Woche der Rivalen: Michigan hat Ohio State zu Gast

Das beste Football-Wochenende des Jahres ist bereits in vollem Gange. Während die NFL Thanksgiving alljährlich mit einem Triple Header am Donnerstag einläutet, gibt es im College Football die Rivalry Week. Am Freitag und Samstag gibt es packende Duelle und fast alle besitzen eine besondere Würze: Die Teams treffen auf ihren ärgsten Rivalen.

Stolpergefahr ist für die Top-Teams in diesen Tagen vorprogrammiert. Denn sie blicken bereits auf die in einer Woche stattfinden Conference-Meisterschaften. Der Rivale, dessen Saison seit einigen Spielen gelaufen ist, hat sich bestimmt länger auf das Spiel vorbereitet. In dieser einzigen Begegnung am Saisonende liegt für sie nämlich die Chance, ihre verkorkste Saison mit nur einem Sieg gerade zu biegen.

#2 Ohio State Buckeyes @ #12 Michigan Wolverines (18 Uhr)

Eine der heftigsten Rivalitäten erwartet uns Samstagabend im Michigan Stadium in Ann Arbor, dem größten Stadion Amerikas. Schlicht als „The Game“ bezeichnet treffen in der Partie alljährlich die beiden Konkurrenten aus Ohio und Michigan aufeinander. Mittlerweile findet der Schlager schon zum 116. Mal statt. Die letzten sieben Partien konnten die Buckeyes dabei für sich entscheiden. Es wird endlich Zeit für den elffachen Nationalen Meister aus Michigan, die erbittert umkämpfte Rivalität mal wieder zu gewinnen.

Wenn Ohio State verteidigt

Chase Young wird der beste Spieler auf dem Platz sein. Nach beeindruckenden Leistungen des Edge Rushers in diesem Jahr sehen viele in ihm ein noch größeres Talent als Nick Bosa. Er schlägt seine Matchups mit Technik, purem Speed oder krasser Körperbeuge. Young kann einfach alles und das bereits auf einem schwindelerregenden Niveau.

Wolverines Left Tackle Jon Runyan wird aller Voraussicht nach sein nächstes Opfer werden. Technisch kann der erfahrene Offensive Lineman das Duell möglicherweise noch mitgehen. Aber damit schlägt er eben nur eine Waffe im schier endlosen Arsenal von Chase Young.

Wenig Zeit gibt es also für Quarterback Shea Patterson, seine Bälle an den Mann zu bringen. Michigans Spielmacher ist darin, ehrlich gesagt, am besten. Je weniger Reads er durchgeht und nachdenkt, desto effektiver ist er meistens. Wahrlich mit einem raschen Wurfmechanismus ausgestattet, sind es eher die tiefen Pässe und seine Genauigkeit, die seinem Head Coach Jim Harbaugh erneut im Gameplan Sorgen bereiten werden. Dabei könnte Pattersons Supporting Cast zur Unterstützung kaum besser sein.

NFL-Podcast: Der schwerste NFL-Profi mit einem Receiving Touchdown

Er limitiert meiner Meinung nach sogar die Effektivität seiner talentierten Receiver. Donovan Peoples-Jones löst sich sehr schnell und technisch versiert, will der Gegner ihn in Press Coverage nehmen. Würde er zügiger an den Endpunkt seiner Routen gelangen, sprechen wir bei ihm vielleicht von einem Talent für den ersten Tag im Draft.

Der 1,93 Meter große und 100 Kilogramm schwere Nico Collins ist da eher der Mann für konkrete Aktionen am Catch Point. In Sachen Release nach dem Snap liegt der dafür weit hinter Peoples-Jones. Bleibt Tarik Black als weniger talentierter Allrounder übrig.

Das Trio Infernale trifft auf ein hervorragendes Matchup aus Sicht der NFL-Scouts. Jeder Einzelne hat es auf der anderen Seite mit einem für den Draft relevanten Cornerback zu tun. Ohio States Damon Arnette ist der Erfahrenste unter ihnen. Er hat ein gutes Gespür zur Erkennung des gegnerischen Plans, was ihm vor und nach dem Snap hilft. Unterm Strich würde ich ihn dennoch eher als solide bezeichnen.

