Ausraster von Myles Garrett als Weckruf für die Browns

Ein Kommentar von Janik Aschenbrenner

Der ein oder andere erinnert sich noch an die Scouting Reports zu Draft-Prospect Myles Garrett: Einige Draft-Experten hielten ihn damals für zu „soft“. Nach der Aktion im Spiel gegen Mason Rudolph, dem Quarterback der Pittsburgh Steelers, ist die Aussage wohl als Fehleinschätzung einzuordnen.

In dieser heiklen Angelegenheit ist die NFL schnell tätig geworden. So haben sich die Verantwortlichen in New York versammelt und Strafen für die beteiligten Spieler ausgesprochen. Garretts Suspendierung ist vorerst nicht genau definiert. Er wird den Browns zumindest die restliche Saison über fehlen und eventuell sogar noch darüber hinaus.

Damit wäre das auch Thema abgehakt. Der Artikel soll nämlich keinesfalls nur um diese Tat gehen. Die Empörung übernehmen bereits diverse andere Medien. Wir beschäftigen uns jetzt mit den Cleveland Browns und den Folgen des Ausrasters von Myles Garret.

Browns reagieren unterschiedlich auf Austraster von Myles Garrett

Quarterback Baker Mayfield stellte sich den Reportern und machte deutlich, dass so ein Verhalten nicht angehen kann und eine Suspendierung folgen sollte. So wie man Baker kennt, nahm er keine Rücksicht (diesmal auf seinen Teamkollegen) und sprach das an, was er denkt.

Ein Großteil des Teams der Cleveland Browns scheint das Ganze jedoch anders zu bewerten. So gibt es Aussagen von anwesenden Medienvertretern, dass die Aktion von Myles Garrett an der Seitenlinie gefeiert worden sei.

Eine Diskrepanz in der Auffassung innerhalb der Mannschaft lässt sich nicht wegdiskutieren. Aber wir können von den Browns auch nicht erwarten, dass sie auf festen Säulen stehen.

Die erfolgreiche Phase gegen Ende der letzten Saison löste einen Hype aus. Viele prophezeiten den Browns eine Playoff-Teilnahme in dieser Saison, wenn nicht sogar den Weg bis in den Super Bowl. Doch eine Organisation, bei der über Jahre hinweg so einiges falsch lief, ist nun einmal nicht in wenigen Offseasons zu fixen. Ein solcher Prozess dauert und benötigt die richtigen Leute.

NFL-Podcast: Die Stats der Woche

Die Antwort von John Dorsey, General Manager der Browns, war eine Zusammensetzung aus Head-Coach-Neuling Freddie Kitchens und schwierig zu handelnden Spielern. Die Folge sind 87 Strafen und vier vom Platz gestellte Spieler in der laufenden Saison. In beiden Kategorien führen die Browns die NFL an. Außerdem wurden erst kürzlich Jermaine Whitehead (Morddrohungen über Social Media verbreitet) und Antonio Callaway (positiver Drogentest) entlassen.

Browns müssen eine Einheit bilden

Eine Organisation ist nur langfristig erfolgreich, wenn die handelnden Personen zueinander passen. Sie müssen eine Einheit bilden. John Dorsey ist schon seit seiner Zeit in Kansas City bekannt dafür, den Charakter eines Spielers dem Talent unterzuordnen. Die Herangehensweise kann, wie im letzten Jahr, einen kurzfristigen Erfolg verschaffen. Solange jedoch keine Basis vorhanden ist, die diese Typen auffängt, ist die Freude in der Regel nicht von allzu langer Dauer. Diese Basis kann und konnte es bei den Browns nicht geben.  

Wer sind die Cleveland Browns? Sind sie noch immer die irreparable Franchise? Fürs Erste ja. Das Talent hat zweifelsohne zugenommen, doch die Störenfriede müssen ausgemistet werden. Auf wie viel man in Cleveland danach aufbauen kann, wird zeigen, ob es nicht dennoch bereits einen Anfang für eine erfolgreiche Basis gibt. Ob der hochgelobte John Dorsey der richtige Mann für den Aufbau ist, möchte ich jedoch bezweifeln.

Written by Janik Aschenbrenner
Janik Aschenbrenner beschäftigt sich seit Jahren mit American Football und dessen Spielkonzepte. Im Jahr 2014 gründete er den Blog „Beardown Germany“. Für „SCOUTREPORT - Das American Football Magazin“ setzt er sich mit aktuellen Themen der NFL auseinander.

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