Jedes Talent hat eine Entwicklung zu vollziehen und kein Spieler kommt völlig ausgereift in die NFL. Auch in der Front Seven haben die Defensive Linemen und Linebacker der Colleges noch einiges zu beweisen, ehe es sie in die NFL über den Draft zieht.

Die besten Talente im nächsten Draft

Vor ihrer letzten Saison erstelle ich gern ein Aufgabenblatt für die einzelnen Spieler. Damit lässt sich dann sehr gut die Arbeit an Fähigkeiten und die bisherige Entwicklung festmachen. Außerdem erhalte ich eine Übersicht, woran das Talent in der NFL noch explizit zu arbeiten hat und wie ich die Erfolgschancen dabei einschätzen kann. 

Gregory Rousseau / Edge, Miami (FL)

Rousseau geht in seine dritte aktive Saison und hat das Potential sehr früh in der ersten Runde des nächsten Drafts ausgewählt zu werden. Er dürfte für die ersten Teams, die keinen neuen Quarterback suchen, eine Option sein. Beobachten sie sein Videomaterial des abgelaufenen Jahres, werden sie ihn als Verstärkung ihrer Front Seven in den Blick nehmen. Die Anlagen für einen NFL Edge Rusher sind exzellent und die nötigen Fähigkeiten arbeitet der ehemalige Defensive Back immer weiter aus.

Fehlende Erfahrung und schwache Konkurrenz in seinen Matchups schmälern derzeit noch sein Ansehen. Daher muss er die wenigen Gelegenheiten in der kommenden Saison nutzen, um Scouts von seiner positiven Entwicklung zu überzeugen.

Zuallererst muss er dazu natürlich gesund bleiben. Dann sollte er sich technisch verfeinern und variabler spielen. Momentan verlässt er sich zu sehr auf seinen unnachahmlichen Bull Rush. Die Gefahr, so als One-Hit Wonder zu enden, ist ohne Weiterentwicklung gegeben. Denn Gegenspieler können sich in Zukunft darauf einstellen. Trotz 15,5 Sacks und 19,5 Tackles for Loss ist Rousseau noch kein konstanter Edge Defender gegen den Passangriff und den Lauf des Gegners. 

Woche 4: @ Michigan State Spartans, Woche 8: vs. North Carolina Tar Heels, Woche 10: vs. Florida State Seminoles

Micah Parsons / Linebacker, Penn State

Schaue ich mir das Videomaterial zu Micah Parsons an, entdecke ich schon jetzt einen Every-Down Player. Gegen den Lauf kann er die Gaps penetrieren und ist in der Lage es mit massigen Ballträgern aufzunehmen. Gegen den Pass hat er die Geschwindigkeit, um von Seitenlinie zu Seitenlinie große Räume zu verteidigen. Dazu kommt ein Antritt und das Timing für brandgefährliche Blitzes geradwegs in die gegnersiche Pocket.

Hinter den Ohio State Buckeyes ist das Rennen in der Big Ten völlig offen. Enge Duelle versprechen gleichzeitig wichtige Matchups für den künftigen Anführer in der Defense der Nittany Lions.

Arbeiten muss Parsons an seinem Pad Level und seinen Fähigkeiten, sich von herannahenden Blockern zu lösen. Zu häufig erlaubt er gegen erfahrene Runningbacks sonst Räume für offenen Laufwege nach scharfen Cuts. Dann könnte er noch aggressiver spielen und Ballträger früher stoppen.

Gespannt bin ich auch, ob er die an ihn geforderte Führungsrolle in seiner Front Seven stemmen kann. Nur als ausdauernder Playcaller wird er NFL Teams auf dem nächsten Level mit seinen athletsichen Anlagen soweit beeindrucken, dass sie ihn in den Top Ten draften wollen.

Woche 7: vs. Iowa Hawkeyes, Woche 8: vs. Ohio State Buckeyes, Woche 11: vs. Michigan State Spartans

Dylan Moses / Linebacker, Alabama

Moses besitzt bereits enorme Fähigkeiten. Dabei stammt seine letzte Spielszene, die ich betrachten konnte, aus der Saison 2018. Aufgrund eines Kreuzbandrisses in der Vorbereitung musste er nämlich im letzen Jahr komplett aussetzen. Ob er für den Draft weiterhin seine besondere Athletik in die Waagschale legen kann, bleibt daher der wichtigste Punkt bei seiner künftigen Beobachtung.

