Die Erstrunden-Quarterbacks der Draftklasse von 2018 stehen vor einer wegweisenden Saison. Nach der kommenden Spielzeit entscheiden die Teams, welchen Erstrundenpicks sie die Fifth-Year-Option geben. Wir blicken auf die Chancen von Baker Mayfield, Sam Darnold, Josh Allen, Josh Rosen und Lamar Jackson.

Was ist die Fifth-Year-Option überhaupt?

Ein Großteil der Rookies startet mit einem Vierjahresvertrag in die NFL. Spieler, die in der ersten Runde ausgewählt wurden, haben noch eine zusätzliche Option auf ein fünftes Vertragsjahr in ihrem Kontrakt verzeichnet. Die Franchises müssen sich bereits ein Jahr vor der Vierjahresfrist entscheiden, ob die ihre Erstrundenpicks darüber hinaus ein weiteres Jahr an sich binden möchten.

Seit dem neuen CBA ist das Gehalt im fünften Vertragsjahr garantiert. Teams dürften also in dieser Saison besonders genau evaluieren, ob ihre Erstrundenpicks diese Investition wert sind. Bis zum 7. Mai 2021 müssen sie schließlich entscheiden, ob sie die Option ziehen.

Baker Mayfield: Keine Ausreden mehr

Als Nummer-Eins-Picks 2018 erfüllte Cleveland Browns-Quarterback Baker Mayfield nicht nur die hohen Erwartungen in seiner Rookie-Saison, sondern beeindruckte mit seinen Leistungen darüber hinaus die Experten. Kein Wunder, schließlich gilt der Heisman-Gewinner von 2017 als eines der besten Talente aller Zeiten und wurde jüngst im Prospect-Ranking von Pro Football Focus als zweitbestes Prospect seit 2014 geführt.

In den Adjusted Passing-Statistiken von Pro Football Reference war Mayfield in seiner Rookie-Saison in fast allen Kategorien überdurchschnittlich gut. 2019 verschlechterte er sich aber deutlich und rutschte in allen Kategorien deutlich unter das Ligamittelmaß.

Da auf diese Tabelle in diesem Artikel regelmäßig zurückgegriffen wird, eine kurze Erklärung: Die einzelnen Statistiken sind genormt, wobei der Wert 100 den Ligadurchschnitt repräsentiert. Werte über 100 sind entsprechend überdurchschnittlich, Werte unter 100 unterdurchschnittlich.

Die Gründe waren wie immer vielschichtig. Trotz der Verpflichtung von Star-Receiver Odell Beckham Junior und Neu-Headcoach Freddie Kitchens blieben die erhofften positiven Resultate aus. Abseits des Platzes schien die Chemie im Team nicht zu stimmen, was auch kritische Kommentare von Mayfield selbst erahnen lassen.

Und auch auf dem Platz lief vieles nicht zusammen, wirkten die Routen der Receiver nicht auf Mayfield abgestimmt. Das negative Highlight war ein unvollständiger Shovel-Pass von Mayfield auf Runningback Nick Chubb. Zudem spielte die Offensive Line teilweise grauenhaft. Aber auch Mayfield selbst lieferte schwächere Leistungen ab.

Bessere Umstände für Mayfield

In der aktuellen Offseason eliminierten die Browns vermeintliche Ausreden für Mayfield. Mit Jedrick Wills draftete das neue Front Office um General Manager Andrew Berry und Headcoach Kevin Stefanski einen der besten Offensive Tackles im Draft und holte mit Jack Conklin einen weiteren hochkarätigen Offensive Tackle in der Free Agency. Zudem kam Tight End Austin Hooper aus Atlanta, nachdem Cleveland in der vergangenen Saison wenig Produktion von seinen Tight Ends bekommen hatte.

Mit der verbesserten Offensive Line, einer neuen Waffe auf Tight End und weiteren gedrafteten Receiving-Optionen wie Receiver Donovan Peoples-Jones und Tight End Harrison Bryant, sowie einem hoffentlich fitten Tight End David Njoku sind die Voraussetzungen – mal wieder – hervorragend für Mayfield. Nun liegt es an dem hochtalentierten Quarterback, sich für ein fünftes Jahr in Cleveland zu empfehlen.

