Die College Football Saison geht in den Oktober. Normalerweise beginnen jetzt alle Power-5 mit ihren direkten Duellen um den Conference Titel. Obwohl die Big Ten und Pac-12 erst in ein paar Wochen einsteigen und der Spielplan in einer recht abgespeckten Version daherkommt, gibt es jedes Wochenende ein paar Leckerbissen. In der Nacht auf Sonntag erwartet uns ein hochspannendes Match in der Southeastern Conference. Große Talente für den kommenden NFL Draft treffen in einem Spiel mit vorentscheidenden Charakter unmittelbar aufeinander. Dazu hat es mir ein Cornerback aus Alabama besonders angetan.

Patrick Surtain II / Cornerback, Alabama

Es gibt Talente, die haben ihr ganzes Leben auf dieses Ziel hingearbeitet. Als Sohn eines NFL All-Pro Cornerbacks und dreifachen Pro Bowlers war der Weg für Patrick Surtain II praktisch vorbestimmt. Wer seinen Vater noch spielen sehen hat, so wie ich, darf sich jetzt alt fühlen. Zwölf Jahre nach seiner beeindruckenden NFL Karriere mit 37 Interceptions schickt sich nun bereits die nächste Generation an. Die will nicht nur in die Fußstapfen des Vaters treten, sondern eine eigene Legacy erschaffen.

Patrick Surtain II // Wikimedia Commons: Conman 33 // Lizenz: CC 2.0

Sein Vater wurde an 44. Stelle im 1998er NFL Draft von den Baltimore Ravens ausgewählt. Das Talent der Alabama Crimson Tide zeigt bei einer stetigen Entwicklung das Potential, den Vater darin bereits zu überflügeln. Erste Eindrücke aus dem letzten Spiel bestätigen meine bisher gesammelten Erkenntnisse über ihn. Wäre heute die Saison zu Ende, würde ich Patrick Surtain II als ersten Cornerback im Draft nehmen.

Stärken

Mit 1,86 Metern Körpergröße und einem Gewicht von 92 Kilogramm gelistet, besitzt Surtain das ideale Abbild eines NFL Cornerbacks. Dazu ist er technisch in seinen Fähigkeiten schon sehr fein gereift. Er versucht immer zuerst den Ball und dann den Gegner zu spielen. Dabei wirkt er sehr konzentriert. Kurze Bewegungen im vollen Speed der Receiver spiegelt er umgehend und sauber. Die Beinarbeit dafür ist exzellent.

Surtain spielt disziplinert und macht kaum Fehler, was bei College Cornerbacks äußerst selten vorkommt. Schnelle Matchups geht er meist in Press an der Line of Scrimmage konsequent an und ist so in der Lage auf vertikalen Routen mitzugehen. Die Ball Skills sind überragend. Nicht nur, dass er keine Gelegenheit auslässt, um zwischen Ball und Receiver zu gelangen. Er schlägt auch radikal die Bälle aus den Armen der Ballträger und forciert gerne Fumbles.

Schwächen

Manchmal giert er zu sehr nach dem nächsten Turnover und lässt dadurch ein Tackle aus. Geduld ist eben eine Tugend, die mit der Erfahrung kommt. Grundsätzlich ist sein Tackling unsauber und darf ausgearbeitet werden. Dies erlebe ich allerdings jedes Jahr bei Secondary Talenten der Crimson Tide. Für Minkah Fitzpatrick, Eddie Jackson oder Levi Wallace war das auch stets ein Problem. Ihr NFL Team hat das nie geschwächt. Ganz im Gegenteil.

Jedoch ist es Aufgabe von Secondary Spielern, ihre Seite gegen Ausbrüche der Runningbacks zu verteidigen. Dafür müssen sie nicht tackeln, sondern müssen ihre Position gegen Vorblocker behaupten. Da sehe ich momentan tatsächlich noch eine Schwäche, an der er arbeiten sollte. Doch können Coaches nicht erwarten, dass ein voll ausgereifter Passverteidiger vom College zu ihrem Team stößt, der zusätzlich exzellente Fähigkeiten als Run Supporter ausgearbeitet hat. Zumindest die Bereitschaft sollte jedoch vorhanden sein.

Fazit

Patrick Surtain II hat die Körpermaße, Instinkte und Ball Skills um in der NFL von sich Hören zu lassen. Das Talent ist vorhanden für eine großartige Karriere als Cornerback. Beeindruckend ist, wie fein er bereits seine Fähigkeiten ausgearbeitet hat. Da hat jemand den nötigen Football-Verstand und nicht die Überheblichkeit, dass ihn allein der Nachname schon in einen NFL Kader bringen wird.

Der Vergleich mit Jalen Ramsey ist aufgrund seiner Positions-Flexibilität und seiner Ball Skills durchaus gegeben. Ich erwarte zum Frühjahr eine ähnliche Diskussion, wie zum NFL Draft 2016. Die Position des Cornerbacks ist aber immens wichtiger als die eines Safeties. Die Debatte sollte daher auch bei Surtain schnell beendet sein. 

#8 Auburn Tigers @ #4 Georgia Bulldogs (1:30 Uhr)

Möglicherweise das packendste Spiel am Wochenende. In der Nacht zu Sonntag treffen die Tigers im “Peach State” auf die Bulldogs. Zwei der talentiertesten College Teams des Landes geben sich zum 124. Mal die Ehre. Momentan führt Georgia knapp mit 59-56 bei acht Unentschieden den historischen Vergleich. Es steht viel auf dem Spiel. Die Bulldogs zählen besonders auf ihre erfahrene und exzellente Secondary. Auburn geht mit Quarterback Bo Nix und einem gewaltigen Passangrif ins Spiel.

