Oakland Raiders ziehen um: Ausgerechnet Las Vegas!

Die Oakland Raiders sind nun offiziell die Las Vegas Raiders. Chris Höb tut sich mit dem Umzug schwer. Dabei ist er nicht einmal Raiders-Fan.

Ich kannte die Oakland Raiders noch bevor ich die NFL kannte.

Als Zehnjähriger schenkte mir mein Vater eine Sporttasche mit dem Raiders-Logo. „Papa, was ist das für ein Klub?“ „Das sind die Raiders, die spielen American Football.“ Ich war der Fußball-Torwart mit der Raiders-Tasche. Das war 1997.

Jetzt ziehen die Raiders um. Nach Vegas. Die „RAI-DEEEERS“-Sprechchöre hallen künftig nicht mehr im Coliseum, sondern im 2-Milliarden-Dollar-Stadion in Las Vegas… auch wenn ich kein Raiders-Fan bin und solche Umzüge im US-Sport normal sind: ich tue mich mit dem Umzug schwer. 

Ausgerechnet die Raiders!

Das Team mit dem Rebellen-Image, den Trikots in Schwarz und Silber, das durch die Rap-Videos der 90er auch bei uns in Deutschland bekannt und Teil der Pop-Kultur wurde. Das Kult-Team, bei dem Stars wie Randy Moss, Jerry Rice, Fred Biletnikoff und Kult-Trainer John Madden waren.

Ausgerechnet Vegas!

Die rebellischen Raiders ziehen in die Schmuddel-Stadt. Sin City. Bekannt für Zockerei, Boxen und Glücksspiel. Doch die Stadt will ihr Image verändern, setzt auf Familien-Tourismus und Tech-Companies. Bestes Beispiel für diese Strategie: Die Vegas Golden Knights aus der NHL. Das Eishockey-Team wurde neu gegründet, erreichte in seiner ersten Saison 2017 gleich das Finale um den Stanley Cup.

Besonders bitter für die Raiders-Fans: Es ist schon der zweite Umzug der Franchise (1982 ging es von Oakland nach LA). 1994 kehrten die Raiders zurück. Jetzt werden die Fans wieder enttäuscht!

Raiders verabschieden sich mit Niederlage aus Oakland

Wut und Trauer: Nicht nur über den Umzug, sondern auch über die Art des Abschieds. Die Raiders verlieren ihr letztes Heimspiel in Oakland. Sie verspielen im vierten Viertel einen Zehn-Punkte-Vorsprung. Statt den Fans einen Sieg zu schenken, verschenken sie den Sieg an die Jaguars (16:20).

Quarterback Derek Carr will sich von den Fans verabschieden. Die Raiders-Fans überschütteten ihn mit Beer, Getränken und Müll, buhten ihren Quarterback aus. „Ob ich eine Nachricht an die Fans habe? Ich bin mir sicher, sie wollen das im Moment nicht hören“, sagte Carr.

Verständlich! Vor zwei Jahren fiel die Entscheidung für den Umzug. Seitdem zählten die Fans die Spiele mit. Ein unerbittlicher Countdown, der nun abgelaufen ist. Und auch davor hatten die Raiders-Fans kaum etwas zu feiern.

Seit 2003 holte das Team nur einmal mehr Siege als Niederlagen, schaffte es nur einmal in die Playoffs. Einer der bittersten Momente: Die Saison 2002/2003, die Raiders verlieren den Super Bowl gegen die Tampa Bay Buccaneers. Die werden ausgerechnet von Jon Gruden gecoacht, der im Jahr zuvor noch die Raiders trainiert hatte… und der auch jetzt wieder Headcoach der Raiders ist.

In jeder Saison spielen die Raiders gegen „meine“ Denver Broncos. Immer wieder haben mich die Raiders geärgert, weil sie ausgerechnet gegen Denver auftrumpften. Die treuen Raiders-Fans saßen hinter der Endzone des Teams, alle in Schwarz. Es wirkte immer wie ein schwarzes Loch, darum der Spitzname „Black Hole“. Ein schwarzes Loch, das den Gegner verschlingt. So bekloppt sind nur die Fans der Oakland Raiders.

Ob es das auch bei den Las Vegas Raiders geben wird? Ich bezweifle es. Die Zuschauer werden vermehrt aus Touristen und Fans bestehen, die der Show wegen ins Stadion kommen. Das Team ist ihnen egal.

Autor: Chris Höb
Christian Höb ist Chefredakteur von SCOUTREPORT und moderiert die SCOUTREPORT-Webshow. Chris kommentiert außerdem GFL-Spiele der Berlin Rebels. Er ist freier Sportjournalist.

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