Eine Besonderheit, die der College Football bietet, sind die Teams, die keiner Conference angehören. Sie sind sogenannte Independents, die ihren Spielplan unabhängig zusammenstellen können und um keine Conference-Meisterschaft spielen. Diesen Status haben in der Geschichte ein Großteil aller Programme mehr oder weniger lang inne gehabt. Speziell in der Anfangszeit starteten College Football Programme unabhängig von anderen Teams. Da der College Football generell ein regional geprägter Sport war und die nationale Aufmerksamkeit ohne einen nationalen Meister keinen hohen Stellenwert hatte.

Mittlerweile sind von 130 FBS-Teams (höchste Wettbewerbsebene im College Footbll) nur noch sieben Teams Independents. Hiervon spielt gerade mal ein Team auf Power-5 Niveau (Notre Dame), während der Rest eher der Group-of-5 zuzuordnen ist. In dieser Preview möchte ich dir drei Independents vorstellen, die zum einen historisch eine große Rolle gespielt haben und auch noch im aktuellen Jahr ein gewisses Prestige besitzen.

Notre Dame Fighting Irish

Die Fighting Irish sind ein Mythos im College Football, quasi eine Art ein Folklore. Die katholische Universität in South Bend, Indiana, ist besonders im deutschprachigen Raum ein Synonym für den College Football. Aufgrund ihrer sehr hohen akademischen Standards und ihrer reichhaltigen Historie besitzen die Fighting Irish aber auch in den Staaten ein besonderes Ansehen. Bereits vor dem zweiten Weltkrieg war es das Football Team, welches auch über die eigene Staatsgrenze hinaus beliebt war. Die Fighting Irish wurden gar als New York Yankees des College Footballs bezeichnet. Da sie unter dem legendären Head Coach Knute Rockne erfolgreiche Saisons am laufenden Band abspulten.

Diese Zeiten der Dominanz sind mittlerweile vorbei. Zwar gehört Notre Dame immer noch regelmäßig zu den 10 bis 15 besten Teams des Landes, zur absoluten Spitze aber langte es seit über drei Jahrzehnten nur ausnahmsweise mal. Grund dafür sind zum einen das bereits erwähnte hohe akademische Niveau, welches nur ein kleiner Teil der Recruits erreicht. Zum anderen ist die Tatsache, dass der College Football nicht mehr regional, sondern national geprägt ist, für ein Independents Team wie Notre Dame nicht mehr vorteilhaft.

Kurz: Keine Conference-Teilnahme, weniger Aufmerksamkeit. Die Fighting Irish spielen zwar Jahr für Jahr einen der härtesten Schedules im Lande. Bekommen aber nie die Möglichkeit am Ende der regulären Saison ein Ausrufezeichen in einem Conference-Endspiel zu setzen.

Die finanzielle Lage der Fighting Irish

Die Notre Dame University ist eine private Hochschule und muss daher keinen finanziellen Rechenschaftsbericht ablegen. Durch die hohen akademischen Standards ist jedoch davon auszugehen, dass Geld in South Bend nicht knapp ist. Durch einen Deal mit der ACC, der einen Teil des Notre Dame Schedules für wechselnde Partien mit Konkurrenten aus der Conference blockt, erhalten die Irish knapp 8 Mio. US-Dollar im Jahr.

Zusammen mit dem exklusiven TV-Deal mit NBC, welcher dem Sender die Rechte an allen Notre Dame-Heimspielen beschert, sind das ca. 23 Millionen US-Dollar. Hinzu kommen noch 9 Millionen aus dem Ausstattervertrag mit Under Armour. Summa summarum liegen die Einnahmen aus diesen Verträgen damit aber immer noch unter dem der ACC und der Big 12 und deutlich unter denen von SEC und Big Ten.

Die TV-Landschaft im College Football

Der Druck einer Conference beizutreten dürfte damit in den nächsten Jahren nicht kleiner werden. Bis 2025 ist Notre Dame allerdings noch an NBC gebunden. Zu erwähnen ist außerdem noch, dass Notre Dame in anderen Sportarten bereits nicht mehr zu den Independents gehört, sondern Teil der ACC ist, im Eishockey Teil der Big Ten.

