Die Rivalry Woche liegt hinter uns. Vor uns steht der nächste Höhepunkt im College-Football-Kalender. Die Conference-Meisterschaften werden am Freitag und Samstag ausgetragen.

Bei vielen Finals an einem Wochenende verliert man schnell den Überblick. Zumal die Paarungen die endgültige Entscheidung für die Playoffs beeinflussen werden. Daher gehe ich für Dich in meiner heutigen Kolumne weniger auf den NFL-Draft ein, sondern beantworte wichtige Fragen zu den Spielen für die Playoffs und Bowl Games.

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Sieben Teams dürfen sich noch berechtigte Hoffnungen auf die Halbfinals um die Nationale Meisterschaft machen. Dahinter bewirbt sich noch ein Haufen an Teams um die „New Year’s Six“-Bowls.

Die Teilnahme daran ist alles andere als ein Trostpreis. Wir sprechen hier von Prestige, Aufmerksamkeit im nationalen Fernsehen und einem zweistelligen Millionenbetrag als Preisgeld und Antritts-Prämie.

Die SEC bestimmt über die Playoffs

Es mag den ein oder anderen College-Fan stören, aber es ist nun einmal die Wahrheit. Der Ausgang der Partie zwischen den LSU Tigers und den Georgia Bulldogs bestimmt darüber, welche Hoffnungen sich die anderen Teams noch machen können. Am Samstag ab 22 Uhr steigt das Aufeinandertreffen der beiden Top-Teams in Atlantas Merzedes-Benz Stadium.

Die Tigers gehen als Favorit in das Spiel und wollen zum ersten Mal seit 2011 den Titel der Southeastern Conference nach Louisiana holen. In Sachen Playoffs sind sie gesetzt. Georgia hingegen muss gewinnen. Das Worst-Case-Szenario für alle anderen Conferences würde dann eintreten.

Gewinnt Georgia die SEC Meisterschaft, können die weiteren Anwärter ihre Ambitionen für die Playoffs begraben. Verlieren die Bulldogs gegen LSU ist das Rennen offen. Georgia muss auch bei einer Niederlage einen positiven Eindruck hinterlassen. Die Florida Gators befinden sich in Lauerstellung für den Sugar Bowl, einem der ältesten und traditionsreichsten Endspiele im College Football.

Ohio State will den dritten Big Ten Titel in Folge

Die Ohio State Buckeyes treffen am Sonntagmorgen um 2 Uhr im Lucas Oil Stadium, Heimstätte der Indianapolis Colts, auf die Wisconsin Badgers. Sollte der Favorit aus Ohio seiner Rolle nicht gerecht werden, wäre eine Sensation.

Gelingt den Badgers die Überraschung, müssen sich Fans der OSU aber keine Sorgen machen. Ihnen dürfte ein Playoff-Platz nicht mehr zu nehmen sein. Wisconsin kann als Meister mit zwei Niederlagen nicht in die Playoffs gelangen. Ein Sieg bringt ihnen dafür den ersten Titel seit 2012 ein. Außerdem erhält man damit definitiv das Ticket zum seit 1902 ausgetragenen legendären Rose Bowl.

Klarer Favorit in der Atlantic Coast Conference

Das ACC Championship Game wird im Bank of America Stadium in North Carolina ausgetragen. In der Nacht von Samstag auf Sonntag ab 1.30 Uhr jagen die Clemson Tigers den fünften ACC-Triumph in Folge. Ihnen in den Weg stellen sich die Virginia Cavaliers, die zum ersten Mal überhaupt am Endspiel teilnehmen.

So sieht Philipp Forstner die College-Teams. Grafik: SCOUTREPORT

Betont habe ich dies schon vor Wochen: Für Clemson ist Stolpern verboten! Bei einer Niederlage würde der amtierende Nationale Meister nicht an den Playoffs teilnehmen. Ein sehr unrealistisches Szenario, aber man kann nie sicher wissen. Auf jeden Fall würde damit ein zweiter vakanter Platz im Playoff-Ranking entstehen.

Dubios wäre es in mehrfacher Hinsicht. Sollte Virginia die ACC Meisterschaft gewinnen, wäre das selbstverständlich ein riesiger Erfolg. Zum Orange Bowl dürften dann aber trotzdem die Tigers fahren. Bei einer knappen Niederlage der Cavaliers gäbe es zwar keinen Titel, die Chancen auf den New Year’s Six Bowl in Miami stiegen dann aber für Virginia.

