NFL Draft: Was wurde aus den „Mr. Irrelevants“?


„Mr. Irrelevant“, frei über übersetzt „Mr. Unbedeutend“ – kein schmeichelhafter Titel für den letzten Pick eines jeden NFL Draft. In diesem Jahr wurde Caleb Wilson (Tight End, UCLA) von den Cardinals als letzter Nachwuchsspieler im Draft verpflichtet.

Wie verlief die Football-Karriere der Mr. Irrelevant aus den zehn Jahren davor? SCOUTREPORT liefert den Überblick. So viel vorab: einer von ihnen ist ein bekannter NFL-Spieler geworden.

„Mr. Irrelevant“ im Draft 2018: Trey Quinn

Die Washington Redskins pickten den Wide Receiver. Quinn hatte drei Einsätze für die Redskins. Dabei fing er neun Pässe für 75 Yards, machte einen Touchdown.

Der Slot-Receiver verletzte sich gleich im Season-Opener am Fußgelenk, kehrte in Woche 12 zurück ­und verletzte sich wieder. Der 23-jährige Quinn soll in der neuen Saison bei den Redskins durchstarten.

„Mr. Irrelevant“ im Draft 2017: Chad Kelley

Die Denver Broncos pickten den Quarterback. Kelley lief in der vergangenen Saison einmal für die Denver Broncos auf. Sein einziger Passversuch endete mit einem Raumverlust von einem Yard.

Die Broncos haben den 25-Jährigen Ende Oktober entlassen, nachdem er wegen Hausfriedensbruch festgenommen worden war. Laut USA Today arbeitete Kelley zuletzt in der Nähe von New York an seinem NFL-Comeback.

„Mr. Irrelevant“ im Draft 2016: Kalan Reed

Ein Cornberback, den sich die Tennessee Titans holten. Reed macht in den Spielzeiten 2016 und 2017 insgesamt sieben Spiele für die Tennessee Titans. Seine Bilanz: Vier Tackles. In der vergangenen Saison stand er im Roster der Seahawks, blieb aber ohne Einsatz. Trotzdem verlängerte der Klub jetzt mit dem Free Agent.

„Mr. Irrelevant“ im Draft 2015: Gerald Christian

Die Arizona Cardinals entschieden sich damals für den Tight End. Christian machte für das Team jedoch kein einziges Spiel. 2016 lief Christian drei Spiele für die Buffalo Bills auf. Ihm gelang dabei eine Receiption für 14 Yards.

Der Tight End war zuletzt im Kader der Arizona Hotshots in der AAF. Die Liga hat nicht einmal ihre Premierensaison 2019 überlebt und den Betrieb eingestellt.

„Mr. Irrelevant“ im Draft 2014: Loonie Ballentine

Die Houston Texans holten den Safety, setzen Ballentine 2015 und 2016 in vier Spielen ein. Ihm gelangen dabei drei Tackles. Aktuell wird er als Free Agent gelistet.

„Mr. Irrelevant“ im Draft 2013: Justice Cunningham

Die Indianapolis Colts holten den Tight End und setzten ihn 2013 in einem Spiel ein. Cunnignham kam dabei auf eine Receiption für vier Yards. Der Tight End landete danach bei den St. Louis Rams (der Klub ist inzwischen nach L.A. umgezogen). In der Saison 2014 lief Cunningham kein einziges Mal auf, 2015 immerhin zweimal.

„Mr. Irrelevant“ im Draft 2012: Chandler Harnish

Auch das war ein Pick der Indianapolis Colts. Quarterback Harnish hat kein einziges Spiel in der NFL gemacht, weder für die Colts noch für die Minnesota Vikings, bei denen er 2014 landete. Das war’s dann mit der NFL-Karriere. Harnish arbeitete laut Sports Illustrated vor einiger Zeit als Verkäufer für einen Dachdecker.

„Mr. Irrelevant“ im Draft 2011: Cheta Ozougwu

Ozougwu war ein Defensive End, der im Draft von den Houston Texans geholt wurde.
2012 und 2013 war Ozougwu bei den Bears, kam in neun Spielen zum Einsatz. Seine Ausbeute: Sieben Tackles, ein Sack und ein Forced Fumble. 2014 versuchte Ozougwu es noch bei den New Orleans Saints, machte aber keine Partie für den Klub.

„Mr. Irrelevant“ im Draft 2010: Tim Toone

Die Detroit Lions holten den Wide Receiver mit dem letzten Pick des Drafts. Das Team cuttete Toone 2011. Der landete anschließend bei den Atlanta Falcons, wurde 2013 aber wieder gecuttet. Toones NFL-Bilanz: null Spiele in drei Jahren.

„Mr. Irrelevant“ im Draft 2009: Ryan Succop

Der Kicker ist der einzige etablierte NFL-Spieler in dieser Liste. Die Chiefs holten Succop in die NFL, seit 2014 ist der bei den Tennessee Titans unter Vertrag. Der Kicker lief seit 2009 in allen Regular-Season-Games seines Teams auf.

In der vergangenen Saison verwandelte er 90 Prozent seiner Extrapunkte (PAT) sowie 87 Prozent seiner Fieldgoal-Versuche.  

„Mr. Irrelevant“ im Draft 2008: David Vobora

Die St. Louis Rams sicherten sich damals den Linebacker. Vobora blieb bis 2011 bei den Rams, hängte danach noch eine Saison bei den Seattle Seahawks dran. Voboras Statistiken: 40 NFL-Spiele, 74  Tackles, zwei Sacks und einen Forced Fumble. Vobora war süchtig nach Schmerztabletten, machte einen Entzug. Seit einigen Jahren arbeitet er mit behinderten Athleten zusammen.

Der Titel „Mr. Irrelevant“ wird jährlich zelebriert. Seit 1976 gibt es die „irrelevant Week“, die den letzten Pick als Underdog feiert. Dazu gehören Benefizveranstaltungen, Partys und Unternehmungen. Redskins-Receiver Trey Quinn beispielsweise war beim Spinning und machte einen Surf-Kurs.

Auf der offiziellen Homepage werden alle „Mr. Irrelevant“ gelistet. Was aus ihnen wird, steht dort jedoch nicht.

„Wenn du als letzter gepickt wirst, hast du so viel mehr zu beweisen“, schrieb David Vobora auf „Player’s Tribune“. „Die Vergangenheit zeigt, dass die Zukunft für Mr. Irrelevants nicht rosig aussieht.“

Der Draft ist keine Garantie für eine NFL-Karriere – egal, an welche Stelle jemand gezogen wird. Manchmal gelingt es auch ungedrafteten Spielern, in die beste American-Football-Liga der Welt zu kommen. Adam Thielen, Star-Receiver der Minnesota Vikings, ist ein gutes Beispiel.

Written by Chris Höb
Christian Höb ist Chefredakteur von SCOUTREPORT und moderiert die SCOUTREPORT-Webshow. Chris kommentiert außerdem GFL-Spiele der Berlin Rebels. Er ist freier Sportjournalist.

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