Die Fighting Irish Offense 2020

Kommen wir zum Sportlichen. Head Coach Brian Kelly kehrt für seine elfte Saison nach South Bend zurück. Nach einigen Jahren, in denen der Trainerstuhl Kellys wärmer wurde, hat sich die Situation mittlerweile beruhigt. In den letzten drei Saisons erzielte das Football Programm von Notre Dame jeweils zweistellige Siegeswerte. In der Saison 2018 erreichten sie sogar die Playoffs, scheiterten jedoch klar an den Clemson Tigers. Der Abstand zu den absoluten Top-Teams im Lande ist immer noch deutlich.

In 2020 freuen sich die Irish auf die Rückkehr von Senior Ian Book. Book geht in sein fünftes Jahr, sein drittes Jahr als Starter und er ist vor allem über die tiefen Bälle eine konstante im Angriffsspiel.

Book ist außerdem der beste, rückkehrende Rusher in 2020. Mit 546 Yards und 4 Touchdowns ist er jetzt nicht der typische Dual-Threat Quarterback, doch macht ihn das variabler. Gut für Book: Er spielt hinter einer sehr erfahrenen O-Line. 90% der Vorjahres-Starts kehren zurück. Alle fünf Starter kehren zurück, davon die beiden sehr talentierten Tackles Liam Eichenberg und Robert Hainsey.

Auf den Skill-Positionen sieht es nicht ganz so rosig aus. Wide Receiver Javon McKinely ist mit 268 Receiving-Yards und 4 Touchdowns der produktivste Receiver. Sie erhalten mit Kevin Austin einen sehr talentierten Junior Wide Receiver für 2020 zurück, der im Vorjahr gesperrt war. Außerdem kommt via Transferportal Tight End Bennett Skowronek von den Northwestern Wildcats, der als klassischer Tight End und als Outside-Receiver eingesetzt werden kann.

Running Back Jafar Armstrong dürfte die Nr 1. im Backfield sein. 2019 war kein gutes Jahr für ihn, verletzte er sich doch im ersten Drive der Saison so schwer, dass er operiert werden musste.

Die Fighting Irish Defense 2020

Mit Defensive Ende Julian Okwara verließ ein hochtalentierter Pass Rusher South Bend in Richtung NFL. Mit Adetokunbo Ogundeji (Redshirt Senior) steht allerdings schon das nächste Talent bereit, den gegnerischen Quarterbacks das Leben schwer zu machen. Zusammen mit Daelin Hayes dürfte es eine sehr produktive Zange auf den Außen geben. Auf der Linebacker-Position kehrt Jeremiah Owusu-Koramoah zurück.

Er war mit 13,5 Tackles for Loss und 5,5 Sacks einer der produktivsten Spieler der Front Seven. Daneben dürfte Drew White eine wesentliche Rolle im Linebacker Corps einnehmen. 8 Tackle for Loss und 2 Sacks stehen bei Drew White auf dem Konto von 2019.

Die Secondary hat mit Sophomore-Safety Kyle Hamilton ein echtes Juwel in ihren Reihen. Er ist nach Pro Football Focus in der Top-20 der wichtigsten Rückkehrer unter den Defensive Backs. Seine Stärken hat er in der Pass Coverage und erlaubte ein Passer Rating von gerade einmal 1,3. Mit Mike Mickens erhalten die Irish einen neuen Cornerbacks-Coach, der das Recruiting auf dieser Position wieder ankurbeln soll.

Wer die Starter-Rollen übernehmen wird, ist noch nicht klar. Neben NC State Transfer Nick McCloud stehen mit Shaun Crawford and junior TaRiq Bracy zwei weitere Spieler mit Spielerfahrung zur Verfügung.

Das Recruiting der Fighting Irish

In den letzten drei Recruiting-Zyklen erreichten die Fighting Irish nur einmal knapp die Top-10 nach 247Sports-Komposit. In den Top-20 ist man Dauergast. Dies ist hervorragend im Vergleich zu den anderen Independents, aber es es zeigt auch eindeutig, dass Notre Dame im College Football weiterhin ein ganzes Stück von den Top-Teams entfernt ist. Immerhin: Als nationale Brand rekrutiert Notre Dame landesweit und ist nicht auf den mittleren Westen fokussiert, deren Top-Talente von Ohio State quasi weggesaugt werden.

Ausblick auf 2020

Notre Dame hat traditionell einen spektakulären Schedule zu bieten. Unter anderem spielen sie gegen Wisconsin (Lambeau Field), gegen Stanford, zu Hause gegen Clemson und zum Abschluss bei den USC Trojans. Dies sind allesamt potentielle Stolpersteine, die in der Qualität fast jede Saison auf Notre Dame warten. Entsprechend niedrig liegt das Win-Total für 2020. Vegas traut den Irish gerade einmal 8 Siege zu, was aus meiner Sicht zu wenig ist.

