Max Zimmermann über die CFL: Du hast nicht dieses statische „Stehen – Los – Stehen – Los“

Max Zimmermann hat es geschafft: er spielt in der CFL, der Canadian Football League, bei den Saskatchewan Roughriders. SCOUTREPORT hat mit dem ehemaligen GFL-Profi gesprochen.

Im Interview spricht Max über seine Rolle bei den Roughriders, die unterschiedlichen Regeln in der CFL und Unterschiede zur GFL.

SCOUTREPORT: In der CFL gelten andere Regeln als zum Beispiel in der GFL. Welche CFL-Regel macht Dir am meisten zu schaffen?

Max Zimmermann: So richtig zu schaffen eigentlich keine. Es war im allgemeinen eine große Umstellung. Die Forward Motions zum Beispiel, also dass du dich theoretisch immer an der Linie bewegen kannst und auch zur Linie im Backfield immer bewegen kannst. Das eröffnet dem Offense-System, was die Routen angeht, so viele Dinge, dass du super viel dazulernen musst.

SCOUTREPORT: Hast du ein Beispiel?

Max Zimmermann: Routen sind länger in der CFL, tiefer. Zum Beispiel Corner-Routen, da bin ich aus Deutschland gewohnt, dass der Breaking Point im Quick Game bei acht Yards ist. Beim Fivestep sind es zwölf Yards. Hier in der CFL fängt das bei 14 Yards an. Wenn wir mit dem Quarterback noch verschiedene Sachen machen, kann die auch mal bei 16 oder 18 Yards sein. Jetzt hast du diese Backfield-Motion, das heißt, du läufst sechs bis acht Yards vor der Linie an, das heißt: aus den 14 Yards weden 20 Yards. Das kommt mit einem ganz anderen Tempo daher. Das sind Sachen, die am meisten Gewöhnung brauchen. Dein Körper ist auf andere Dinge eingestellt, das musst du neu lernen.

Ich weiß noch, in den ersten Wochen habe ich mich gefühlt, als ob ich gerade angefangen hätte, Football zu spielen. Einfach wieder diese natürlichen Abläufe reinbringen, dass man nicht über bestimmte Dinge nachdenken muss… das war in den ersten Wochen so, da hab ich Fehler gemacht, die hab ich meinem ersten Football-Jahr gemacht. Das war ein bisschen frustrierend. Aber da hilft nichts, außer dranbleiben. Und das hat ja auch geklappt. Ich fühl mich immer wohler in meiner Rolle und an meine alte Form wieder ranzukämpfen.

SCOUTREPORT: Gibt es eine CFL-Regel, über die Du Dich besonders freust, weil sie Dir die Umstellung leichter macht?

Max Zimmermann: Wenn du mit Anlauf an die Linie kommst, kann dich der Defensive Back nicht covern. Das ist einfach nicht möglich, egal, wer da steht – ob Neuling oder Ex-NFL-Spieler, gegen die ich Routen gelaufen bin. Die wenigsten können da Hände an dich ranbringen. Die stehen da, und du kommst mit 80 Prozent Speed an. Der Verteidiger muss schon sehr überlegen sein, um dir da einen Strich durch die Rechnung zu machen. Auch wenn du an der Linie bist und dich seitlich bewegen kannst, eröffnet das viele Vorteile. Und das macht das Spiel auch attraktiver zu gucken, wie ich finde. Du hast nicht dieses statische „Stehen – Los – Stehen – Los“. Alles hat mehr Fluss im Spiel. Ich finde das sehr angenehm.

Zimmermann, Max #17 (Foto Gerhard Pohl) 156 - I-
Max Zimmermann (M., roter Helm) spielte bei den Potsdam Royals in der GFL, als er den Sprung in die CFL schaffte. Foto: Gerhard Pohl

SCOUTREPORT: Wie wirst Du bei den Saskatchewan Rouhgriders eingesetzt? Im Slot oder eher für die langen Pässe?

Max Zimmermann: Ich bin meistens Outside Receiver, aber wir haben natürlich eine Offsene, wo man beide Positionen lernen muss und spielen kann. Ich komme also auch mal im Slot zum Einsatz. Vom Gefühl her, wenn ich so überlege… ich hab mich ja öfter mal auf Julian Edelman (Wide Receiver der New England Patriots, d. Red.) konzentriert, von dem ich denke, dass er so mein Spieltyp ist. Das ist es hier noch nicht ganz, weil das Offsense-System in der CFL anders ist. Ich bin noch ein wenig am Rausfinden, wie ich meine Fähigkeiten in das System einbringen kann. Der klassische Outside Receiver in der CFL ist auch nicht der klassische Outside Receiver in der NFL. Wir haben zwei Rookies, die sind beide etwa 1,98 Meter und die spielen beide nicht Outside. In der NFL wären das typische Outside Receiver.

SCOUTREPORT: Du hast Deinen Job als Lehrer gekündigt, um Football-Profi in der CFL zu werden. Wie haben Deine Eltern reagiert, als Sie von Deiner Entscheidung erfahren haben?