Basierend auf seinem 2018er Tape ist Moses ein vollwertiger Every-Down Spieler, der vor allem gegen den Pass weite Räume verteidigt und gefährliche Blitzes vorträgt. Bemerkenswert sind seine bereits vorhanden Fähigkeiten als Manndecker gegen Tight Ends und Runningbacks, sowie seine weit entwickelte Technik, sich von herannahenden Blockern zu lösen.

Was ihm fehlt, ist Spielerfahrung. Moses lässt sich von Play Fakes und Option Plays noch leicht aus der Fassung bringen. Gerade seine Entscheidungsfindung in künftigen Duellen mit Quarterbacks wie Jamie Newman oder Bo Nix sind für mich entscheidend bei der Bewertung. Außerdem bin ich gespannt, was Offensiv-Coach Mike Leach für Dylan Moses und Alabamas Defensive Front bereithält.

Woche 3: vs. Georgia Bulldogs, Woche 7: vs. Mississippi State Bulldogs, Woche 13: vs. Auburn Tigers

Marvin Wilson / Defensive Linemen, Florida State

Überraschend erklärte Marvin Wlson im Winter, dass er sich nicht zum NFL Draft 2020 anmeldet und sein Senior-Jahr an der Florida State begehen will. Dabei wäre er laut vieler Insider bereits im April in Runde Eins ausgewählt worden. Schon 2016 sorgte der gebürtige Texaner für Furore als der hochbewertete Fünf-Sterne-Rekrut sich gegen die Texas Longhorns entschied und sämtliche Angebote der besten SEC-Teams ausschlug um nach Tallahassee, Florida zu gehen

Nach einer gewissen Eingewöhnung erfüllte der Top-Athlet die hohen Erwartungen und präsentiert sich seitdem auf und neben dem Platz als absoluter Führungsspieler. Da ist die Frage erlaubt, ob er bei Scouts seinen Draft Stock überhaupt noch verbessern kann.

Die Antwort: Ja, er kann. Denn als produktiver Pass Rusher tat sich Wilson bisher nicht hervor. Der konstante Anker in der “Noles” Front Seven verlässt sich zu sehr auf seine beeindruckende Athletik und scheint kaum Techniken im Pass Rush ausgearbeitet zu haben. Seine peitschenden Hiebe sind beeindruckend. Jedoch wird er sie konstanter vortragen müssen und weitere Fähigkeiten hinzufügen, um in Zukunft als elitärer Defensive Linemen in der NFL durchzugehen.

Vor allem gegen technisch gut ausgebildete Offensive Lines sollte er sich in meinen Augen daher besonders hervortun. Gelegenheiten erhält er dazu an der Atlantikküste.

Woche 9: vs. Pittsburgh Panthers, Woche 11: vs. Boston College Eagles, Woche 13: vs. Florida Gators

Jaylen Twyman / Defensive Linemen, Pittsburgh

Seit seiner Ankunft in Pittsburgh sind die Vergleiche zu Aaron Donald stetiger Begleiter von Jaylen Twyman. Körperlich und mental will sich der 20jährige auf jeden Fall mit seinem Vorbild messen. Und es ist durchaus realistisch, dass er der erste Firstrounder der Panthers seit 2014 ist. Vor allem wenn er die nächste Saison mit zweistelligen Sackzahlen folgen lässt. Sein Weg in eine NFL Defensive Front scheint also bereits vorbestimmt.

Genau wie Aaron Donald ist Twyman für einen Defensive Tackle eigentlich zu klein geraten, macht die fehlende Länge aber mit einer beeindrucken Beweglichkeit mehr als wett. Als Two-Gap Verteidiger werden beide nicht angesehen. Twyman ist gegen den Lauf am effektivsten, wenn er in der Manier eines Pass Rushers den Ballträger attackiert.

Mehr Konsistenz in seinem Spiel wünsche ich mir, indem er weiter an unterschiedlichen Pass Rush Moves arbeitet. Dazu möchte ich vor allem gegen die wesentlich größeren Guards von der Notre Dame University sehen, wie er sich in bereits verlorene Reps zurückkämpfen kann und sich nicht einfach aushebeln lässt.  

Woche 5: @ Miami Hurricanes, Woche 7: vs. Notre Dame Fighting Irish, Woche 9: @ Florida State Seminoles