Oklahoma und Baylor für Big12-Titel und Playoffs

Samstag ab 18 Uhr läuft das Big12 Championship Game im AT&T Stadium in Arlington, Texas auf ProSieben Maxx. Eingeführt wurde das Endspiel eigentlich nur wegen der College-Playoffs. Die eingleisige Liga ist die einzige, in der alle Teams während der Saison gegeneinander spielen. Der Meister wäre daher auch ohne Finalspiel zu ermitteln.

Jedoch trugen alle anderen großen Conferences am letzten Spieltag ihre Meisterschaftsspiele aus und erhielten eine weitere Gelegenheit, das Playoff Komitee zu beeindrucken. Währenddessen hatte der Big12-Champ spielfrei und musste mit ansehen, wie er hinter die anderen Sieger zurückfiel. Nun wird zum dritten Mal die Meisterschaft mit Endspiel ausgetragen. Siehe da, seitdem ist die Big12 Dauergast in den Playoffs.

Philipp Forstner, College-Experte bei SCOUTREPORT (Foto: Elena Forstner)
Philipp Forstner, College-Experte bei SCOUTREPORT. Foto: Elena Forstner

Gerade in diesem Jahr wird das wieder deutlich. Im Fernduell mit der Pac-12 müssen die Oklahoma Sooners und Baylor Bears gehörig die Werbetrommel rühren, um den vierten Platz im Ranking zu erhalten. Oklahoma will seinen fünften Titel in Folge einfahren und weiterhin ungeschlagen in der jungen Geschichte des Big12-Endspiels bleiben. Baylor gewann zuletzt 2013 und 2014 die Meisterschaft.

Pac-12: Utah mit einem Bein in den Playoffs

Gewinnen die Oregon Ducks von Freitag auf Samstag ab 2 Uhr die Pac-12 Meisterschaft, kann sich das Playoff-Komitee am restlichen Wochenende entspannt zurücklehnen.

In Texas wird definitiv ein Power-5-Champion mit nur einer Niederlage gekürt und vor Oregon landen. Sollte Georgia gegen LSU gewinnen, werden die Bulldogs höher bewertet, als der Champion der Big12. Alles wäre ganz einfach für das Komitee, wenn es so kommt.

Das Zünglein an der Playoff-Waage sind also die Utah Utes. Vor der Saison noch als Geheimfavorit tituliert, werden sie den hohen Erwartungen nun tatsächlich gerecht. Im Levi’s Stadiums in Santa Clara, Kalifornien will Utah im zweiten Anlauf endlich die Conference Meisterschaft gewinnen.

San Francisco 49ers Stadion Levi's Stadium Foto: Michael Reischer
Levi’s Stadium. Foto: Michael Reischer

Zu Gute sollte man ihnen bei einem Sieg halten, dass die Pac-12 in den letzten Jahren bezüglich Playoffs außen vorgelassen wurde. Ob ein Sieg gegen Oregon aber mindestens genauso hoch bewertet wird wie einer gegen Baylor oder Oklahoma, weiß nur das Playoff-Komitee. An diesen Spekulationen beteilige ich mich erst, wenn es soweit ist.

Memphis will den AAC-Titel und in den Cotton Bowl

Bereits am letzten Wochenende spielten die Memphis Tigers und die Cincinnati Bearcats gegeneinander. Geht der Sieg wieder an das Heimteam aus Tennessee, ist es der erste Titel seit 2014 für Memphis. Die damit verbundene Teilnahme am Cotton Bowl wäre der erste New Years Six Bowl für das über 100 Jahre alte Football-Programm.

Cincinnati wartet mit dem deutschen Right Tackle Lorenz Metz genauso lang auf den zweiten Titel in der American Athletic Conference (2014 war das letzte Jahr ohne Finalspiel der beiden Divisions). Sie werden sich allerdings am Samstag Abend ab 21.30 Uhr gegenüber dem letzten Aufeinandertreffen deutlich steigern müssen.

Zumindest dürfen die Bearcats wieder auf die Dienste ihres Quarterbacks Desmond Ridder zählen. Ein kluger Zug, ihn letzte Woche pausieren zu lassen. Erstmal konnte der lange Zeit angeschlagen spielende Ridder verschnaufen. Und die Tigers erhielten kaum Videomaterial zur Analyse der gegnerischen Offense.

