GFL Playoffs: Lions oder Unicorns – wer führt das Power Ranking an?

GFL Playoffs! Ab dem 21. September kämpfen acht Teams um den Einzug in den German Bowl. GFL-Experte Erik Seewald schaut sich alle Playoff-Teams an. Anders als bisher mischt er bei diesem Power Ranking die Teams aus GFL Nord und GFL Süd.

Platz 1: Schwäbisch Hall Unicorns

Beste Offense, beste Defense, keinen Punkt abgegeben. Das ist die Bilanz des amtierenden deutschen Meisters Schwäbisch Hall Unicorns. Die Unicorns können den den dritten Titel in Serie holen und ihre Siegesserie von saisonübergreifend über 50 Spielen weiter ausbauen. In der Saison erzielten die Unicorns im Schnitt über 48 Punkte pro Spiel, ließen dabei weniger als 13 Punkte pro Spiel zu. Soweit so eindrucksvoll.

Schwäbisch Hall Unicorns
Foto: Schwäbisch Hall Unicorns

Gegen die unbequemen Rebels aus Berlin müssen die Unicorns nun zeigen, dass sie auch gegen eine der unberechenbarsten Mannschaften in der GFL die gleiche Souveränität an den Tag legen können, wie gegen die Gegner der GFL Süd. Wenn die Unicorns früh in Führung gehen, ziehen sie den Rebels schnell den Stecker. Lassen die Unicorns die Rebels ins Spiel kommen, könnten die Rebels die Unicorns zumindest erschrecken.

Für mich bleiben die Unicorns der unangefochtene Favorit auf den Titel. Nicht nur Offensiv und Defensiv sind die Unicorns Ligaspitze, auch bei den Penalties rangieren sie unter den Top drei der Liga. Das spricht für die Disziplin und gutes Coaching. Beides sind integrale Bestandteile langfristig erfolgreicher Teams.

Platz 2: New Yorker Lions Braunschweig

Ebenfalls ohne Punktverlust steuern die New Yorker Lions aus Braunschweig in die Endphase der Saison. Die Lions waren dabei defensiv fast mit den Unicorns ebenbürtig: Sie ließen insgesamt nur drei Punkte mehr zu als die Unicorns. Offensiv setzen die Lions vor allem auf das Laufspiel. Mit Running Back Chris McClendon und Quarterback Brandon Connette haben die Lions gleich zwei Spieler in den Top-10-Rushern der GFL. McClendon erzielt pro Rush 7,3 Yards und 105,4 Yards pro Spiel.

Lions Braunschweig
Foto: Lions Braunschweig

Insgesamt holten die Lions 41 Touchdowns am Boden. In den GFL Playoffs gegen die Stuttgart Scorpions müssen die Lions dieses Laufspiel wieder etablieren. Ich glaube: die Lions werden gegen Stuttgart wenig Probleme haben. Immerhin treffen die Lions auf die schlechteste Defense nach Yards und die zweitschlechteste Rushing Defense der GFL. Der Gegner ist also wie gemacht für die Laufmaschinerie der Lions.

Platz 3: Frankfurt Universe

Auch wenn Frankfurt Universe das letzte, bedeutungslose Saisonspiel gegen die Marburg Mercenaries verloren hat, spielten die „Men in Purple“ eine sehr gute Saison. Offensiv und Defensiv bewegen sich die Universe in den Top vier der Liga.

Vor allem in der Offense kamen die Frankfurter immer besser in Schwung, je länger die Saison dauerte. Die gute Balance zwischen Lauf- und Passspiel sowie ein ausgeglichenes Receiver-Corps ließen die Defenses in der GFL Süd immer im Unklaren. Zwölf verschiedene Offense-Spieler trugen den Ball in die gegnerische Endzone.

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Gepostet von KickoffShow by Scoutreport am Dienstag, 10. September 2019

Defensiv trugen 2,5 Sacks pro Spiel und eine Interception pro Spiel dazu bei, die Universe weiter als klare zweite Kraft in der GFL Süd zu etablieren. Die Universe treffen in den GFL Playoffs nun auf die Hildesheim Invaders.

Frankfurt Universe
Foto: Frankfurt Universe

Frankfurt muss gehörig Druck auf den gegnerischen Quarterback Casey Therriault machen. Die Invaders haben genau dann Schwächen gezeigt, wenn es dem Gegner gelang, Therriault in unbequeme Situationen zu bringen. Eine solide Defense wird der Grundstein für den Sieg der Universe sein.

Platz 4: Dresden Monarchs

Die Dresden Monarchs erreichen ihren fast schon gewohnten zweiten Platz in der GFL Nord. Allerdings mussten die Monarchs in diesem Jahr bis zum letzten Spieltag warten, um das Heimspiel im Playoff-Viertelfinale zu buchen.

Dresden Monarchs
Foto: Dresden Monarchs

Die Verteidigung der Monarchs glänzte mit 22 Interceptions und 23 Sacks. Weiterhin wurden sechs Fumbles des Gegners aufgenommen. Diese Defense wird sich gegen die Marburg Mercenaries (drittbeste Scoring Offense) behaupten müssen. In der Offense haben die Monarchs die Auswahl zwischen zwei Quarterbacks: Zack Greenlee verlor aber in den vergangenen Spielen seinen Starting Spot an Glen Cuiellette.

