Clemson Tigers bringen zahlreiche NFL-Receiver hervor

In der Vorbereitung auf den NFL Draft 2020 werden wir uns die Klasse der Receiver ganz genau anschauen. Erste Stimmen, es handele sich um die beste Gruppe der vergangenen 20 Jahre, teile ich insofern, dass mir in meinen fünf Jahren als Draft Nerd diese Qualität nicht untergekommen ist. Am Wochenende treffen die Clemson Tigers zu Hause auf die Wake Forest Demon Deacons. In den Reihen der Tiger befindet sich einer der Top-Leute der nächsten Klasse.

Obwohl er im Duett mit einem der besten Quarterbacks des Landes aufläuft und durch gute Leistungen hervorsticht, könnte Tee Higgins am zweiten Tag des Drafts noch zu haben sein. Dabei spielt er doch für die Wide- Receiver-Universität schlechthin.

Am Wochenende können wir uns anschauen, ob das daran liegt, dass die Konkurrenz auf der Position einfach noch stärker ist oder ob er doch nicht die Klasse ehemaliger Erstrunden-Receiver besitzt.

Wide Receiver Tee Higgins im Profil

Higgins heuerte 2017 bei den Clemson Tigers an. Keine schlechte Idee, gilt die Universität doch als Kaderschmiede für gute NFL-Receiver. Hunter Renfrow, Mike Williams, Sammy Watkins und DeAndre Hopkins stammen alle von dort. Im kommenden Draft erwarten wir den dann gerade einmal 21-jährigen Tee Higgins bei den Profis. Mit etwa 1,93 Metern und 95 Kilogramm besitzt dieser das Gardemaß für die Position.

Die Stärken von Tee Higgins (Clemson Tigers)

Mit seinen langen Beinen legt Higgins schnell seine Wege auf dem Feld zurück. Generell ist seine Körperlänge beeindruckend. Seine Arme vergrößern seinen Catch-Radius ungemein. Er spielt allerdings nicht nur aufgrund seiner Länge groß, sondern weiß diese auch exzellent einzusetzen. Physis lässt er ebenso wenig in seinem Spiel vermissen. Am Catch Point sehen wir teils sehr athletische Plays von ihm.

Grundsätzlich ist Higgins ein hochgewachsener ordentlicher Routenläufer. Er verfügt über effektive Techniken, um gegen Press Coverage aggressiv zu gewinnen. Gerade die großen Jungs sind da gern etwas nachlässiger. Er nicht. Der mannschaftsdienliche Spieler ist sich auch nicht zu fein zum Blocken und führt dies sehr gut aus. Entscheidende Plays sehen wir vor allem, wenn er Richtung Seitenlinie seine Körperlänge und Physis gebrauchen kann. Allerdings sind auch seine Läufe nach dem Catch nicht zu verachten.

Die Schwächen von Tee Higgins

Natürlich ist er nicht so dynamisch wie kleinere Receiver. Im Route Running möchte ich, dass er definierter seine Läufe angeht. Dort ist noch Luft nach oben, um als wichtige und häufig anspielbereite Nummer eins in der NFL zu gelten. Außerdem fehlen mir dort weitere Kombinationen. Ein athletischer Freak wie DK Metcalf darf sich darauf ausruhen, nicht so beweglich zu sein. Aber Higgins muss enge Routen laufen können, da er sich mit schierer Athletik nicht konstant durchsetzen wird.

College Playoff Ranking SCOUTREPORT
Das College-Playoff-Ranking nach Woche 11 von Philipp Forstner. Grafik: SCOUTREPORT

Gelegentliche Drops sind nicht von der Hand zu weisen und bedürfen einer genauen Betrachtung. Außerdem warte ich noch auf seine erste 1000-Yards-Saison. Die ist dieses Jahr aber realistisch.

In Sachen Matchups muss man in diesem Jahr einen Abstrich machen. Es gab keine Cornerbacks, die ihm an Talent oder Physis annähernd das Wasser reichen können.

Wake Forest Demon Deacons @ #3 Clemson Tigers (21.30 Uhr)

Generell haben die Clemson Tigers in diesem Jahr das Problem der nicht vorhandenen Konkurrenz. Der amtierende Nationale Meister wird am Ende wahrscheinlich gegen kein einziges Team gespielt haben, dass im College Playoff Ranking aufgeführt ist. Berechtigterweise erhält der Champion Vorschusslorbeeren und sollte es ohne Niederlage in die Playoffs schaffen. Ein Ausrutscher dürfte nicht zu kompensieren sein.

Nun trifft man gegen Wake Forest auf das wahrscheinlich zweitstärkste Team der Atlantic Coast Conference (ACC). Die Demon Deacons aus North Carolina haben dieses Jahr schon etwas liegen lassen, sind allerdings ein durchaus ernstzunehmender Gegner auf dem Weg zur Conference Meisterschaft und der Qualifikation für die Playoffs.

Wide Receiver Tee Higgins wird es im Passangriff mit einem Cornerback aufnehmen, den ich letztes Jahr schon im Draft erwartet hätte. Essang Bassey tat allerdings gut daran, seine Techniken zu verfeinern. Der ohnehin recht kleine Verteidiger dürfte in der NFL eher als Nickelback angesehen werden.

Jedoch könnte er am Wochenende gegen den hochgeschossenen und talentierten Higgins ein Ausrufezeichen setzen. Auch andere kleinere Cornerbacks haben bereits bewiesen, dass sie es durchaus mit physischen Receivern aufnehmen können. Und ein Talent mit solch großartigen Ball Skills würden NFL-Teams nur allzu gern als Cornerback aufstellen, wenn er das Zeug dazu hat.

