LSU und Clemson im „Tiger Bowl“: Der Herausforderer ist Favorit

In der Nacht von Montag auf Dienstag steigt ab 2 Uhr das große College-Finale. Im Mercedes-Benz Superdome, Heimstätte der New Orleans Saints, treffen zwei ungeschlagene Teams aufeinander. Für die LSU Tigers und Clemson Tigers konnte der Weg dorthin allerdings nicht unterschiedlicher aussehen. Außer dem Maskottchen vereint sie praktisch nichts im „Tiger Bowl“.

Die Tiger unterscheiden sich

Das Offensichtliche kommt direkt zum Anfang. LSU stellt im Finale die beste Offense des Landes. Im Halbfinale gegen die Oklahoma Sooners erlangten sie mit 63 Punkten einen neuen Playoff Rekord. Der Titelverteidiger Clemson bringt die beste Abwehr mit nach Louisiana. Vor allem in der Red Zone waren sie gegen Ohio State schwer zu knacken und erlaubten nur einen Touchdown bei fünf Besuchen.

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Insgesamt pflasterten sechs gerankte Teams den Weg der LSU Tigers ins Finale. Zum Zeitpunkt der jeweiligen Begegnung befand sich jedes gegnerische Team in den Top Ten. Durchschnittlich erzielten sie in den teilweise engen Spielen mindestens fünf Touchdowns und über 42 Punkte.

Clemson erlebte dagegen einen Spaziergang und spielte nur gegen drei Mannschaften aus den Top 25. Davon zählte lediglich der Halbfinal-Gegner zu den wirklich schweren Brocken. Das Team aus South Carolina erlaubte im Schnitt weniger als 17 Punkte und keine zwei Touchdowns in diesen Paarungen.

Clemsons Defensive anfangs mit Sand im Getriebe

Es dauerte seine Zeit, bis die Verteidigung von Clemson seinen hohen Ansprüchen gerecht wurde. Jedoch war das kaum verwunderlich. In der Defensive Line des amtierenden Champions kehrte kein einziger Starter zurück. Freshman Tyler Davis ist mit seinen Mannen an den Aufgaben stetig gewachsen.

Defensive Coordinator Brent Venables bietet den jungen Talenten mit seiner Erfahrung eine wichtige Stütze, die sein Team im Finale benötigen wird. Die Heimstätte des Gegners ist keine 130 Kilometer von New Orleans entfernt. LSU wird dem Meister einen beeindruckenden Empfang in seinem „Wohnzimmer“ bescheren. Zwei Titel konnte LSU in den vergangenen 15 Jahren gewinnen. Beide errangen sie im Superdome von New Orleans.

LSU in neuem Gewand

Die Kontrahenten bereiten sich seit zwei Wochen auf das Endspiel vor. Clemson bringt die größere Erfahrung mit, bietet dem Gegner allerdings auch viel mehr Filmmaterial. Die neue Spread Offense von LSU schaffte erst in diesem Jahr den Sprung von Mittelmaß zur absoluten Oberklasse und ist noch schwer auszumachen.

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Quarterback Joe Burrow erzielte insgesamt 59 Touchdowns. Seine Wide Receiver Ja’Marr Chase und Justin Jefferson fingen zusammen für etwa 3000 Yards und 36 Touchdowns bei 17 Yards pro Reception. Der Lauf-Angriff um Clyde Edwards-Helaire steht dem in nichts nach. Im Schnitt machten sie 4,9 Yards pro Lauf und punkteten gemeinsam mit 31 Touchdowns auf dem Boden. Punter Zach von Rosenberg war beinahe arbeitslos und betrat so gut wie nie das Feld.

Clemsons Linebacker Isaiah Simmons und die erfahrene Secondary werden alles aufbieten müssen. Bessere Duelle können wir Fans in einem Spiel um die Nationale Meisterschaft nicht verlangen.

Trevor Lawrence nicht vergessen

Zünglein an der Waage ist für mich die Tatsache, dass Clemsons Offense ein weitaus leichteres Matchup bekommt. Die Abwehr von LSU reicht nicht an die von Clemson heran. Vergleichen wir die beiden Angriffsreihen wird gern vernachlässigt, dass der Tiger aus South Carolina genauso laut brüllen kann.

Trevor Lawrence ist immer noch der beste Quarterback am College und hochmotiviert, dass der Welt erneut zu beweisen. In seiner gesamten College-Karriere hat er noch kein einziges Spiel verloren. Unterstützt wird er dabei von Runningback Travis Etienne. Der macht im Schnitt acht Yards pro Lauf bei fast 200 Versuchen. Hinzukommt, dass Wide Receiver Tee Higgins wieder genesen sein sollte und voll eingesetzt werden kann.

Die Matchups mit Kristian Fulton und Derek Stingley sind vielversprechend. Lawrence wird alles daran setzen, seinen Star-Receiver kurz vor dem NFL Draft noch einmal strahlen zu lassen.

Der Herausforderer ist Favorit

LSU hat in dieser Saison überzeugt. Soviel steht fest. Aber Clemson spielt nach holprigem Start seit Wochen wie im Rausch und dies wird in der Öffentlichkeit zu sehr vernachlässigt. So sehr, dass nicht der amtierende Meister, sondern der Herausforderer bei den Wettbüros als Favorit in das Endspiel geht.

Philipp Forstner, College-Experte bei SCOUTREPORT (Foto: Elena Forstner)
Philipp Forstner, College-Experte bei SCOUTREPORT (Foto: Elena Forstner)

Ich erwarte ein sehr enges Spiel. Clemson gewinnt mit weniger als einem Field Goal Vorsprung. Es würde mich nicht wundern, wenn sie dafür die 40-Punkte-Marke knacken müssen.

Da lohnt es sich doch, in der Nacht von Montag auf Dienstag einzuschalten und einen übermüdeten Tag im Anschluss in Kauf zu nehmen.

Die wichtigsten News der Woche zum NFL Draft

Mit Justin Herbert nimmt ein weiterer hochkarätiger Spieler die Einladung zum Senior Bowl an. In Mobile, Alabama treffen sich in wenigen Tagen viele Talente für den NFL Draft. Das Spiel wird beinah zur Nebensache. Den öffentlichen Trainingseinheiten unter Anleitung der Coaching Staffs von Zac Taylor und Matt Patricia fiebern Scouts stattdessen entgegen.

Neben potenziellen Erstrundenpicks wie den Quarterbacks Justin Herbert und Jordan Love dürfen wir uns auf hochkarätige SEC-Verteidiger freuen. Gerade für Prospects von kleineren Schulen ist der Senior Bowl eine großartige Gelegenheit, die Aufmerksamkeit der Scouts zu erlangen und sich mit den Besten auf dem Feld zu messen. Tytus Howard von der unterklassigen Alabama State bewies sich 2019 dort für die erste Runde.

Ab nächster Woche werde ich für Dich über alle Geschehnisse rund um den Senior Bowl berichten.

Quarterback Tua Tagovailoa meldet sich zum NFL Draft an. Trotz seiner Hüftverletzung gilt er als einer der Top-Picks Ende April. Er konnte der NFL in Alabama am College nichts mehr beweisen. Der Schritt ist für mich folgerichtig .

Autor: Philipp Forstner
Philipp Forstner ist College- und NFL-Draft-Experte bei SCOUTREPORT. Er beobachtet Talente gerne aus der Trainer-Perspektive. Seit 2015 schreibt er für Beardown Germany. Leser kennen ihn auch von draftnerd.de

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