Jeffrey Okudah ist da ein ganz anderes Kaliber. In Press und Man Coverage hat er seine größten Momente. Damit reiht er sich nahtlos in die lange Liste an ehemaligen Buckeyes Cornerbacks ein, die es in der NFL zu Großem gereicht haben. Denzel Ward und Marshon Lattimore haben es ihm vorgemacht. Sie wurden beide früh in der ersten Runde gedraftet und konnten die Investition ihres neuen Teams früh in der Karriere auf dem Feld zurückzahlen.

Der dritte im Bunde ist Shaun Wade. Seine Spiel- und Routenerkennung ist fabulös. Für einen Cornerback im zweiten Jahr ist er sehr weit. Wie weit, können wir in Matchups mit sehr erfahrenen Receivern von Michigan nach dem Spiel besser beurteilen. Vielleicht ist er eher ein Kandidat, noch ein Jahr zu warten. Dann könnte er nächste Saison in die Fußstapfen von Okudah treten. Fans der Ohio State Buckeyes wird es sicher recht sein, wenn Shaun noch bleibt.

Weitere Talente in ihrer Defense könnten oder müssen sogar den Weg in die NFL über den Combine im nächsten Frühling wagen. Da wären Defensive Lineman Robert Landers und die Linebacker Tuf Borland und Malik Harrison zu nennen. Michigan hat dagegen die talentierte innere Offensive Line mit Ben Bredeson, Cesar Ruiz und Michael Onwenu aufzubieten. Dazu könnte Tight End Sean McKeon brauchbarer für die NFL als für Harbaughs System sein. 

Wenn Michigan verteidigt

Du könntest jetzt meinen, dass Michigan gegen diese starke Abwehr keine Chance hat. Wäre da nicht das talentierte Defensiv-Bollwerk der Wolverines, würde ich Dir sogar recht geben.

Abgesehen von Lavert Hill bringt ihre Secondary nicht annähernd die Erfahrung der Buckeyes mit, kann sich aber durchaus sehen lassen.  Auf Hill wird es allerdings ankommen. Der erfahrene Press-Man-Verteidiger gehört zu den wenigen Cornerbacks der nächsten Draftklasse, an dessen Run Support ich nichts auszusetzen habe. Er ist etwas kleiner als andere Konkurrenten. Davon ist aber am College zumindest nichts zu spüren. Im Spiel wird er es oft mit dem hoch aufgeschossenen Receiver Binjimen Victor zu tun bekommen.

Hill darf also erneut zeigen, dass Größe bei ihm als Cornerback kaum über den Erfolg entscheidet. Abgesehen von der Red Zone traue ich ihm durchaus zu, das Matchup zu gewinnen.

Das wird aber nicht reichen, um die Angriffswellen von Ohio State zu stoppen. Die spielen nämlich bevorzugt kurze Pässe über ihre Runningbacks und H-Back K.J. Hill. Letzterer übernahm die Rolle von Ehemaligen, wie Curtis Samuel und Parris Campbell, um mal einen Vergleich zu ziehen. K.J. ist so unfassbar beweglich und schwer im offenen Feld zu fassen und dabei dennoch sehr gefährlich in Contested Catch Situationen.

Vom Talent für die NFL sehe ich ihn leicht vor Samuel. Was Dir sagen sollte, dass er in einer kreativen Offense ein ernstzunehmender und produktiver Starter werden kann. Das Linebacking-Corps um Khaleke Hudson wird auf alle Fälle mit ihm alle Hände voll zu tun bekommen. Deren Stärken sehe ich nämlich eher in der Laufverteidigung.

Ein wichtiger Schlüssel zum Erfolg wird sein, das Laufspiel um Buckeyes Runningback J.K. Dobbins zu begrenzen, was leichter gesagt als getan ist. Gegen den schnellen und wendigen Runner scheint in diesem Jahr kein Kraut gewachsen. Nicht zuletzt deshalb gehe ich auch davon aus, dass Ohio State die Oberhand behält und sich kurz vorm Ziel nicht mehr vom Rivalen in die „Playoff-Suppe“ spucken lässt.

