So erlebte Yannic Landfried den NFL Combine

Yannic Landfried (Potsdam Royals, davor Berlin Adler) war beim NFL Combine in Köln dabei. Im Interview spricht der gebürtige Regensburger und Exil-Berliner über die Atmosphäre beim Combine, zu wenig Video-Tape im Vorfeld der Tests und was der Combine mit Leonardo da Vinci zu tun hat.

SCOUTREPORT: Ex-NFL-Profi Markus Kuhn bezeichnete den NFL Combine mal als „Menschenhandel“. Wie ging es Dir dabei?

Yannic Landfried: „Wie ein Menschenhandel war es nicht. Klar, man wird vermessen. Körpergewicht, Armlänge, Handgröße… und man macht diese Body Shots. Man hat nur eine Funktionshose an und muss sich wie Leonardo da Vinci hinstellen (gemeint ist da Vincis Zeichnung des vitruvianischen Menschen, Anm. d. Red.). Aber das war ja nur vor dem Fotografen. Von den Teams war keiner da, der dich in dem Moment angeschaut hat.“

VIDEO: Nelson Imasuen und Yannic Landfried über den Combine

Nelson Imasuen und Yannic Landfried sprechen über den NFL Combine in Köln.

SCOUTREPORT: Sprints, Hoch- und Weitsprung… Du und die anderen musstet klassische Combine-Übungen machen. Welche Übungen waren speziell für Euch Running-Backs?

Yannic Landfried: „Die hat’s gegeben. Aber da ich mich zuvor beim 40 Yard Dash verletzt habe (Muskelfaserriss hinterer Oberschenkel, Anm. d. Red.) hab ich das gar nicht mehr mitmachen können. Da kannst Du jetzt gar nicht so viel drüber schreiben (lacht). Ich bin schon verletzt in den Combine rein, hatte mir die Adduktoren gezerrt.“

SCOUTREPORT: Die Oberschenkel-Innenseite.

Yannic Landfried: „Ich hab ein bisschen gehumpelt, war vor dem Combine ständig bei der Physiotherapie bis Freitag, als ich nach Köln geflogen bin. Ich hab voll versucht, zu regenerieren, konnte in der Zeit natürlich nicht trainieren. Das wussten die beim Combine aber, ich hab das denen gleich gesagt. Es war also von vorneherein nicht ganz klar, ob ich die Position Drills mache. Aber ich wollte auf jeden Fall 40 Yard Dash und Broad Jump machen.“

SCOUTREPORT: Wie war das im Moment der Verletzung?

Yannic Landfried: „Hab das gleich gehört, das hat richtig geschnalzt. Zack! Wie so ein T-Shirt, das reißt. Da wusste ich dann, das es vorbei ist.“

In zwei, drei Wochen kann Landfried wieder anfangen zu joggen. Nach vier Wochen darf er wieder richtig rennen – so die Einschätzung von Doktor und Physio.

SCOUTREPORT: Hast Du Dich über die Verletzung geärgert? Oder war es okay, weil Du angeschlagen in den Combine bist?

Yannic Landfried: „Ich hatte auf dem Schirm, dass was passieren kann. Da hatte ich allerdings nicht an den Hamstring gedacht, sondern an die Adduktoren oder die Leistengegend. Trotzdem ist der Samstag für mich wirklich sehr gut gelaufen. Ehrlich gesagt stelle ich aber schon infrage, ob es reicht. Es hängt auch ein bisschen davon ab, wie viele Spieler sie nehmen. Da gab es unter den Spielern viele Gerüchte. Klar ist: Die haben kaum Daten von mir.“

SCOUTREPORT: Was für Daten haben sie denn von Dir?

Yannic Landfried: „Bei der Benchpress war ich zum Beispiel bester in meiner Gruppe, beim Vertical Jump Zweitbester.“

SCOUTREPORT: Hast Du die Zahlen noch im Kopf?

Yannic Landfried: „Beim Vertical Jump hatte ich 36 Inch (91,44 Zentimeter, Anm. d. Red.). Bei der Benchpress war ich aber etwas enttäuscht, denn im Training hatte ich 21 Wiederholungen mit 225 Pounds (etwas mehr als 102 Kilo, Anm. d. Red), beim Combine waren es 19.“

Beim Vertical Jump kratzt Landfried an den Werten der fünf besten Running Backs des NFL Combine 2019. Spitzenreiter war Justice Hill, der 101,6 Zentimeter erzielte. Die Baltimore Ravens wählten Hill im Draft in Runde vier an elfter Stelle aus.

SCOUTREPORT: Wie war die Organisation?

Yannic Landfried: „Top professionell. Ein Fahrer hat mich am Flughafen in Köln abgeholt. Es gab Essen und Getränke vor Ort, bei der Anmeldung im Hotel gab es gleich unsere Kleidung.“

SCOUTREPORT: Hat die NFL alles bezahlt?

Yannic Landfried: „Ja, wurde alles bezahlt.“

Yannic Landfried beim Sprint. Foto und Titelfoto: NFL

SCOUTREPORT: Wie lief es im Vorfeld ab?

Yannic Landfried: „Ich hatte ein Telefonat mit der NFL, als die Saison noch am Laufen war. Die Liga fragte mich nach mehr Tape, und das hatte ich nicht. Damals stand noch nicht fest, dass ich am Combine teilnehmen darf. Ich musste also Tape aufbringen. Ich hatte dann eine Trainingseinheit bei Potsdam – vor dem Spiel gegen Köln war das – und durfte dann als Vorblocker und im Special-Team ran. Aber dann kam die finale Einladung der NFL, da hab ich dann auch nicht weitergespielt. Bei Potsdam war ich quasi pro forma.“

SCOUTREPORT: Wie war die Atmosphäre beim Combine? Haben Spieler zusammengehalten oder war es ein distanzierter Umgang, weil man ja Konkurrent ist?

Yannic Landfried: „Nee, hab ich nicht gemerkt. Der Zusammenhalt war da. Aber hat sicher auch mit der Zimmeraufteilung im Hotel zu tun, da war jede Nation unter sich. Ich war dann beim Essen und so meistens mit den Deutschen zusammen. Es gab jetzt keine Missgunst oder so. Aber natürlich hat man sich schon informiert, was die anderen auf deiner Position machen.“

Neben Landfried waren laut NFL auch folgende deutsche Spieler dabei: Nelson Imasuen (Berlin Rebels), David Bada (Schwäbisch Hall Unicorns), Jean-Claude Madin Cerezo (Hamburg Huskies) und Kai Wullbrandt (Frankfurt Universe). Im November wird sich die NFL bei den Spielern melden, ob es klappt.

SCOUTREPORT: Konzentrierst Du dich auf die NFL? Oder spielst Du auch nochmal GFL?

Yannic Landfried: „Wenn es mit der NFL nicht klappt, dann auf jeden Fall. Denn dann könnte ich nächstes Jahr wieder eingeladen werden.“

SCOUTREPORT: Dann hättest Du zumindest mehr Tape.

Yannic Landfried (lacht): „Ganz genau.“

Written by Chris Höb
Christian Höb ist Chefredakteur von SCOUTREPORT und moderiert die SCOUTREPORT-Webshow. Chris kommentiert außerdem GFL-Spiele der Berlin Rebels. Er ist freier Sportjournalist.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

error

Du willst uns unterstützen? Folge uns!