Max Zimmermann: Ich hab da nie ein Geheimnis draus gemacht, dass ich Profi-Football spielen will und dafür auch Deutschland verlassen würde, wenn sich die Chance ergibt. Deswegen waren sie nicht überrascht. Als es passiert ist, als der Draft war und ich es ins Active Roster geschafft habe, waren sie riesig froh. Sie unterstützen mich bei allem, was ich tue und wollen mich glücklich sehen. Und das hier ist der Ort, an dem ich meiner Leidenschaft nachgehen kann. Meine Eltern sehen ja, dass ich in den Sport sehr viel Arbeit reinstecke und haben gesehen, dass ich in den letzten Jahren verletzungstechnisch nicht immer Glück hatte und ich auch mit den allgemeinen Zuständen in den Teams, in denen ich war, nicht immer glücklich war. Sie freuen sich für mich. Mein Job als Lehrer war auch kein Vollzeitjob, dann wäre es vielleicht nochmal was anderes gewesen.

Zimmermann, Max #17 (Foto Gerhard Pohl) 136 - I-
Zimmermann (hier im Trikot der Potsdam Royals) spielt nun bei den Saskatchewan Roughriders in der CFL. Foto: Gerhard Pohl

SCOUTREPORT: Der Zeitunterschied beträgt acht Stunden. Wie kommunizierst Du mit deiner Familie?

Max Zimmermann: Das läuft eigentlich ganz gut, ich habe viel Kontakt mit Familie und Freunden. Aber es ist ein komisches Feeling. Wenn bei meinen Kumpels was läuft, bekomme ich es immer erst dann mit, wenn ich aufwache. Ich stehe so in der Regel um sieben Uhr auf, fahre ins Stadion komme so gegen 16 Uhr vom Training nach Hause. In der Zeit hab ich vielleicht mal zwei Stunden, in denen ich telefonieren kann. Meistens rufe ich direkt nach dem Training Familie und Freunde an, während ich im Eisbad oder im Whirlpool sitze oder beim Physio bin. Es lässt sich schon zwischendrin regeln. Ein Beispiel: Wenn ich so um 13 oder 14 Uhr anrufe, ist es schon 21 bzw. 22 Uhr in Deutschland. Man lebst so versetzt, das ist echt komisch. Aber alles machbar.

SCOUTREPORT: Wenn Du an Deine GFL-Zeit denkst und sie mit der CFL vergleichst, was ist der größte Unterschied, der Dir als erstes in den Kopf schießt?

Max Zimmermann: Die Professionalität. Hier ist alles bis ins kleinste Detail durchdacht, nichts ist halbherzig gemacht. Das heißt nicht, dass die Leute das in der GFL nicht besser machen wollen. Aber da fehlen einfach die Möglichkeiten bei den Vereinen. Wenn man in die höheren Ebenen guckt, sind die Fähigkeiten vielleicht auch einfach nicht da. Da müssen wir aber jetzt nicht näher drauf eingehen. Diese 100-prozentige Professionalität von jedem Mitglied, von jedem Teil in der CFL, egal ob Vorstände in der Liga oder in den Vereinen bis runter zum Physiotherapeuten. Da sind alle voll dabei, das macht den Unterschied aus.

Ich hab das immer offen gesagt, auch in Deutschland: Die Amis und die Kanadier sind keine anderen Menschen. Auch deutsche Spieler haben Potential. Aber das Drumherum macht es aus. Wenn du am College jeden Tag vier, fünf Stunden trainierst, bist du natürlich besser. Natürlich bist du körperlich in einer ganz anderen Situation als ein GFL-Spieler, der zweimal die Woche Team-Training hat und sich sonst selbst um Kraft- und Laufttraining kümmern muss. Ist ja auch völlig klar. Wenn ich mir die Spieler hier angucke: die sind nicht talentierter, die haben einfach mehr Arbeit reingesteckt.

SCOUTREPORT: Wie gefällt Dir der kanadische „Way of Life“?

Max Zimmermann: Denn kenne ich nicht, da bin ich ganz ehrlich. Ich kenne den „CFL Way of Life“, und der ist genial! Das ist genau das, was ich möchte. Was die Fan-Atmosphäre angeht, die ist echt genial. Die Leute in der Stadt wissen, wer man ist. Was sicherlich auch daran liegt, dass Regina keine riesige Stadt ist. Es gibt in Saskatchewan einfach nicht viel zu erleben, Football ist DIE eine Attraktion. Deswegen ist auch jeder immer zum Spiel gehyped.

Mehr News:

Author
Published
5 Monaten ago
Comments
No Comments
Written by Chris Höb
Christian Höb ist Chefredakteur von SCOUTREPORT und moderiert die SCOUTREPORT-Webshow. Chris kommentiert außerdem GFL-Spiele der Berlin Rebels. Er ist freier Sportjournalist.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

error

Du willst uns unterstützen? Folge uns!