Oklahoma muss bei den Wildcats gewinnen

Am Wochenende erleben wir zwei wichtige Duelle in der Big 12 Conference. Am späteren Abend treffen Notre Dame und Michigan aufeinander, deren traditionsreiche Begegnung auf eine 132-jährige Geschichte zurückreicht.

#5 Oklahoma Sooners @ Kansas State Wildats (18 Uhr)

Die Oklahoma Sooners reisen nach Manhattan, Kansas zu den Kansas State Wildcats. Öfters tat man sich gegen den Underdog in der Vergangenheit schwer. Dies lag nicht zuletzt an ihrem legendären Head Coach Bill Snyder. Fast 30 Jahre lang führte der mittlerweile 80-jährige seine jungen College Spieler auf das Feld. Im letzten Jahr ging er in den verdienten Ruhestand. Zu seinen Ehren benannte man nun das Stadion um.

Snyders Nachfolger an der Seitenlinie ist Chris Klieman. Der defensiv orientierte Cheftrainer gewann in den letzten fünf Jahren mit North Dakota State viermal die Meisterschaft in der Subdivision der höchsten College Spielklasse. Dabei führte er sogar ein Talent wie Carson Wentz in die NFL.

Der Einstieg in der hochklassigen Power 5 Conference Big 12 scheint Klieman gelungen zu sein. Mit 4-2 startete er in die Saison. Oklahoma sollte seinen Gegner also respektieren.

Denn eine Niederlage bedeutet wahrscheinlich das Aus im Kampf um die begehrten Playoff Plätze. Dabei wäre es wirklich Schade, wenn wir auf den vielleicht besten College-Head-Coach Lincoln Riley inklusive Heisman-Kandidat Jalen Hurts in der Endrunde um die Nationale Meisterschaft verzichten müssten. Noch dazu, weil endlich die einstige Schwachstelle – die Verteidigung – konkurrenzfähig ist.

Jalen Hurts wird neben dem Passing Game auch ins Laufspiel seiner Offense einbezogen. Das macht es ihm leichter, sein Team über das Feld zu führen. Aufgrund der weiteren Komponente in seinem Angriffsspiel findet er oft weit offen stehende Receiver vor. Wenn er diese in kritischen Spielen in engerer Verteidigung treffen kann, reden wir bei Hurts nicht nur von einem der besten College-Quarterbacks, sondern auch von einem relevanten Talent für die NFL.

VIDEO: Zwei Berliner beim NFL Combine

Bis dahin lobe ich lieber seine Unterstützung. Allen voran ist da Wide Receiver CeeDee Lamb zu nennen. War ich bereits vor der Saison ein großer Fan vom legitimen Kandidaten für die erste Runde im nächsten Draft, bin ich jetzt noch mehr von ihm überzeugt. So hat er seine Techniken verfeinert und auf ein höheres Level entwickelt.

Er schlägt nun konstanter Press Coverages, läuft seine Routen genauer und schärfer. Außerdem verbesserte er noch einmal seine Ballsicherheit im Augenblick des Catches, wo er den Ball sofort vom Gegenspieler abschirmen kann. Daran musste er auch arbeiten, weil ich erwarte, dass er beim Combine im Februar nicht so schnell laufen wird, wie man es von ihm denken könnte.

Ein exzellenter Zone Blocker für den nächsten Draft findet sich in den Reihen der Wildcats. Offensive Tackle Scott Frantz ist sehr leichtfüßig und kann so mühelos im Run Blocking ins zweite Level vorgehen. Gegnerische Linebacker werden von ihm regelmäßig aufgerieben. Da beobachten wir einmal, wie er sich hierbei gegen den Linebacker und wichtigsten Defensiv Playmaker Kenneth Murray schlägt. Denn Frantz kommt zwar zügig vor, muss dann allerdings an seinem Handeinsatz arbeiten.