Sicherlich bleibt abzuwarten, wie der junge Quarterback Justin Fields auf die überwältigende Kulisse und den Druck der gegnerischen Defensive Line reagiert. Die Pass Rusher Joshua Uche und Kwity Paye sowie Defensive Lineman Michael Dwumfour verstehen ihr Handwerk. Einem richtigen Härtetest musste die Offensive Line der Buckeyes bisher noch nicht standhalten.

Colorado Buffaloes @ #6 Utah Utes (1.30 Uhr)

Aufgrund der Neustrukturierung einiger Conferences im Jahr 1962 mussten Fans beider Teams lange Zeit auf die bis dahin seit 1903 ausgetragene alljährliche Rivalität verzichten. Doch seit 2011 treffen sie sich Utah und Colorado wieder am letzten Wochenende im November zum „Rumble in the Rockies“. In der Historie der Staaten-Nachbarn holten die Buffaloes die meisten Siege, jedoch konnten die Utes die letzten beiden Partien für sich entscheiden.

Wenn Colorado angreift

Die Buffaloes werden versuchen, ihre beiden Receiver Laviska Shenault und K.D. Nixon in Szene zu setzen. Beide kommen sehr über ihre Athletik und werden vielseitig auf dem Feld eingesetzt. Die explosiven Playmaker wollen mit Big Plays und vielen Yards nach dem Catch schnell über das Feld jagen. Etwas dagegen haben wird Cornerback Jaylon Johnson. Im Punkt Athletik steht dieser den beiden Passempfängern nämlich in nichts nach, weshalb ich mich auf einen Leckerbissen in den Duellen freue.

Unterstützung erhält Johnson in der Secondary von Safety Julian Blackmon. Ehrlich gesagt, gefällt mir der ausdauernde Defensive Back außen besser. Als letzte Absicherung macht er noch dazu vermeidbare Fehler, die zu eben diesen Big Plays führen können, auf die es der Angriff und Quarterback Steven Montez abgesehen haben.

Colorados Spielmacher mag es rhythmisch und mit ausgezeichnetem Timing, kurze Pässe an seine Playmaker zu bringen, die dann die Plays verlängern. Dabei passieren ihm aufgrund schlechter Passmechaniken im Unterkörper regelmäßig Ungenauigkeiten, auf die Utahs Defensive Backs lauern sollten. Bereits zehn Interceptions stehen zu Buche und weitere könnten in diesem wichtigen Spiel folgen. Sie würden das Schicksal der Buffaloes besiegeln.

Philipp Forstner, College-Experte bei SCOUTREPORT (Foto: Elena Forstner)
Philipp Forstner, College-Experte bei SCOUTREPORT. Foto: Elena Forstner

Der Quarterback hat Probleme, seine Füße schnell und sauber zu setzen. Frühzeitiger Druck ist also sicherlich hilfreich, um Turnover zu forcieren. Die Defensive Line der Utes um Bradlee Anae, John Penisini und Leki Fotu dürfte das mit ihrem Talent hinbekommen.

Wenn Utah angreift

Zack Moss scheint seine Verletzung endgültig überwunden zu haben und könnte mit seinen Laufattacken der Garant zum Erfolg der Utes im „Rumble in the Rockies“ werden. Ich bin beeindruckt, wie der Runningback seinen puren Speed an der Line of Scrimmage kontrollieren und dosieren kann, um dann im richtigen Augenblick durch das passende Gap zu rasen. Colorado wird Linebacker Nate Landman bevorzugt auf ihn ansetzen. Die Fähigkeiten des „Old-School“-Linebackers dürften in der NFL weniger gefragt sein als in diesem Spiel.

Mit seinem physischen Spiel wird er das Laufspiel um Zack Moss eventuell eindämmen können, doch birgt seine fehlende Athletik ein neues Problem. Denn Utahs Quarterback Tyler Huntley kann auch laufen. Darin ist er sogar sehr gefährlich. Im Passangriff hat er sich auch soweit verbessert, dass ich ihn im Gesamtpaket für einen der besten College-Quarterbacks des Landes halte.

