Titel: Last Chance U

Produzenten: Netflix

Staffel fünf, acht Folgen

Erscheinungsdatum: 28. Juli 2020

Sprache: Deutsch und Englisch (original)

Streaming-Plattform: Netflix

Preis: ohne Aufpreis bei Netflix enthalten

Der Weg in die NFL ist nicht immer eine gerade Strecke mit einem Startpunkt und einem direkten Endpunkt. Ganz im Gegenteil: Gerade einmal 1,6 Prozent aller College-Spieler eines Draft-Jahrgangs werden laut NCAA in der Spielerziehung von Profi-Teams gezogen. Der Rest hat mit Glück eine Möglichkeit sich als Undrafted Free Agent zu beweisen oder schaut in die Röhre. Um überhaupt die Gelegenheit zu bekommen draftberechtigt zu sein, müssen sich einige Student Athletes durch die Unwägbarkeiten des Junior-College-Systems schlagen.

Netflix begleitet nun bereits in seiner fünften Saison ein Junior-College Programm. Die Serie zeigt wie schwer es sein kann, den Traum einer Profi-Footballkarriere am Leben zu halten. Wie dies im Detail aussieht, kannst du seit dem 28. Juli bei Netflix in der fünften Staffel der Emmy-nominierten Serie Last Chance U verfolgen.

Ein Abstecher in das Junior-College-System (JuCo)

Der prototypische Recruiting-Prozess der bekannten College-Football-Spieler beginnt in der Regel mit Stipendienangeboten zu High School Zeiten. Mit Abschluss der High School geht es dann an die Universität und zum College Football Programm der Wahl. Allerdings ist dies nicht jedem Spieler vergönnt. Die Zahl der jährlichen Football-Scholarships ist auf der obersten Ebene im College Football auf maximal 25 pro Jahr begrenzt.

Gerade einmal 2,9 Prozent aller High School Spieler eines Jahrgangs (< 1 Million) schafften 2018/2019 laut NCAA den Sprung von der High School an ein Division I-College. 1,9 Prozent gingen an ein Division II-College und 2,5 Prozent an ein Division III-College. Für die meisten ist der Traum von der Footballkarriere nach der High School zu Ende. Für die unermüdlichen Talente ohne Scholarship-Angebot gibt es den Weg auf eigene Kosten zu studieren. Das kostet in den Vereinigten Staaten ein Vermögen. Dann bleibt noch der Umweg über ein sogenanntes Junior College.

Im Rahmen eines zwei- bis drei-jährigen Aufbaustudiums werden die Spieler sowohl akademisch als auch in Sachen Football ausgebildet. Währenddessen empfehlen sie sich für ein volles Football-Stipendium an einer Vollzeituniversität. JuCos spielen im Recruiting-Prozess der großen Universitäten eine durchaus wichtige Rolle. Aber auch der Weg von einer großen Uni zu einem JuCo ist möglich, wenn der Spieler akademisch nicht mithalten kann und aus diesem Grund seine Spielberechtigung verliert.

Für den Recruiting-Prozess der großen Universitäten spielen die JuCos eine gewisse Rolle. Immer wieder füllen sie ihren Recruiting-Jahrgang punktuell mit den besten JuCo-Talenten auf und geben diesen eine zweite, dritte oder gar letzte Chance ihre Karriere am Leben zu erhalten. Recruiting für Junior Colleges wiederum unterscheidet sich wesentlich von dem der größeren Football-Programme. Es gibt keine Maximalanzahl für Stipendien, keine Rosterlimits und auch keinerlei Beschränkungen in Bezug auf die Kontaktaufnahme bestimmter Recruits.

Quelle: SB Nation

Es existieren insgesamt 65 dieser JuCo-Football Teams in den Vereinigten Staaten, die sich in sieben Conferences und ein paar Independents aufteilen. Die meisten dieser Programme sind im Süden und Südwesten der Vereinigten Staaten beheimatet. Das Leistungsgefüge ist dabei riesig. Während es einige Programme gibt, die regelmäßig Probleme haben mehr als zwei Spiele pro Saison zu gewinnen, gibt es auch Power Houses, die regelmäßig um die nationale Meisterschaft im Junior College Fooball mitspielen.

Laney College in Oakland, Kalifornien

Das Laney College in Oakland ist Schauplatz der fünften Staffel. Dies ist eine Besonderheit, da das JuCo-System in Kalifornien eigen ist. Das Laney College bietet u.a. keine Stipendien an und es existieren auch keine Unterkünfte für die Studierenden. Bereits zu Beginn der ersten Folge wird klar, dass der Weg über das Football Team des Laney College kein Zuckerschlecken ist.

Während in den Staffeln davor die Spieler des Teams einen wesentlichen Teil ihrer Freizeit in Gemeinschaftsunterkünften verbrachten, müssen die Spieler der Laney Eagles nebenbei jobben, um ihre Unterkünfte zu finanzieren. Dior Walker-Scott, Wide Receiver im Team, übernachtet sogar hauptsächlich in seinem eigenen Auto. So wird schnell klar, dass das mittlerweile gentrifizierte Oakland nicht mit dem beschaulichen Independence, Kansas aus den beiden vorhergehenden Staffeln verglichen werden kann.

Im Zentrum einer jeden Last Chance U Staffel steht in der Regel der Head Coach des Programms. Für Außenstehende soll der häufig in die Rolle eines Sozialarbeiters schlüpfen und mit dafür sorgen, dass seine Schäfchen immer auf dem richtigen Pfad bleiben. Was in Staffel 4 Jason Brown nur bedingt gelungen ist, schaut für Staffel 5 deutlich besser aus. Head Coach John Beam wirkt bereits in den ersten Szenen wie eine prototypische Vaterfigur. Er klopft nicht nur starke Sprüche, sondern besitzt auch eine glaubwürdige Substanz als Coach.

Neben zahlreichen erfolgreichen Jahren als High School Coach, trainiert er seit 2004 das JuCo in Oakland in mehreren Funktionen. Insgesamt über 40 Jahre Coaching-Erfahrung bringt er mit, die er größtenteils in Oakland und Umgebung erworben hat. Er hat dabei unter anderem 20 NFL-Spieler hervorgebracht, wovon sieben an einem Super Bowl teilnehmen durften. 2018 gewann er mit den Laney Eagles den Titel als State Champion. An diesen Erfolg soll das 2019er-Team der aktuellen Staffel anknüpfen.

Mein Fazit

Wer sich für Footballkarrieren abseits der hochmodernen Anlagen von Division I Colleges und NFL interessiert, ist bei dieser Staffel gut aufgehoben. Es geht bei Last Chance U auch um das Umfeld und den häufig nicht einfachen Werdegang der einzelnen Spieler und weniger um den Sport an sich. Wer hingegen den Alltag eines Profiteams verfolgen möchte, sollte lieber die aktuelle Staffel von All or Nothing schauen.

Wer jedoch den alltäglichen Grind sehen möchte, in dem auf und abseits des Feldes häufig improvisiert werden muss, um sportlich und akademisch ans Ziel zu kommen, dem kann ich diese Serie bedenkenlos empfehlen. Ich gehe zwar davon aus, dass man mit der einen oder anderen geskripteten Szene leben muss, aber der Kernbotschaft der Serie tut das keinen Abbruch.

Peter Schindler
Peter ist College Football Fan mit Leib und Seele. Neben den Oklahoma Sooners und der Big 12 verfolgt er alle anderen Conferences regelmäßig und interessiert sich für alle möglichen Details der Nachwuchsliga. Insbesondere das Recruiting von High School Spielern, den NFL-Stars von morgen, beobachtet er intensiv.