Mailbag: Wir beantworten Fan-Fragen zum NFL Draft

Die NFL-Teams haben in der Offseason einen großen Plan. Sie wollen den Kader verbessern und Schwachstellen minimieren. Alle Lücken können in dieser Zeit nicht gestopft werden. Ich habe mich in einem kleinen Mailbag Deiner brennendsten Frage zu Deinem Lieblingsteam und dem Draft angenommen und versucht, eine Lösung zu finden. Soviel sei verraten. In der nächsten Woche werde ich weitere Franchises behandeln.

Arizona Cardinals

Die Verbindung zwischen Cardinals-Quarterback Kyler Murray und seinem College-Receiver CeeDee Lamb ist sehr verlockend. Die Offensive Line benötigt bekanntermaßen eine Verbesserung. Dazu befindet sich Arizona in einer der komfortabelsten Positionen des Drafts. Sie haben ihren vermeintlichen Franchise-Quarterback bereits gedraftet. Nun dürfen sie sich entspannt zurücklehnen und dem Kampf um gleich mehrere Quarterbacks zusehen.

Drei, eventuell sogar vier Spielmacher werden vor dem achten Pick geholt. Da wird also automatisch ein Top-5-Talent in die Arme der Cardinals fallen. Sollte Cornerback Jeff Okudah noch zu haben sein, müssen sie zuschlagen. Offensive Tackle Jedrick Wills könnte dem Team als sofortiger Starter wichtigen Rückhalt in der Offensive geben. Isaiah Simmons ist ein sicherer Allrounder und stabilisiert die Defensive.

Du merkst, als Fan der Cardinals kannst Du die erste Runde des Drafts genießen. Es gibt mehrere Optionen und alle bieten eine wichtige Verbesserung.

Carolina Panthers

Derrick Brown ist an dieser Stelle ein sehr guter Pick. Er kann eine Defensive durch seine gefährlichen inneren Pass Rushes auf ein höheres Level heben. Der neue Head Coach bevorzugte den Einsatz einer solchen „Waffe“ in der Defensive Line bereits an seinen letzten beiden Stationen. Matt Rhule wäre also gewiss nicht abgeneigt.

Wenn Linebacker Patrick Queen in die zweite Runde fällt, wäre das allerdings ein Glücksfall für Carolina. Er kann sofort als MIKE-Linebacker starten. Sollte er nicht mehr da sein, wird die Klasse auf der Position schon sehr dünn. Isaiah Simmons bietet in den Top Ten keine Alternative. Er kann zwar als Weakside-Linebacker eingesetzt werden. Als MIKE im Zentrum der Abwehr sehe ich ihn aber nicht. Um auf Nummer sicher zu gehen, sollten sie in der Free Agency nach einem Inside Linebacker Ausschau halten.

Cleveland Browns

Gewiss kann ich die Fans verstehen, die einen Offensive Tackle in der ersten Runde fordern. Nach den besten vier Talenten auf der Position sehe ich keine sofortigen Starter mehr. Und die Browns benötigen jemanden, den sie direkt aufstellen können. Einer aus Tristan Wirfs, Mekhi Becton und Andrew Thomas sollte definitiv noch da sein. Letzterer passt in ein System mit schnellen Pässen, Play Action und Power Runs.

Es ist mir noch nicht klar, was der neue Cheftrainer in Cleveland plant. Seinem Personal um Quarterback Baker Mayfield würde diese Variante aber gut zu Gesicht stehen.

Denver Broncos

Ich tue mich immer schwer damit, von klaren Needs der Teams zu sprechen. Einmal ist dies im Draft weniger relevant als man das annehmen möchte. Und zum Zweiten wissen Fans und Insider der jeweiligen Franchise sicher besser Bescheid über ihre Baustellen als jemand, der sich vorwiegend mit Talenten und dem Draft und weniger mit den Mannschaften auseinandersetzt.

Da ich mich in der NFL gern mit Offensive Lines beschäftige, ist mir durchaus bekannt, dass Garrett Bolles in Denver bisher nicht das erhoffte Potenzial abruft. Eine Verbesserung auf Offensive Tackle bietet sich daher an. Einer der vier Top-Leute sollte an Stelle 15 noch zu haben sein. Wobei ich hier für Tristan Wirfs oder Mekhi Becton plädiere.

Green Bay Packers

Die Klasse der Receiver ist in der Spitze und Breite exzellent aufgestellt im nächsten Draft. Weil die Packers bereits eine klare Nummer Eins mit Davante Adams im Kader haben, ergibt es durchaus Sinn, dort noch abzuwarten. Für einen Inside Linebacker wird man an Platz 28 allerdings zuschlagen müssen. Ich erwähnte bereits, dass dort kaum sofortige Starter vorhanden sind. Sollte Blake Martinez Green Bay verlassen, empfehle ich Patrick Queen oder Kenneth Murray.

