Bears bekennen sich zu Trubisky – oder etwa nicht?

Am 27. April 2017 haben die Chicago Bears sich im Draft für Mitchell Trubisky als ihren neuen Quarterback entschieden. Drei Jahre später ist der junge Spielmacher ein heiß diskutiertes Thema unter Bears Fans, als auch über Chicagos Grenzen hinaus.

Während sich die Football Fans auf der Welt einig sind, dass Trubisky ein Fehlgriff war, ist die Bears Anhängerschaft in zwei Lager unterteilt. Da wäre einmal die Gruppe, die ihn (seit der letzten Saison) ebenfalls für einen der schlechtesten Quarterbacks der Liga halten und diejenigen, die noch an ihn glauben und die Schuld für das schlechte Abschneiden eher bei den Verantwortlichen, sowie seinen Mitspielern sehen.

Nach drei Jahren haben die Teams bezüglich ihrer Erstrunden Picks eine Entscheidung zu treffen. Soll die Option auf ein fünftes Vertragsjahr gezogen werden, soll der Spieler mit einem langfristigen Vertrag ausgestattet werden oder sollen die Parteien ohne eine vorzeitige Verlängerung ins letzte Vertragsjahr gehen? Es hieß bereits, die Kansas City Chiefs und die Houston Texans möchten Patrick Mahomes und Deshaun Watson frühzeitig langfristig an sich binden. Die Entscheidungen sind einfach zu treffen, doch was sagen die Bears zu ihrem mehr umstrittenen Quarterback?

Ein erstes Bekenntnis

Die erste Gelegenheit nachzuhaken bot sich den Journalisten auf der Pressekonferenz zum Saisonabschluss. Am 31. Dezember 2019 traten General Manager Ryan Pace und Head Coach Matt Nagy vor die Presse und betonten ihren Glauben an Trubisky.

„Mitch ist unser Starter und wir glauben an Mitch und wir glauben an seine Entwicklung, die er weiterhin nehmen wird.“ – Ryan Pace

Zack Pearson, Twitter

Nach einer miserablen Saison, wie sie Trubisky hatte, sorgte ein solch klares Bekenntnis zumindest für Erstaunen, wenn nicht sogar der ein oder andere erzürnt war.

Fuller, White, Floyd und Trubisky?

In dieser Gefühlslage ließ die nächste Überraschung jedoch nicht lange auf sich warten. Trotz einer so klaren Aussage wollten die Bears noch nicht verkünden, dass sie die Option auf ein fünftes Jahr in Anspruch nehmen möchten.

 „Wir sind an diesen Punkt gerade noch nicht angelangt. Wenn wir das sind, lassen wir es euch wissen.“ – Ryan Pace

Adam Hoge, Twitter

Das mag für den Fan eines anderen Teams nicht ungewöhnlich klingen, für die Bears ist es das allerdings allemal. In der Vergangenheit passte Ryan Pace bereits beim Saisonabschluss bezüglich Kevin White und Kyle Fuller. Im Fall Leonard Floyd verkündete er auf der Pressekonferenz, dass er die Option wahrnehmen möchte. Bei Trubisky wollten die Verantwortlichen sich jedoch noch nicht äußern?

Das Déjà-vu

Das sollte einen schon stutzig machen. Plötzlich fiel ein anderer Teil der Ausgangsaussage auf, der zuvor untergegangen war. „Wir schauen, dass wir den Konkurrenzkampf auf jeder Position erhöhen können“ lautete der Satz direkt vor dem Bekenntnis. Diejenigen, die sich schon länger mit den Chicago Bears auseinandersetzen, sollten sich an etwas erinnert fühlen. Es war nicht das erste Mal, dass Ryan Pace diese Taktik angewendet hat.

„Mike Glennon ist unser Start-Quarterback und wir freuen uns sehr darüber. […] Er besitzt alle Fähigkeiten, die ein Quarterback haben sollte.“ – Ryan Pace

NFL.com

Im März 2017 sprach sich der General Manager für Mike Glennon aus, den er zuvor in der Free Agency verpflichtet hatte. Später sollte sich herausstellen, dass der für einen Mike Glennon hochdotierte Vertrag und das Bekenntnis zum Ablenkungsmanöver für Trubisky gehören sollte. Im Nachhinein erkannten einige Leute das Hintertürchen, dass sich im darauffolgenden Satz offenließ.

„Ich freue mich einfach ihn als unseren Start-Quarterback zu haben, um sich zu messen und sich zu verbessern.“

bleachernation.com

Ein erneutes Bekenntnis

Der Sache nachgehen konnten die Reporter allerdings erst beim NFL Scouting Combine knapp zwei Monate später. Dementsprechend wurde Trubisky zu dem vorherrschenden Thema auf der Pressekonferenz. Die Frage nach einem Bekenntnis ließ nicht lange auf sich Warten.

