Noch zwei Wochen bis zum Saisonstart. Die Zeit wird langsam knapp für die Rookies, um einen der letzten Startplätze zu ergattern. Die Vorbereitung verlief für die jungen Spieler alles andere als perfekt. Aufgrund der Einschränkungen im Training stehen die gedrafteten Talente vor einer Herkulesaufgabe. Ich ziehe meinen Hut vor jedem, der es unter erschwerten Bedingungen schafft, bereits im ersten Jahr seiner Karriere, der NFL seinen Stempel aufzudrücken.

In jedem Team habe ich ein Talent herausgesucht, dass die größten Chancen hat, ab dem ersten Spieltag zu starten. Das Augenmerk liegt vor allem darauf, was sie in der Vorbereitung dafür zeigen müssen.

In dieser Woche erscheint die Ausgabe zur NFC. Letzte Woche erschien bereits die AFC.

CeeDee Lamb / Wide Receiver, Dallas Cowboys

Für die Cowboys drängen sich wichtigere Fragen zur Kaderplanung auf. Denn die Versorgung ihres elitären Receiving-Corps ist doch eher eine Luxus-Frage. CeeDee Lamb will im Camp auf sich aufmerksam machen, um in seiner ersten Saison schrittweise die meisten Targets von Quarterback Dak Prescott zu erhalten. Zukünftig wird die athletische “Nummer 88” bei den Texanern diese wichtige Rolle einnehmen. Fraglich nur, wie schnell dieser Wandel vollzogen wird.

Andrew Thomas / Offensive Tackle, New York Giants

Die größte Frage bei den Giants im Sommer ist, wer die beiden Tackle Positionen besetzen wird. Seitdem Nate Solder entschied, die Saison auszusetzen, ist der Weg auf einen Startplatz für Andrew Thomas geebnet. Da ein weiterer Rookie in Matt Peart und Cam Fleming sich auf der rechten Seite um die Starterrolle streiten, ist das Rennen auf Left Tackle zugunsten von Thomas entschieden.

Der Einstieg könnte jedoch kaum schwieriger für ihn sein. Thomas muss in kurzer Zeit eine völlig neue Offensive lernen. Und in den ersten Wochen trifft er gleich auf T.J. Watt, Khalil Mack und Nick Bosa. 

Jalen Reagor / Wide Receiver, Philadelphia Eagles

Die Eagles können sich weder auf die Dienste des verletzten Alshon Jeffery verlassen, noch auf die von DeSean Jackson, eines 33 jährigen Speed Receivers. Eigentlich war Reagor als Nachfolger von Jackson vorgesehen. Nun wird er sich wahrscheinlich mit Greg Ward die Hauptlast teilen. Der widerum ist solide, hat aber im letzten Jahr gezeigt, dass er nicht die Vielzahl an Targets übernehmen kann.

Reagor kann daher bereits ab dem ersten Tag eine tragende Rolle im Angriff Philadelphias ergattern. Der antrittsstarke Receiver wird gegen Manndecker auf linearen Routen die Erwartungen erfüllen. Doch verlangen die Eagles von ihm als isolierter X-Receiver zu viel. Dafür fehlt ihm die Erfahrung, das Durchsetzungsvermögen und der vielseitige Route Tree. Eine Aufgabe an der er wachsen wird.

Chase Young / Defensive End, Washington Football Team

Young ist der beste Pass Rusher seines Teams. Die Frage wird nur sein, wie schnell er sein komplettes Paket in die Waagschale legen kann. Gegner werden ihre Offensive auf ihn ausrichten. Daher soll er nicht nur für Sacks und Pressure sorgen, sondern seinen Mitspielern Freiräume schaffen. Abhängig davon, wie gut seine Vorbereitung verläuft, wird er sofortigen Einfluss auf sein gesamtes Team haben. 

Cole Kmet / Tight End, Chicago Bears

Die Positionsgruppe der Tight Ends wurde bei den Bears komplett umgekrempelt. Jimmy Graham geht als Nummer Eins in die Saison. Daneben will Rookie Kmet den Allrounder Demetrius Harris verdrängen und einen Startplatz ergattern. Sein Positions-Coach lobt bereits die rasche Verarbeitung und die positive Einstellung des Zweitrundenpicks.

Rookie Tight Ends benötigen erfahrungsgemäß eine gewisse Zeit zur Akklimatisierung in der NFL. Eine verkürzte Vorbereitung ist da nicht gerade hilfreich. Erste Anzeichen sprechen aber für Kmet, sofortigen Einfluss auf die Offensive in Chicago nehmen zu können. Je mehr Einsatzzeit er zu Beginn der Saison erhält, desto eher wird er sich an das höhere Tempo bei den Profis gewöhnen. 

Jeff Okudah / Cornerback, Detroit Lions

Okudah wird ins kalte Wasser geworfen. Cornerbacks haben nach Quarterbacks den schwierigsten Einstieg in die NFL. Da hilft es auch nicht, zuvor an der Ohio State gespielt zu haben. Die Lions wollen sofort auf ihren Top Drei Draftpick bauen.