Ein weiteres Matchup erleben wir an der Line of Scrimmage. Dort wird Defensive End Carlos Basham Jr. versuchen, Druck auf den jungen Quarterback Trevor Lawrence zu erzeugen. Daran hindern möchte ihn der in seiner Athletik offensichtlich limitierte Offensive Tackle Tremayne Anchrum, damit sein Spielmacher sich frei entfalten kann.

Der vielseitige Pass Rusher dürfte eine echte Herausforderung darstellen, sollte jedoch bei seinen technisch versierten Attacken die Laufverteidigung nicht vergessen. Dort sind die Clemson Tigers mit Runningback Travis Etienne nämlich extrem gefährlich.

Auch wenn Wake Forest für den Draft noch den talentierten Offensive Tackle Justin Herron aufs Feld gegen Clemson führt, so ist der Meister einfach viel besser besetzt. Cornerback A.J. Terrell, Linebacker Isaiah Simmons, Defensive Tackle Nyles Pinckney, Safety Tanner Muse und Offensive Guard Gage Cervenka müssen in der Begegnung den Unterschied ausmachen. Ansonsten ist es Aus mit den Playoffs.

South Carolina Gamecocks @ Texas A&M Aggies (1.30 Uhr)

Aggies-Cheftrainer Jimbo Fisher wurde mit einem hochdotierten Vertrag förmlich überschüttet und verließ vor zwei Jahren die ACC und die Florida State Seminoles. Seitdem muss der an der Atlantikküste gefeierte Head Coach feststellen, dass sich seine Erfolge im Süden nicht so leicht wiederholen lassen. Bei der Rekrutierung junger Talente ist die Konkurrenz deutlich größer und auf dem Platz schlägt sich das nieder.

Das Erreichen eines ordentlichen Bowl Games dürfte das Minimalziel sein. Dazu muss man die Gamecocks schlagen.

Scouts erwartet in einem umkämpften Spiel das Duell zwischen Wide Receiver Bryan Edwards auf Seiten der Gamecocks und Aggies Cornerback Myles Jones. Edwards ist trotz seiner großen Körpermaße in der Lage, sich technisch und mit spritzigen Schritten früh vom Gegenspieler zu lösen.

Visiert man ihn jedoch auf tiefen Routen an, hat er so seine Probleme, den Ball über der Schulter zu lokalisieren. Gegen Myles Jones wird er sich ein physisches Duell auf den ersten Metern liefern und in den tiefen Räumen durchaus seine Chancen bekommen, die es für ihn zu nutzen gilt.

Bei Texas A&M erhalten wir in der Offensive einen Blick auf Quarterback Kellen Mond. Ein Kandidat, der weniger Aufmerksamkeit als die Stars erhält. Mond ist ein athletischer Pocket Passer, der seine Genauigkeit und Entscheidungsfindung in der Vergangenheit stetig verbessert hat. Wir dürfen gespannt sein, wie gut er seine Receiver Quartney Davis und Kendrick Rogers in Szene setzen kann.

Die NFL-Stats der Woche im Podcast

Zwei Defensive Linemen sollten es jedem Scout angetan haben. Allen voran South Carolinas Javon Kinlaw dürfen wir Aggies Justin Madubuike nicht vergessen. Gerade die Front Seven von der Ostküste wird Kellen Mond vor eine ernstzunehmende Herausforderung stellen. Edge Rusher D.J. Wonnum wird mit Kinlaw für mächtig Wirbel sorgen. Dahinter wartet noch Linebacker T.J. Brunson.

Alles in allem dürfen wir eine spannende Partie in der Southeastern Conference erwarten. Fans sollten sich abseits des Kampfes um die Playoff-Plätze auch solchen Duellen hingeben. 

Die wichtigsten News der Woche aus dem College Football

Der meiner Meinung nach beste Spieler der nächsten Draftklasse, Edge Rusher Chase Young, wurde für zwei Spiele suspendiert. Man mag davon halten, was man will, aber sein Verhalten rief die Regelhüter des Nationalen Athleten Verbandes (NCAA) auf, eine Sperre auszusprechen.

Young lieh sich von einem befreundeten Berater Geld, damit seine Freundin ihm bei seinem Spiel im Rose Bowl Game in Pasadena, Kalifornien, zusehen konnte. Das „Darlehen“ hat Young längst zurückbezahlt. Außerdem sollte sich der Verband eher die Frage stellen, weshalb dieser Schritt von Chase überhaupt nötig war.

Glücklicherweise wird er seinen Ohio State Buckeyes in den wichtigsten Spielen auf dem Weg in die Playoffs wieder zur Verfügung stehen.

Defensive End Julian Okwara hat sich das Bein gebrochen und fällt für den Rest der Saison aus. Seine Vorbereitung für den nächsten Draft wird das definitiv beeinflussen, jedoch sollte er für den Combine wieder fit sein. Im Trikot der Notre Dame Fighting Irish wird er hingegen nie wieder auflaufen können.

Written by Philipp Forstner
Philipp Forstner ist College- und NFL-Draft-Experte bei SCOUTREPORT. Er beobachtet Talente gerne aus der Trainer-Perspektive. Seit 2015 schreibt er für Beardown Germany. Leser kennen ihn auch von draftnerd.de

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