. Für sie ist gerade ein interessanter Prozess im Gange, denn jetzt gilt es zu beobachten, wer sich wirklich als die neuen Stars der kommenden Jahre herauskristallisiert. Das gilt für die jungen Playmaker, aber auch für die zuletzt aufgetretenen Trainer-Genies. 

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