Das Talent ist da und eine erneute Saison mit einer zweistelligen Anzahl an Siegen ist auf jede Fall möglich. Ich gehe zwar nicht von einer Playoff-Teilnahme aus, aber eine 10-2 Saison ist definitiv drin.

BYU Cougars

Eine Nummer kleiner ist das Programm der Brigham Young University in Provo, Utah. Die Cougars spielen zwar auf Group-of-5 Niveau, sind aber immerhin das letzte nicht Power-5 Team, welches nationaler Meister geworden ist. Die Cougars waren bis 2010 Teil der Mid-West Conference und zählt seitdem zu den Independents. Gründe für den Austritt waren, dass zum einen Erzrivale Utah den Weg in die damaliga Pac-10 (heute Pac-12) gesucht hat und zum anderen die Cougars unzufrieden mit der Tatsache waren, dass ihre TV-Präsenz in der Mountain West nicht gerade üppig war. Seit ihrer Unabhängigkeit kassierte BYU nur eine Losing Season. Die letzten drei Jahre waren allerdings eher durchschnittlich. 2017 gab es die besagte Losing Season mit 4-9, danach spielten die Cougars mit jeweils 7-6 nur knapp über .500.

Die BYU Cougars 2020

Die Saison 2019 war geprägt durch einiges an verletzungsbedingter Inkonstanz auf der Quarterback-Position. QB Zach Wilson spielte die meisten Snaps und kehrt 2020 zurück. Seine Total Stats mit 199/319 Pässen, 2382 Pass-Yards, 11 Touchdowns und 9 Interceptions sind zwar nicht besonders beeindruckend, aber es war auch erst sein Sophomore-Jahr.

Mit Jaren Hall und Baylor Romney stehen aber immerhin zwei Alternativen bereit, die im Vorjahr bereits eine relevante Anzahl an Snaps gespielt haben. Die Cougars waren immerhin mit ihrem Outside-Rushing erfolgreich. Wer jedoch die Hauptrolle im Backfield haben wird, ist noch nicht klar. Zur Verfügung stehen unter anderem Utah-Transfer Devonta’e Henry-Cole, Sione Finau, der jedoch im Januar am Kreuzband operiert wurde, und Lopini Katoa.

Auf der Receiver Position kehrt Tight End Matt Bushman für ein letztes Jahr zurück. Bushman war mit 688 Receiving-Yards und 4 Touchdowns der erfolgreichste Receiver des Vorjahres. Die nächsten drei Top-Targets des Vorjahres kehren nicht zurück, wovon Gunner Romney profitieren wird.

Während in der Offense immerhin 77% der Vorjahres-Production zurückkehren, sind es in der Defense gerade mal 62%. Mit gerade einmal 17 Sacks gehörten die Cougars nicht gerade zu den gefährlichsten Teams, was den Pass Rush betrifft. Die Defense gilt als wenig Blitz-freudig. Immerhin kehren Khyiris Tonga und Lorenzo Fauatea zurück, die sich 2020 Namen als Playmaker verdienen können.

Die Secondary wiederum war von Verletzungen gebeutelt. Mit Cornerback Chris Wilcox und Safety Troy Warner kehren zwei genesene Spieler mit großem Starter-Potenzial zurück.

Ausblick BYU 2020

Die Erwartungen für das Independents Team von Head Coach Kalani Sitake sind nicht besonders hoch. Mit einem prognostizierten S&P+ Wert von 2,7 liegen sie gerade minimal über dem Wert von 2019 (1,3). Vegas sieht sie bei 6,5 Siegen und die Spiele bei Utah, gegen Michigan State, bei Arizona, bei Minnesota und bei Boise State sind allesamt harte Brocken. Hinzu kommt noch ein Vergleich zu Hause gegen SEC-Team Missouri. In Folge dessen sehe ich hier eine Bilanz unterhalb der 6,5 Siege.

