Gehirnerschütterungen. CTE. Ein Wort und ein Kürzel, das für die Schattenseiten im American Football stehen.

Aber auch das gehört zum American Football dazu. Maximilian Länge, Redakteur der German Sea Hawkers, hat sich bei seinem Projekt „Kopfsache“ mit den gesundheitlichen (Folge-)Schäden bei American-Football-Spielern auseinandergesetzt.

Er hat Fakten recherchiert, Interviews geführt – zum Beispiel mit Dr. Ulrich Grünwald, Verbandsarzt beim American Football Verband Deutschland (AFVD) und mit Erich Grau, dem ehemaligen Quarterback der deutschen Nationalmannschaft sowie Gründungsmitglied der deutschen Football-Liga mit den Ansbach Grizzlies. Da es ein Projekt der German Sea Hawkers ist, spielen bei „Kopfsache“ natürlich auch NFL-Stars wie Quarterback Russell Wilson eine Rolle.

SCOUTREPORT: Max, du hast Dein Projekt „Kopfsache“ umgesetzt. Warum ist Dir der gesundheitliche Aspekt beim Football so wichtig?

Maximilian Länge: Also ich habe keine persönlichen Gründe, hatte selbst noch nie beim Sport eine Kopfverletzung. Aber ich bin ein großer American-Football-Verfolger. Und wenn ich mich mit einer Sportart auseinandersetze, dann will ich eben das ganze Paket. Dann will nicht nur, wie sich jemand auf dem Feld wegfetzt. Sondern auch die Konsequenzen sehen. Was machen Sportler nach der Karriere? Werden sie unterstützt? Tragen sie Schäden davon? Ich habe da einfach den Anspruch an mich selbst, mit diesem Thema vollständig umzugehen.

SCOUTREPORT: Du warst lange Präsident der German Sea Hawkers, kennst die Mitglieder und auch viele andere Football-Fans. Welchen Stellenwert hat das Thema „Gesundheit“ bei deutschen Football-Fans, wie groß ist das Bewusstsein?

Maximilian Länge: Kein großes, muss ich ehrlich sagen. Das liegt sicherlich daran, dass die Sportart relativ unbekannt ist in Deutschland und eine hohe Einstiegsschwelle hat. Die Leute bekommen es dann höchstens über spektakuläre Spielzüge mit… das wenden natürlich die TV-Sender an, das gibt Quote. Die müssen das so machen. Aber Verletzungsfolgen haben bisher in Deutschland keinen hohen Stellenwert. Das ist auch mit der Grund, warum wir das Projekt gemacht haben.

Dreharbeiten German Sea Hawkers
Timo Czerwonka (l.) und Dr. Ulrich Grünwald (M.) bei den Dreharbeiten für die German Sea Hawkers. Foto: German Sea Hawkers

SCOUTREPORT: Bei „Kopfsache“ werden mehrere Aspekte angesprochen. Es geht auch nicht nur um die NFL, sondern auch den deutschen Football. Ihr habt zum Beispiel mit Ex-Nationalspieler Erich Gau gesprochen. Er gibt im Interview zu: Kopf und Gesundheit war damals kein Thema und sagt: „Wir haben bewusst Kopf und Helm als Waffe eingesetzt“.

Maximilian Länge: Brutale Aussagen, die ich sehr spektakulär finde. Ich bin durch einen Artikel in der „Süddeutschen Zeitung“ auf ihn gestoßen. Darin wurde er als erster möglicher Fall von CTE in Deutschland geschildert. Da ich damals für die SZ gearbeitet habe, konnte ich über die Kollegin Kontakt herstellen. Und Grau war auch sofort offen für das Thema, er sieht sich als eine Art „Botschafter“ für dieses Thema.

SCOUTEPORT: Hast Du andere Interview-Partner angefragt, die aber nicht über ein so heikles Thema sprechen wollten?

Maximilian Länge: Im Zusammenhang mit den Ansbach Grizzlies hat Grau mir schon noch ein paar Leute vermittelt. Darunter ein ehemaliger Mitspieler, der wohl hätte Fotos liefern können aus der Zeit. Der hat nach ein, zwei Anfragen überhaupt nicht mehr reagiert. Erich Grau hat dann auch selbst durchblicken lassen und durchkalkuliert, wie viele Leute aus dem Team noch fit sind und wie viele Spätfolgen haben und auffällig wurden – zum Beispiel durch Gewalttaten und Gefängnisaufenthalte. Er hat uns viele Dinge erzählt, die wir nicht verifizieren konnten. Aber es klang schon so, als ob einige Spieler aus dieser Meistermannschaft Spätfolgen davongetragen haben.

SCOUTREPORT: Gab es Feedback von Lesern zu dem Projekt?

Maximilian Länge: Das kam vor allem aus der Fanklub-Landschaft, die ihr von SCOUTREPORT ja auch sehr gut kennt. „Cool, dass ihr das angeht“, „tolles Thema, wichtiges Thema“, hieß es zum Beispiel. Es betrifft ja auch alle Vereine. Jeder Fanklub hat Spieler, die schon so oft eine Erschütterung hatten, bei denen du weißt: der hat garantiert Spätfolgen. Von außerhalb war das Feedback nicht sonderlich groß.

Das Projekt „Kopfsache“ von Maximilian Länge und Timo Czerwonka findest Du auf der Webseite der German Sea Hawkers. Erfahre mehr über den besonderen Football-Helm eines Start-Ups und ob das angebliche Wunder-Wasser gegen Gehirnerschütterungen hilft.

Weitere Themen im Rahmen der SCOUTREPORT-Themenwoche „Football im Kopf“