Mike McCarthy zu den Dallas Cowboys – verpasste Chance der Browns

Die Regular Season der NFL ist gespielt. Die einen können sich über den Ausgang ihrer Saison freuen, die anderen weniger. Bei einem Teil der zweiten Gruppe wird auch in diesem Jahr wieder der Head Coach die Verantwortung und damit seinen Hut nehmen müssen.

In dieser Artikelreihe möchte ich gerne meine Wunschlösungen für die Nachfolge bei den betroffenen Teams präsentieren. Hierbei orientiere ich mich, wenn vorhanden, natürlich an offizielle Aussagen zum gewünschten Profil. Außerdem achte ich darauf, welche Eigenarten die Entscheidungsträger in der Vergangenheit offenbarten. Alles weitere ist reines Wunschdenken meinerseits und zielt nicht auf eine hohe Trefferquote ab.

Nachdem ich bereits College-Coaches sowie Trainer aus dem Defensivbereich vorgestellt habe, kommen wir im letzten Teil meiner kleinen Serie zu denjenigen, die ihre Wurzeln in der Offense haben.

Cleveland Browns – Mike McCarthy

Die Cleveland Browns haben nach der ewigen Durststrecke endlich ein interessantes Team beisammen. Sie wurden nicht von ungefähr vor der Saison so hochgelobt. Doch nach einer solchen Erfolgslosigkeit weist die Franchise noch Kinderkrankheiten auf. Diese wurden durch die Personalentscheidungen John Dorseys noch verstärkt. Über die Lage der Browns habe ich schon während der Saison berichtet.

Die Quittung dafür kam etwas überraschend, jedoch folgerichtig vor ein paar Tagen. Erst musste der überforderte Freddie Kitchens seinen Hut nehmen und später auch John Dorsery. Die Zeichen stehen also wieder mal auf Neuanfang. Wenn die Cleveland Browns jedoch etwas aus den letzten Jahren gelernt haben sollten, dann, dass Kontinuität wichtig für stetigen Erfolg ist. Dementsprechend sollten sie einen Mann aus ihren Reihen ins Auge fassen – Elliot Wolf. Wolf ist ein junger, hochangesehener Mann aus dem Front Office der Browns, der schon damals der General Manager der Green Bay Packers hätte werden sollen.

Die erste Amtshandlung Wolfs sollte ebenfalls auf eine bestehende Bekanntheit zurückgreifen. Er sollte das berichtigen, was Dorsey im letzten Jahr verpasst hat und Mike McCarthy als Head Coach einstellen (hat nicht geklappt, die Dallas Cowobys waren schneller).

Mike McCarthy ist der Coach, den die Truppe bereits in dieser Saison gebraucht hätte. Eine Führungsperson mit reichlich Erfahrung und großem Ansehen. Jemand, der bereits einen Super-Bowl-Ring besitzt.

Nach seiner Entlassung bei den Packers nahm er sich ein Sabbatjahr. Doch McCarthy hat sich die Zeit über nicht ausgeruht, sondern sich mit einer Gruppe von Trainern auf seinen Anwesen getroffen. Dieses ist nämlich eher ein Trainingszentrum, welches die Universität Wisconsin bereits zur Vorbereitung auf ein Bowl Game nutzte. Dort traf sich die „McCarthy Group“, reflektierte die Zeit in Green Bay und analysierte die NFL und deren Trends.

Im Interview mit Peter King wurde er unter anderem auf die Kritik an seiner Offense in den letzten Jahren bei den Packers angesprochen. Er gab zu, Elemente wie Motions und Shifts vernachlässigt zu haben, sah aber auch nicht alles als negativ. Das ist völlig richtig. Letztendlich funktionierte McCarthys Offense in Green Bay über viele Jahre hinweg und entgegen der Kritik auch gegen Ende hin. Der Head Coach der Denver Broncos, Vic Fangio, ist von vielen Trainern der Offense gefürchtet. McCarthy schaffte es dennoch immer wieder, dessen Defense überlegen zu sein. In einem Jahr gewann er das Trainerduell sogar mit Brett Hundley als Quarterback, dem es eben nicht wie Aaron Rodgers erlaubt war, Calls zu ändern.

Vielen Trainern wird nachgesagt, sie seien ein Quarterback-Flüsterer. Wenn das jemand von sich behaupten kann, dann Mike McCarthy. Durch die häufigen Verletzungen seines ehemaligen Starters war er so gut wie in jedem Jahr gezwungen, Spiele mit den Back-Ups zu bestreiten. Die Packers wussten dennoch ihre Spiele zu gewinnen. Außerdem sei auch nochmal daran erinnert, dass zum Zeitpunkt des Drafts, die Entscheidung Alex Smith vor Rodgers zu nehmen, nicht so unvorstellbar war, wie es heute scheint. Aaron Rodgers hatte einige Fehler auszumerzen und es wurden Strategien dagegen angewendet, die heute von der NFL nicht mehr zulässig sind. Der Coach, der Rodgers zu dem machte, der er heute ist, wäre optimal, um Baker Mayfield unter seine Fittiche zu nehmen. Die Cleveland Browns wollen endlich einen Platz an der Sonne? Ein guter Quarterback war schon immer der Schlüssel zum Erfolg.   

