Die 100. NFL-Saison ist Geschichte. Das Jubiläum wurde während der vergangenen Spielzeit ausgiebig gefeiert. Vor 100 Jahren wurde der Grundstein für die National Football League gelegt – am 20. August 1920 in einem Autohaus in Canton, Ohio. Scoutreport wirft einen Blick auf die erste NFL-Saison und wie es dazu kam.

NFL Geschichte: Der erste Profi-Footballer

Die NFL Geschichte beginnt aber schon 28 Jahre vorher. Denn Profi-Football existierte bereits seit 1892. Pudge Heffelfinger – legendärer Guard der Yale Bullgods, dreifacher All-American und College Football Hall of Famer – gilt heute als erster Footballspieler, der für die Ausübung seiner Sportart entlohnt wurde.

Am 19. November 1892 trat seine Allegheny Athletic Association aus Pittsburgh im Western Pennsylvania Professional Football Circuit gegen den verhassten Stadtrivalen Pittsburgh Athletic Club an. Heffelfinger kassierte 500 US-Dollar für seine Beteiligung an dem Spiel. Inflationsbedingt entspricht die Prämie einem heutigen Wert von rund 14.200 US-Dollar.

Bieterkriege und erste Ligen

Während dieser Zeit war American Football hauptsächlich regional geprägt. College Football dominierte die Schlagzeilen. Kleinere semi-professionelle Ligen kämpften um Beachtung in ihrer Region abseits des College Football. Offiziell war Football ein Amateursport, dessen Ideale zumindest nach außen hin hochgehalten wurden. Profis wurden skeptisch beäugt. Sich für die Teilnahme an einem Spiel bezahlen zu lassen galt vielerorts als Schande. Trotzdem gilt es heute als gesichert, das Spieler bereits vor 1892 auf gewisse Weise für ihre Dienste entlohnt wurden, beispielsweise durch Sachgeschenke oder einen Job in dem Betrieb, der dem Teambesitzer gehörte. Der Unterschied bei Heffelfinger: Sein Team machte die Bezahlung offiziell.

Trotz des schwierigen Status des Profi-Footballs entwickelte sich zwischen den Teams ein immer heftigerer Bieterkrieg um die besten Spieler. Denn Fakt war auch: Die Bezahlung der besten Spieler führte zu einer Konzentration von Talent und damit letztendlich zu einem qualitativ besseren Football. Allerdings schwand das Faninteresse mit der Zeit. Spieler wechselten teilweise wöchentlich das Team, eine Identifikation mit den Stars war so nur schwer möglich.

1902 versuchten die Gründer der ersten National Football League, dem Bieterkrieg ein Ende zu setzen. Die Liga wurde aber nach nur einer Saison wieder eingestellt. Auch die im gleichen Jahr gegründete World Series of Pro Football strich die Segel nach zwei Spielzeiten.

NFL Geschichte: Licht am Ende des Tunnels

Doch zwei Ligen trotzten den schwierigen Bedingungen der damaligen Zeit. Die Ohio League nahm ihren Spielbetrieb 1902 auf und stieg zur qualitativ hochwertigsten Liga auf. Die dort aktiven Teams waren eher lose organisiert, feste Spielpläne oder einheitliche Regelungen existierten nicht. 1905 erklärten sich die Canton Bulldogs zum ersten professionellen Footballteam der USA. An der Ostküste hatte sich indes die New York Pro Football League (NYPFL) etabliert, die etwas klarer organisiert war als die Ohio League.

Auch wenn hier von Profi-Ligen die Rede ist. Im Vergleich zum College Football, Baseball, Boxen und sogar Pferderennen war Profi-Football zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein kleines Licht in der US-amerikanischen Sportwelt. Nach wie vor wurde der Profi-Sport skeptisch beäugt, auch weil die Ligen durch schlechte Organisation glänzten. Als schließlich auch noch Canton Bulldogs-Spieler Charles „Blondy“ Wallace verdächtigt wurde, ein Spiel zwischen Canton und Massillon manipuliert zu haben, wandte sich ein Großteil der Fans endgültig von der Liga ab. Die Bulldogs stellten 1906 ihren Betrieb ein.

Jim Thorpe lockt die Massen

1912 wurden die Bulldogs aber neu gegründet. Jim Thorpe, Superstar der damaligen Zeit und erster US-Olympiasieger mit indigenen Wurzeln, schloss sich dem Team 1915 an. Seine Verpflichtung hatte eine gigantische mediale Aufmerksamkeit zur Folge. Thorpe kassierte 250 US-Dollar pro Spiel – umgerechnet rund 6.400 US-Dollar nach heutiger Kaufkraft. Der Coup zahlte sich aus. Zum ersten Spiel der Bulldogs gegen Erzrivale Massillon kamen 6.000 zahlende Zuschauer, beim zweiten Aufeinandertreffen waren es schon 8.000.

