Football-Fotograf Mario Güldenhaupt ist Mr. Blickfang. Der footballbegeisterte Fotograf treibt sich gerne auf dem Gridiron herum, um Mannschaften, Spieler und Momente abzulichten.

Im Interview spricht Mario über seine Leidenschaft, das perfekte Football-Foto und die Schwierigkeit, American Football zu fotografieren.

SCOUTREPORT: Mario, wie nahe gehst Du als Football-Fotograf an das Spielfeld heran? Es besteht ja Tackling-Gefahr.

Mario Güldenhaupt: Ich fotografiere nicht klassisch wie die meisten Sportfotografen. Beim Fußball zum Beispiel sieht man ja häufig riesige Objektive, die haben längere Brennweiten. Die habe ich auch dabei, aber ich gehe am liebsten so nah ran, dass die Schiedsrichter mich im Auge behalten.

Berlin Adler gegen Berlin Rebels. Foto: Mr. Blickfang
Berlin Adler gegen Berlin Rebels. Foto: Mr. Blickfang

SCOUTREPORT: Du wirst also öfter von den Schiedsrichtern weggeschickt, weil Du zu nah dran bist?

Mario Güldenhaupt: Ja, das kommt schon mal vor.

SCOUTREPORT: Wie bereitest Du Dich als Fotograf auf ein Football-Spiel vor?

Mario Güldenhaupt: Nicht wirklich, da alles spontan ist.

Kiel Baltic Hurricanes. Foto: Mr. Blickfang
Die Kiel Baltic Hurricanes spielen in der GFL Nord. Foto: Mr. Blickfang

SCOUTREPORT: Was ist das Reizvolle daran, American Football zu fotografieren?

Mario Güldenhaupt: Für mich ist es die Sportart mit den meisten Emotionen am Spielfeldrand. Ich wurde 1992 mit Football infiziert, das hatte für mich so ein richtiges amerikanisches Flair. Das versuche ich, auf den Fotos umzusetzen.

SCOUTREPORT: Was war da genau 1992?

Mario Güldenhaupt: Chicago Bears gegen San Francisco 49ers mit Joe Montana, den ich damals noch nicht so wertschätzen wusste. Das war ein Pre-Season-Game hier im Berliner Olympiastadion.

„Am liebsten wüsste ich die Spielzüge von den Trainern“

SCOUTREPORT: Du fotografierst das Drumherum bei einem Football-Spiel, aber auch die Action auf dem Feld. Football ist ein sehr schnelles Spiel. Wie schwierig ist es, genau den richtigen Moment einzufangen?

Mario Güldenhaupt: Am liebsten wüsste ich die Spielzüge von den Trainern. Manchmal stehe ich auf der falschen Seite, weil der Receiver auf der Gegenseite den Ball bekommt. Und ich möchte ja gerne nah ran! Entweder nimmst du dir einen Spieler raus und konzentrierst dich auf den für die nächsten zwei, drei Spielzüge. Oder du versuchst, den Ball zu bekommen – ähnlich wie der Kameramann im Fernsehen.

SCOUTREPORT: Wie viele Fotos machst Du während eines Spiels?

Mario Güldenhaupt: Im Schnitt zwischen 700 bis 1000. Das sind nicht viele. Ich habe von anderen Fotografen gehört, die machen mehr. Aber ich mache zwischendrin auch mal Pausen, um das Spiel auf mich wirken zu lassen.

SCOUTREPORT: Wie viel Zeit brauchst Du, um die Bilder eines Spiels durchzusehen?

Mario Güldenhaupt: Ich schaue auf jeden Fall alle durch, weil ich will das ultimative Bild finden. So lange, wie es dauert, die Fotos zu machen, so lange dauert auch das Sichten und das Bearbeiten.

Poststadion in Berlin. Foto: Mr. Blickfang
Das Poststadion in Berlin. Foto: Mr. Blickfang

SCOUTREPORT: Du hast GFL-Teams fotografiert, machst derzeit Fotos von den Berlin Bullets in der vierten Liga. Sportlich gesehen ein großer Unterschied. Macht es für Dich als Fotografen auch einen Unterschied?

Mario Güldenhaupt: Lass es mich so sagen: Zu Beginn hatte ich Schüler-Mannschaften fotografiert und bin dann zu den Männern gewechselt. Das macht schon einen Unterschied. Da geht es einfach mehr zur Sache, das merke ich auch auf den Fotos, weil mehr Kraft dahinter steckt. In der ersten Liga kommt mehr Athletik rüber als in der vierten, und manchmal auch mehr Kraft. Aber nicht so sehr, dass der Betrachter der Fotos das merken würde.

Foto: Mr. Blickfang
Mario geht am liebsten so nah wie möglich an die Spieler heran. Foto: Mr. Blickfang

SCOUTREPORT: Was macht für Dich das perfekte Football-Foto aus?

Mario Güldenhaupt: Für mich ist das nicht ein Action-Foto, sondern ein Bild, auf dem Emotionen rüberkommen. Wenn Spieler weinen oder wenn ein Spieler kniet, weil er erschöpft ist.