Entscheidend ist für Okudah, dass er nun zügig das System adaptiert, damit Übergaben in der Zonenverteidigung funktionieren. Denn seine ersten Matchups heißen voraussichtlich Allen Robinson, Davante Adams und DeAndre Hopkins. Sie werden mit ihrem Team versuchen Lücken in der Zonenverteidigung zu suchen. Als reiner Manndecker wird Okudah nämlich vom ersten Tag an nicht zu besiegen sein. 

Josiah Deguara / Tight End, Green Bay Packers

Eine der größten Fragen in der Vorbereitung auf die Saison bei den Packers ist, wem Aaron Rodgers neben Davante Adams den Ball zuwerfen wird. Unter den Tight Ends ist Jace Sternberger der größte Hoffnungsschimmer. Jedoch hat Cheftrainer Matt LaFleur noch etwas anderes im Sinn.

Für einen reinen Tight End ist Josiah Deguara zu klein und als reiner Receiver fehlt ihm die Athletik. In einer Mischrolle als H-Back zwischen Fullback und Tight End sieht man ihn in Wisconsin stattdessen. Dort kann er Schnittstellen in der Verteidigung angreifen und Löcher im Laufspiel aufreißen. Seine lobenswerte Arbeitseinstellung wird ihn auf dem Weg zu vielen Snaps unterstützen. Ein Gadget dieser Art kann in einer kreativen Offense mit fehlenden Playmakern wahrhaftig Gold Wert sein. 

Justin Jefferson / Wide Receiver, Minnesota Vikings

Nach allem was es aus dem Training Camp der Wikinger zu berichten gibt, findet der Kampf um die Kaderplätze unter den Wide Receivern hinter Justin Jefferson statt. Der Erstrundenpick konnte seinen Startplatz bereits ergattern. Doch in welcher Rolle werden Fans den 21 jährigen erleben?

Prädestiniert ist Jefferson für die Rolle als Big Slot Receiver. Nur spielt Adam Thielen daraus seine meisten Snaps und ist von dort am Erfolgreichsten. Ihn wird er nicht verdrängen. Seine Zukunft liegt also zwischen den “Nummern” und der Seitenlinie. Dort soll er, wie bereits am College, in kritischen Situationen den Ball pflücken. Dazu muss er in der Vorbereitung ein sicheres Timing mit seinem Quarterback aufbauen. Denn sonderlich Separation erzielt Jefferson nicht, um Kirk Cousins ein möglichst großes Passfenster zu bieten.

A.J. Terrell / Cornerback, Atlanta Falcons

Nachdem Atlanta im letzten Jahr nicht einmal unter den besten 20 Verteidigungen gegen den Pass gewesen ist, wurde die Position generalüberholt. Rookie A.J. Terrell kämpft mit den Draftees Isaiah Oliver aus 2018 und Kendall Sheffield aus 2019 darum, einen der begehrten Startplätze zu ergattern. Darqueze Dennard wird den Nickelback-Spot sicher haben.

Erste Eindrücke aus dem Trainingslager zeigen bereits eine beeindruckende Entwicklung von Terrell. Die Falcons werden ihn bevorzugt in Press Man Coverages einsetzen. Darin gewann er sogar gegen Julio Jones im Training konstant. Im “Home Office” arbeitet er unaufhörlich an der Verbesserung seines Spielverständnisses, um in Zukunft flexibler eingesetzt werden zu können. Der Startplatz scheint ihm derweil nicht mehr zu nehmen.

Derrick Brown / Defensive Tackle, Carolina Panthers

Ein Abwehrriegel auf der Nose Tackle Position ist ein wichtiger Schlüssel im Konzept des neuen Cheftrainers Matt Rhule. Die Auswahl von Derrick Brown in der ersten Runde war daher sehr naheliegend. Der wuchtige Defensive Lineman wird mit explosivem ersten Schritt, hervorragendem Handeinsatz und perfekter Kraftübertragung bei nahezu jedem Snap auf dem Feld stehen. Entscheidend für ihn wird sein, wie schnell er sich an Matchups mit technisch versierten OLinern gewöhnt, um seine wichtige Rolle konstant erfüllen zu können.

Cesar Ruiz / Offensive Guard, New Orleans Saints

Andrus Peat startet auf Left Guard. Bleiben Erik McCoy, Nick Easton und Cesar Ruiz für den verbliebenen Guard Spot und die Center Position. Wären die Saints nicht so zufrieden mit den bisherigen Leistungen von McCoy als Center, hätte Ruiz gute Chancen, den Startplatz in der Mitte zu ergattern. New Orleans wird aber kein weiteres Jahr einem Rookie das Play Calling der Line überlassen.

Als Guard wird Ruiz inkonstante Beinarbeit zunächst mit häufigen Double Teams kaschieren. Der Top-Athlet sollte allmählich an seinen Aufgaben wachsen. Weitere Entwicklung im technischen Bereich hat er, laut Informationen aus dem Camp, bereits vollziehen können. Man geht sogar schon so weit, dass er im Training Snaps als Center erhält. Es kann nicht schaden, Ruiz bei einem Ausfall von McCoy in der Hinterhand zu haben. Den sofortigen Startplatz als Guard sollte er sich bei so viel Vertrauen bereits erkämpft haben.

