Cheftrainer-Suche: College-Coaches für Jaguars und Cowboys?

Die NFL-Saison nähert sich schon wieder ihrem Ende. Die einen können sich über den Ausgang ihrer Saison freuen, die anderen weniger. Bei einem Teil der zweiten Gruppe wird auch in diesem Jahr wieder der Head Coach die Verantwortung und damit seinen Hut nehmen müssen.

In dieser Artikelreihe möchte ich gerne meine Wunschlösungen für die Nachfolge bei den betroffenen Teams präsentieren. Hierbei orientiere ich mich, wenn vorhanden, natürlich an offizielle Aussagen zum gewünschten Head-Coach-Profil. Außerdem achte ich darauf, welche Eigenarten die Entscheidungsträger in der Vergangenheit offenbarten. Alles weitere ist reines Wunschdenken meinerseits und zielt nicht auf eine hohe Trefferquote ab.

Heute starten wir mit Coaches, die bisher am College tätig waren.

Jacksonville Jaguars – Matt Rhule

Die Jacksonville Jaguars haben bereits Executive Vice President Tom Coughlin entlassen und zumindest der Trainerstab, wenn nicht auch der General Manager, wird ihm wohl folgen. Das Gespann hinterlässt ihren Nachfolgern eine gute Defense und in Gardner Minshew einen Quarterback, der eine ordentliche Rookie-Saison absolvierte. Ansonsten mal Hand auf’s Herz: Die Jaguars sind nicht gerade eines der attraktivsten Franchises. Aber sie sind immerhin ein NFL-Franchise und können mit dem Profigeschäft locken. Ein weiterer Vorteil eines Teams ohne großes öffentliches Interesse ist die Möglichkeit, etwas risikoreicher agieren zu können.

Ein solches Risiko wäre es, jemanden den Head-Coach-Posten und das Sagen über den Kader zu geben, der bis auf einen Assistenzjob bei den Giants noch keine NFL-Erfahrung hat. Dieser jemand ist Matt Rhule. Der Head Coach der Baylor Bears wird den meisten aus dem letzten Jahr bekannt sein, als er drei Tage nachdem viele Medien über eine Einigung mit den New York Jets berichteten in der Öffentlichkeit klarstellte, dass beide Parteien nicht zusammenfinden werden. Die Jets wollten kein solches Risiko eingehen und ihm eine Namensliste zur Zusammenstellung seines Trainerteams vorlegen.

Dadurch wird klar, dass Matt Rhule ein selbstbewusster Mensch ist, der genau weiß was er will und auf die richtige Gelegenheit wartet, statt jeden Job anzunehmen. Dabei geht es allerdings nur um seine Position und die gewünschte Handlungsgewalt. Er hat absolut kein Problem damit, einen Posten bei einem benachteiligten Team zu übernehmen. Rhule scheut sich nicht vor schwierigen Aufgaben und löst diese bisher beeindruckend.  

In seiner ersten Saison in Temple schloss das Team noch mit einer 2-10-Bilanz ab. Die beiden darauffolgenden Jahre waren jedoch zehn Siege, sowie Bowl-Teilnahmen möglich. In Baylor endete die erste Saison sogar 1–10, bevor die Bilanz auf 7–6 und eine Bowl Teilnahme verbessert wurde. In diesem Jahr konnte Baylor elf Siege zu zwei Niederlagen erzielen, wurde von der Jury zum siebtbesten Team des Landes gewählt, spielte um die Meisterschaft in der Big-12 und Rhule bekam zum zweiten Mal nacheinander die Auszeichnung zum besten Trainer. Um sich der Leistung jedoch ganz bewusst zu sein, muss ich nochmal explizit auf die Ausgangssituation verweisen.

„Was Matt Rhule bei geschafft hat, ist wirklich außergewöhnlich. Er ist ein besonderer Mann mit besonderen Werten für die Arbeit, die dort geleistet werden musste. Ich freue mich wirklich für ihn, denn (Baylor athletic director) Mack Rhoades hat in ihn investiert und die Community der Universität hat in ihn investiert.“

Waco Tribune-Herald

Der 44-Jährige ist zudem ein echter Head Coach. So betreute er während seiner Karriere bereits Linebacker, Defensive Line, Offensive Line, Tight Ends und Quarterbacks. Er war verantwortlich als Special Teams Coordinator, Offense Coordinator und zuletzt übernahm er als Head Coach in Baylor die Aufgaben eines Defensive Coordinators. Er kann also auf Erfahrung in allen Bereichen des Spiels verweisen, was einen einseitigen Blick auf den Kader ausschließen sollte.