Die Ohio League und die NYPFL wurden in dieser Zeit immer populärer. An der Ostküste traten Teams aus New York City, New Jersey und Philadelphia in der NYPFL gegeneinander an. Im mittleren Westen kämpften Mannschaften aus Illinois, Indiana, Minnesota, Wisconsin, Ohio und dem nördlichen Bundesstaat New York um Titel in der Ohio League. Während die Ostküstenspiele samstags stattfanden (Sonntage waren dem Baseball gesetzlich vorbehalten), wurden die Partien der Ohio League sonntags abgehalten – Ein Vorteil, denn die Ostküstenteams konkurrierten am Samstag mit den Collegefootballteams um Zuschauer.

Die Teams der Ohio League nutzten ihren Wettbewerbsvorteil. Canton und Massillon traten in großen Märkten wie Chicago und Detroit gegen die dortigen Mannschaften an. Die Canton Bulldogs spielten 1917 zweimal gegen die sogenannten „20.000-Dollar-Schönheiten“ der Hammond Bobcats vor jeweils über 10.000 Zuschauern in Chicago.

Die beiden NYPFL-Teams Rochester Jeffersons und Buffalo All-Stars unternahmen 1917 eine Tour durch Ohio und spielten gegen Teams aus der Ohio League. Nach einer deutlichen Niederlage der Jeffersons gegen die favorisierten Canton Bulldogs aus der Ohio League, schlug Jeffersons-Besitzer Leo Lyons einen Zusammenschluss der Ligen vor.

Aus der Traum? Der Krieg und die Pandemie

Die Pläne zerschlugen sich aber zunächst, vor allem wegen dem Eintritt der USA in den ersten Weltkrieg 1917, aber auch wegen der Spanischen Grippe-Pandemie, die den Spielbetrieb der meisten Ligen 1918 komplett zum Erliegen brachte. Davon wenig beeindruckt zeigten sich einige Teams aus dem Großraum New York und die Great Lakes Navy Bluejackets, die viele Stars überregional binden konnten und auch gegen Collegeteams antraten. Die Bluejackets hatten beispielsweise heutige Legenden wie Paddy Driscoll und George Halas in ihrem Kader und gewannen 1919 den Rose Bowl.

Trotz der finanziellen Highlights in den großen Städten gerieten viele Teams der Ohio League, darunter auch Canton und Massillon, nach der Wiederaufnahme des Spielbetriebs immer mehr in finanzielle Probleme, auch bedingt durch die Grippe-Pandemie. Die Bieterkriege um die besten Spieler hatten ihren Preis und die großen Mannschaften mussten nach und nach erneut ihren Spielbetrieb einstellen. Doch eine Erkenntnis nahmen die Besitzer mit: Die Zukunft des Profi-Footballs lag – anders als im College Football – in den großen Metropolen und damit in den großen Märkten der USA.

Doch wie sollten die eskalierenden Kosten gedeckelt werden? Die Lösung lag auf der Hand: Eine Liga mit klaren finanziellen Regeln.

Die NFL Geschichte beginnt in Canton, Ohio

So trafen sich am 20. August 1920 Repräsentanten von drei Ohio League-Teams in Canton, Ohio. Endlich, denn einige vorherige Treffen scheiterten an der Zuverlässigkeit diverser Teambesitzer. Die Canton Bulldogs, die Cleveland Tigers und die Akron Pros aus der Ohio League gründeten schließlich zusammen mit den Dayton Triangles die American Professional Football Conference. Im Meeting-Protokoll wurden indes zwei entscheidende Regeln festgehalten:

  • Teams dürfen keine College-Spieler verpflichten
  • Teams dürfen keine Spieler anderer Teams abwerben

Allerdings galten diese Regeln auch schon während des Spielbetriebs der Ohio League, wurden von den Ownern aber ignoriert. Anders als bei den vorherigen Plänen beabsichtigen die Besitzer darüber hinaus, ihre Liga gegenüber anderen Teams zu öffnen. Dabei schauten sie besonders auf Teams aus großen Märkten.

