Von Kirchdorf ans College: Lorenz Metz

Das nächste Live-Spiel im deutschen Free-TV steht an und diesmal sogar mit deutscher Beteiligung. Wie passend. College-Neuling Lorenz Metz reist als Freshman zu seinem ersten Auswärtsspiel nach Columbus, Ohio. Mit 170 Kilometern sicherlich keine weite Anreise, aber im „Horseshoe“ der Buckeyes warten auf den Neuling gleich mehrere Herausforderungen.

Cincinnati Bearcats @ #5 Ohio State Buckeyes (18 Uhr)

Das Ohio Stadium bietet 104 944 Zuschauern Platz und wird voraussichtlich beim Heimspiel seines Titelanwärters um die Nationale Meisterschaft ausverkauft sein.

Ohio Stadium. Foto: „Ohio Stadium – Ohio State University“ von jmartcmu / Lizenz CC BY 2.0

Sei das nicht schon genug, spielt Left Tackle Lorenz Metz gegen den erfahrenen und möglicherweise besten Pass Rusher des Landes. Chase Young rutscht mit technisch entwickelten unterschiedlichen Handbewegungen durch gegnerische Blocker förmlich hindurch und verfügt zusätzlich über die Geschwindigkeit und Körperbeuge, um als Speed Rusher außen herum gefährlich zu sein. Am Timing und an der Platzierung seiner Aktionen ist noch zu arbeiten, damit er als das Gesamtpaket eines zukünftigen Star Pass Rushers angesehen werden darf.

Wir sollten daher Lorenz Metz nicht zu hart ins Gericht nehmen. Bei den Kirchdorf Wildcats war er höchstens ein Prozent der Kulisse gewöhnt und eine Anpassung an das viel höhere Tempo braucht seine Zeit. Schon sein Einstand vergangene Woche war etwas holprig, zwischenzeitlich musste Lorenz Metz sogar mit einer kleinen Verletzung behandelt werden.

An Aufgaben, wie der am Samstag, kann der junge Tackle nur wachsen. Lorenz Metz ist erst am Anfang der drei- bis vierjährigen Entwicklung, die sein gegenüber Chase Young bereits weit vollzogen hat und im nächsten Frühling mit dem Nummer-1-Pick im NFL Draft krönen möchte.

Will Cincinnati das Spiel offen halten, dann wieder über ihre Defensive Line. Die trumpfte bereits vergangene Woche gegen die UCLA Bruins auf. Ganz besonders dürfen wir daher auf Ohio State Buckeyes Runningback J.K. Dobbins achten. Der gut gebaute Playmaker ist bekannt für seine explosiven und produktiven Läufe und Yards nach dem ersten Kontakt, aber auch gefährlich als Passempfänger. Vielleicht versucht man es deshalb gar nicht erst durch die Mitte, sondern umspielt die gegnerische Line der Bearcats einfach. 

Nach dem Abgang von Mike Weber scheint die Hauptlast des Laufspiels nun auf seinen Schultern zu liegen. Nun ist er der „Veteran“ im Runningback Corps und muss sich als Lead Back in solchen Spielen beweisen.

Für den Favoriten sind weitere Prospects aus Draft Perspektive zu nennen, nur möchte ich erst bei schwierigeren Matchups im Verlauf der Saison eine Bewertung vornehmen. Da wären Quarterback Justin Fields und die Wide Receiver K.J. Hill, Binjimen Victor und Austin Mack. In der Defense haben sie den Lineman Robert Landers, die Linebacker Tuf Borland und Malik Harrison sowie die Cornerbacks Damon Arnette und Jeff Okudah

Runningback J.K. Dobbins im Profil

J’Kaylin Dobbins ist erst 20 Jahre alt und könnte sich diesen Winter bereits für den Draft anmelden. Runningbacks, sofern sie verletzungsfrei bleiben, gehen eher früher als später in die NFL. Bei seinem Talent ist erst recht davon auszugehen, dass der etwa 1,78 Meter große und 98 Kilogramm schwere Mann das Backfield der Buckeyes zur nächsten Saison verlässt.

Die Stärken von J.K. Dobbins

Runningbacks der Ohio State Buckeyes sind nicht erst seit Ezekiel Elliott (Dallas Cowboys) beliebt in der NFL. In der Regel kommen sie weit entwickelt vom College und haben bereits weitere Aufgaben neben dem Laufen an ihrer Schule ausgefüllt. So wird auch Dobbins im Receiving Game und Blocking eingesetzt, was sehr wichtig für das nächste Level ist.