Dallas Cowboys – Urban Meyer

Die Dallas Cowboys haben ihr Ziel in der letzten Offseason klar formuliert: Das Team muss in dieser Saison den nächsten Schritt gehen, sonst würde es allmählich schwierig für Head Coach Jason Garrett.

Derzeit halten sie zwar noch immer den ersten Platz in der NFC East, doch liegt das eher an der ebenfalls schlechten Performance der Konkurrenz. Sollte kein Wunder geschehen, werden sie mit der Spielweise nicht lange in den Playoffs überdauern. Das entspricht nicht gerade der Vorstellung, welche die Verantwortlichen vor der Saison formulierten.  

Teambesitzer Jerry Jones will sich bereits nicht mehr öffentlich zu seinem Head Coach bekennen und somit kommt der Big Player schlechthin auf den Markt.

Urban Meyer ist ein Coach ohne Erfahrung in der NFL, aber die hatten Jimmy Johnson oder Barry Switzer auch nicht, bevor Jerry Jones sie anstellte. Auch Amtsinhaber Jason Garrett bekam aufgrund persönlicher Verbindungen zum Besitzer den Posten und nicht wegen seiner vorher erlangten Referenzen. Die Dallas Cowboys arbeiten anders und somit ist auch der ehemalige Ohio State Coach im Rennen.

Urban Meyer mag zwar keine Erfahrung im Profigeschäft haben, jedoch war er an so vielen verschiedenen Orten tätig, dass ich ihm diese kaum absprechen kann. Zudem hatte er an all seinen Stationen Erfolg. An der Bowling Green State Uiversity lag seine Bilanz bei 17–6, in Utah 22-2, in Florida 65–15 inkl. zweier nationalen Meisterschaften und zuletzt 83–9 inkl. einem weiteren nationalen Meistertiel bei den Buckeyes. Meyer verließ diese nach der Saison 2018 aus gesundheitlichen Gründen und arbeitet seitdem als Analyst für den Fernsehsender FOX. Wenn er wieder soweit genesen ist, um ein Team zu übernehmen, dann macht unglaublich viel Sinn für die Dallas Cowboys.

Bei seiner letzten Station rekrutierte und trainerte er bereits Ezekiel Elliott. Dak Prescott kennt er ebenfalls über seinen ehemaligen langen Assistenten Dan Mullen, der dessen Head Coach an der Mississippi State war. Der Quarterback passt auch perfekt in das Profil Meyers, der sich Mobilität auf der Position wünscht. In seinem letzten Jahr bei den Buckeyes war er bereit das Playcalling abzugeben. Das ermöglicht den Cowboys, ihren vielversprechenden Offensive Coordinator Kellen Moore zu halten, der eine gute Beziehung zu Prescott hat.  

Ein weiterer Vorteil ist seine Expertise in der Kaderplanung, die den Cowboys gut zu Gesicht stehen würde. Nicht wenige Leute kritisieren Transfer- und Draftpolitik von Jerry Jones. Meyer kennt etliche Spieler in der NFL, sowie der zukünftigen Draft Jahrgänge. Davon konnten bereits die Seattle Seahawks profitieren, als sie Pete Carroll von der USC zu sich lotsten.

Im Interview bei The Herd mit Colin Cowherd auf die Dallas Cowboys angesprochen, fand Meyer folgende Worte über die Franchise:  

Das sind die New York Yankees, das sind die Dallas Cowboys. Das ist das eine Franchise. Tolle Stadt. Sie haben Dak Prescott, Zeke Elliott. Sie haben ein starkes Team. … Für mich ist das der einzige Job im professionellen Football, bei dem man sagt ‚Das muss ich machen'“.

THE HERD with Colin Cowherd

Wäre er also bereit den Job zu übernehmen?

“Sicher, absolut. Auf jeden Fall. Den Job? Ja.”

THE HERD with Colin Cowherd

Am 29. Dezember werde ich euch auf Instagram von 14 bis 16 Uhr zu diesem und anderen NFL Themen Rede und Antwort stehen. Schaut doch in unserer Story vorbei!

Written by Janik Aschenbrenner
Janik Aschenbrenner beschäftigt sich seit Jahren mit American Football und dessen Spielkonzepte. Im Jahr 2014 gründete er den Blog „Beardown Germany“. Für „SCOUTREPORT - Das American Football Magazin“ setzt er sich mit aktuellen Themen der NFL auseinander.

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