Die Liga wächst

Am 17. September fand ein weiteres Meeting statt, bei dem die Ohio League-Teams der Rock Island Independents, der Muncie Flyers, der Decatur Staley, der Racine Cardinals, der Massillon Tigers und der Hammond Pros in die neue Liga aufgenommen wurden. Pikantes Detail: Die Massillon Tigers hatten zu dieser Zeit gar kein Footballteam. Die anderen Owner hofften aber auf einen Interessenten, der ein Footballteam in Massillon ins Leben rufen würde. Als einziger potenzieller Käufer entpuppte sich „Mac“ McGinnis, der bei den anderen Besitzern wegen seiner Geschäftsmethoden in Ungnade gefallen war. Also verkündeten die Owner, dass die Massillon Tigers 1920 nicht an der Liga teilnehmen würden, sondern erst 1921 – McGinnes verzichtete daraufhin auf den Kauf.

Das Meeting soll der Legende nach übrigens feucht-fröhlich gewesen sein, denn trotz der Prohibition feierten die 15 Anwesenden ihren Beschluss mit mehreren Eimern voller Bier. Darunter bekannte Namen wie George Halas (Decatur Staleys) und Jim Thorpe (Canton Bulldogs).

Halas schrieb später in seiner Biographie, dass das Startgeld für die der Liga der NFL Geschichte damals 100 US-Dollar pro Team betrugen hätte. Allerdings habe er beim Meeting nie Bargeld gesehen und bezweifelte, dass irgendein Team überhaupt eine stabile Finanzierung vorweisen konnte.

Immerhin wurden bessere Regeln formuliert. Jedes Team musste eine offizielle Rosterliste anlegen und hatte in der darauffolgenden Saison das Vorrecht, jeden der dort gelisteten Spieler wieder in ihr Team aufzunehmen. So sollte dem Bieten um Spieler Einhalt geboten werden.

Die Buffalo All-Americans und die Rochester Jeffersons aus der NYPFL, sowie die Chicago Tigers, die Columbus Panhandles und die Detroit Heralds schlossen sich später ebenfalls der Liga an, deren Name schließlich in American Professional Football Association (APFA) geändert wurde.

APFA-Saison 1920: Die Teilnehmer

Folgende 14 Teams nahmen an der ersten Saison teil:

TeamStadtBundesstaat
Akron ProsAkronOhio
Buffalo All-AmericansBuffaloNew York
Canton BulldogsCantonOhio
Racine CardinalsChicagoIllinois
Chicago TigersChicagoIllinois
Cleveland TigersClevelandOhio
Columbus PanhandlesColumbusOhio
Dayton TrianglesDaytonOhio
Decatur StaleysChicagoIllinois
Detroit HeraldsDetroitMichigan
Hammond ProsHammondIndiana
Muncie FlyersMuncieIndiana
Rochester JeffersonsRochesterNew York
Rock Island IndepentdentsRock IslandIllinois

NFL Geschichte: Die erste APFA-Saison

Die erste Saison der APFA begann am 26. September 1920 mit dem 48:0-Erfolg der Rock Island Independents gegen die St. Paul Ideals. Die Ideals waren wie viele andere Teams keine offiziellen Mitglieder der APFA. Die 14 offiziellen Mitglieder traten aber dennoch gegen regionale Konkurrenten an, die Spielpläne wurden meist während der Saison verändert oder angepasst. So kamen die Akron Pros beispielsweise auf elf Saisonspiele, während die Decatur Staleys 13 Partien absolvierten, die Muncie Flyers derweil nur ein Spiel.

Die ersten Spiele zwischen zwei APFA-Mitgliedern fanden am 3. Oktober 1920 statt. Während die Dayton Triangles klar und deutlich vor 4.000 Zuschauern mit 14:0 gegen die Columbus Panhandles gewannen, zerlegten die Rock Islands Independents die völlig überforderten Muncie Flyers mit 45:0 vor 3.110 Zuschauern.

Streit um den Titel

Da es keine Playoffs gab, wurde der APFA-Champion im Rahmen eines Meetings im Januar gewählt. Drei Teams erhoben Anspruch auf den Titel. Die Akron Pros setzten sich bei der Wahl schließlich durch, obwohl die Entscheidung später für Kontroversen sorgte. Denn die Pros hatten weniger Siege (8) eingefahren als die Decatur Staleys (10) und die Buffalo All-Americans (9), dafür aber einen besseren Winning-Record von 100%. Unentschieden wurden damals noch nicht gewertet.

So endete die erste APFA-Saison der NFL Geschichte. 1922 änderte die Liga ihren Namen in National Football League. Aus der ersten Saison haben zwei Teams bis heute überlebt: Die Decatur Staleys spielen heute unter dem Namen Chicago Bears. Die Racine Cardinals behielten ihren Spitznamen und sind heute die Arizona Cardinals.

Die Endtabelle der ersten APFA-Saison: