Die Entwicklung der NFL von 2010 bis 2019

Ein weiteres Jahrzehnt Football geht zu Ende. Und was für historische Momente haben wir in diesem erlebt: Die NFL feierte 2016 den 50. Super Bowl ihrer Geschichte und im Jahr 2019 ihr 100-jähriges Bestehen.

Wer hat dieses Jahrzehnt geprägt?

Wenn wir in der NFL auf Spieler schauen, dann meist auf Quarterbacks. Und wenn wir auf die besten Quarterbacks schauen, dann haben dieses Jahrzehnt hauptsächlich Teams mit Quarterbacks dominiert, die bereits im vergangenen Jahrzehnt gedraftet wurden. Mit Tom Brady, Ben Roethlisberger, Aaron Rodgers und Drew Brees gehören „alte“ Quarterbacks zu vier der fünf erfolgreichsten Teams der Dekade. Wer seinen Quarterback gefunden hat, hält selbstverständlich lange daran fest.

Auf jeden Fall wurden bei den erfolgreichen Teams nicht nur die Quarterbacks selten gewechselt, sondern auch die Trainer: Bill Belichik ist bei den Patriots General Manager und Trainer in Personalunion seit 2000, Mike Tomlin von den Steelers seit 2007, bei den Packers war von 2006 bis 2018 Mike McCarthy der Trainer, an dem auch in schwierigen Zeiten festgehalten wurde, bis es schließlich nicht mehr weitergehen konnte. Pete Carroll ist bei den Seahawks seit 2010 tätig und Sean Payton bei den Saints seit 2006.

Langfristige Ziele statt kurzfristigem Erfolg

Generell waren langfristig denkende Teams erfolgreicher. Wobei hier das Henne-Ei-Prinzip greift: War ein Team zuerst erfolgreich und hielt dann am Staff (General Manager, Trainer, etc.) fest oder gab es die grundlegende Entscheidung, am Trainer lange festzuhalten, die dann zum Erfolg führte?

Die erfolgreichsten Teams der Dekade (Regular Season, 2010 bis 2019)

  1. New England Patriots (125 Siege, 35 Niederlagen)
  2. Pittsburgh Steelers (102-57-1)
  3. Green Bay Packers (102-56-2)
  4. Seattle Seahawks (100-59-1)
  5. New Orleans Saints (100-60)
  6. Baltimore Ravens (98-62)
  7. Kansas City Chiefs (96-64)

Nur fünf Teams haben es geschafft, in zehn Jahren auf einhundert Siege in der Regular Season zu kommen, was einem Durchschnitt von mindestens 62.5 Prozent an gewonnenen Spielen entspricht. Konstanter Erfolg ist schwierig zu erreichen, das galt auch für deses Jahrzehnt in der NFL.

Selbstverständlich haben die Patriots und Tom Brady diese Dekade mit fünf Super-Bowl-Teilnahmen und drei Ringen dominiert, denn kein anderes Team schaffte auch nur mehr als einen in diesem Jahrzehnt (bis jetzt, die Playoffs laufen ja noch). Die Steelers schafften es sechsmal in die Playoffs und gewannen fünf mal ihre Division, aber ihre Dominanz in der NFC North scheint mit der überragenden Saison der Baltimore Ravens zu bröckeln.

Die Packers schafften es in dieser Dekade siebenmal in die Playoffs, gewannen zu Beginn einen Super Bowl, aber gegen Ende hatten sie ein paar deutliche Dämpfer, als sie zum ersten Mal seit 1990/91 zweimal in Serie die Playoffs verpassten. Dem neuen Head Coach Matt LaFleur ist aber ein fulminanter Start gelungen und er hievte die Packers über die 100-Siege-Marke in diesem Jahrzehnt und in die Playoffs.

Auch die Seahawks erreichten siebenmal die Playoffs, haben gemeinsam mit den Packers die zweitmeisten Siege in den Playoffs und werden das Jahrzehnt mit einem 6-0 Postseason-Record zuhause abschließen. Ja, dank dem unglaublichen Touchdown-Call im Spiel gegen die Packers sind die Seahawks in den „Zehnern“ im Januar zu Hause ungeschlagen. Das letzte Team mit hundert Siegen, die Saints, erlebten ein ähnliches Jahrzehnt wie die Packers, denn auch in New Orleans gewannen die Saints die NFC South dreimal am Stück erst zu Ende des Jahrzehnts.

Trends, die die NFL beeinflussten

Wenn wir darauf schauen, was sich in der NFL verändert hat, dann müssen wir vor allem auf die zweite Hälfte des Jahrzehnts schauen. Dinge, die sich in der Gesellschaft tun, übertragen sich auch auf die NFL. Der Knie-Protest von Quarterback Colin Kaepernick, der am Anfang der Dekade noch als künftiger Superstar gehandelt wurde und seitdem ohne Job ist und die NFL verklagt hat, sorgte für enormen Wirbel, in den sich sogar der US-Präsident einschaltete.

Podcast: Wie wahrscheinlich ist ein Streik der NFL-Profis?

Das Aufkommen von Social Media sorgte für mehr Partizipation, es wird viel mehr über die NFL diskutiert als früher. Entscheidungen werden bis ins Kleinste seziert und mit einer großzügigen Auslegung kann man schlussfolgern, dass die NFL aufgrund von Online-Protesten die Regeln änderte. Die in der aktuellen Saison möglichen Challenges bei Pass Interference wurden durch Proteste vonseiten der Saints und der Fans insbesondere in den Sozialen Medien aufgeheizt.

Gerade der Erfolg der Sozialen Medien erklärt noch einen anderen Trend: Warum Football in Deutschland plötzlich nicht mehr ein uncooler Nischensport ist, sondern sonntagabends vor dem Fernsehen zelebriert wird.

Immer mehr Zuschauer in Deutschland

In Deutschland hat Football einen Boom ausgelöst: Immer mehr Zuschauer – mittlerweile auch in der Regular Season über eine halbe Million – schalten Sonntagabend ProSieben Maxx ein, wenn um 19 Uhr die Football-Spiele beginnen. Auch die Zahlen von deutschen Gamepass-Abonnenten, die sich die „volle Dröhnung“ NFL geben, entwickeln sich stetig nach oben.

Und es wird immer mehr Football übertragen: War es am Anfang des Jahrzehnts die ARD, die den Super Bowl übertrug, übernimmt das jetzt die ProSieben/Sat1-Gruppe – alle Playoff-Spiele, einige Sonntags-Spiele und natürlich der Super Bowl sind kostenlos im TV zu sehen und die Monday-, Thursday- und Sunday-Night Spiele sind bei DAZN zum Streamen verfügbar.

Super-Bowl-Zuschauerzahlen pendeln sich ein

Für den Super Bowl gilt aber wohl, dass man einen Deckel erreicht hat. Nachdem sich die Zahlen zumindest ab 2013 von 0,95 Millionen bis 2016 mit 1,78 Millionen steil nach oben entwickelten, erreichte man seitdem zwischen 1,23 und 1,42 Millionen Zuschauer – trotz des von Sat1 formulierten Ziels von zwei Millionen Zuschauern nach dem Super Bowl 2016 (Super Bowl 50).

Gleiches gilt übrigens auch in den USA, wo die Zuschauerzahlen für Regular Season und Super Bowl seit 2016 wieder ein wenig zurückgegangen sind.

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