Tristan Wirfs / Offensive Tackle, Tampa Bay Buccaneers

Die Offensive Line der Buccaneers bereitet Sorgen. Mit der Auswahl von Tristan Wirfs im Draft sollte sich daran eigentlich etwas ändern. Doch zeigt er im Camp exakt die Probleme, die bereits am College bei ihm negativ auffielen. Ihm unterlaufen Fehler aufgrund fehlender Konzentration. Dazu ist das Timing und die Platzierung seiner Hände inkonstant.

Aufgrund der dünnen Personaldecke ist Wirfs gezwungen, an diesen Problemen nun schnellstmöglich zu arbeiten. Denn starten muss er so oder so. Jedoch wird er, nach momentanem Erkenntnisstand, anfangs noch oft ausgespielt werden. Häufiger als es seinem Team lieb sein wird. 

Isaiah Simmons / Linebacker, Arizona Cardinals

Jordan Hicks hat einen Startplatz sicher. Daneben wollen die Cardinals eine geeignete Rolle für De’Vondre Campbell und Isaiah Simmons finden. Die beiden werden sich sicherlich nicht die Snaps aufteilen. Stattdessen wird man versuchen, Campbell als Inside Linebacker zu etablieren und Simmons zügig an verschiedene Aufgaben als Matchup-Waffe heranführen.

Dies passiert selbst bei einem so speziellen Talent nicht von Heute auf Morgen. Die sinnvolle Vorbereitung auf ein wöchentliches Matchup sollte für Defensive Coordinator Vance Joseph daher Priorität haben. Auf das Duell mit George Kittle am ersten Spieltag fieber ich jetzt schon hin. Danach folgen T.J. Hockenson und Christian McCaffrey in Woche Drei und Vier.

Cam Akers / Runningback, Los Angeles Rams

Die Rams wollen nach einer 9-7 Saison wieder weiter vorn mitmischen. Dazu setzt man auf ein Runningback-Komitee und hat Todd Gurley ziehen lassen. Darrell Henderson kam 2019 in Runde Drei nach Los Angeles. Cam Akers 2020 gar in Runde Zwei des Drafts. Dazu kommt noch Veteran Backup Malcolm Brown. Gemeinsam sollen sie das Laufspiel zurück an die Ligaspitze führen. Bessere Unterstützung als im Vorjahr kann das Backfield von seiner Offensive Line jedoch nicht erwarten.

Gerade Cam Akers ist diesen Umstand bereits vom College gewohnt. Die Florida State stellte dort eine der schlechtesten Einheiten. Trotzdem zeigte Akers effektives Spiel mit kraftvollen und energischen Läufen. Dazu ist er sehr beweglich und ist eine Bank im Receiving Game und in Pass Protections. Anfangs wird er sich mit Brown und Henderson die Snaps aufteilen. Mit zunehmendem Erfolg hat er alle Möglichkeiten, bis zum Jahresende die Hauptrolle zu ergattern. Wären da nur nicht seine Probleme mit Fumbles, die sich am College und nun wieder im Trainings Camp bemerkbar machen.

Javon Kinlaw / Defensive Tackle, San Francisco 49ers

DeForest Buckner wurde im Frühjahr nach Indianapolis getradet. Für den 13. Pick holten die 49ers dann seinen Nachfolger in Javon Kinlaw. Gerne möchten sie ihn neben Solomon Thomas in der Defensive Line aufstellen. Doch beiden fehlt der nötige Anker gegen das Laufspiel. Kinlaw hat Thomas aber bereits jetzt im Pass Rush einiges voraus. Der Rookie paart athletische Anlagen mit vielseitgen Techniken und wird in der 3-technique sofort starten.

Anfangs wird man wahrscheinlich D.J. Jones neben ihm aufstellen, um eine Absicherung gegen den Lauf bilden zu können. Je zügiger Kinlaw an seiner Körperkontrolle und der Spielerkennung arbeitet, desto eher kann Coordinator Robert Saleh zwei gefährliche Pass Rusher innen aufstellen. Mit Bosa und Armstead wäre das eine wahrlich beeindruckende Defensive Line.

Jordyn Brooks / Linebacker, Seattle Seahawks

Bobby Wagner ist der zentrale Fixpunkt im Linebacker-Corps der Seahawks. Um ihn herum wird K.J. Wright aufräumen. Der erfahrene Linebacker muss dafür aber die Weakside räumen, sollte Jordyn Brooks sich einen Startplatz ergattern. Denn der Rookie ist niemand für Matchups gegen Tight Ends. Seine Stärken resultieren aus seiner besonderen Athletik, mit der er weite Räume gegen den Pass und den Lauf verteidigen kann. Jedoch muss er seine Techniken im Lösen von Blocks verbessern, um bereits in Woche Eins starten zu dürfen.