Ballkontrolle und Laufspiel sind gegen ein so gewaltiges Offensiv-Feuerwerk, wie Oklahoma es aufbietet, unabdingbar. Nur ist in diesem Jahr gegen eine disziplinierte und kontrollierte Abwehr eigentlich nur über Outside Runs etwas möglich. Denn in der Mitte hält Nose Tackle Neville Gallimore die Run Lanes dicht. Mit seiner starken Hebelkraft und wohl platzierten Händen ist er ein wahrer Anker in der Defensive Line. Pass-Rush-Fähigkeiten können verbessert werden. Seine gute Produktion ist hier eher Resultat aus guter Teamleistung.

Die Sooners haben eindeutig das talentiertere Personal in diesem Aufeinandertreffen. Dazu kommt ihr Cheftrainer, der bereits NFL-Angebote erhalten haben soll und einer der besten Defensive Coordinator des Landes mit Alex Grinch. Weitere Spieler sind relevant für den nächsten Draft. Center Creed Humphrey, Tight End Grant Calcaterra, Runningback Trey Sermon, Wide Receiver Charleston Rambo und Linebacker Caleb Kelly sollten neben zahlreichen jungen Talenten den Unterschied ausmachen.

#15 Texas Longhorns @ TCU Horned Frogs (21.30 Uhr)

In der vergangenen Woche zeigten sich die Longhorns noch beeindruckt von der Niederlage gegen den großen Rivalen aus Oklahoma. Nun wird es Zeit, nach einem schmeichelhaften Erfolg wieder in die Spur zu kommen. Schließlich ist man gewillt, sich für das Finale der Conference-Meisterschaft zu qualifizieren, um die Sooners zur Revanche herauszufordern. Gegen die Horned Frogs, Städte-Nachbar aus der Nähe von Dallas, Texas, zählt nur ein Sieg.

Für Draft Nerds wie mich bietet sich eine weitere Gelegenheit, einen Blick auf den physischen Wide Receiver Collin Johnson (Texas) zu werfen. Gegen Jeff Gladney (TCU) sollte er einen Sahne-Tag erleben. An dem Cornerback gefällt mir seine ungehörige Ausdauer und wie er sich ständig auf den Weg zum Play macht, selbst wenn es sich eindeutig von ihm wegbewegt.

Nur scheint ihm schlichtweg die nötige Physis zu fehlen, um es mit Receivern wie Johnson aufnehmen zu können. Schafft er es, ihn aus dem Spiel zu nehmen, würde es beide Bewertungen gehörig beeinflussen.

An der Line of Scrimmage sehen wir ein weiteres spannendes Duell. Longhorns Center Zach Shackelford ist einer der besten inneren Pass-Protektoren, die wir am College vorfinden. Allerdings ist seine Spritzigkeit in Frage zu stellen, die ihn auch auf NFL-Level weiterhin sicher agieren lässt.

Ein Härtetest mit Ross Blacklock kommt da gerade recht. Der Playmaker kommt nach schwerer Achillessehnenverletzung wieder in Schwung und könnte der Offensive Line und Texas‘ Quarterback Sam Ehlinger mit seinen Mannen das Leben schwer machen.

Der Ausgang des Spiels scheint offener als auf dem Papier zu sein. So können wir auf weitere Draft Prospects schauen, wenn es zum spannenden Showdown in Texas kommt. Da wären Longhorns Safety Brandon Jones, sowie Lucas Niang, Offensive Tackle der Horned Frogs, sowie die beiden Runningbacks Darius Anderson und Sewo Olinilua

#8 Notre Dame Fighting Irish @ #19 Michigan Wolverines (1:30 Uhr)

Für Michigan ist die Saison jetzt schon eine Enttäuschung. Head Coach Jim Harbaugh musste eine weitere Niederlage mit seinem überaus talentierten Kader hinnehmen. Die Playoffs sind außer Reichweite. Im Grunde kann es für jeden Beteiligten nur noch darum gehen, seine persönliche Situation zu verbessern und die Konkurrenz zu ärgern.

