CBA 2020: Die wichtigsten NFL-Neuerungen

Während die NFL und auch wir voll im Draftfieber stecken, wird hinter den Kulissen fleißig am neuen Collective Bargaining Agreement, kurz CBA, gearbeitet. Was ändert sich für Dich als Zuschauer und die Spieler und wie ist der aktuelle Stand? Wir haben alle wichtigen Fragen für Dich beantwortet.

Was ist das Collective Bargaining Agreement überhaupt?

Das Collective Bargaining Agreement, abgekürzt CBA, ist im Prinzip ein Tarifvertrag zwischen der NFL-Spielergewerkschaft NFLPA (National Football League Players Association) und der Liga, die durch die 32 Team-Owner repräsentiert wird.

Erstmals wurde 1968 ein CBA erfolgreich abgeschlossen. Bis 2011 folgten sechs weitere Vereinbarungen zwischen NFL-Spielern und -Ownern. Begleitet wurden die Verhandlungen häufig von Streiks und Lockouts, was teilweise den Spielbetrieb lahmlegte. Letztendlich fanden die Konfliktparteien aber immer einen Kompromiss.

Wie ist der Zeitplan für das aktuelle CBA?

Das 2011 vereinbarte CBA gilt eigentlich noch bis zum Ende der kommenden Saison. Allerdings drängen vor allem die Owner auf ein neues CBA bis zum offiziellen Ligastart am 18. März, um unter anderem auch die TV-Rechte neu verhandeln zu können. Denn das neue CBA würde größtenteils bereits für die 2020er-Saison gelten. Welche Änderungen tatsächlich schon in der kommenden Spielzeit wirksam werden, klären wir später im Detail.

Das neue CBA: Was bisher geschah

Die Verhandlungen für das neue CBA laufen bereits seit April 2019. Am 20. Februar 2020 trafen sich die NFL-Owner in New York und stimmten dem Entwurf zu. Dazu bedurfte es einer Zweidrittel-Mehrheit, die auch erreicht wurde. Allerdings stieß der Vorschlag in NFL-Spielerkreisen nicht unbedingt auf Gegenliebe.

Ablehnung durch die NFLPA

Am 21. Februar lehnte das Exekutivkomitee der Spielergewerkschaft NFLPA den CBA-Vorschlag überraschend mit Sechs zu Fünf Stimmen ab. Die Ablehnung ist allerdings nur als Empfehlung an die NFLPA-Mitglieder zu verstehen und keine bindende Vorgabe.

Der anschließend durchgeführte Conference Call aller 32 Team-Repräsentanten kam zu keinem Ergebnis, auch beeinflusst durch die überraschende Ablehnung des Exekutivkomitees.

Fortschritte beim Combine

Beim NFL Combine setzten sich Owner und die NFLPA abermals zusammen, um weiter zu verhandeln. Dort stimmten die 32 Team-Repräsentanten mit 17 zu 14 Stimmen bei einer Enthaltung für den Vorschlag. Die Abstimmung sorgte für heftige Diskussionen und einige harte Tweets etablierter Spieler, wie Steelers-Center Maurkice Pouncey, der den Führungspersönlichkeiten der NFLPA vorwarf, nicht die Interessen aller Spieler zu vertreten.

Der aktuelle Stand

Jetzt liegt es an den rund 2.100 NFLPA-Mitgliedern, über das CBA abzustimmen. Die Abstimmung sollte ursprünglich bis zum 13. März, 4:59 Uhr deutscher Zeit laufen, wurde aber bis zum 15. März 4:50 Uhr deutscher Zeit verlängert. Mit dieser Maßnahme möchte die NFLPA den Spielern mehr Zeit geben, die 456 Seiten des CBAs gewissenhaft zu lesen.

Vermutlich wissen wir also am frühen Sonntagmorgen, wie das Voting gelaufen ist. Wenn 50,1% der Spieler pro CBA voten, gilt das Dokument als angenommen. Referenzgröße bei der NFLPA-Abstimmung ist übrigens die Wahlbeteiligung. Sollten also zum Beispiel nur 100 Spieler abstimmen, reichen 51 Ja-Stimmen, um das CBA anzunehmen.

Wenn Du dir das komplette CBA durchlesen möchtest, findest Du alle 456 Seiten als PDF-Dokument hier. Einen Vergleich zwischen altem und neuem CBA gibt es hier.

