In “Way-too-Early” Mock Drafts tauchen häufig die selben Namen immer und immer wieder auf. Dabei frage ich mich bei manchen Prospects, ob der anfängliche Hype um ihr Talent überhaupt berechtigt ist. Drei Spieler sind dabei in meinem Stresstest durchgefallen. 

Trey Lance / Quarterback, North Dakota State

Der athletische Spielmacher macht vor allem mit seiner herausragenden Stat-Line von 28 Touchdowns bei keiner einzigen Interception aus dem letzten Jahr auf sich aufmerksam. Dabei werden Scouts im Gegensatz zu manchen medialen Analysten bereits jetzt genauer hinsehen.

In zwölf von 16 Einsätzen warf er für unter 200 Yards. Wenn die Öffentlichkeit bereits den leichten Schedule von Trevor Lawrence ankreiden will, sollten sie mal einen Blick auf den der North Dakota State Bisons werfen. In den letzten neun Jahren gewannen sie achtmal die FCS-Meisterschaft und spielen beinah außer Konkurrenz.

Zwar ist es unfair, den fehlenden Wettbewerb anzumarkern. Aber Trey Lance muss den Scouts schon mehr präsentieren, als klare Siege gegen Butler, Western Illinois und Youngstown State.

Seine hohe Genauigkeit beeindruckt mich. Genauso die Ruhe und Erfahrung, die Lance ausstrahlt, wenn er spielintelligent die Bälle verteilt und sich nicht auf seine bestechende Athletik verlässt. Der frühe Hype eines FCS-Quarterbacks, der sogar stellenweise mit Trevor Lawrence auf eine Stufe gestellt wird, ist damit allein aber nicht gerechtfertigt. Als Redshirt Sophomore würde er nicht einmal zum Senior Bowl 2021 eingeladen werden. Es ist also überhaupt in Frage zu stellen, ob er bereits im nächsten Jahr in die NFL geht. 

Walker Little / Offensive Tackle, Stanford

Unter technischen Aspekten gefällt mir überhaupt nicht, was Little in den vergangenen Saisons präsentiert hat. Sowohl sein Handeinsatz kommt gegen Speed Rusher zu behäbig und die Beinarbeit ist inkonstant. Das geht so weit, dass ich ihn sogar eher als Guard in der NFL aufstellen würde. Im Oberkörper lehnt er sich zurück, um überhaupt anständig seine Füße in Pass Protections zu setzen. Häufig rennen ihn Pass Rusher einfach über den Haufen.

Er muss Scouts noch eine Menge beweisen. Momentan macht er viel zu wenig aus seinen Anlagen. Der Hype, bei dem viele ihn momentan in den Top 15 auflisten, ist einfach nicht gerechtfertigt. 

Alex Leatherwood / Offensive Tackle, Alabama

Bereits über ein Jahr befindet sich Alex Leatherwood in frühen Mock Drafts und Rankings unter den Erstrundenpicks. Doch er hat nicht einmal annähernd die Klasse seines ehemaligen Teamkollegen Jedrick Wills. Mich beschleicht der Eindruck, dass Left Tackle der Alabama Crimson Tide generell hoch bewertet werden. Dabei haben sich manche “Draft Insider” möglicherweise das Tape noch nicht angesehen. Denn einen zukünftigen NFL Tackle kann ich im Bildmaterial seiner Spielszenen nicht entdecken.

Finales Big Board zum NFL Draft 2020

Zwar bewegt er sich relativ fix auf den Beinen, muss allerdings aufgrund kürzerer Armlänge zu aggressiv und weit vorgelehnt im Oberkörper agieren. In der NFL spielen ihn so Pass Rusher mit einfachen Moves aus.

Gerade bei den Positionen, wo simple Stats keine Grundlage für vernünftige Analysen bieten, schleichen sich in den “Early-Mocks” viele Ungereimtheiten ein. Kaum verwunderlich, dass momentan eher die Offensive Linemen der typischen O-Line-Universitäten vorne auftauchen.