Platz 5: Hildesheim Invaders

Nur ein Sieg aus den letzten vier Saisonspielen. Die Hildesheim Invaders sahen lange wie die neue, zweite Kraft im Norden aus. Mitte August kam dann der Einbruch. Nach der Verletzung von Star-Quarterback Casey Therriault im Rückspiel gegen die New Yorker Lions aus Braunschweig kamen die Invaders erst am letzten Spieltag wieder in Schwung.

GFL Power Ranking von Erik Seewald
Das GFL Power Ranking von Erik Seewald. Foto: Sonja Matysiak Photography

Zwischenzeitlich war sogar Platz drei in der GFL Nord in Gefahr. Zu allem Übel entließ man vor dem letzten Spieltag noch Headcoach, Offensive Coordinator und Defense Coordinator. Mit neuer Führung muss die Mannschaft nun als Tabellen-Dritter der GFL Nord zu den Frankfurt Universe reisen.

Die Offense um Therriault, Nathaniel Morris und Dablé-Wolf muss wieder zeigen, wie explosiv sie sein können. Dass die Invaders das Zeug dazu haben, gegen unbequeme Gegner zu gewinnen, haben sie gezeigt. Letztendlich wird das Team gewinnen, das weniger Fehler macht. Kann Therriault aufdrehen, ist er allerdings der Spieler, der in jedem Spiel den Unterschied machen kann.

Platz 6: Marburg Mercenaries

Offense Top, Defense mittelmäßig. So würde ich die Performance der Marburg Mercenaries in der regulären Saison zusammenfassen. Mit über 440 Yards pro Spiel erzielten die Mercenaries die meisten Yards aller GFL-Teams. Defensiv haben die Mercenaries aber einige Defizite: Vor allem gegen das Passspiel der Gegner fand Marburg selten die richtigen Lösungen. Trotzdem reichte es für neun Siege und Platz drei in der GFL Süd.

Marburg Mercenaries
Foto: Marburg Mercenaries

In den GFL Playoffs muss das Team die Reise nach Dresden antreten, die ihrerseits das drittbeste Passing Team der Liga sind. Es sieht alles nach einem Offensivfeuerwerk aus, in das die Mercenaries als kleiner Underdog gehen werden.

Nichtsdestotrotz werden die Spieler um Quarterback Jakeb Sullivan alles dafür tun, um in Dresden erfolgreich zu sein. Entscheidend aus Sicht der Mercenaries wird auch sein, ob Linebacker Justus Moreland (zehn Sacks in der regulären Saison) im Backfield der Monarchs Alarm auslösen und gegnerischen Quarterback zu Fehlern zwingen kann.

Platz 7: Berlin Rebels

Die Berlin Rebels sind so etwas wie die Wundertüte der GFL. Oft konnten die Rebels Favoriten wie Hildesheim oder Dresden ärgern, teilweise sogar schlagen. Mit einem Sieg am letzten Spieltag wäre unter Umständen sogar noch Platz zwei in der GFL Nord möglich gewesen. Dazu kam es nicht und so müssen die Rebels aus der Hauptstadt die lange Reise nach Schwäbisch Hall antreten, um gegen den Meister der letzten beiden Jahre anzutreten.

Berlin Rebels
Foto: Berlin Rebels

Diese Reise ist nicht nur lang, sondern auch bekannt: schon 2016 und 2017 mussten die Berliner nach Schwäbisch Hall, beides mal gab es eine Niederlage. Noch nie konnten sich die Rebels für das Halbfinale der GFL qualifizieren.

Dass sich dies in diesem Jahr ändert, ist zweifelhaft, spielt man doch gegen die scheinbar übermächtigen Unicorns. Vielleicht ist aber genau das die Chance des Teams um Quarterback Kurt Palandech. Dafür muss aber viel zusammenlaufen. Defensiv müssen die Rebels ultra-aggressiv agieren, um die Unicorns aus der Komfortzone zu bringen. Gelingt das, haben die Rebels eine Chance, die lange Siegesserie der Unicorns zu beenden.

Platz 8: Stuttgart Scorpions

Mit fünf Niederlagen in Serie reisen die Stuttgart Scorpions nach Braunschweig. Das einzige Playoff-Team, das sich mit einem negativen Record aus der regulären Saison in die Playoffs retten konnte, hat dabei nur gegen ein Team der GFL Süd beide Spiele gewinnen können. Statistisch findet man die Scorpions offensiv eher im Mittelfeld der GFL-Mannschaften. Defensiv muss man sich schon die unteren Regionen anschauen, um die Scorpions zu finden.

Gegen Braunschweig trifft Stuttgart auf die beste Rushing Offense der Liga. Es muss ein kleines Wunder geschehen, damit die Scorpions in das Halbfinale der GFL einziehen. Die Scorpions müssen den Gegner überraschen, etwas Unkonventionelles ausprobieren. Selbst wenn das gelingt, wird es schwer, die ungeschlagenen New Yorker Lions aus Braunschweig zu überwinden.

Erik Seewald
Autor: Erik Seewald
Erik Seewald ist der Taktik-Experte von SCOUTREPORT – Das American Football Magazin und ist für die Berichterstattung über die GFL zuständig. Er ist seit über einem Jahrzehnt für die Berlin Adler tätig – erst als Spieler, später als Statistiker und Coach. Mit dem Team holte er zweimal den Euro Bowl und einmal den German Bowl.

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