Ob dieser Zug in Sachen Playoff-Ranking auch so sinnvoll gewesen ist, wird sich am Ende zeigen. Dort hat sich Cincinnati geschwächt und muss schon ein Ausrufezeichen zum Sieg setzen, um vor der Konkurrenz zu bleiben. Mit dem Erreichen des besten Platzes eines Group of Five Colleges im Playoff-Ranking erhält man das Ticket zum Cotton Bowl. Damit wäre ein willkommener Geldregen für alle Football-Teams der AAC gewährleistet.

Mountain West: Boise State mit einem Ohr in Memphis

Gewinnen die Bearcats nur knapp die AAC, könnten die Boise State Broncos als lachender Dritter hervorgehen. Dazu müssten sie natürlich erstmal ihren dritten Titel in sechs Jahren einfahren. Die Broncos empfangen am Samstag Abend ab 22 Uhr die Hawaii Rainbow Warriors zum Finale in der Mountain West Conference.

Boise State aus Idaho wittert also die Chance auf die erneute Teilnahme an einem New Year’s Six Bowl. Hawaii möchte dies verhindern und seinen ersten Titel seit Bestehen der Mountain West holen.

FBS-Frischling Appalachian State winkt schon der dritte Sunbelt-Titel

Was für eine Erfolgsgeschichte: Die Appalachian State Mountaineers stiegen erst vor fünf Jahren in die FBS auf. Seitdem sind sie Bestandteil der Sunbelt Conference und können bereits zum vierten Mal in Folge im Süden gewinnen. Im eigenen Stadion stehen ihnen, wie im Vorjahr, die Louisiana Ragin‘ Cajuns im Weg. Kickoff ist Samstag um 18 Uhr.

Am Ende könnte ihnen nicht nur der Sunbelt-Titel winken. Appalachian State hat bei lediglich einer Saisonniederlage ebenfalls Ambitionen auf den begehrten Platz im Cotton Bowl. Dazu müsste Memphis verlieren. Selbst sollte man dem Playoff-Komitee mit einer besonderen Performance genügend Argumente liefern. Damit sie am Schluss im Ranking vor Boise State und Cincinnati landen.

Alle Teams der Sunbelt würde das eine seltene Prämie bescheren. In der Ära der CFP-Playoffs durfte noch nie ein Team aus ihrer Conference einen New Year’s Six Bowl bestreiten. Das Rennen hinter den Playoff-Plätzen ist also mindestens genauso eng und spannend.

MACtion: Miami (OH) und Central Michigan greifen nach Titel

Für die besonderen Bowl Games am Neujahrstag können sich weder Teams aus der Midamerican-Conference noch aus der Conference USA qualifizieren. Dennoch sollen beide Endspiele hier nicht zu kurz kommen.

Im Ford Field der Detroit Lions steigt Samstag Abend ab 18 Uhr das Finale in der MAC. Für die Miami (Ohio) RedHawks ist es die erste Teilnahme seit 2010 als man zuletzt den Titel gewinnen konnte. Das Überraschungsteam im Endspiel dürften allerdings die Central Michigan Chippewas sein. Sie konnten am letzten Spieltag den Rivalen aus Western Michigan noch auf der Zielgeraden abfangen.

UAB und Florida Atlantic wollen Conference USA Meister werden

Die Florida Atlantic Owls empfangen am Samstag Abend ab 19:30 Uhr die UAB Blazers. Unter Erfolgscoach Lane Kiffin können die „Eulen“ bereits ihren zweiten Titel in drei Jahren einfahren.

Podcast: Stats der Woche mit zahlreichen Quarterbacks sowie USA-Bericht

Bemerkenswerter ist die Geschichte vom Gast aus Alabama. Nach der Saison 2014 musste das Football-Programm der Blazers aus finanziellen Gründen eingestellt werden. Dank der Spendensammlung von über 27 Millionen US-Dollar und diverser Veränderungen in der UAB-Athletik-Abteilung konnte das Football-Team zur Saison 2017 den Betrieb wiederaufnehmen.

Im ersten Jahr schaffte man bereits einen positiven Record. Im zweiten Jahr gewannen die Blazers den Conference-Titel. Nun schickt man sich an zur Titelverteidigung.