Der junge Spielmacher geht in sein zweites Jahr. Letztes Jahr verlor er knapp und präsentierte sich als inkonstanter Quarterback auf der großen Bühne. Als Sophomore, damit noch nicht berechtigt am nächsten Draft teilzunehmen, kann er sich schon erfahrener gegen eine Defense zeigen, die er nun besser kennt.

Darauf baut vor allem Wide Receiver Seth Williams. Er will NFL Teams beweisen, dass er in Zukunft das Hauptziel in ihrem Passangriff bilden kann. Dafür hat er alle Anlagen, vollführt blitzschnell vorgetragene Slants und Post Routes. Seine Furchtlosigkeit um in der Mitte des Feldes und in Contested Situationen mit dem Ball in der Hand zu landen, ist ein weiterer großer Pluspunkt für ihn.

Was er noch benötigt, ist eine 1.000 Yards Saison. Die erzielt er nicht ohne die Hilfe von Quarterback Bo Nix. Williams löst sich selten vom Gegenspieler und gewinnt hauptsächlich mit seinen hervorragenden Ball Skills. In der NFL dürften sich daher vor allem Teams mit erfahrenen und genauen Passern mit ihm beschäftigen. Das Interesse am derzeitigen “Tag 2”-Pick dürfte steigen, wenn Nix ihn auch in kleine Passfenster anwerfen kann und Williams im Anschluss seine Magie entfalten kann.

Gerade rechtzeitig zur Saison meldete sich Bulldogs Cornerback Tyson Campbell wieder gesund zurück. Nach einem behutsamen Einstieg gegen Kentucky, dürften seine Coaches gerade im Matchup gegen Seth Williams auf ihn zählen. Der Verteidiger ist bei seiner Athletik nur sehr schwer mit Slants und Postst zu besiegen. Das rasante Matchup zwischen Campbell und Williams verspricht daher viele Erkenntnisse für Scouts. Wer von beiden kann seine Schwächen am ehesten kaschieren. Denn allein mit ihren Brot und Butter Fähigkeiten kann keiner der beiden das Matchup für sich entscheiden.

Unterm Strich hängt natürlich auch davon ab, wie gut Bo Nix seinen Receiver in Szene setzt und ob Campbell tatsächlich schon völlig genesen ist. Unterstützung erhält Campbell in einer exzellenten Secondary von Richard LeCounte III, Eric Stokes und D.J. Daniel. Gegen den Lauf ist die Front um Defensive Tackle Jordan Davis bestens gewappnet. Es ist also angerichtet für großartige Wide Receiver und Cornerback Duelle.

Spielentscheidend für die enge Begegnung wird sein, ob Georgias Offense nun in die Spur findet. Der neue, aber namhafte, Offensive Coordinator Todd Monken darf endlich mit Transfer Quarterback J.T. Daniels seinen Gameplan umsetzen. Mal schauen, ob da schon jedes Rädchen ineinander läuft oder ob ein Duell gegen Auburns Defense um Linebacker K.J. Britt zu früh in der Saison kommt. Vielleicht bietet Georgia aber auch einige Überraschungen auf. Für die Tigers gibt es bisher wenig aufschlussreiches Videomaterial über die neue Offense.

Die wichtigsten News der Woche aus dem College Football

Alle Augen sind auf North Dakota gerichtet. Die Bisons treffen am Samstag um 21:30 Uhr auf Arkansas State und fast alle NFL Scouts reisen Richtung kanadische Grenze. Der Grund dafür ist Trey Lance. Obwohl der Quarterback an einem unterklassigen FCS College spielt, sind NFL Teams sehr interessiert an ihm. Das Spiel wurde deshalb eigens für seine NFL-Bewerbung angesetzt und wird der einzige Auftritt von Lance bis zum Draft sein. Leider wird das Spiel nicht im nationalen TV übertragen. Sobald mir genügend Videomaterial zukommt, setze ich mich direkt an die Analyse seines Spiels und dem anderer Talente der beiden Schulen.

Micah Parsons wird nicht mehr an die Penn State zurückkehren. Wie sein ehemaliger Head Coach James Franklin bestätigte, wird sich der Linebacker intensiv auf den Draft 2021 vorbereiten und kein Spiel mehr für die Nittany Lions bestreiten. Parsons zählt zu den besten Verteidigern, die es nächstes Jahr in die NFL zieht.

„Return of the MAC“ schallte es noch vor wenigen Tagen aus den Boxen der College Football Fans. Ab dem 4. November wird die Mid-American Conference rund um die Great Lakes seine verkürzte Saison bestreiten. Dann kam aber direkt der erste Dämpfer. Erste Tests auf COVID-19 wurden abgehalten. Ergebnis bei den Buffalo Bulls: 25 Positiiv, davon 19 betroffene Football Spieler.

Über @Draft_Nerd_DE gibt es an jedem Spieltag Threads mit dem Hashtag #DraftWatch zu den jeweiligen Spielen. So kannst Du Dich über Twitter direkt mit mir über die Talente und die Begegnung austauschen. Der Fokus liegt an diesem Wochenende klar auf dem Cornerback / Wide Receiver Matchup in der SEC.