J’Kaylin kann als natürlicher Passempfänger angesehen werden. Auf den typischen Runningback-Passrouten bei Screens und in den Flats fängt er sicher seine Bälle und versteht sich darauf, zügig den Blick hoch zu nehmen, um für viele Yards nach dem Catch zu sorgen.

Sein Laufstil ist dennoch so kompakt wie sein Körperbau. Dank seines tiefen Körperschwerpunktes läuft er mit viel Power und Körperbalance zwischen den Tackles. Dabei wirkt er überraschend athletisch und flüssig in seinen Bewegungen. Dynamische Cuts, Jukes und harte Stops gehören genauso zu seinem schier endlosen Repertoire wie harte schwere Läufe für die dreckigen Yards, wie ich sie gern nenne.

Philipp Forstner, College-Experte bei SCOUTREPORT (Foto: Elena Forstner)
Philipp Forstner, College-Experte bei SCOUTREPORT (Foto: Elena Forstner)

In Sachen Feldübersicht und Spielintelligenz hat er sich in den vergangenen beiden Jahren stetig verbessert, weshalb ich hier keinen negativen Kritikpunkt finden kann. Mittlerweile scheint er einen Plan davon zu haben, was er tut. Als Freshman lebte er mir noch viel zu sehr von seiner schieren Athletik und Power.

Die Schwächen von J.K. Dobbins

Es ist zunächst ein Vorteil, dass Dobbins in die NFL kommen wird, ohne bereits über 1000 Läufe in den Knochen zu haben. Bisher kommt er nicht einmal auf 500 Versuche, da er sich stets das Backfield geteilt hat. Dieser Umstand wiederum muss die Frage erlauben, ob er überhaupt in der Lage sein wird, die Hauptlast des Laufspiels zu tragen.

Die Frage ist gerechtfertigt, wenn wir berücksichtigen, dass er im vergangenen Saisonviertel 2018 doch einiges an Qualität und Präsenz auf dem Platz eingebüßt hat. Außerdem sollte er sich zwischen den Tackles mehr auf seine wirklich gute Körperbalance und Power verlassen. Da wirkt er mir manchmal zu zögerlich und nachdenklich in seinen Aktionen. Er darf hier gern kompromissloser agieren und seinen Fähigkeiten vertrauen.

Bei Runningbacks schaue ich mir meistens jeweils ein schweres Matchup aus dem ersten, zweiten und dritten Drittel der Saison an. Der Spielplan der Ohio State Buckeyes bietet sich da perfekt an in diesem Jahr. So können Scouts seine Fähigkeiten genauestens in Woche 2 gegen die Cincinnati Bearcats, in Woche 6 gegen die Michigan State Spartans und in Woche 14 bei den Michigan Wolverines beobachten.

#6 LSU Tigers @ #9 Texas Longhorns (1.30 Uhr)

Meine Gebete wurden erhört! Die LSU Tigers haben nach jahrelangem physischem Football endlich den Weg in eine „spreadigere“ Offense gefunden. Eigentlich bin ich gar nicht der größte Befürworter dieser Entwicklung, aber bei den Tigers wurde es Zeit, die Einstellung an die Aufstellung anzupassen.

Seit Jahren musste ich erleben, wie gute Quarterbacks und die besten Wide Receiver des Landes an die Louisiana State gelockt wurden um dann mit anzusehen, wie Leonard Fournette, Derrius Guice und Co 30-mal im Spiel mit dem Ball liefen.

Derrius Guice. Foto: „Derrius Guice“ von All-Pro Reels / Lizenz CC BY 2.0

In der vergangenen Woche gegen die Georgia Southern Eagles schien das neue System überraschend gut zu greifen. Quarterback Joe Burrow lenkte sein Team, als würde er schon seit Jahren darin spielen. Ob Sand im Getriebe zu finden ist, wird nun von der Verteidigung der Texas Longhorns getestet werden, die definitiv ein ganz anderes Kaliber als die der Vorwoche ist.

Allen voran bin ich hier neugierig auf Free Safety Brandon Jones. Der hochdekorierte High-School-Star-Verteidiger besitzt prototypische Anlagen eines NFL Safeties, konnte sich bisher aber ganz und gar nicht als Playmaker hervortun.