Sam Darnold: Konstant inkonstant

Sam Darnold erlebte in seiner bisherigen NFL-Karriere ein Auf und Ab der besonderen Art. Immer wieder blitzte sein Talent auf. In anderen Wochen sah er dagegen maximal aus wie ein Backup-Quarterback. Pfeiffersches Drüsenfieber setzte den ehemaligen USC-Quarterback im vergangenen Jahr darüber hinaus mehrere Wochen außer Gefecht. Zwar verbesserte sich Darnold in einigen Bereichen in seiner zweiten Saison. Die Werte blieben aber konstant unterdurchschnittlich.

Allerdings hatte Darnold bei den Jets in den vergangenen beiden Jahren extrem schlechte Umstände. Das Receiving Corps um Robby Anderson, Jamison Crowder, Demariyus Thomas und Co. gehörte nicht zur Elite der NFL. Klarer Schwachpunkt war aber die Offensive Line, die Darnold kaum helfen konnte. Football Outsiders listet die Offensive Line der Jets in 2019 auf Platz 30 in Pass Protection. Bei Pro Football Focus liegt die Line auf Rang 28.

Fragwürdige Offseason hinterlässt Zweifel

Immerhin sind sich die Jets ihrer Probleme bewusst und adressierten die offensiven Schwachstellen in der Offseason. Allerdings ist fraglich, ob die Neuzugänge signifikant besser sind als die Alternativen aus dem vergangenen Jahr.

Mit Left Tackle George Fant (Seahawks), Center Connor McGovern (Broncos), Left Guard Greg Van Roten (Panthers) und Backup-Center Josh Andrews (Colts) holten die Jets gleich vier neue Offensive Lineman in der Free Agency und verlängerten mit Left Guard Alex Lewis. Im Draft folgten die Tackles Mekhi Becton (Draftpick #11) und Cameron Clarke (#129).

SpielerTeam 2019Offensive-Line-
Ranking (FO/PFF)
George FantSeahawks24/27
Connor McGovernBroncos25/12
Greg Van RotenPanthers29/18
Josh AndrewsColts7/3

Nur Josh Andrews war 2019 Teil einer überdurchschnittlich guten Offensive Line – und spielte in Indianapolis lediglich 99 Snaps. Zwar ist die Leistung der einzelnen Spieler hier nur schwer bewertbar, dennoch gibt das Ranking zumindest einen Hinweis auf die Qualität der Linemen. Rookie Becton gilt für viele Draft-Experten als Projekt.

Die besten Offensive Tackles im NFL Draft 2020

Auch auf Receiver waren die Jets in der Offseason aktiv, holten Breshad Perriman und Josh Doctson in der Free Agency und Denzel Mims im Draft. Perriman hatte 2019 in Tampa Bay ein Breakout-Jahr, muss diese Leistung aber bei den Jets bestätigen. Doctson ist nicht viel mehr als ein solider Backup. Mims bringt sehr viel Potenzial mit, braucht als Rookie wahrscheinlich aber noch Zeit.

Letztlich haben die Jets in der Offseason zwar viel getan. Ob sie Darnold damit aber wirklich geholfen haben, darf bezweifelt werden. Somit liegt es am Quarterback, sein Team mit starken und vor allem konstanteren Leistungen voran zu bringen. Eine schwere Aufgabe für einen jungen Spieler.

Josh Allen: Mehr Waffen für bessere Leistung?

Josh Allen ist eines der größten Rätsel der Draftklasse von 2018. Gesegnet mit einer überragenden Mobilität, ließ seine Passgenauigkeit bisher extrem zu wünschen übrig. Highlight-Plays wechselten sich regelmäßig ab mit fragwürdigen Entscheidungen. Dennoch: Allen verbesserte sich 2019 deutlich im Vergleich zu seinem Rookie-Jahr.

Die Umstände in Buffalo waren zuletzt aber ebenfalls nicht sonderlich gut für Allen. Unterdurchschnittlich lieferte die Offensive Line ab. In den Rankings belegt die Line bei Pro Football Focus Platz 21, bei Football Outsiders Platz 23.