Für Irritationen sorgten am 9. März Äußerungen verschiedener Owner, die auf eine Ablehnung des CBA hofften. Demnach seien einige Teambesitzer davon überzeugt, dass sie den Spielern zu große Zugeständnisse gemacht hätten und dass sogar 18 Regular Season-Spiele im Bereich des Möglichen wären. Vermutlich handelte es sich bei dieser Mitteilung aber um eine bewusste Manipulation, um vor allem die „Geringverdiener“ unter den NFL-Spielern dazu zu bringen, für das CBA zu voten, um möglichst bald von den finanziellen Verbesserungen zu profitieren.

Mitten im Abstimmungszeitraum fiel übrigens die Wahl des neuen NFLPA-Präsidenten am 10. März. Browns-Center J.C. Tretter erhielt die meisten Stimmen. Der 29-Jährige setzte sich gegen Giants-Safety und CBA-Gegner Michael Thomas und Buccaneers-Linebacker Sam Acho durch und gilt als gemäßigt, was den aktuellen CBA-Entwurf betrifft.

Was sind die größten Streitpunkte beim neuen CBA?

Erster großer Knackpunkt im aktuellen Entwurf des CBA ist das von den Ownern gewünschte 17. Regular-Season-Spiel für jede Mannschaft. Während die Spieler darin vor allem eine zusätzliche Belastung sehen, wittern die Owner darin ihre Chance, bei den anstehenden Verhandlungen mit den TV-Anstalten noch mehr Geld herauszuschlagen.

Schlichtend könnte hier der Umfang des zusätzlichen 17. Gamechecks für die Spieler fungieren. Zunächst hatten die Owner einen auf 250.000 US-Dollar gedeckelten Betrag vorgeschlagen, der allerdings von der NFLPA abgelehnt wurde.

Der zweite große Knackpunkt sind die finanziellen Vorteile, die sich die Spieler aus dem neuen CBA erhoffen und sicher auch bekommen werden. Allerdings gehen die Meinungen und Ansprüche der Profis dabei weit auseinander. Der oben genannte Gamecheck von rund 250.000 US-Dollar wird von den gutverdienenden Spielern abgelehnt, während die „Geringverdiener“ in der NFL dem Ganzen deutlich zugewandter sind.

Kein Wunder, denn rund 60 % der NFL-Spieler verdienen nur den „Mindestlohn“ und würden enorm vom neuen CBA profitieren. Damit wird auch deutlich, warum die Spielergemeinschaft so gespalten ist und eben nicht mit einer Stimme spricht. Bedenkt man zudem, dass eine durchschnittliche NFL-Karriere nur 3,3 Jahre dauert, sind die Wünsche der NFL-„Geringverdiener“, das CBA anzunehmen, nachvollziehbar.

Welche Änderungen sollen im neuen CBA beschlossen werden?

Der von den Ownern abgesegnete CBA-Entwurf sieht zahlreiche Änderungen vor. Es folgt eine Liste der wichtigsten Punkte:

17. Regular-Season-Spiel

Ab der Saison 2021 soll jedes NFL-Team insgesamt 17 Regular Season Spiele austragen. Die reguläre Saison würde sich somit auf 18 Wochen (inkl. der Bye-Week für jedes Team) erhöhen. Voraussetzung ist laut CBA aber, dass die Teams maximal 20 Spiele (Playoff-Spiele nicht mitgerechnet) pro Saison bestreiten. Daraus resultiert, dass die Pre-Season auf drei Wochen verkürzt werden soll.

Erweiterung der Playoffs

Pro Conference sollen ab 2020 sieben Teams in die Playoffs kommen. Das heißt, dass nur noch die Erstplatzierten der NFC und AFC in der Wild-Card-Runde eine Bye-Week hätten. Ab sofort hättest Du als Zuschauer zwei weitere Wild-Card-Games am ersten Playoff-Wochenende. In der abgelaufenen Saison wären unter der neuen Regelung also die Pittsburgh Steelers und die Los Angeles Rams als jeweilige Siebtplatzierte der Conferences in die Playoffs gekommen. Die Paarungen hätten dann so ausgesehen:

RundeAFCNFC
Wild-Card-Runde#2 Chiefs vs. #7 Steelers#2 Packers vs. #7 Rams
#3 Patriots vs. #6 Titans#3 Saints vs. #6 Vikings
#4 Texans vs. #5 Bills#4 Eagles vs. #5 Seahawks
Bye-Week#1 Ravens#1 49ers

