Im College Football stehen die ersten kleineren Bowl Games rund um die Weihnachtsfeiertage an. Bevor wir uns den Playoff-Halbfinals und New Year’s Six Bowls nähern, schweift mein Blick schon in die Zukunft Richtung NFL-Draft.

Oft entsteht durch Rankings ein falscher Eindruck. „Spieler X steht fünf Plätze über Spieler Y, also ist er besser.“ Die Teams erstellen aber ihre eigenen Big Boards und gewichten Talente der jeweiligen Spieler unterschiedlich.

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Ich zeige Dir das gern an einem Beispiel: Jerry Jeudy und CeeDee Lamb können nämlich beide Nummer-Eins-Receiver bei den Teams auf den Boards werden. Das hängt ganz davon ab, was sie von ihrem Neuzugang verlangen.

Vergleich der Wide Receiver Jerry Jeudy und CeeDee Lamb

Jerry Jeudy ist der nächste große Receiver aus den Reihen der Alabama Crimson Tide. In den letzten beiden Jahren erzielte er über 2200 Yards und 23 Touchdowns und darf als legitimer Nachfolger von Julio Jones, Amari Cooper und Calvin Ridley gelten. Er war das Hauptziel von Quarterback Tua Tagovailoa und gewann 2018 den Biletnikoff Award als bester Wide Receiver des Landes.

CeeDee Lamb war bereits im letzten Jahr der beste Passempfänger bei den Oklahoma Sooners. Und das trotz der Konkurrenz von „Hollywood“ Brown im Team. Lamb war wichtige Anspielstation für Baker Mayfield, Kyler Murray und Jalen Hurst. In drei Jahren fing er fast 170 Pässe für über 3000 Yards und insgesamt 33 Touchdowns.

Körpermaße werden nach dem NFL-Combine überarbeitet und um Messwerte in athletischen Tests ergänzt

Fanghände und Catch Radius

Jerry Jeudy: Er fängt den Ball stets sicher mit seinen Händen. Darin ist Jeudy auch verlässlich, wenn er an einem schweren Catch Point seinen Körper in die Länge strecken muss. In punkto Jump-Balls und Contested-Catch-Situationen ist er mir in der öffentlichen Meinung zu unterbewertet. Da er sich so gut von seinen Gegenspielern löst, sieht man ihn darin einfach zu selten.

CeeDee Lamb: Seine Fanghände, auch in schwierigen Situationen, sind außergewöhnlich. Selbst wenn man Lamb im Moment des Catches angeht, kommt er eigentlich immer mit dem Ball herunter. Tiefe Bälle, über seine Schulter eintreffend, lokalisiert er blind. Darin zeigt er elitäre Fähigkeiten. Die Körperkontrolle beim Fangen des Balls ist beeindruckend. Ich weiß nicht, ob ich je einen so natürlichen Receiver gescoutet habe. 

Seperation und Route Running

Jerry Jeudy: Wahrlich ein Meister im Route Running! Sein Route Tree ist an Vielseitigkeit nicht zu überbieten. Seine präzisen Schritte machen ihn perfekt getaktet anspielbar für seine Quarterbacks. Damit löst er sich auch zuverlässig von seinen Gegenspielern. 

CeeDee Lamb: Lamb ist weniger der definierte Routenläufer. Er gewinnt konstant seine Matchups, erzielt dies aber durch athletische Einlagen beim Catch. Beim Combine werden wir erleben, dass er längst nicht so schnell ist, wie man es gern hätte. Aber als Faustregel gilt: Wenn du stets anspielbar für deinen Quarterback bist, ist es egal ob du dies mit Geschwindigkeit, diszipliniertem Route Running, Athletik oder Körperkontrolle im Moment des Fangens erledigst. Hauptsache, du tust es. Und CeeDee Lamb ist immer anspielbar.

Geschwindigkeit und Beschleunigung

Jerry Jeudy: An der Stelle, wo die Route gebrochen wird, zeigt er höchstes Maß an Spritzigkeit und löst sich zuverlässig an diesem Punkt vom Gegenspieler. Will er sich gegen physische Cornerbacks zur Wehr setzen, gelingt ihm das mit purer Geschwindigkeit.

CeeDee Lamb: Nach dem Catch beschleunigt er und kann so erfolgreich für weitere Yards sorgen. Unterm Strich ist seine Geschwindigkeit aber nichts, was ihn von anderen Receivern unterscheidet. Ganz im Gegenteil. Ein vielseitiger Route Runner wird er auf dem nächsten Level niemals werden.

Körpermaße

Jerry Jeudy: Jeudy gehört im Vergleich mit anderen Receivern eher zu den Leichtgewichten. Fragezeichen bezüglich seiner Belastbarkeit werden daher gewiss aufkommen. Zumindest am College hat Jeudy aber alle Einsätze bestritten, die man von ihm gefordert hat. Er ist nicht verletzungsanfällig.

Kritisch zu betrachten ist jedoch seine fehlende Physis. Jeudy wird nie mit Kraft oder schierer Athletik in Contested-Situationen gewinnen, sondern wird immer einen Weg über Geschwindigkeit und definiertes Route Running finden müssen. Auch seine Reichweite in Sachen Armlänge ist limitiert. Nach den Measurements beim Combine wird er sicherlich Kritik ausgesetzt sein. Aber es ist alles in Ordnung. Schließlich ist er ein effektiver Receiver. NFL Teams sollten nur wissen, was sie von ihm verlangen können und was nicht.

CeeDee Lamb: CeeDee spielt größer und kräftiger als seine Körpermaße auf dem Papier andeuten. Das ist sehr wichtig für ihn. Denn in der NFL wird er es noch schwerer haben, sich vom Gegenspieler zu lösen. Kann er sein Matchup physisch nicht mitgehen, dürfte er Probleme bekommen.

Spielintelligenz

Jerry Jeudy: Einfach Phänomenal! Er hat ein sehr gutes Gespür für weiche Zonen und das offene Feld. Den gegnerischen Cornerback zu manipulieren und kreative Ansätze zu finden, um sich zu separieren, sind ganz besondere Talente von Jeudy. Gegner verdrehen sich ständig die Beine gegen ihn. Allein damit dürfte er zügig einen festen Platz in der NFL ergattern. Je mehr Kontakt er auf den ersten Metern vermeiden kann, desto besser wird das für ihn und sein Spiel sein.

CeeDee Lamb: Auch Lamb beweist eine exzellente Übersicht für Yards nach dem Catch und wirkt stets sehr konzentriert. Technisch und kreativ geht er konstant gegen Press Coverage vor. Da er kein so guter Route Runner ist, hat er früh gelernt, Alternativen zu suchen und freie Zonen zu finden.

Fazit

Beide Receiver sind auf ihre Art etwas ganz besonderes. Wen man favorisiert, dass kommt ganz darauf an, wonach das jeweilige Team sucht. Jerry Jeudy ist der definierte Route Runner, der stets anspielbar ist, weil er sich vom Gegenspieler konstant löst. Das macht ihn in einem System mit viel Kurzpassspiel und vielen Targets zu einem wichtigen Spieler.

CeeDee Lamb passt eher in ein vertikales System. Verlangt man von ihm in Zukunft athletische Einlagen an der Seitenlinie, tiefe Pass-Routen und Comebacks, sowie kurze Screens, wird man seine Freude an ihm haben. Ein frühes Investement in der ersten Runde ist für beide Spieler gerechtfertigt.

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