In der Offseason adressierten die Bills vor allem die Wide Receiver-Position mit dem spektakulären Trade für Vikings-Playmaker Stefon Diggs und drafteten Gabriel Davis (4. Runde) und Isaiah Hodgins (6. Runde). John Brown und Cole Beasley komplettieren das Receiver-Corps, das nun einige Waffen für Allen bereithält.

Weniger spektakulär verlief die Offseason für die Offensive Line. Interior Lineman Evan Boehm (Dolphins) und Guard Daryl Williams (Panthers) sind die einzigen nennenswerten Verpflichtungen, die allerdings beide aus eher schwachen Lines aquiriert wurde. Verbesserungspotenzial hat Tackle Cody Ford, der 2019 in Runde zwei von den Bills gedraftet wurde.

Ähnlich wie die Browns haben also auch die Bills etwas für ihren Quarterback getan und ein paar Unsicherheitsfaktoren für die Evaluierung minimiert. Vor allem das Receiving-Corps hat sich verbessert. Der Pick von Runningback Zack Moss als Unterstützung von Devin Singletary verrät aber auch, dass Buffalo in 2020 wohl noch mehr auf das Rungame setzen will – was wiederum Allen zugute kommen dürfte.

Lamar Jackson: Letzte Zweifel ausräumen

Lamar Jackson hat aus meiner Sicht die mit Abstand besten Chancen auf die Fifth-Year-Option. Denn Ravens-Headcoach John Harbaugh und sein Staff haben die Offense in Baltimore klar auf das Rungame und die Stärke ihres Quarterback ausgerichtet. Sie sind von ihrem Spielmacher abhängig, genau wie ihr Spielmacher von ihnen abhängig ist.

Das Ergebnis der krassen offensive Veränderung war eine der explosivsten Offenses der vergangenen Saison. Waren die Fähigkeiten von Jackson 2018 noch ein Fragezeichen, explodierte der Ex-Louisville-Cardinal 2019 und führte sein Team auf beeindruckende Art und Weise in die Playoffs.

Wie die Bills setzen auch die Ravens 2020 vermutlich noch mehr auf das Rungame und drafteten in Runde zwei Runningback J.K. Dobbins als Unterstützung für Mark Ingram, Gus Edwards und Justice Hill. Devin Duvernay und James Proche sind zwei neue „Spielzeuge“ für Jackson im Receiving Corps.

Drei Fragezeichen stehen aber noch hinter Jackson. Zum Einen muss der Quarterback 2020 beweisen, dass das wahnsinnig gute Jahr 2019 nicht nur ein Ausreißer nach oben war. Außerdem zeigte die Playoff-Niederlage gegen die Tennessee Titans, dass die Ravens und Jackson Probleme hatten, einen höheren Rückstand mit dem Passing Game aufzuholen. Zu guter Letzt ließ Jackson hohe Präzision im Passspiel vermissen.

Dennoch sind die Ravens perfekt aufgestellt, um ihrem Quarterback der Zukunft optimale Umstände zu bieten. Alles andere als eine Entscheidung für die Fifth-Year-Option wäre inzwischen eine Überraschung.

Josh Rosen: Einfach nur spielen

Ein wenig außer Konkurrenz liste ich hier auch Josh Rosen auf. Denn für den Nummer-Zehn-Pick im Draft 2018 geht es in 2020 hauptsächlich darum, irgendwie Spielzeit zu sammeln. Hinter Ryan Fitzpatrick und eventuell auch hinter Nummer-Fünf-Pick 2020 Tua Tagovailoa, hat Rosen nur Außenseiterchancen auf signifikanten Impact bei den Miami Dolphins.

Rosen ist leider das Paradebeispiel für einen talentierten Quarterback, der in schlechten Umständen landet. Bei den Arizona Cardinals hatte Rosen eine der schwächsten Offensive Lines der Liga in 2018 und wurde nach der Saison zu den Dolphins getradet, wo er wiederum im schlechtesten Kader der NFL nur Backup war.