Wechselt der Ballbesitz in die Offense der Longhorns, erleben wir beim Showdown zweier Top-Ten-Mannschaften Quarterback Sam Ehlinger. Als Passgeber hat Ehlinger sich stetig verbessert und gegen die Defense um Safety Grant Delpit wird er sein ganzes Können aufwarten müssen.

Das Spiel scheint leider immer noch zu schnell für den langsamer verarbeitenden Quarterback von Texas abzulaufen. Im Aufeinandertreffen mit LSU darf er zeigen, dass er auch bei höherem Tempo mithalten kann. Delpit wird ihn mit seinen Mannen in allen Fasern des Spiels testen. Die Matchup-Waffe der Tigers wird dort eingesetzt, wo sie am dringendsten benötigt wird. Ähnlich wie Derwin James verfügt Grant Delpit über die Athletik und Spielintelligenz, um nah wie fern der Line of Scrimmage als brandgefährlicher Playmaker aufzulaufen.

Dabei kommt es in diesem Spiel auch auf das Duell zwischen Cornerback Kristian Fulton und Wide Receiver Collin Johnson an. Fulton geht in Manndeckung gern seine Matchups bereits in Press Coverage an und zeigt hierbei eine beeindruckend reife Ausführung seiner Technik für einen College-Spieler.

Collin Johnson ist mit 1,98 Meter und 98 Kilogramm der große Receiver, der genau diese Stärke anspielen wird und dabei auch noch sehr athletisch ist. Er ist weniger der Wideout, der sich vom Gegner löst, sondern eher mit Körperkontrolle und auf Tuchfühlung seine Catches vollführt. Fulton sollte nicht nur im Duell mit Johnson physisch agieren, sondern endlich auch im Tackling und Run Support. Aus mir nicht nachvollziehbaren Gründen hat er, wie viele Cornerback Prospects in den vergangenen Jahren, in diesem Segment seines Spiels irgendwie eine geistige Blockade.

Packende Duelle erwarten uns auch an der Line of Scrimmage. Jedoch soll bei den Talenten hier an geeigneterer Stelle der Fokus liegen. Nennen möchte ich hier bei Texas unbedingt Offensive Center Zach Schackelford. Louisiana State bringt Linebacker Jacob Phillips, die Edge Rusher K’Lavon Chaisson und Michael Divinity Jr., Offensive Center Lloyd Cushenberry III, sowie die Defensive Linemen Rashard Lawrence und Glen Logan mit in den Lone Star State.

Mein Big Board zum ersten Freitag im Monat

Jeden Monat werde ich mein Big Board um fünf weitere Plätze erweitern und gewonnene Eindrücke der Prospects in meine Bewertung einfließen lassen. Bedenkt bitte hierbei, dies ist kein Mock Draft! Die Spieler sind nach ihren Fähigkeiten gerankt und wie ich ihren zukünftigen Einfluss in der NFL verglichen mit ihrer Konkurrenz im nächsten Draft einschätze.