Wide Receiver Denzel Mims ist jemand, den die Packers für spätere Runden ins Auge fassen können. Der krasse Athlet bietet enormes Entwicklungspotenzial und deutete dies in den Trainings zum Senior Bowl bereits an. Mit besseren Quarterbacks, wie er es am College gewohnt war, konnte er endlich als Playmaker auftreten.

Indianapolis Colts

Ich kann Dir leider nicht sagen, was die Colts im Draft tun werden. In der Vergangenheit mussten Teams fast immer für ihren zukünftigen Franchise-Quarterback hochtraden. Womöglich bleibt es Indianapolis auch nicht erspart. Mit zwei Zweitrundenpicks in der Hinterhand ist es sicherlich kein hoffnungsloses Unterfangen.

Jordan Love wird immer wieder genannt. Nun bietet dieser zwar großes Potenzial. Aber seine Entwicklung sollte eher auf drei Jahre angelegt sein, da von ihm nur Pass-Fähigkeiten verlangt wurden. Weder vor noch nach dem Snap leistete er irgendwelche Arbeit zur Spielerkennung.

Justin Herbert passt ins Schema. Eine spannende Frage im Draft wird sein, wie die Teams sein Talent einschätzen und wer bereit ist für ihn „All-In“ zu gehen. Es könnten am Ende die Colts sein.

Jacksonville Jaguars

Die Frage kann ich Dir relativ simpel beantworten: Die Jaguars werden sich den besten Spieler auf ihrem Board holen. Völlig unabhängig von der Position hat Jacksonville die freie Auswahl.

Spätestens wenn Yannick Ngakoue das Team verlässt, benötigen sie händeringend Unterstützung im äußeren Pass Rush. Glücklicherweise befindet sich mit Julian Okwara ein Talent im Draft, dass ein ähnliches Profil aufweist wie Ngakoue, als er vom College kam. Möglicherweise versucht man, ihn mit dem späten Erstrundenpick zu holen.

Los Angeles Rams

Die Fans der Los Angeles Rams sind am ersten Tag des NFL Drafts erneut nur Beobachter. Jedoch gibt es Hoffnung: Die Klasse der Cornerbacks ist überragend besetzt. Da wird auch in mittleren Runden noch was für Dich dabei sein. Noah Igbinoghene fällt mir da zuerst ein. Der ehemalige Wide Receiver machte in den letzten beiden Jahren bemerkenswerte Sprünge in der Entwicklung und kann bei seiner Athletik durch die Decke schießen.

Dann gibt es bei den Runningbacks erneut viel Talent in späten Runden. Anthony McFarland kann den Rams eine „Speed-Komponente“ geben, die in der heutigen NFL unerlässlich ist. Er ist niemand für jedes Down. Aber mit seiner Explosivität ist er immer für ein Big Play gut.

Miami Dolphins

Eine kurze Antwort von mir: Ja, definitiv. Alles, was ich so an Gerüchten und Informationen aufsauge, deutet klar daraufhin. Es ist riskant, aber das Talent von Tua Tagovailoa ist einfach zu verlockend. Wahrscheinlich wird man für ihn sogar an Platz Drei vortraden.

Im weiteren Verlauf gibt es viele Baustellen, die man trotz zahlreicher Picks nicht in einem Draft gestopft bekommt. So könnte man den abgegebenen Safety Minkah Fitzpatrick ersetzen und Xavier McKinney oder Grant Delpit holen.

Minnesota Vikings

Ich muss Dich enttäuschen. Ein „Under-the-Radar-Kandidat“ wird im Draft unter den Quarterbacks doch äußerst selten zu finden sein. Jedoch finde ich ab der zweiten Runde Jalen Hurts sehr interessant für die Vikings. Gewiss ist er keine sofortige Lösung. Dafür wird er Starter Cousins Druck machen und bringt früh eine „Zone-Read-Komponente“ für Offensive Coordinator Gary Kubiack. Hurts könnte am Anfang immer mal wieder aufgestellt werden und für Unruhe sorgen. Dazu bietet er Entwicklungspotenzial.

Du hast Fragen zum NFL Draftl oder willst Näheres zu den vorgestellten Talenten wissen? Dann schreib SCOUTREPORT-Experte Philipp Forstner an draftnerdde@gmail.com oder auf Twitter (@Draft_Nerd).

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Kategorien
College
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Autor: Philipp Forstner
Philipp Forstner ist College- und NFL-Draft-Experte bei SCOUTREPORT. Er beobachtet Talente gerne aus der Trainer-Perspektive. Seit 2015 schreibt er für Beardown Germany. Leser kennen ihn auch von draftnerd.de

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