Und da kommt zur richtigen Motivation Notre Dame gerade recht. Seit mittlerweile 132 Jahren treffen die beiden Rivalen aus dem Norden regelmäßig aufeinander. Im zweitgrößten Stadion der Welt wollen die Wolverines ihre Fans nicht enttäuschen.

Die Fighting Irish wollen sich indes mit Quarterback Ian Book weiterhin für die Playoffs beweisen. Mit nur einer Niederlage dürfen sie bei ihrem schweren Spielplan durchaus Ansprüche stellen, sollten sich allerdings keine weitere erlauben. Dazu müssen sie bereits auf Fehler der Konkurrenz hoffen. 

Dieses Spiel werde ich als Draft Nerd noch oft im Frühling zu sehen bekommen. Unzählige Talente und Matchups bietet uns die Partie. Da ist für jedes NFL-Team und seine Fans etwas passendes dabei. Zum Beispiel spielen gleich mehrere Wide Receiver und Cornerbacks im direkten Vergleich.

Irish-Receiver Chase Claypool spielt gegen Wolves-Cornerback Lavert Hill. Der physische Claypool ist weniger für hervorragende Separation bekannt, als für technisch saubere Aktionen am Catch Point. Mit gerade einmal 80 Kilogramm Körpergewicht möchte man Hill nicht zutrauen, dass er das Matchup mitgehen kann. Dank deutlichen Geschwindigkeits-Vorteilen und höherer Explosivität kann er uns im Spiel gegen Claypool beweisen, dass er in der NFL auch mit größeren Receivern mithalten kann.

Podcast: Die NFL-Stats der Woche

Wechselt der Ball, geht es weiter mit Michigans Donovan Peoples-Jones, Nico Collins und Tarik Black. Die unterschiedlichen Receiver werden es abwechselnd mit Troy Pride Jr. aufnehmen und seine Vielseitigkeit auf eine harte Probe stellen.

Peoples-Jones mag es, mit großartiger Beschleunigung nach dem Snap zu starten und mag es nicht, wenn man ihn früh in Press Coverage nimmt. Diese physische Spielweise liegt dafür Collins, dem wiederum jegliche Geschwindigkeit fehlt. Die vielseitigste Waffe im Angriff von Quarterback Shea Patterson ist wahrscheinlich Tarik Black. Weshalb er so selten eingesetzt wird? Diese Frage möchte ich im Spiel beantwortet bekommen.

VIDEO: Die Ace-Formation

Wäre ich der Offensive Coordinator der Wolverines, ich würde Pride vor allem mit Collins fordern. Peoples-Jones‘ Spielweise dürfte ihm, trotz des größeren Talents, am ehesten liegen. 

Dabei werden Pride die Safeties Alohi Gilman und Jalen Elliott in der Passverteidigung der Secondary zusätzlich unterstützen. Beide sind am effektivsten, wenn sie sich das Feld teilen können und aus der Tiefe heraus agieren dürfen. Die physischen Safeties sind so häufig für ein wichtiges Play gut, wovor Patterson stets auf der Hut sein sollte.

Harbaugh und sein Quarterback scheinen nie zueinander gefunden zu haben, was ein Faktor für den ausgebliebenen Erfolg ist. Patterson fehlt jeglicher Rhythmus in seiner Offense. Die Secondary der Fighting Irish darf sich also auf mögliche Picks einstellen und sollte Turnover forcieren. Das Linebacking Corps um Asmar Bilal wird versuchen, sein übriges dazu beizutragen.

Julian Okwara und Khaleed Kareem werden für den nötigen Druck sorgen wollen, damit sich Patterson nie wohl in seiner Pocket fühlen kann. Sie werden sich in einem weiteren interessanten Matchup aus der Draftperspektive mit Offensive Tackle Jon Runyan messen. Beide erscheinen eher athletisch und können sich technisch sicherlich noch verbessern. Wir dürfen gespannt sein, wie sie das Duell mit dem geduldigen und sauberen Arbeiter Runyan bestreiten.