Gehaltserhöhungen

Die Untergrenze für Rookie-Gehälter soll 2020 um 100.000 US-Dollar steigen. 2021 folgt eine weitere Erhöhung um 50.000 US-Dollar. Anschließend soll das Rookie-Mindestgehalt jedes Jahr um weitere 45.000 US-Dollar steigen. Momentan verdienen Rookies mindestens 480.000 US-Dollar pro Jahr. Auch die Gehaltsuntergrenzen für Veterans sollen angehoben werden: 2020 um mindestens 90.000 US-Dollar, 2021 zwischen 80.000 und 105.000 US-Dollar und anschließend in jedem Jahr um 45.000 US-Dollar. Aktuell verdient ein Spieler mit dreijähriger NFL Erfahrung mindestens 705.000 US-Dollar pro Jahr, bei sieben bis neun Jahren Erfahrung kassieren die Profis momentan mindestens 915.000 US-Dollar.

Verletzungsentschädigungen

Verletzt sich ein Spieler während der Saison, bekommt er in Zukunft 100% seines Gehalts, allerdings maximal zwei Millionen US-Dollar, ausgezahlt. Bisher bekamen Spieler nur 50% ihrer Gehälter (maximal 1,2 Millionen US-Dollar) ausgezahlt.

Roster-Erhöhungen

Die Größe der NFL-Roster soll zum Start der Saison 2020 von 53 auf 55 Spieler erhöht werden. Die Größe der Active Roster am Spieltag soll von 46 auf 48 Spieler erhöht werden. Außerdem sollen NFL-Teams in Zukunft drei Spieler (statt zwei wie bisher) von der Injured-Reserve-List aktivieren können.

Practice Squad

Die Größe der Practice Squads soll zur Saison 2020 erhöht werden. Dann dürfen die Teams zwölf statt wie bisher zehn Spieler für die Practice Squad unter Vertrag nehmen. Ab 2022 können 14 Spieler für die Practice Squad verpflichtet werden. Außerdem steigt der Mindestlohn für die Practice Squad-Mitglieder. Spieler aus der Practice Squad dürfen zudem ab der kommenden Saison bis zu zweimal pro Spielzeit in den Active Roster befördert und wieder in die Practice Squad zurückgesetzt werden. Bisher mussten die Spieler erst entlassen und anschließend wieder verpflichtet werden.

Drug Policy

Mit dem neuen CBA sollen Sperren aufgrund eines positiven Marihuana-Tests abgeschafft werden. Zudem sollen die Grenzwerte heruntergesetzt und weniger Spieler getestet werden.

Trainingsentlastungen

Trainingseinheiten mit Pads (also in voller Spielkleidung) im Training Camp sollen von 28 auf 16 reduziert werden. Zusätzlich dürfen Spieler maximal drei Tage hintereinander in Pads trainieren. Bisher gab es diesbezüglich kein Limit, solange die 28 Trainingseinheiten während des Camps nicht überschritten wurden. Zudem haben Spieler eine fünftägige „Akklimatisierungsphase“ zu Beginn des Training Camps zur Verfügung.

Wie beeinflusst das CBA das Franchise-Tag?

Die CBA-Verhandlungen stellen die meisten NFL-Teams momentan vor Probleme. Laut dem aktuellen CBA haben Teams in dieser Offseason beide Tags zur Verfügung, dürfen also zwei Spieler damit an sich binden. Sollte das neue CBA angenommen werden, dürfen die Teams nur noch ein Tag anwenden und müssten, falls sie ein zweites Tag vergeben, eines von beiden wieder rückgängig machen. Die Deadline für beide Tags war ursprünglich der 12. März (21 Uhr deutscher Zeit), wurde aber inzwischen auf den 16. März (exakt 16:59 Uhr und 59 Sekunden deutscher Zeit) verschoben und fällt damit mit dem Beginn der offiziellen Verhandlungsphase der Free Agency zusammen.

Sven Schüer
Autor: Sven Schüer
Sven Schüer ist als Sportjournalist seit 2015 für die Neue Osnabrücker Zeitung tätig und dort unter anderem als Beat Writer der Osnabrück Tigers ganz nah dran am Geschehen. Bei Scoutreport – Das American Football Magazin berichtet er über die NFL, die GFL und die XFL.