Army Black Knights

Neben den Navy Midshipmen und den Air Force Falcons sind die Army Black Knights eine von drei sogenannten Service-Academy Programs. Allerdings sind sie die letzte verbliebene Academy unter den Independents. Als militärische Institution wird die Akademie und das traditionsreiche Football-Programm vollständig durch die US-Regierung finanziert. Der wesentliche Unterschied ist, dass die Spieler keine reinen Student-Athletes sind, sondern Soldaten. Diese Cadets gehen in der Regel nach ihrer akademischen Zeit nicht in den NFL-Draft, sondern übernehmen eine Funktion in der US-Army. Zumindest war es bis zum Ende der vergangenen Saison der Fall. US-Präsident Trump hat es Spielern der Service-Academies durch ein Dekret erlaubt, ihr militärisches Engagement auf Kosten einer professionellen Karriere nach hinten zu schieben. Nun sind Football-Recruits dieser Institutionen immer noch in erster Linie Soldaten und werden nur in zweiter Linie wegen ihres Football-Talents rekrutiert. Insofern dürfte diese Regelung weiterhin nur in Ausnahmefällen zur Anwendung kommen.

Die Army Black Knights 2020

Auch 2020 werden die Black Knights offensiv auf ihre lauflastige Flexbone Triple Option Offense setzen. Eine Offense, die zwar beliebt bei Service-Academies ist, aber mittlerweile im College Football die Ausnahme ist.

Das Passspiel findet in diesem System nur sehr dosiert statt, was diese Offense jedoch nicht ungefährlich macht. Auf der Quarterback-Position wird im kommenden Jahr voraussichtlich Jabari Laws Kelvin Hopkins Jr. ersetzen. Hopkins war der beste Rusher des Teams, was in dieser Offense nicht überraschend ist. Überraschend ist hier die Tatsache, dass er verletzungsbedingt nur die Hälfte der Saison gespielt und diese Position gehalten hat.

Eine Herausforderung bleibt der Umbau der Offensive Line. JB Hunter wird wohl Center spielen, während 300-Pound Schwergewicht Peyton Reeder auf Guard ran darf. Letzterer kehrt nach einer überstandenen Meniskusverletzung zurück. Unter den Receivern ist 6-2 Wide Receiver Camden Harrison der Go-to-Guy. Er ist erfolgreichste Receiver des Programms seit der 2013er-Saison. Seine Bilanz in 2019: 25 Catches, 433 Rec-Yards und 3 Touchdowns.

In der Defense wiegt der Verlust vom besten Tackler des Teams schwer. Linebacker Cole Christensen kam auf starke 112 Tackles, davon 3,2 for Loss und 2,5 Sacks. Daneben werden auch Cornerback Elijah Riley und Safety Ran Velez fehlen, die ebenfalls sehr gute Boxspieler waren. Zwar hat die Defense mit Kwabena Bonsu und Nick Stokes zwei echte Brocken für die Line, aber der richtige Pass Rusher sind die beiden nicht, was eine echte Schwäche dieser Defense sein könnte.

Das Team von Head Coach Jeff Monken geht laut Vegas mit einem Win Total von 6 Siegen in die neue Saison. Höhepunkt im Schedule ist das Heimspiel gegen Oklahoma, welches sie vor zwei Jahren auswärts an den Rand einer Niederlage gebracht haben. Letztes Jahr musste Michigan fast dran glauben. Der Rest des Schedules ist aber bei weitem nicht so prominent, weshalb ich an ein Over glaube und die Black Knights bei 7 bis 8 Siegen sehe. Das alljährliche Ziel die Commander-in-Chief Trophy gegen Navy und Air Force zu gewinnen, ist dennoch ein etwas zu großes Unterfangen.

Weitere Independents in der Kurzübersicht

Die Liberty Flames, Programm der neorechten Uni im Bundesstaat Virginia gehen in ihre dritte FBS-Saison. Head Coach ist dort Hugh Freeze, der bereits in der SEC gecoached hat. Ohne ihren Ausnahme-Receiver Antonio Gandy-Golden wird der Aufwärtstrend in 2020 vermutlich gebremst.

Die UConn Huskies gehen in ihr erstes Independents-Jahr nach dem Ausscheiden aus der AAC. Viel ist von Huskies nicht zu erwarten. Sie beendeten das Jahr 2019 als Nr. 126 von 130 nach S&P+. Das ist auch die Position mit welcher sie für 2020 projected werden. Noch düsterer sieht es bei New Mexico State und UMass aus. Ersterer sind als Nr. 128, letztere als Nr. 129 für die kommende Saison gerankt. UMass spielt übrigens am ersten Spieltag bei UConn. Spannung ist garantiert.

Peter ist College Football Fan mit Leib und Seele. Neben den Oklahoma Sooners und der Big 12 verfolgt er alle anderen Conferences regelmäßig und interessiert sich für alle möglichen Details der Nachwuchsliga. Insbesondere das Recruiting von High School Spielern, den NFL-Stars von morgen, beobachtet er intensiv.