Auch die Offense von Notre Dame erwartet eine starke Defense mit erfahrenen Pass Rushern. Hier wird es Joshua Uche mit Offensive Tackle Liam Eichenberg aufnehmen. Der situative Speed Rusher wird mit einem explosiven ersten Schritt versuchen, Eichenberg früh zu schlagen. Jedoch findet der athletische Tackle auf diese Spielweise am ehesten eine Antwort. Beide lassen dafür jegliche Kraftübertragung vermissen, weshalb wir ein Duell auf Augenhöhe erwarten dürfen.

Durch die Mitte werden die Wolverines zusätzlich Druck auf Ian Book erzeugen. Unter anderem wird Right Guard Tommy Kramer gefordert sein, dem Quarterback genug Zeit gegen eine hervorragende Defense zu geben. Kwity Paye und Michael Dwumfor werden die Line penetrieren. Vor allem Paye kann es als Pass Rusher auch mit schwergewichtigen Matchups aufnehmen.

Dies waren nun eine Menge Talente. Da kann man leicht mal den Überblick verlieren. Michigans Linebacker Khaleke Hudson, Tight End Sean McKeon und die inneren Offensive Line Spieler Ben Bredeson und Cesar Ruiz sind zusätzlich relevant. Das Spiel gibt einfach für den Draft eine Menge her und verspricht noch dazu viel Spannung im Kampf der großen Rivalen und College Powerhouses.

Die wichtigsten News der Woche aus dem College Football

Zur Hälfte der Saison werden auch die Einschätzungen zum Rennen um die Heisman Trophy (für den besten College Spieler der Saison) relevant. Seit 1935 wird die ehrenvolle Trophäe nun verliehen. Joe Burrow und Jalen Hurts liefern sich nach Meinung der Experten ein Kopf an Kopf Rennen. Wie siehst du das?

Tua Tagovailoa verletzt sich erneut am Sprungelenk. Diesmal ist es das andere Bein. Alabama hofft seinen Star Quarterback rechtzeitig zum Showdown gegen die LSU Tigers am 9. November wieder fit zu bekommen. Für den Draft wirft die ganze Geschichte Fragen auf.

Tagovailoa konnte noch nie eine gesamte Saison gesund durchspielen. NFL-Teams werden im Medizincheck genau beobachten, wie es um seine Verfassung bestimmt ist. Ein Franchise Quarterback soll jedes Spiel bestreiten. Kommen sie zu dem Schluss, dass dies mehr als fraglich bei ihm ist, wird das seine Bewertung beeinflussen.

Malik Henry wird Zuschauern der Serie „Last Chance U“ sicherlich ein Begriff sein. Der sehr talentierte Quarterback fiel bei seinem damaligen Team immer wieder negativ auf und wurde sogar aus der Mannschaft geworfen.

Mittlerweile hat er es an ein Division I College zu den Nevada Wolf Pack geschafft, um dort erneut aussortiert zu werden. Angeblich soll er nicht suspendiert worden sein, sondern verlässt das Team, „damit er sich auf seine akademischen Ziele konzentrieren kann“.

Auf Twitter gibt es über @Draft_Nerd_DE an jedem Spieltag Threads mit dem Hashtag #DraftWatch zu den jeweiligen Spielen geben. So kannst Du Dich direkt mit Philipp Forstner über die Talente und die Begegnung austauschen.

Du hast Fragen zum College Football oder willst Näheres zu den vorgestellten Talenten und Matchups wissen? Dann schreib SCOUTREPORT-Experte Philipp Forstner an draftnerdde@gmail.com oder auf Twitter (@Draft_Nerd_DE).

Written by Philipp Forstner
Philipp Forstner ist College- und NFL-Draft-Experte bei SCOUTREPORT. Er beobachtet Talente gerne aus der Trainer-Perspektive. Seit 2015 schreibt er für Beardown Germany. Leser kennen ihn auch von draftnerd.de

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