  1. Jerry Jeudy / Wide Receiver, Alabama
    Vielleicht ist Jeudy der beste Route Runner, den ich je am College  gesehen habe. Flüssig, spritzig und mit einer Nase für Yards nach dem Catch ist er ein Ausnahmespieler.
  2. Chase Young / Edge, Ohio State
    Der effektive Pass Rusher gewinnt oft schon mit seinem ersten Schritt. Ob mit Geschwindigkeit und Körperbeuge außen herum oder technisch und mit Kraft durch die Blocker hindurch, kann er sein Matchup dominieren.
  3. Grant Delpit / Safety, LSU
    Wäre er kein Safety, stünde Delpit auf Platz eins meines Big Boards. Er bespielt alle Positionen und ist Single High genauso zu finden wie in der Box. Mit fünf Interceptions in 2018 ist er der Balljäger, den sich jedes NFL Team in der tiefen Passverteidigung wünscht.
  4. Tua Tagovailoa / Quarterback, Alabama
    Tagovailoa platziert seine Pässe überall auf dem Feld mit der selben Genauigkeit. Dabei verfügt er über eine Vielfalt an Würfen und kann sowohl mit Gefühl als auch mit purer Armkraft den Ball anbringen. Bleibt er gesund, wird er ganz vorn vom Board gehen.
  5. A.J. Epenesa / Edge, Iowa
    Technisch ist er momentan der beste Pass Rusher der Draft-Klasse. Im Gegensatz zu Young ist sein Zenit aufgrund athletischer Einschränkungen allerdings geringer. Er kann dafür schneller positiven Einfluss auf die Abwehrleistung seines neuen Teams haben.
  6. Justin Herbert / Quarterback, Oregon
    Vergangenes Jahr wäre er der beste Quarterback im Draft gewesen. Nun muss Herbert sich gegen Tua und von hinten herannahende Konkurrenz durchsetzen. Sein Armtalent ist weiterhin elitär.
  7. Andrew Thomas / Offensive Tackle, Georgia
    Mit ausgereiften Handeinsatz und purer Körperkraft blockt Thomas Verteidiger aus dem Weg. Aufgrund flüssiger Beinarbeit verliert er nie die Körperbalance. Der beste Left Tackle Prospect derzeit.
  8. Tristan Wirfs / Offensive Tackle, Iowa
    Wirfs wechselt nun auf die linke Seite und wirft Thomas damit den Fehdehandschuh hin. Seine Beinarbeit finde ich bereits besser als die von Thomas. Allerdings muss er noch an seinem Handeinsatz arbeiten um an Thomas vorbeizukommen.
  9. CeeDee Lamb / Wide Receiver, Oklahoma
    Lamb ist ein guter Routenläufer mit besonderer Körperkontrolle. Nun hat er an Masse zugelegt um auf höherem Niveau in Zukunft davon zu profitieren.
  10. Paulson Adebo / Cornerback, Stanford
    Adebo spielt die Position des Cornerbacks durchaus physisch für seine 1,85 Meter und 86 Kilogramm. Er ist bereits sehr spielintelligent und scheint stets einen Plan zu haben, wie er den Ball attackieren kann. 

Die wichtigsten News der Woche aus dem College Football

Quarterback Jalen Hurts ist bei seinem neuen Team Oklahoma Sooners direkt eingeschlagen und hat erste Rekorde seiner Vorgänger Baker Mayfield (Cleveland Browns) und Kyler Murray (Arizona Cardinals) direkt pulverisiert. Bei seinem Debüt erzielte Hurts insgesamt 508 Yards, davon 332 durch die Luft und 176 am Boden. Sechs Touchdowns darf er dabei sein eigen nennen. Mayfield erzielte in seinem ersten Spiel 396 Yards. Die hatte Hurts bereits nach drei Vierteln.

Head Coach Lincoln Riley hat damit erneut einen Heisman-Kandidaten auf der Spielmacher-Position und ist schon wieder heißer Kandidat auf den ersten freien NFL-Head-Coach-Posten.

Die angeblich beste Conference des Landes, die Southeastern (SEC), lieferte am ersten Wochenende enttäuschende Auftritte. Gleich drei Teams verlieren gegen kleinere Colleges. Die Arkansas Razorbacks schaffen nur einen knappen Sieg gegen den unterklassigen Sparring-Partner Portland State Vikings.

Alaric Jackson (Left Tackle, Iowa Hawkeyes) fällt für mindestens zwei Spiele aus. Mit einer Knieverletzung kann das schnell mehr werden. Gute Besserung von hier aus. NFL-Teams erhalten so die Gelegenheit, Tristan Wirfs auf der linken Seite der Offensive Line zu erleben. Er bekommt die Möglichkeit, seine Vielseitigkeit unter Beweis zu stellen. 

Zukünftig wird es über @Draft_Nerd_DE an jedem Spieltag Threads mit dem Hashtag #DraftWatch zu den jeweiligen Spielen geben. So kannst Du Dich direkt mit Philipp Forstner über die Talente und die Begegnung austauschen.

Du hast Fragen zum College Football oder willst Näheres zu den vorgestellten Talenten und Matchups wissen? Dann schreib SCOUTREPORT-Experte Philipp Forstner an draftnerdde@gmail.com oder auf Twitter (@Draft_Nerd_DE).

Written by Philipp Forstner
Philipp Forstner ist College- und NFL-Draft-Experte bei SCOUTREPORT. Er beobachtet Talente gerne aus der Trainer-Perspektive. Seit 2015 schreibt er für Beardown Germany. Leser kennen ihn auch von draftnerd.de

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