College Playoff Ranking Woche 13
Die 14 besten College-Teams nach Philipp Forstner. Grafik: Chris Höb/SCOUTREPORT

Wohlgemerkt am College. Denn für die NFL sind mir Armtalent, Genauigkeit und Wurfmechanik zu durchschnittlich. Dafür müsste er noch eine Schippe drauf legen. Doch für die Playoff-Hoffnungen Utahs müssen jetzt ausschließlich Siege her. Da dürfen sie einem Quarterback mit dem Talent von Tyler Huntley mehr als vertrauen.

Im Aufeinandertreffen der Rivalen kann Colorado nur hoffen, Huntley irgendwie in der Pocket zu halten. Edge Verteidiger Mustafa Johnson wird mit seinen Mannen einen herausragenden Job abliefern müssen. Ehrlich gesagt sehe ich Utah am Ende vorn. Huntley ist der bessere Quarterback und wird weniger Fehler als Montez machen. 

Wide Receiver Laviska Shenault im Profil

Der 21-jährige gebürtige Texaner spielt seit seinem Freshman-Jahr für die Colorado Buffaloes als Stammspieler. Mit 1,88 Meter Körpergröße und etwa 100 Kilogramm wird Shenault nicht ausschließlich als etatmäßiger Wide Receiver eingesetzt. Er ist als Kick Returner und im Laufspiel ebenfalls sehr gefährlich. 

Die Stärken von Laviska Shenault

Seine Athletik ist so außergewöhnlich, dass es kaum verwundert, wie vielseitig er eingesetzt wird. Shenault ist wirklich ein Alleskönner. Ein Offensiv-Guru in der NFL wird sich darauf freuen, seinen Gameplan danach auszulegen, Laviska oft den Ball geben zu können. Am College spielte er auf der Slot-Position, als Wideout außen, als Runningback und sogar als Wildcat-Quarterback. Er ist schnell, kräftig und spritzig. Damit ist Shenault jederzeit für ein Big Play gut.

Die Schwächen von Laviska Shenault

Will ein Team ihn nur auf einer Position ausprobieren, werden sie ihn deutlich tiefer bewerten. Vor allem seine Allround-Fähigkeiten machen ihn zu einem Top Prospect. Oft spielt er „frei Schnauze“ und kreiert seine eigenen Plays. Damit wird er bei einigen NFL-Coaches auf taube Ohren stoßen. Er muss sein Spiel definitiv verfeinern. Ist er dazu in der Lage, kann er der wichtigste Spieler einer Offense nach dem Quarterback werden.

Gegen die Utah Utes erwartet ihn am letzten Spieltag die größte Herausforderung im Matchup mit Cornerback Jaylon Johnson. Dieses Tape wird viel über seine zukünftige Bewertung aussagen. Cordarelle Patterson ist ein passender Vergleich für ihn. Der hat lang gebraucht, bis NFL-Coaches den richtigen Weg gefunden haben, ihn kreativ einzusetzen. Um einen Erstrundenpick zu rechtfertigen, müsste Shenault schon besser bewertet werden als Patterson seinerzeit am College.

Die wichtigsten News der Woche aus dem College Football

Am Ende gab es keine Einigung. Die Rutgers Scarlet Knights wollten ihren ehemaligen Erfolgscoach unbedingt nach New Jersey zurückholen. Doch die Forderungen von Greg Schiano waren nicht umsetzbar. Acht Jahre und über 25 Millionen US-Dollar garantiertes Gehalt bei gleichzeitigem Ausbau der sportlichen Anlagen waren finanziell nicht tragbar. Rutgers hat bis an den Rand seiner Möglichkeiten mit Schiano verhandelt. Jetzt begibt man sich wieder auf die Suche.

Auf Twitter gibt es über @Draft_Nerd_DE an jedem Spieltag Threads mit dem Hashtag #DraftWatch zu den jeweiligen Spielen. So kannst Du Dich direkt mit Philipp Forstner über die Talente und die Begegnung austauschen.

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Written by Philipp Forstner
Philipp Forstner ist College- und NFL-Draft-Experte bei SCOUTREPORT. Er beobachtet Talente gerne aus der Trainer-Perspektive. Seit 2015 schreibt er für Beardown Germany. Leser kennen ihn auch von draftnerd.de

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