Carolina Panthers – Josh McDaniels

Die Carolina Panthers haben seit zwei Jahren einen neuen Besitzer – David Tepper. Dieser hat in der Zwischenzeit einige Modernisierungen durchgeführt, wie beispielsweise ein neu errichtetes Trainingsgelände. Das war der Startschuss dafür, endlich alles nach seinem eigenen Geschmack auszurichten. So entließ er in Ron Rivera frühzeitig in der Saison einen der besten NFL-Coaches und sucht für ein stark besetztes Team einen Mann, um in das neue Panthers-Zeitalter zu starten.

Rivera war ein defensivorientierter Head Coach und noch von der alten Garde. Tepper hat sich auf seiner dreißigminütigen Pressekonferenz nicht gegen einen Defensivtrainer ausgesprochen, doch seine Worte ließen schon durchblicken, dass er einen innovativen Offense Coach bevorzugt.

„In der modernen NFL bevorzugt man, denke ich, Offensive Coordinator und dafür gibt es Gründe… Das bedeutet nicht, dass man einen fantastischen Trainer aus dem Defensivbereich nicht dennoch berücksichtigen würde.“

panthers.com

Aus der Sicht des früheren Steelers-Teilhabers ist das logisch, profitieren doch die Offenses von den jüngsten Regeländerungen zuletzt deutlich. Außerdem erachtet er Trainer der Offense für offener gegenüber der Analytik, welche bereits eine große Gewichtung in seinem Business besitzt.

„Die NFL hat Regeln verabschiedet, die eher der Offense zugutekommen. Das ist der Grund, warum viele (Verpflichtungen) dahin tendieren, … und ich glaube, dass Leute aus diesem Bereich offener für moderne Wege sind.“

panthers.com

Da Tepper bereits andeutete, auch keinen Coach vom College zu präferieren („Jeder, der im Football tätig ist, versteht, wie schwierig der Wechsel vom College in die NFL ist. Die Anforderungen sind unterschiedlich“), landet man unweigerlich bei Offensive Coordinator. Ein Mann, auf den all diese Beschreibungen bestens passen, ist der alljährlich genannte Josh McDaniels.

McDaniels ist der Kopf hinter der Offense des Serienmeisters New England. Da wundert es kaum, dass sein Name jedes Jahr fällt. Erfolg weckt nun einmal Begehrlichkeiten. Dennoch wünschen sich viele NFL-Fans jemand anderes für ihr Teams. McDaniels ist nämlich bereits einmal in Denver gescheitert, wo sie ihm quasi die Franchise auf dem Silbertablett serviert haben und er letztendlich einen Scherbenhaufen hinterließ. Hinzu kommen der Vorfall von vor zwei Jahren, als er sich bereits mit den Colts einig war, sein Trainerteam eingestellt wurde und er kurz vorher doch noch absprang, seine Erfolgslosigkeit als Coordinator ohne Brady bei den Rams und die Erfolgslosigkeit ehemaliger Patriots Coordinators als Head Coaches.

Die Kontra-Liste ist lang. Trotzdem bin ich überzeugt von ihm.

McDaniels war erst 33 Jahre alt, als er in Denver übernahm und auch sein jetziger Boss und Lehrmeister ist während seiner Karriere mal gescheitert. Positiv gesehen kann er jetzt auf bestehende Erfahrungen im Job als Head Coach verweisen. Wobei er daraus natürlich auch gelernt haben muss. Das spiegelt das Porträt von Dan Pompei wieder. Außerdem hat er den General Manager des Jahres 2018, Ryan Pace, ins Grübeln gebracht, obwohl dieser sich durch seine Vorbereitung bereits im Vorfeld auf Matt Nagy festgelegt hatte und vom hochgelobten Colts-GM Chris Ballard die Zusage bekommen.

Die Zeit bei den Rams, als er nicht mit dem besten Quarterback aller Zeiten zusammenarbeitete, war nicht wirklich von Erfolg geprägt. Er kann jedoch auch ohne Tom Brady eine gute Offense entwickeln. Wenn Brady mal verletzungsbedingt ausfiel oder suspendiert war, zeigte McDaniels auch mit den Back-Ups gute Leistungen. Hier kommt nämlich seine große Stärke zum Tragen: Er wird nicht mit einer festgemachten Philosophie antreten, sondern eine ans vorhandene Spielermaterial maßgeschneiderte Offense entwickeln. Dadurch ähnelt er seinem „Meister“ Bill Belichick letztendlich mehr als jeder Patriots-Coordinator vor ihm.

Wir werden nie erfahren, woran seine Absage bei den Indianapolis Colts gelegen hat und Josh McDaniels passt auch nicht zu jedem Team. Er weiß, dass seine dritte Chance seine letzte sein wird. Die Entscheidung muss also mit Bedacht getroffen werden und die neuen Carolina Panthers wären der perfekte Partner.

Written by Janik Aschenbrenner
Janik Aschenbrenner beschäftigt sich seit Jahren mit American Football und dessen Spielkonzepte. Im Jahr 2014 gründete er den Blog „Beardown Germany“. Für „SCOUTREPORT - Das American Football Magazin“ setzt er sich mit aktuellen Themen der NFL auseinander.

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