Mein Big Board zum ersten Freitag im Monat

Jeden Monat werde ich mein Big Board um fünf Plätze erweitern und gewonnene Eindrücke der Prospects in meine Bewertung einfließen lassen. Bedenke bitte, das ist kein Mock Draft! Die Spieler sind nach ihren Fähigkeiten gerankt und wie ich ihren zukünftigen Einfluss in der NFL verglichen mit ihrer Konkurrenz im nächsten Draft einschätze.

  1. Chase Young / Edge, Ohio State
  2. Joe Burrow / Quarterback, LSU
  3. Jerry Jeudy / Wide Receiver, Alabama
  4. Jeffrey Okudah / Cornerback, Ohio State
  5. Tua Tagovailoa / Quarterback, Alabama
  6. Derrick Brown / Defensive Tackle, Auburn
  7. Isaiah Simmons / Linebacker, Clemson
  8. CeeDee Lamb / Wide Receiver, Oklahoma
  9. Tristan Wirfs / Offensive Tackle, Iowa
  10. Henry Ruggs III / Wide Receiver, Alabama
  11. Andrew Thomas / Offensive Tackle, Georgia
  12. A.J. Epenesa / Edge, Iowa
  13. Javon Kinlaw / Defensive Tackle, South Carolina
  14. Kristian Fulton / Cornerback, LSU
  15. Grant Delpit / Safety, LSU
  16. D’Andre Swift / Runningback, Georgia
  17. Jedrick Wills / Offensive Tackle, Alabama
  18. Justin Herbert / Quarterback, Oregon
  19. K’Lavon Chaisson / Edge, LSU
  20. Trevon Diggs / Cornerback, Alabama
  21. Jonathan Taylor / Runningback, Wisconsin
  22. Creed Humphrey / innere Offensive Line, Oklahoma
  23. Tyler Biadasz / innere Offensive Line, Wisconsin
  24. Xavier McKinney / Safety, Alabama
  25. Laviska Shenault Jr. / Wide Receiver, Colorado

Die wichtigsten News der Woche aus dem College Football

College-Spieler dürfen sich nach ihrem dritten Jahr vorzeitig für den Draft anmelden. Seniors bleibt keine Wahl. Sie müssen nach dem vierten (fünften Jahr als Redshirt) das College verlassen. Es gibt jedes Jahr interessante Spieler, die den Schritt vorzeitig wagen. Dabei berufen sich viele auf das Interesse der NFL-Teams, das ihnen gewährleistet, dass sie früh gedraftet werden. Manche werden dabei leider schlecht beraten.

Positiv sehe ich den frühzeitigen Schritt bei:

  • Yetur Gross-Matos / Edge, Penn State
  • Laviska Shenault / Wide Receiver, Colorado
  • Albert Okwuegbunam / Tight End, Missouri
  • Jalen Reagor / Wide Receiver, TCU

Willst du keinen „Early-Entry“ verpassen, empfehle ich Dir den regelmäßig aktualisierten Tracker.

Für die meisten Teams ist die College-Saison nun beendet. Das Trainerkarussell dreht sich unaufhörlich seit letztem Samstag. Chris Petersen ist bei den Washington Huskies zurückgetreten. Greg Schiano hat nun wider meines Erwartens doch bei den Rutgers Scarlet Knights unterschrieben. Minnesotas Erfolgscoach P.J. Fleck erhielt jüngst eine Vertragsverlängerung.

Zehn Chefposten sind nach derzeitigem Stand neu zu vergeben. Darunter fünf Power 5 Teams. Die Florida State Seminoles haben noch keinen Nachfolger für Willie Taggart bekannt gegeben. Dafür ist der nun heißer Kandidat bei seinem alten Team, den South Florida Bulls.

Auf Twitter gibt es über @Draft_Nerd_DE an jedem Spieltag Threads mit dem Hashtag #DraftWatch zu den jeweiligen Spielen. So kannst Du Dich direkt mit Philipp Forstner über die Talente und die Begegnung austauschen.

Du hast Fragen zum College Football oder willst Näheres zu den vorgestellten Talenten und Matchups wissen? Dann schreib SCOUTREPORT-Experte Philipp Forstner an draftnerdde@gmail.com oder auf Twitter (@Draft_Nerd_DE).