„Wir glauben an ihn. Wir glauben an den Spieler, wir glauben an die Person und wir glauben an den Weg auf dem er sich befindet und wir glauben, dass wir uns um ihn herum verbessern müssen.“

Chicago Bears, YouTube

Die folgenden Reaktionen auf diesen Satz ähnelten denen im Dezember. Ryan Pace hatte es erneut geschafft, die Leute zu verwirren. Denn wer zwischen den Zeilen las, dem ergab sich ein ganz anderes Bild.

Trubisky ist beliebt und was noch?

Pace sprach darüber, wie beliebt Trubisky innerhalb der Organisation ist und wie sehr er sich bemüht ein besserer Quarterback zu werden. Die Stimmen aus dem Bears Lager sind tatsächlich so. Der einzige kleinere Unruheherd sollte am Deadline Day per Trade woanders hingeschickt werden. Der Plan ging nicht auf, doch das Kapitel endete mit einer Entlassung nach der Saison. Nichtsdestotrotz sind das Worte, die jeder General Manager über seine unter Vertrag stehenden Spieler trifft.

„Ich glaube er ist genau, er ist athletisch, er kann schnell verarbeiten, seine Arbeitsmoral und sein kollegiales Verhalten im Team.“

Chicago Bears, YouTube

Bei den positiven Eigenschaften hört es dann jedoch sogar für Pace auf. Er nannte zwar weitere Fähigkeiten, doch jeder, der Trubisky über die abgelaufene Saison verfolgt hat, kann diese nur als Notlüge betiteln. Dieses Profil stammt noch aus der Zeit des Scoutings für den Draft im Jahr 2017. Trubiskys Pässe sind keineswegs genau und Head Coach Matt Nagy sprach selbst davon, dass sein Quarterback in der Offseason an seinem Spielverständnis arbeiten müsse, um das Spiel schneller verarbeiten zu können.

Konkurrenz holt das Beste aus jedem heraus

Außerdem sollte auch beim Combine erneut der Wunsch nach einem verstärkten Konkurrenzkampf geäußert werden.

„Das wollen wir in unserem gesamten Team. Jeder kämpft um seinen Job in der Startaufstellung. Das ist es, was wir schaffen wollen.“

chicagobears.com

Dieses Mal wurden die Bears Verantwortlichen in der Formulierung dessen sogar deutlicher. Alles andere konnten sie auch nicht mehr verkaufen, immerhin hörten die bei dem Event Anwesenden Gerüchte von Gesprächen Derek Carr und Andy Dalton betreffend.

Das verflixte fünfte Jahr

In der Angelegenheit der Option auf ein füntes Vertragsjahr wich Pace erneut aus und verschob die Entscheidung auf den Mai.

„Die Entscheidung wird erst im Mai gefällt, […]“

chicagobears.com

Spätestens an diesem Punkt sollte ein jeder aufhorchen. Eine deutlichere Aussage wird es von Ryan Pace nicht geben. Nach zwei Monaten Saisonanalyse von Scouts, Trainern, die letztes Jahr miterlebt haben und den Neuzugängen des Trainerteams kann er noch keine Entscheidung treffen. Ein Blick auf den Terminkalender offenbart, dass die Bears ihren Quarterback auch in der Zeit bis zum Mai nicht treffen dürfen. Es finden keine Trainingseinheiten in dieser Zeit statt. Die einzigen Termine lauten Free Agency und Draft. Der Bears Manager formulierte es nicht direkt, deutlich war er dennoch.

Eine Frage der Alternativen

Mitchell Trubisky ist der derzeit einzige Quarterback im Kader der Chicago Bears. Natürlich wird sich zu ihm als Start-Quarterback bekannt, da es im Moment keine Alternative gibt. Solange die Free Agency nicht geöffnet ist, oder sich ein Trade ergibt, kann ein General Manager nicht hundertprozentig vorhersehen, welche Optionen sich ihm bieten.

Den Gerüchten zufolge gibt der Markt einige ordentliche Möglichkeiten her. Sollte ein Kaliber wie Derek Carr tatsächlich erhältlich sein, dann ist Trubisky sicher nicht länger Starter der Bears. Ein Andy Dalton ermöglicht den angesprochenen Konkurrenzkampf. Sollten die Bears, aus welchen Gründen auch immer, am Ende leer ausgehen, dann steht im September Mitchell Trubisky auf dem Feld. Ein fehlendes Bekenntnis wäre somit ein schlechter Job von Ryan Pace. Denn ein General Manager muss auf alle Eventualitäten vorbereitet sein.

Janik Aschenbrenner
Autor: Janik Aschenbrenner
Janik Aschenbrenner kommt ursprünglich aus der Welt des Fußballs und ist dort als Trainer und ebenso als Autor tätig. Im Jahr 2014 gründete er den Blog „Beardown Germany“. Für SCOUTREPORT – Das American Football Magazin ist er als Chefredakteur tätig und setzt sich mit aktuellen Themen der NFL auseinander.